Dienstag, 16. Juni 2009

Blue

Multireligiosität

"Ich persönlich habe meine geistige Heimat in einer evangelischen Gemeinde gefunden und überlege seit einiger Zeit dort einzutreten, bin aber offiziell auch in einem Sufi - Orden und ich fühle mich auch der Yogatradition ganz verbunden, das ist auch mein Lebensweg."

"Wir stehen auf, in der Früh begibt sich jeder in einen anderen Raum. Und jeder macht seine Übungen. Anthony macht seine Yoga Übungen, Pranayama. Ich beginne aber mit Sufi Meditationen, mit Sufi Mantren stimme ich mich auf mich ein und auf den Tag ein. Und dann beginne ich mit meinen Yogaübungen. Dann treffen wir uns um 9 Uhr zum gemeinsamen Frühstück und bevor wir frühstücken, beten wir gemeinsam und lesen aus der Bibel, sprechen dann ein bisschen darüber beim Frühstück. Und in den Yogastunden kommt genau dann das durch, was wir für uns auch Tagesthema war in den Schriften, in der eigenen Erfahrung und das lassen wir mit einfließen."

Eingangsstatements einer Frau in der Sendung "Ich bin multireligiös." Religionskomponisten schöpfen aus verschiedenen Brunnen, wdr5, 11.06.2009 Uhr.

Die Sendung kann man hier auch nachhören.

Ist das der Anfang der Zukunft der Religionen in einer globalisierten Welt? Oder ist eine solche religionsübergreifende Sicht, die vor allem aus den mystischen Traditionen schöpft, immer nur etwas für wenige?

Hier geht es nicht um Stationen auf dem spirituellen Weg, sondern um Gleichzeitigkeit. In den Lebensläufen nicht weniger Menschen findet sich heute das Ausprobieren verschiedener religiöser Angebote. Die Menschen aber, die in dieser Sendung zu Wort kommen, haben für sich eine Synthese gefunden.

Das setzt eine bestimmte Weite des Horizonts und des Herzens voraus, vor allem auch eine tiefe und lebendige Spiritualität. Mit esoterischer Praxis, die ja auch mancherlei aus verschiedensten Traditionen zueinanderfügt, ist das durchaus zu vergleichen. Die Übergänge sind fließend, aber in der Esoterik werden oft bestimmte Ergebnisse, rasche Erfolge, schnelle Besserungen der Lebenssituation gesucht - und vor allem wird dabei viel Geld ausgegeben bzw. verdient. Multireligiosität, wie sie in dieser Sendung aufscheint, sucht die tiefere, mystische Wahrheit in den Religionen, nicht die schnelle magische Lösung.

Aufblick

Betrachtung

Ich

Die Ehre hat mich nie gesucht;
Sie hätte mich auch nie gefunden.
Wählt man, in zugezählten Stunden,
Ein prächtig Feierkleid zur Flucht?

Auch Schätze hab ich nie begehrt.
Was hilft es sie auf kurzen Wegen
Für Diebe mehr als sich zu hegen,
Wo man das wenigste verzehrt?

Wie lange währt's, so bin ich hin,
Und einer Nachwelt untern Füßen?
Was braucht sie wen sie tritt zu wissen?
Weiß ich nur, wer ich bin.


Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781)

Menschen, Monster

Jede Gesellschaft schafft sich ihre eigenen Monster. Die schlimmsten von ihnen leben in uns selbst. Einführung in die erste Staffel unserer Reihe "Kunst für die nächste Generation"

Ankündigung auf zeit.de

Kunst und Analphabetismus

Im Mittelalter waren die Kirchen voller Bilder, weil so wenige Menschen lesen konnten.
Die mangelnde Alphabetisierung beförderte die Kunst.
Heute ist die Welt voller Bilder - und wir verlernen das Lesen.

Klangschalen in der Schule


Was Lehrer so brauchen können...
Die Weltmusik hat Einzug gehalten in deutschen Klassenzimmern. Mit anderen Klängen lässt sich auch wohl kaum noch Aufmerksamkeit erzielen.
Oder ist hier eine der vielen Einflugstellen für Esoterik?

