Montag, 6. Juli 2009

War da nicht...

 

... ein Gesicht?

Kabbala, Kunst, Räume, Sinn


Welt am Sonntag: Herr Kiefer, mittlerweile sind Sie so berühmt, dass man Sie sogar eine Oper inszenieren lässt. Ein Sprung ins Leere?

Anselm Kiefer: Gewissermaßen, ich habe ja noch nie Regie geführt. Aber es hat mich gereizt, etwas zu machen, was ich noch nie getan habe. Etwas kreieren, ein neues Bild zu schaffen, ist ja immer ein Wagnis, eine Herausforderung.

Allerdings haben Sie vor sechs Jahren schon einmal für Inszenierungen von Klaus Michael Grüber als Bühnenbildner gearbeitet.

Kiefer: Ja, aber das hilft mir jetzt nicht viel, da ich die gesamte Oper mit ihren neun Plateaus, ihren Werkstätten, Repetitionssälen, die bis in die Tiefe von 100 Metern reichen, nutze. Ich habe diese riesige Oper wie mein Atelier aufgefasst. Die Ebenen hinter und neben der Bühne ergeben eine Landschaft, in der Zeit und Ort sich verweben und verschachteln. Ich lasse auf allen spielen, sodass der Zuschauer nicht immer das ganze Geschehen verfolgen kann, weil er, je nachdem auf welcher Seite des Zuschauerraums er sitzt, nur die eine oder andere Seite der Landschaft sehen kann.

Ist das nicht frustrierend?

Kiefer: Nein. Das ist wie im Leben. Niemand kann in der Realität alles wahrnehmen und verfolgen. Das vollständige Bild entsteht erst im Kollektiv, in der Gesamtheit mit den Zuschauern.

(…)

In dem Stück lassen Sie aus dem Alten Testament rezitieren, aus "Jesaja" und "Jeremia". Warum?

Kiefer: Ich war schon immer vom Alten Testament fasziniert, von dieser bildreichen Sprache. Das Interessante ist dabei die Theodizee, die Rechtfertigung Gottes, der das absolut Gute darstellt, aber das unausweichliche Böse in die Welt setzt. Und das ist nicht nur in der christlichen Religion so, sondern auch im jüdischen und islamischen Glauben, die alle drei Abraham als Urvater des Glaubens haben. Es gibt eigentlich keinen größeren Schock als das Alte Testament.

Meinen Sie das im positiven Sinn?

Kiefer: Nein, den drohenden, strafenden und berechnenden, ja bösartigen Gott, der vernichtet und wiederaufbaut, klagen ja nicht nur die Propheten an. Die Klage über das Verlassensein von Gott zieht sich ja durch die Jahrhunderte der ganzen Menschheitsgeschichte. Über Philosophen, Theologen und Dichter. In den Gedichten des persischen Poeten Attar im 12. Jahrhundert, den barocken Sonetten und Oden von Andreas Gryphius oder in der Dichtung des im Alter gläubig gewordenen Heinrich Heine, der Gott noch auf seinem Krankenbett verfluchte, findet man immer wieder dieselben anklagenden Worte.

Und wo sehen Sie den alttestamentarischen Bezug zu heute?

Kiefer: Alles war ja schon in der Bibel vorausgesehen und vorgeschrieben. Jeremia kündigte den Untergang Jerusalems an. Jesaja sagte die Befreiung der nach Babylon verschleppten Juden voraus. Das war in der Zeit ca. 500 v. Chr., als das auserwählte Volk, die Juden zwischen Ägypten und Mesopotamien in Irak, dem damaligen Babylonien, hin und her getrieben und auseinandergezerrt wurden. Viel später kehrten die Juden nach Palästina zurück, wo sich viele Araber inzwischen angesiedelt hatten. Diese brodelnde Zeit von damals ist ja heute noch ungeheuerlich virulent in Palästina, Israel und Irak.

(…)

Ist die Zerstörung, die Sie beschreiben, gegen das Böse gerichtet?

Kiefer: Nein, ich stelle den Kreislauf zwischen Zerstörung und Wiederaufbau dar. Darum heißt das Stück "Am Anfang", obwohl es mit Vernichtung beginnt. Der Anfang ist ja dasselbe wie das Ende, wenn man ihn im Kreislauf sieht.

