Samstag, 31. Januar 2009

Dächer (18. Bezirk)

Der Teufel kauft eben nicht bei ebay

(…) Dante Knoxx ist jetzt 24 Jahre alt. Viele Menschen wissen in diesem Alter schon sehr genau, wie ihr Leben aussehen soll, manche haben bereits Familie, andere suchen noch ihren Platz. Dante gehört zu den anderen. Seine Erwartung ans Leben ist etwa diese: Er wäre gern reich, er würde nur ungern arbeiten, und er fände es schön, wenn mehr Leute seine Musik mögen würden.

Das dürfte, alles in allem, nicht leicht werden. Aber Knoxx hat Pläne, Ideen, Projekte genug, und wenn mal etwas nicht funktioniert, dann ist Knoxx nicht derjenige, der seine Seele mit Selbstzweifeln quält. Ein Optimist eben.

(...)

Die Karriere des Dante Knoxx steht noch am Anfang, mehr als einen Künstlernamen hat er nicht vorzuweisen. Anfang dieses Jahres hieß er noch Oliver und wollte Snowboard-Lehrer werden. Dante Knoxx, dachte er, so heißen Snowboarder, und weil in England jeder seinen Namen einfach ändern kann, hat er sich umbenannt. Das mit dem Lehrer klappte nicht, der Name blieb.

In Bournemouth, sagt er, gebe es einfach keine passenden Jobs für kreative Leute wie ihn. Für normale Acht-Stunden-Jobs fühlt er sich nicht geschaffen. Deshalb begann er, größer zu denken. Ihm fiel ein, dass vor ein paar Jahren mal jemand im Internet reich geworden war, weil er eine Million einzelne Pixel auf seiner Web-Seite verkauft hatte, das Stück zu einem Dollar. Das war originell und funktionierte - allerdings nur ein einziges Mal. Dante brauchte auch etwas Originelles.

Mitte Dezember loggt er sich ein bei Ebay, der größten Auktionsplattform der Welt, und tippt ein Verkaufsangebot: "Seele zu verkaufen", schreibt er, "Zustand: gebraucht." Der Käufer der Seele erhalte eine schriftliche Bestätigung, außerdem verpflichte sich Dante Knoxx, zehn Prozent der Einkünfte aus seiner Musik abzugeben, jährlich drei Bäume zu pflanzen sowie einen jährlichen Report über seinen Seelenzustand zu verfassen. Startgebot: 25.000 Pfund, rund 27.000 Euro. Bei Sofortkauf sollte die Seele 700.000 Pfund kosten.

Am nächsten Tag bekommt er Post. Mitglieder religiöser Gruppen schreiben, er könne seine Seele gar nicht verkaufen, die gehöre nämlich Gott.

Die Seele zu verkaufen ist ein beliebtes Motiv in der Kunst, im "Faust" und im "Freischütz" zum Beispiel wird mit dem Teufel gehandelt. Dante Knoxx weiß, dass er an ein Tabu rührt, aber intensiv beschäftigt hat er sich mit dem Thema nicht. "Homer Simpson hat seine Seele für einen Donut verkauft", sagt er, "aber das ist jetzt nicht Literatur, oder?"

Im "Faust" lohnt sich der Seelenverkauf noch einigermaßen. Mephisto nimmt Faust mit auf die Reise, er zeigt ihm Hexenküchen und führt ihm das Gretchen zu. Bei Ebay aber bringt der Seelenverkauf nichts.

Das Internet ist banal, längst nicht mehr zauberhaft. Die Idee, dass man dort alles verkaufen kann, kommt Dante zehn Jahre zu spät. Ebay löscht die Auktion kurz vor Schluss, ganz nach Vorschrift, einen Bieter gibt es da noch nicht.

Seelenverkauf verstößt gegen die Ebay-Bestimmungen, man darf im Internet nur Gegenständliches anbieten. Klügere Anbieter als Dante Knoxx versteigern Geister in Gläsern, da hat der Kunde etwas zum Anfassen. BBC Radio One kaufte mal ein Glas, in dem sich laut Werbung der Geist von George Harrison befand - "möglicherweise".

Die Seele von Dante Knoxx blieb unverkauft. Egal, sagt er. Und hat schon einen neuen Plan, das "Eine-Million-Songs-Projekt": Eine Million Bands sollen ihm je ein Pfund überweisen und dürfen dafür einen Song auf seine Web-Seite laden - so soll die größte Song-Sammlung der Welt entstehen.


spiegel.de

So ein gutes altes europäisches Märchen- und Mythenmotiv - aber es scheitert an der Banalität des Internets. Nun, Goethe muss es ja nicht mehr miterleben.