Gefunden auf 4teachers.de

Finis mentis

Lyrik im Konsumentenalltag

Moderne Markennamen sind sprachliche Wundertüten, in denen jede Menge Unterhaltung steckt. Sie informieren nicht mehr über ein Produkt, sondern stilisieren dessen ,Persönlichkeit'. Sie wecken Wünsche, schaffen Mythen, verheißen Glück und bereichern nicht zuletzt auch die Alltagssprache", urteilt Dr. Christoph Platen. Der Münchner Romanist hat die Produktnamen spachwissenschaftlich analysiert. Seine Ergebnisse ermöglichen ganz neue Blicke auf die "Lyrik im Supermarkt".

"Die sprachlichen Zutaten für die Markennamen sind heute längst international. Die Namen sind das Esperanto der Marktwirtschaft: Ob Raguletto, Valensina, Zottarella oder Dentagard - ohne große grammatikalische und kulturelle Skrupel wird munter gemixt", sagt der Forscher. Allerdings im "Lego-Stil", denn die grundlegenden Mechanismen, nach denen Worte gebildet werden, haben auch in der Warenwelt Bestand. Das Basismaterial bleibt (wie bei Lego) immer gleich, aber die Regeln für die Kombination werden lockerer gehandhabt und grammatikalische Konvention zudem spielerisch außer Kraft gesetzt. Hinzu kommt, dass der Pool für mögliche Bausteine groß ist, denn er speist sich aus vielen (europäischen) Sprachen.

So werben Fastfood-Ketten anlässlich "Los Wochos" mit "Paprikanos" und feurig gewürzten "Los Pommos" zum "Hossa"-Preis. "Das Kurzschließen zweier Sprachen ist ein für die Werbung typischer Zug," sagt Christoph Platen. "Doch damit die Mischung in Deutschland auch richtig verstanden wird, bleibt die Basis der Kunstwörter immer Deutsch."

Allerdings gelingen die Transfers der Namen in andere Sprachen nicht immer reibungslos: linguistische Fallstricke lauern fast überall auf der Welt und wirken vor allem bei Exportprodukten fatal, weiß der Sprachwissenschaftler. In Deutschland hatte der englische Hersteller des Lockenstabes "Mist Stick" (schlechter Stab) wenig Erfolg. In Frankreich erlitt die private ägyptische Fluglinie "Misair" (misère, Elend) eine Bruchlandung, in Puerto Rico war der Chevrolet "Nova" (no va, fährt nicht) ein Ladenhüter. Und es kommt nicht von ungefähr, dass der im englischen Original "Silver Mist" (Silbernebel) getaufte Rolls-Royce hierzulande als "Silver Shadow" firmiert. Klingt nobler.

"Die Markennamen sind immer auch ein Spiegel des Zeitgeistes", sagt Christoph Platen. Zu Zeiten des Wirtschaftswunders hießen die Autos beispielsweise Tempo, Rekord oder Blitz. In den 60er-Jahren gab es Consul, Commodore oder Diplomat, die soziale Anerkennung versprachen. Sie wurden bald darauf von Modellen mit südländischem Flair wie Ascona, Capri, Monza und den sportlichen Typen wie Polo, Derby oder Golf verdrängt. Heutzutage werden mit Vectra, Calibra oder Omega Anleihen bei der Technik gemacht, während Monterey, Explorer oder Galaxy die Abenteurer bedient. "Wer aber nur dem Zeitgeist folgt, dessen Marken veralten schnell", weiß der Forscher.

