Freitag, 13. März 2009
Junge Männer
Nur ein Fake


Was der baden-württembergische Innenminister präsentierte, war aber nichts als eine plumpe Fälschung. Allein schon der Text hatte mich stutzig gemacht. Auch wenn Baden-Württemberg ein Land mit hohem Schulbildungsniveau ist, - so schreibt kein 17-Jähriger - schon gar nicht im Internet mitten in der Nacht.Alles klar?
Einen Tag nach dem Amoklauf von Winnenden kommen zunehmend Details der Tat ans Licht. Auch gibt es Hinweise auf ein mögliches Motiv des 17-jährigen Tim K. Demnach war der Amokläufer seit dem vergangenen Jahr wegen Depressionen in psychiatrischer Behandlung. Zeitweise wurde er auch stationär behandelt. Die Therapie sollte er in einer Klinik in Winnenden fortsetzen, er brach sie aber selbst ab.
Der baden-württembergische Innenminister Heribert Rech (CDU) teilte zudem mit, dass Tim K. in der Nacht vor der Tat im Internet einen Hinweis auf sein Verbrechen gegeben habe. Gegen 2.45 Uhr habe es in einem Internetforum geheißen: "Ich meine es ernst, Bernd - ich habe Waffen hier, und ich werde morgen früh an meine frühere Schule gehen und mal so richtig gepflegt grillen. Merkt Euch nur den Namen des Orts: Winnenden".
Tim K. hat nach Angaben der Ermittler viel Zeit vor seinem Computer verbracht. Die Beamten fanden "typische Computerspiele" wie Counterstrike und Pornobilder. Außerdem wurden im Zimmer des 17-Jährigen neben Horrorfilmen auch handschriftliche Aufzeichnungen mit Titeln wie "Tod aus Spaß" entdeckt.
Also ist alles wieder gut. Doch ein typischer Amokläufer: Verschlossen, ein Computerspieler - und Horrorvideos hatte er auch. Und vielleicht sogar Pornos. Da lehnt sich die Seele beruhigt zurück in ihren Lehnstuhl. Aber wie viele Jugendliche kenne ich, auf die das alles ebenso zutrifft? Hoffentlich sind deren Väter nicht im Schützenverein...
Als Theologe fühle ich mich nur bestätigt in der Auffassung: Es gibt nichts, wozu ein Mensch nicht fähig wäre.
Islam contra Darwin
In der Türkei ist eine Titelgeschichte über Darwin vom Cover eines Magazins verbannt worden. Die Gründe dafür vermuten Kritiker im muslimischen Glauben. Viele Moslems sehen einen Widerspruch zwischen Evolution und Schöpfungsgeschichte - ebenso wie zahlreiche Christen.
"Unglaubliche Zensur" nannte der TV-Sender "CNN Turk" die Verbannung einer Charles-Darwin-Titelgeschichte vom Cover einer Zeitschrift des türkischen Wissenschafts- und Forschungsrats. Zum 200. Geburtstag des Forschers sollte ein 15-Seitiger Bericht im monatlich erscheinenden Heft "Wissenschaft und Technik" abgedruckt werden. Die Änderung der Ausgabe soll laut Berichten der "Deutschen Presseagentur" (dpa) vor allem religiöse Gründe haben.
Ausgabe erschien später – Chefredakteurin entlassen
Die Ausgabe erschien eine Woche später als geplant und mit geändertem Titel. Die für den Darwin-Titel verantwortliche Chefredakteurin Cigdem Atakuman ist mittlerweile entlassen worden. Chemie-Professor Ömer Cebeci, Vizevorsitzender des türkischen Wissenschafts- und Forschungsrats, wurde laut dpa mit den Worten zitiert: "Ich kann Darwin nicht auf dem Titel sehen." Auf sein Betreiben war das Thema "Globale Klimaveränderung" zur Coverstory der März-Ausgabe geworden. (...)
Mensch - und auch noch Deutscher?
Volker Pispers (deutscher Kabarettist)