Sind Brüche nötig, damit Neues entsteht?

Kiefer: Ja, alte Kulturen sind untergegangen, neue werden errichtet. Aus Trümmern entsteht immer etwas Neues. Trümmer sind auch Zukunft, weil alles, was ist, vergeht, und wieder neu entsteht. In meinem Stück zum Beispiel lasse ich die Trümmerfrauen auftreten, die nach dem Zweiten Weltkrieg die Ziegelsteine reinigten. Auf der Bühne hört man das Schaben, Schlagen und Säubern der Steine im klangvollen Rhythmus, die von den Klarinettentönen durchdrungen werden und die über die verlassenen Ruinen sich hinwegheben und das Geschehen entdramatisieren. Im Buch Jesaja heißt es "Über euren Städten wird Gras wachsen". Das hat mich schon immer beeindruckt.

Wann haben Sie sich eigentlich das erste Mal mit der Bibel beschäftigt?

Kiefer: In der Schule. Ich bin katholisch erzogen worden. Ich war Messdiener. Die Mai-Andachten empfand ich damals als unheimlich sinnlich, wenn außer dem Weihrauch die ersten Blumen, die Schneeglöckchen in die Kirche gebracht wurden. Das roch einfach betörend. So erklärt sich für mich auch, dass ich als fünf- oder sechsjähriges Kind eine Marienerscheinung hatte. Ich lag wach im Bett und sah Maria auf mich zukommen. Visionen sind ja mit einer Vorstellungskraft, der Fähigkeit verbunden, etwas an sich herantreten zu lassen und in ein Bild zu verwandeln. Solch ein Ereignis begleitet einen natürlich weiter im Leben. (…)

Wie erklären Sie Ihre starke Affinität vor allem zur jüdischen Mystik, der Kabbala?

Kiefer: Die jüdische Mystik scheint mir umfassender als die christliche Dogmatik. Sie erklärt die Entstehung der Welt auf eine andere Art. Bei dem Kabbalisten Isaak Luria im 16. Jahrhundert ist die Entstehung der Welt kein göttlicher Schöpfungsakt, sondern ein Rückzug Gottes, der so einen Leerraum schafft für die Entstehung der Welt. Das ist natürlich eine clevere Erklärung für das Böse, denn nun ist der gute Gott nicht mit dem Bösen in Verbindung gebracht.

Sie sagten einmal, der Mensch sei eine Fehlkonstruktion.

Kiefer: Allerdings.

Woher kommt überhaupt der Wunsch und die Vorstellung des Menschen vom absoluten Guten?

Kiefer: Das ist natürlich eine Sehnsucht. Die gesamte Theologie und Prophetie ist der Versuch, Nichterklärbares zu deuten. Die Verschleppung der Juden nach Babylon unter Nebukadnezar wird bei Jeremia als Strafe Gottes gedeutet, um eine Logik herzustellen.

Sollten wir mehr die Bibel lesen?

Kiefer: Dazu braucht man stille, leere Räume. Man kann die Bibel nicht einfach so im Bus lesen. Leere Räume fehlen heute. Alles ist schon zugepflastert. Auch auf der Toilette ist man nicht mehr allein.

Was bedeutet Raum für Sie?

Kiefer: Raum ist für mich im weiten Sinn unendlich, im Makrokosmos wie im Mikrokosmos. Wenn wir unsere kleinsten Zellen oder Atome in der Physik betrachten, sie immer wieder in kleinste Teilchen zergliedern, kommt die Wissenschaft heute an kein Ende. Vergleicht man zum Beispiel die Größe eines Elektrons, das um das Neutron, der Mitte des Atoms kreist, mit einem Fußball auf einem Fußballplatz, ist der Zwischenraum leer. Wir sind an sich leerer Raum.

Ach?

Kiefer: Ja, wir werden durchdrungen von Gammastrahlen, die von der Sonne, aus dem Kosmos kommen. Sie durchdringen die Erde und kommen auf der anderen Seite wieder heraus. Also gibt es keinen festen Raum. Wir sind nicht das Zentrum der Welt, nicht die letzte Erfindung oder letzte Entwicklung.

