Dienstag, 8. September 2009
"Faust" am Burgtheater - heftig umstritten
Die Erregung erinnert fast an Peymanns Zeiten, und die Argumentation ist ähnlich konservativ wie damals. Ein offenkundiger Insider aus dem Theatergeschäft, der Hartmann zu kennen scheint – an Feinden mangelt es Erfolgreichen ja meist nicht –, ortet mangelnde literarische Bildung beim Burgchef. Ein anderer schimpft, wie mit diesem neuen „Faust“ die Schüler „sinnlos bespaßt“ werden. Eine Dame wendet schüchtern ein, dass es ihr und dem überwiegenden Teil des Publikums gefallen hat, wie der Applaus bewies, ein anderer kontert: „Was sagt das, wenn die Leute klatschen?“
Wird das Burgtheater wieder ein öffentliches Thema, nunmehr im von Schimpfern reichlich bevölkerten Internet? Nützt das dem Theater? Dem Burgtheater? Wieso beschäftigt ein neuer „Faust“ in der Burg wochenlang die Leute? Ständig wird man auf ihn angesprochen. Natürlich ist das Interesse teilweise gemacht – durch die vielen Interviews und Vorberichte. Keinen Vorschusslorbeer und schon gar keine Schonfrist gewährt das deutsche Feuilleton dem neuen Burgchef: „Man sieht keine Gedankenlüstlinge und Fühlungsnehmer, nur lauter Leerläufer, die ihren schnöde zusammengekürzten Versen verzweifelt hinterherklappern. Sieben Stunden lang“, ächzt die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“.
„Und alles ist Dressur“
Unter dem Titel „Lang ist die Kunst, seicht das Leben“ schreibt die „Süddeutsche Zeitung“: „Konzeptuell und intellektuell ist ,Faust I‘ ein Armutszeugnis.“ „Faust II“ mache mehr her, dennoch, hier werde kein Kontinent urbar gemacht, sondern lediglich ein Ufer erreicht. „Intellektuelle Dürftigkeit“ verdrießt „Die Welt“: „Wir finden nicht die Spur von einem Geist, und alles ist Dressur.“ Teil I, wie in der „Süddeutschen“ ein „Armutszeugnis“, doch „Die Welt“ macht auch Teil II nieder: „Die läppisch bebilderte Reader's-Digest-Fassung der größten abendländischen Bildungsreise quer durchs mythologische Gebirge ist eine Videoklamotte.“ Tobias Moretti als „Faust“ wird teilweise als Fehlbesetzung qualifiziert, immerhin gibt es Lob für Gert Voss als Mephisto und für Katharina Lorenz als Gretchen.
„Der Burgtheaterdirektor ist der Welttheaterdirektor“, zitiert der deutsche „Spiegel“ in seiner aktuellen Ausgabe einen Satz aus der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Vier Seiten widmete das Magazin einem Hartmann-Porträt. Ob sich die Mediatisierung der Burg hält, oder wie viele Blasen öffentlicher Aufmerksamkeit sang- und klanglos platzen und verschwinden? Bei Premieren wie dieser weiß man auch nie, welche Rolle die Claque spielt, falls es eine gibt, was schwer nachzuprüfen ist. „Faust I“ ist jedenfalls bestens verkauft, vielleicht auch dank Morettis TV-Popularität. Gert Voss, der erkrankt war, kann voraussichtlich Freitag wieder spielen.
Die Presse", Print-Ausgabe, 08.09.2009, Seite 27
Wie auch immer, ich bin sehr gespannt...
Facebook verliert bei jüngeren Nutzern
Mächtiger als aller Unsinn
"Sie lesen immer, schreiben Sie auch?" Meine Antwort: "Ja, hin und wieder." Der junge Mann "Ich möchte mal ein Buch schreiben, ganz für mich, so wie ich das Leben sehe, was ich fühle, im Innern spüre, auch mit Esoterik und diesen Sachen."
So schreibe ich jetzt für die Leserinnen und Leser des Hamburger Abendblatts kein Buch, sondern nur ein paar Zeilen. Was kann ich über den Sinn meines Lebens sagen? Was steht dahinter? Natürlich kann man nicht immer so fragen, wir sollen leben. Leben macht Freude. Leben stellt vor immer neue Aufgaben. Aber sollen wir ganz ohne Gedanken leben?
Leben ist immer etwas ganz Persönliches, mein eigenes Leben - und dann erst das Leben der anderen. Ich will entdecken, was Sache ist: Freundschaft, Spaß, Verantwortung, Trost, Befreiung, Zukunft. Als Geistlicher lerne ich viele Menschen kennen, sehe, wie sie leben und ihren persönlichen Weg gehen. Ich werde bereichert und oft genug beschämt durch ganz unterschiedliche Lebensgeschichten und kann immer nur sagen: Jeder soll seinen eigenen Kopf behalten; er bleibt unvertretbar und verdient Respekt. Als Mann der Kirche spreche ich von Gott und will immer selber an ihn glauben: an die Kraft, an die Liebe, an die Person, so unvorstellbar groß, dass das kleinste Menschenkind von ihr nicht vergessen wird. Gott muss mächtiger bleiben als aller Unsinn. Gott kennt gerade mich und gibt mir meine Würde, auch wenn ich kläglich versage. Gott weicht keinem von der Seite. Er bedrängt uns nicht, sondern wartet, bis uns das Herz für ihn aufgeht. Es gibt so viele Wege zu Gott, wie es Menschen gibt, hat der polnische Papst einmal gesagt, ein gutes Wort. (...)
Hans-Joachim Jaschke: Der Sinn meines Lebens, Hamburger Abendblatt 5.9.2009
Ein schöner Tag...