Das kann Nivea, Whiskas oder Eduscho nicht passieren. Diese Namen haben sich inzwischen verselbstständigt, ihr tatsächlicher Ursprung liegt im Dunkeln, teilweise von Legenden umrankt. So verbirgt sich hinter Audi der Name des Firmengründers Horch, nur eben auf lateinisch. In Nivea steckt niveus, das lateinische Wort für schneeweiß und Whiskas verdankt dem Schnurrhaar der Katze (englisch whiskers) seinen Namen. "Wenn man die wahre Wortgeschichte erfährt, dann ist das nicht selten eine Überraschung", sagt Christoph Platen. "Die gefühlte Bedeutung, ,feeling significance' wie Sprachpsychologen sagen, ist eine andere. Das Sinnesempfinden hat sich vom Ursprung des Namens abgekoppelt. Wer dann noch im Urlaub nichts ahnend entdeckt, dass Dr. Oetker hinter dem Brenner als Cameo firmiert und Meister Proper sich dort Mastro Lindo nennt, der empfindet das fast als kleinen Verrat" - für den Romanisten Christoph Platen war dieses Gefühl der Ausgangspunkt für seine Studie.

Längst haben die Markennamen Spuren in der Alltagssprache hinterlassen. Tesa oder Tempo stehen in Deutschland für Klebefilm und Papiertaschentuch. In Frankreich heißt der blasse Strandbesucher "blanc comme un cachet d'aspirine" (weiß wie Aspirin), ein niedliches Mädchen wird in Italien "una nutella" (wer kennt den Aufstrich nicht?) genannt und in Paris heißen die grünen Mopeds, mit denen Straßenreiniger die Hundehaufen beseitigen, "kakasaki" auf Tour. "Die Tatsache, dass Produktnamen und die durch sie vermittelte Vorstellungswelt heutzutage verstärkt als Basis von Metaphern, Anspielungen und Wortschöpfungen dient, verdeutlicht den Stellenwert der Konsumgüter in der heutigen Lebenswelt. Sprachlich ist das kein Drama", so der Forscher.

Was ist nun ein idealer Markenname? "Er sollte der Persönlichkeit des Produktes entsprechen, ein dezentes Augenzwinkern enthalten und dem Ohr schmeicheln", sagt der Romanist. Er rät, beim nächsten Besuch im Supermarkt Produkte aufzuspüren, bei denen das gut gelungen ist. Einkaufen als Lyrikstudium.

Das Buch: Die 243 Seiten starke Studie ist unter dem Titel "Ökonymie. Zur Produktnamen-Linguistik im europäischen Binnenmarkt" im Max Niemeyer-Verlag (Tübingen) in der Reihe "Beihefte zur ZRP" erschienen und kostet 47 Euro.

Angela Grosse: Die Lyrik der Markennamen, Hamburger Abendblatt 14.01.2003

Ein kategorischer Imperativ

Wir simulieren Leben

Die Stille
Gleicht dem Vakuum
Beängstigend
Gefährlich
Bedrohlich

Tu etwas dagegen
Sing unter der Dusche
Bade nie ohne Radio
Dreh den Fernseher auf
Zumindest das Radio

Was würdest du hören
Wenn es nichts zu hören gäbe?

Tu etwas
Sitz nicht herum
Cogito ergo sum
Aber besser als Denken
Ist Arbeiten
Und Geld verdienen
Ist Einkaufen
Und Geld ausgeben
Essen, Trinken
Fülle den Kühlschrank
Und leere ihn wieder
Dann weißt du,
Dass du lebst

Beschäftige dich
Deine Finger
Deine Augen
Deine Ohren
Deine Welt

Interessiere Dich
Es kommt
Nicht darauf an
Wofür

Kinder vielleicht
Autos
Immobilien?

Oder Natur
Kunst
Theater
Literatur

Sei tätig
Spiel mit

Monopoly
Mensch ärgere dich nicht
Schach

Am Ende allemal
Das Matt
Der Tod
Unsre Lebenszeit verstreicht
Also spute dich
Und lebe

Sammle etwas
Gib dein Geld aus
Oder leg es an
Und mach dir Gedanken
Das adelt den Menschen

Und notfalls
Schimpfe
Kritisiere
Belästige Menschen

Wer andern lästig ist
Der ist nicht tot

Und darum geht es doch

Vergiss die Vorsorge nicht
Vorsorgen ist Leben
Für das Alter
Für die Kinder
Für den Tod

Nur Lebende
Kümmern sich
Um Gräber

Lebe
Oder tu wenigstens so