Was bedeutet das für Ihre Kunst?

Kiefer: Es gibt eine Grenze zwischen Kunst und Leben. Ohne diese Grenze gäbe es keine Kunst. Das Kunstwerk handelt ja vom Kampf um diese Grenze. Kunst ist das Reale, die Wirklichkeit eine Illusion.

Brauchen wir Mythen, weil wir mit der Unendlichkeit von Raum und Zeit nicht umgehen können?

Kiefer: Ja, wir schaffen uns Illusionen. Wir haben die Sterne in Sternbilder Skorpion oder Waage eingeteilt, um Grenzen zu ziehen. Aber wir haben letztlich keine räumlichen Grenzen. Da das unheimlich ist, hängen wir ständig an Mythen.

Sie haben einmal gesagt, Sie sehen keinen Sinn im Leben.

Kiefer: Ich kann keinen sehen.

Ihre Arbeit ist ein Sinn.

Kiefer: Meine Arbeit ist die Illusion eines Sinns, den ich mir schaffe. Sonst könnte ich nicht leben.

Interview in der Welt am Sonntag vom 5.7.2009

Ecken, Kanten, Ränder


Wo ist die erste Liebe geblieben?

(…) Ich wundere mich: Woher bekommen denn heute evangelikale Leiter und Lehrer ihre Orientierung? Neue „Visionen“? Erkenntnisse? Welche Bücher lesen sie? Mit wem diskutieren sie ihre neuen Gedankenansätze? Von wem lassen sie sich hinterfragen? – Kein Wunder, dass manche eher ihre traditionellen Strukturen verteidigen, anstatt sich progressiv auf die neue Situation einzustellen:
3. Der Schwerpunkt des Christentums liegt heute im Süden und Osten der Welt, die größten Missionsbewegungen geschehen dort und von dort aus – auch Richtung Westen. Die „jungen“ Kirchen sind längst erwachsen und übernehmen Verantwortung für den Missionsauftrag in der Welt – inklusive Europa. Wir werden staunen, was schon in einigen Jahren dadurch entstehen wird.
4. Es ist leichter, Geld für die Mission im Ausland zu sammeln als für Mission im eigenen Volk. Wir haben längst die Kapazität verloren, unser eigenes Land mit dem Evangelium durchgreifend anzusprechen. In unserem guten Eifer für die fremde Welt haben wir unsere eigene Nation aus den Augen verloren. Wenn es hier bald keine bekennenden Christen mehr gibt (manche gehen von nur noch 2% in Deutschland aus), gibt es auch bald keine Missionen und keine Missionare mehr. Dann gibt es keinen Spendenkuchen mehr zu teilen.
5. Wir haben keine Wahl: Schließen wir uns den Missionaren aus Übersee an. Helfen wir ihnen, sich bei uns zurecht zu finden, damit sie unsere Fehler, die wir damals in ihrem Land unbekümmert machten, nicht wiederholen. (Lassen wir sie andere Fehler machen.) Unterstützen wir sie! Seien wir nicht so steril, so perfekt.
6. Wir haben den ersten Elan – um nicht zu sagen: die erste Liebe – verloren. Wenn ich jung Verliebte beobachte, dann entdecke ich eine andere Bewegung als in vielen evangelikalen Gemeinden. Es ist alles so schön geordnet, organisiert, zusammengeschlossen, kuschelig klein und ruhig geworden bei uns. Vielleicht geht es uns wie den Computern: sie werden immer kleiner – bald werden sie ganz verschwunden sein... Nur: Computer erhöhen ihre Durchschlagskraft mit der Verringerung ihrer äußeren Größe. Wir aber verlieren bald alles, was uns unser Herr Jesus Christus „anbefohlen“ hat.
7. Ich wage kaum zu fragen: Was wäre, wenn...
...wir unseren „Herdentrieb“ oder Regionalismus zugunsten des Reiches Gottes aufgäben,
...wir Zusammenschlüsse wagten anstatt enorme Mittel und Personal zu vergeuden, um effektiver, zielbewusster und selbstloser unserem Herrn zu dienen?
...wir unsere Strategien neu überdächten, und deren Ziel tatsächlich auf die ganze Welt – inkl. Europa – lenkten,