Spuren am Himmel

Sehnsucht nach Reinheit

Lebe rein, mein Kind, dies schöne Leben,
Nein von allem Fehl und bösem Wissen,
Wie die Lilie lebt in stiller Unschuld
Wie die Taube in des Haines Wipfeln;
Daß du, wenn der Vater niederblicket,
Seist sein liebstes Augenmerk auf Erden,
Wie des Wandrers Auge unwillkürlich
An den schönen Abendstern sich heftet;
Daß du, wenn die Sonne dich einst löset
Eine reine Perl' ihr möget zeigen,
Daß dein Lieben sei wie Licht der Sonne,
Wie des Hirten Nachtgesang dein Leben,
Wie ein Ton aus seiner sanften Flöte.


Leopold Schefer, Laienbrevier, 31. Januar

Man könnte süchtig werden nach diesen Versen voll pantheistisch-sanftem Optimismus...

Geäst und Gezweig

Gedichtfund

DIESE HUNDE

Da tummeln sich in unserem Lande Afghanen, tollen Dalmatiner herum und P-Chinesen,
fressen sich Neufundländer, Irische Wölfe und Ungarische Hirtenhunde durch,
spielen Weimaraner mit Französischen Doggen, Chihuahuas mit Maltesern, Polarhunde mit Bordeaux-Doggen,
selbst Scotchterrier, Englishsetter und Pyrenäenberghunde sind schon Freunde geworden -
und all dies, ohne daß bisher auch nur ein einziger Deutscher Schäferhund einen Molotowcocktail dazwischengeworfen hätte.

Reinhold Ziegler

(zit. n. dem Programmheft zu Franz Xaver Kroetz: Ich bin das Volk, Gruppe 80 [Premiere: 13. Jänner 1998], S. 21)

Stiege

Worum es geht, ist Heiligkeit von Anbeginn

JUNGFERNSCHAFT-DEBATTE

Bei Jungfrau Maria zählt die geistliche Wahrheit

von Klaus Berger

Die griechische Bibelfassung "Septuaginta" liegt erstmalig auf Deutsch vor. Mit ihr wird die Frage nach Marias Jungfernschaft neu diskutiert. Für den Theologen Klaus Berger darf die genaue Zeugung Jesus zweideutig bleiben. Entscheidend ist, dass Maria von Anfang an vom Heiligen Geist erfüllt war.

Ist die Auffassung, Maria habe ohne Mitwirken eines Mannes allein durch die Kraft des Heiligen Geistes den Heiland empfangen und geboren, ist dieser Glaube der Christen und der Moslems Erfindung des Evangelisten Matthäus - noch dazu aufgrund eines Übersetzungsfehlers?

Denn, so heißt es seit langem immer wieder, die „junge Frau“, von der Jesaja in seiner Prophezeiung spricht, hätten erst Griechen unter dem Einfluss ihrer Herrscherideologie zur Jungfrau gemacht. So sei zwar nicht die Jungfrau zum Kind gekommen, wohl aber die junge Frau zur Jungfrau umfrankiert worden. War es so?

Doch der Glaube der Christen gründet sich, wie jedes Kind vor kurzem noch von Advent und Weihnachten her wusste, an diesem Punkt auf zwei Evangelien, auf das nach Lukas und das nach Matthäus. Beide berichten durchaus Verschiedenes, ihre Berichte sind sicher unabhängig voneinander.

Aber in den wesentlichen Punkten stimmen sie überein. Diese Punkte sind: Maria ist erstens die Verlobte Josephs. Sie hat keinen Verkehr mit Joseph gehabt. Zweitens ist der Heilige Geist Urheber Jesu im Leib Mariens. Dies wird – drittens - von einem Engel bekannt gemacht, und zwar nach Lukas bei der Empfängnis der Gottesmutter selbst, nach Matthäus nach der Empfängnis dem „Ziehvater“ Joseph.

Übereinstimmend ist – viertens - der Satz im Munde des Engels: „Und du sollst seinen Namen Jesus nennen“. Das Recht zur Namensgebung hat aber im jüdischen Kulturraum der „Erzeuger“, also Gott. Jesus wird dann – fünftens – in Bethlehem geboren, die Erzählung spielt zur Zeit des Königs Herodes.

Lediglich Matthäus fügt als Schriftgelehrter das Zitat aus Jesaja (7,14) hinzu, „auf dass erfüllt werde, eine Jungfrau werde empfangen und einen Sohn gebären.“ Es kann schon allein aus diesem Grund nicht davon die Rede sein, dass die breite gemeinsame Erzählung (in Lk 1f und Mt 1f) aus diesem einen Zitat abgeleitet oder heraus gesponnen wurde.

Vielmehr wird die Stelle erkennbar nachträglich von Matthäus zur Kommentierung der Überlieferung gebraucht. Sie ist unmöglich deren Ursprung. Matthäus ist hier also kein Erfinder. Sondern er findet nachträglich ein Stück der Geschichte, die er berichtet, auch in der Heiligen Schrift, eben bei Jesaia. Sie wäre also auch – besonders angesichts der kräftigen Bezeugung durch Lukas, ganz ohne Schriftstelle bei Jesaja denkbar. Und sie ist auch ohne Bezug zu dieser Stelle entstanden.

