Der Lutherhof vom Baugerüst am Turm der Lutherkirche aus gesehen.
Freitag, 31. Oktober 2008
Am Reformationstag notiert
Natürlich fragt man als Religionslehrer und Pfarrer in dieser Woche die Schüler, was denn am Freitag für ein Tag sei. Die nahezu einstimmige Antzwort war: "Halloween". Dass da außerdem noch ein ganz anderer Tag sei, den in Österreich die evangelischen Kirchen sogar mit Gottesdiensten zur normalen Morgenstunde begehen, spielt da keine Rolle: Während für die älteren Protestanten der Reformationstag (neben dem Karfreitag) der höchste Feiertag im Kirchenjahr ist (und die Kirchen voll sind an diesem Tag), bei der nachwachsenden Generation ist die Bedeutung dieses Termins nahezu vollkommen unbekannt. Auf näheres Nachfragen hin stellte sich heraus, dass die Schüler am ehesten noch etwas über den Ablass wussten, den Luther bekämpft hat, über ihn selbst aber so gut wie nichts. Dafür kamen bemerkenswerte Fragen auf wie: "Beten Evangelische auch?" oder, noch besser: "War Luther eigentlich evangelisch?" Evangelischer Religionsunterricht da in Wien bedeutet Arbeit auf einem ausgesprochen steinigen Acker.
Die österreichische Gesellschaft ist - so gesehen - schon lange karnevalisiert. Zwischen Fasching und Heurigem, Weinfest und Ballsaison lebt es sich halt leichter. Und Halloween sei doch, wie mir eine Schülerin erklärte, nichts anderes als eine Art Vorspiel zum Fasching, eben nur zu einem anderen Termin. Zu der Jahreszeit nämlich, in der Christenheit ihrer Toten gedenkt und sich an die letzten Dinge erinnert. Aber das macht natürlich keine Freude.