Gegen Evangelikalenschelte
Der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) hat dem ZDF eine verzerrte und diffamierende Berichterstattung über evangelikale Christen vorgeworfen.
Beispiel sei der Beitrag «Sterben für Jesus - Missionieren als Abenteuer», der am 4. August 2009 im Magazin «Frontal 21» ausgestrahlt wurde, erklärte die EKD am Samstag in Hannover. Der Beitrag zeige einen undifferenzierten Umgang mit dem Phänomen des religiösen Fundamentalismus und bediene sich fragwürdiger journalistischer Mittel.
«Frontal 21» zeigte, wie evangelikale Jugendliche auf Missionseinsätze vorbereitet werden. Jugendliche hatten sich dazu bekannt, notfalls für Jesus zu sterben. Die EKD erklärte: «Die verantwortlichen Journalisten können sich unter einem 'Märtyrer' offenbar nur den islamistischen Selbstmordattentäter vorstellen. Sie scheinen keinerlei Kenntnis von der christlichen Märtyrervorstellung zu haben, nach der ein Märtyrer Gewalt erleidet, aber nicht anderen Gewalt zufügt.» Keiner der jungen Leute, die in der Sendung befragt wurden, sei auf den Gedanken gekommen, unschuldige Menschen mittels eines Selbstmordattentats mit in den Tod zu reißen, so die EKD.
Negativer Höhepunkt des Beitrags sei die Abmoderation: «Bereit sein, für Gott zu sterben. Das klingt vertraut - bei islamischen Fundamentalisten. Doch auch für radikale Christen scheint das zu gelten.» Ungeheuerlich ist nach Auffassung der EKD auch die Feststellung: «Für Gott als Märtyrer zu sterben hat eine lange, unheilige Tradition. Auf dem Missionarsfriedhof in Korntal liegen jene, die den Evangelikalen noch heute als Vorbild dienen.» Gemeint ist die Akademie für Weltmission im baden-württembergischen Korntal.
Die EKD kritisierte weiter, dass in jüngster Zeit evangelische Christen, die der evangelikalen Strömung zugehören, mit pauschaler Kritik überzogen und in den Medien verzerrt dargestellt werden: «Viele von ihnen gehören mit ihrer tiefen persönlichen Frömmigkeit, ihrem nachhaltigen Eintreten für eine missionarische Kirche und ihrem diakonischen Engagement zum Kern unserer evangelischen Gemeinden», betonte der EKD-Rat in der «Erklärung zur Diffamierung evangelikaler Christen.»
Zuvor hatte der sächsische evangelische Landesbischof Jochen Bohl den ZDF-Beitrag über evangelikale Missionseinsätze in islamischen Ländern als unverantwortlich bezeichnet. Der christliche Medienverbund KEP hatte wegen des Beitrags Programmbeschwerde beim ZDF eingelegt. Ein ZDF-Sprecher sagte, der Fernsehrat des ZDF werde sich mit der Programmbeschwerde beschäftigen.
Im Juni waren zwei deutsche Bibelschülerinnen aus Brake im Jemen ermordet worden. Dies hatte eine Debatte über christliche Missionare im Ausland ausgelöst. Nach Angaben der Bibelschule hatten die jungen Frauen allerdings nicht missioniert, sondern waren als Praktikantinnen im ausschließlich humanitären Dienst in einem staatlichen Krankenhaus eingesetzt.
Die EKD erhebt ihre Stimme für Evangelikale, das gab es lange Zeit nur sehr selten. Zwar dürften die meisten Evangelikalen inzwischen aus den Landeskirchen ausgewandert sein, aber man möchte die Verbindungen doch nicht abreißen lassen. Tatsächlich gibt es ja in den meisten landeskirchlichen Gemeinden einen kleinen evanglikalen Kern, den zu verlieren man sich nicht leisten kann. Aber der Riss, der durch die evangelische Christenheit geht, ist wohl weder zu bestreiten noch zu kitten.
Auch Evangelische können beichten
Die Beichte sollte nach Ansicht des Leipziger evangelischen Theologen Peter Zimmerling auch im Protestantismus wieder wichtiger werden.
Der Gang zum Therapeuten bietet für Zimmerling keinen wirklichen Ersatz, denn «Therapien stoßen an eine Grenze, wenn es um reale Schuld geht.» Das Schuldigwerden gehöre jedoch zum Menschen. Wenn ein Mensch in der Beichte zu seiner Schuld stehe, erhalte er dadurch seine Verantwortlichkeit zurück.
Der Reformator Martin Luther (1483-1546) habe den Angebotscharakter der Beichte wiederentdeckt und sie auf zwei Aspekte reduziert: Das Bekenntnis und den Zuspruch der Vergebung. In der Beichte «wird mir zugesprochen, dass ich trotz meines Versagens, trotz meiner Schuld, trotz meiner Unzulänglichkeiten ein von Gott geliebter Mensch bin, der umkehren darf», sagte der Autor eines neu erschienenen «Studienbuchs Beichte».
Um die Beichte unter Protestanten bekannter zu machen, schlug Zimmerling vor, sie im Konfirmandenunterricht zu behandeln und zumindest in Großstadtkirchen regelmäßige Beichtzeiten einzuführen. Nur wenn das Beichtgeheimnis wirklich geschützt sei, würden Menschen Vertrauen gewinnen.
Für unerlässlich hält der Professor für praktische Theologie, dass derjenige, der Beichte hört, selbst bei jemandem beichtet. Der 1945 von den Nazis ermordete evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer, einer der Pioniere der Beichte im 20. Jahrhundert, habe das regelmäßig bei einem seiner Vikare getan.
Quelle: epd, zit. n. jesus.de
Zum Glück spricht es sich langsam herum: Ich habe im Monat durchschnittlich zwei bis drei Beichten.