...wir die „Sicherung“ unserer Werke mit neuen Risiken des Glaubens versähen, und, falls niemand mit uns in diesem Sinn zusammen arbeiten will,
...wir neue Werke wagten, die das aufgreifen, was den „alten“ zu riskant erscheint?
...wir wie unsere Väter, die die Werke gegründet haben, die zu konsolidieren wir beschäftigt sind, wieder ganz neu aus dem gleichen Glauben lebten – ohne Netz und doppelten Boden? – Wäre das in ihrem Sinn – und etwas näher an Gottes Gedanken? Nicht die Methoden der Väter dürfen wir uns als Vorbild nehmen, sondern ihre Glaubensprinzipien.
...wir die Evangelisation unseres Landes mit neuen Opfern und Gedanken angingen und sie durch und mit der unterstützenden Hilfe ausländischer Missionare durchführen würden?
...wir unsere Institutionen umstellten auch auf ausländische Mitarbeiter, die mit unkonventionellen Methoden unser deutsches Volk mit dem Evangelium konfrontieren können?
...wir diese ausländischen Missionare einladen, sie in die Kultur, aber nicht in unsere Strukturen und Methoden einführen würden und ihnen alle erdenkliche Hilfestellung gäben – vielleicht sogar die Verantwortung zu übernehmen? Oder neue Denominationen zu gründen?
...Gott noch einmal eine Erweckung schenken würde? George W. Peters meinte damals, sie würde die Evangelikalen überspringen und anderswo einsetzen.
8. Die Medien haben schon längst die Rolle der Kirchen übernommen: Sie prägen die neuen gesellschaftlichen Werte in ihren Filmen, in denen Ehebruch und Mord zu einem hohen Prozentsatz die wichtigsten Handlungen sind. Andere Religionen sind als religiöse Alternative weit mehr akzeptiert als das alte Christentum. Und wir ärgern uns, wenn uns idea spektrum wieder einmal gnadenlos einen (trüben) Spiegel vorgehalten hat.
9. Der oberste Wert unserer Gesellschaft ist Toleranz; nur wer nicht tolerant ist, wird nicht toleriert. Probieren Sie es aus: Behaupten Sie in einer der großen Kirchen Ihrer Wahl, Gott sei die absolute, einzigartige Autorität über alle Menschen. Das christliche Abendland ist schon ausverkauft – zu Schleuderpreisen. Und die Evangelikalen werden mitten drin verschwinden. Kräht denn überhaupt noch ein Hahn nach uns?
10. Wenn sich die Welt weiterhin so rapide verändert und das Wissen alle 4 Jahre verdoppelt wird – in der Elektronik sogar alle 1,5 Jahre – dann müssen wir uns auf Umschwünge gefasst machen, wie sie seither nur in zwei Jahrhunderten geschehen sind. Bedenken wir: Die Welt verändert sich jetzt 25 mal schneller als zu Beginn des 20.Jahrhunderts! Wir haben schon längst nicht mehr die Wahl, ob wir die Veränderungen mitmachen wollen oder nicht. Der Zug fährt, und wir sollten rennen, auf die Trittbretter aufzuspringen. Haben wir ausgedient für unsere Gesellschaft – als „Licht“ und „Salz“? Welchen Einfluss nehmen wir noch – außer über das Gebet? Und ist das „ernstlich“?
11. Buddhisten haben keine Skrupel, Deutschen ihre Botschaft anzubieten. Und sie haben Erfolg. Die esoterisch durchsetzten Selbstverteidigungsmethoden und Meditationsstudios sprießen wie Pilze aus dem Boden – und die konservativen Gemeinden verteidigen ihre längst veralteten Einrichtungen, die überkommenen Musik- und Homiletikstile als allein selig machend. Was rettet, ist das Evangelium, der Heilige Geist im verstandenen Wort Gottes!
12. Viele Christen sind zwar fromm, aber sie haben harte Herzen. Sie empfinden nicht mehr Gottes „Gefühle“. Wenn es uns beim Gemeindebau nicht mehr um die Rettung ewig verlorener Menschen geht, können wir alles andere bleiben lassen. Alle anderen Motive greifen nicht. Bei allem Respekt vor den enormen Bemühungen und vor der Professionalität: Nicht eine Willowcreek-Gemeinde wird wachsen, sondern eine Retterliebe-Gemeinde. Wir sind so damit beschäftigt, uns mit christlicher Literatur und christlichen Veranstaltungen in christlichen Kreisen gegenseitig zu unterhalten, dass wir keine Zeit und keine Kontakte mehr zu Verlorengehenden haben. Wir werden immer professioneller in äußeren Formen, aber immer schwächer in unserer Zeugniskraft.
13. Gottes Uhren gehen immer wieder anders. Wir können sie nicht nach der Bewegung des Heiligen Geistes von vor 200 Jahren stellen. Er ist schon längst bei anderen Gruppen und Methoden. Er ist viel flexibler als wir. Wir müssen uns heiligen, nicht unsere Methoden.
14. Wenn wir etwas wollen, suchen wir nach Wegen. Wenn wir etwas nicht wollen, suchen wir nach Argumenten und Begründungen. Schauen wir uns um: Was hören und sehen wir mehr? Argumente oder neue Wege? Viele sind schnell bereit, uns zu sagen, wie es nicht geht; aber wehe, es wagt einer einen neuen Weg zu gehen. Dann weiß man gleich, dass das nicht funktioniert – und man streicht ihm den Etat zusammen.
15. Sind alte Methoden sanktioniert durch die alte Botschaft? Ich glaube, wir verwechseln da etwas. Wir suchen immer wieder nach Methoden und nach Leuten, die zu uns, zu unserem Stil und Werk passen – als ob wir das Maß aller Dinge wären. Passen wir denn noch in unseren Auftrag an die Welt? Können wir die Botschaft noch so formulieren, dass unser Nachbar sie versteht?
16. Unsere Strategie muss zweigleisig sein: Die eine überlegt, geplant, erforscht, erprobt. Gott will, dass wir unser Hirn einsetzen. Die andere spontan, unkonventionell, bereit, fehlerhaft, ausprobierend, vielleicht sogar mit etwas mehr Gefühl als Christen das gewohnt sind. Beides muss getrieben sein vom Heiligen Geist, getrieben von der Liebe Christi (1.Kor.5,14).
17. Schämen wir uns nicht? Es gibt tatsächlich Menschen in Deutschland, die wissen nichts von Gott. Es ist zwar schon etwas länger her, aber Paulus meinte, das sage er uns zur Schande (1.Kor. 15,34). Schämen wir uns noch über unsere Trägheit, unsere Streitsucht, über Neid und Eitelkeit? Dass wir so lasch und lau geworden sind? Was hat Jesus von der Gemeinde gesagt, die er so empfunden hat? Ausspucken wollte er sie. Nun, in unserem geistlich sterilen Land ist rumspucken glücklicherweise verboten. Hoffentlich hält sich Jesus an unsere Sauberkeitsgesetze. Sonst geht es uns schlecht.
18. Reißt uns denn nichts mehr vom Hocker? Können wir angesichts der Welt noch ruhig sitzen bleiben und unser Leben weiterhin so ruhig und unauffällig wie möglich gestalten? Tut uns denn nichts mehr weh? Kann das Wort Gottes nicht mehr unser Gewissen beunruhigen, der Heilige Geist nicht mehr unser Herz – geschweige denn unsere Beine – bewegen? (…)

Klaus W. Müller, Aus meiner Sicht: “Missionare aus der Zweidrittel-Welt für Europa.“
Die AfeM-Jahrestagung 8.-10.Januar 2004 - Rückblick und persönliches Fazit, in: Evangelikale Missiologie 20 (2004), Nr. 2, S. 43 - 45.

Ein fünf Jahre alter Text, den Evangelikalen ins Stammbuch geschrieben. Und all das gilt natürlich für die Landeskirchen noch einmal in wesentlich höherem Maße.

Gersthof