Nun aber zu dem Zitat beim Propheten Jesaja selbst (in Kap 7, Vers 14). Im hebräischen Text ist da die alma genannt, zu deutsch eine junge Frau. Das kann alles heißen, auch Jungfrau. Doch man bedenke: Nach Jesaja soll das ein besonderes Zeichen Gottes sein, dass eine alma empfängt und ein Kind bekommt.

Nun ist bekannt, dass zu über 99% aller Kinder von jungen Frauen empfangen und geboren werden. Worin soll das Besondere, das Zeichen, liegen, wenn lediglich eine junge Frau ein Kind bekommt? Das wäre kein Zeichen, sondern normal. Der Sinn dieser Schriftstelle bei Jesaia wäre damit schon nach dem hebräischen Wortlaut verpufft.

Da das Wort alma aber auch Jungfrau bedeuten kann, lässt also schon der hebräische Text geheimnisvoll offen, wie diese junge Frau zu ihrem Kind kommt. Wenn die lateinische Septuaginta-Übersetzung hier „Jungfrau“ schreibt, so kann das heißen: Eine junge Frau, die zuvor Jungfrau war, und die gleich nach ihrer allerersten geschlechtlichen Begegnung mit einem Erzeuger schwanger wird.

Keineswegs meint die Septuaginta also schon zwingend eine Jungfrauengeburt von der Art, wie Matthäus sie später im Fall Marias im Nachhinein versteht und beschreibt, der die Stelle, dass nämlich das Kind in der schwangeren Maria vom Heiligen Geist kommt. Das geht auch aus der griechischen Fassung von Jesaja gewiss nicht hervor.

RÜCKGRIFF AUF GRIECHISCHE MYTHEN UNWAHRSCHEINLICH

Aber haben hier nicht dennoch hellenistische Mythen Pate gestanden, wonach bedeutende Herrscher gern und oft durch göttlichen Ehebruch mit menschlichen Frauen entstanden sind? Es gibt eine ganze Reihe solcher pikanter Geschichten, die man zum Beispiel bei Plutarch in den Biographien der Herrscher nachlesen kann.

So sei Philipp von Makedonien verfrüht von einer Reise zurückgekommen und habe aus dem Schlüsselloch des Schlafzimmers ein helles Licht leuchten sehen. Als er hineinguckte, sah er, wie der Gott Zeus sich penisartig in eine Schlange gleißenden Lichts verwandelt und am Unterleib seiner Ehefrau zu schaffen machte.

Das Drama hatte zwei Folgen: Philipp erblindete auf dem Auge, mit dem er durch die Türe gelinst hatte und das Kind, das seine Frau von Zeus empfangen hatte, wurde Alexander der Große.

So ähnlich, glauben mit bewundernswürdiger Einfalt spöttische Zweifler und Bibelausleger, hätten wohl auch die frühesten Christen frivole Göttergeschichten erfunden, um die Bedeutsamkeit Jesu in ihrem Sinn zu unterstreichen.

Mit einem wissenschaftlichen Purzelbaum wird dafür sogar postuliert, es müsse sich eben hier um Heidenchristen gehandelt haben, die solche „Schweinereien“ Jesus anhängten. Das soll einer glauben – dass frühe Christen zur Unerklärlichkeit des Auftretens Jesu nichts Besseres zu tun hatten als auf mehr oder weniger geschmacklose heidnische Mythen zurückzugreifen? Sie sollen also ausgerechnet auf ein Thema zurück greifen, über das sich schon in der Antike der jüdische Historiker Josephus lustig macht?

Ein schlichter Blick auf die so genannten Kindheitsberichte bei Matthäus und Lukas lehrt jedoch, dass - wenn irgendwo in den Evangelien das Milieu ihrer Entstehung ganz und gar judenchristlich geprägt sein musste - dann hier, im Umkreis all dieser Berichte.

Da ist von König Herodes und Bethlehem die Rede, von der Stadt Davids, da singt Maria beim Besuch Elisabeths im Magnifikat („Hoch preist meine Seele den Herrn“) ein Loblied, das voll ist von Anspielungen an die Schrift des Alten Testaments.

Da wird Jesus nach acht Tagen beschnitten und dann im Tempel ausgelöst. Und so weiter und so fort. Selten ist das Urteil selbst ernannter Bibelkundler also so daneben gegangen wie darin, ausgerichtet in diesen Geschichten geballte hellenistische Mythologie anzunehmen.

Abgesehen davon ist auch die Auffassung, Jesus sei Gottes Sohn, und zwar durch den Heiligen Geist, eine Überzeugung, die allen Evangelien und Paulus so grundlegend gemeinsam ist, dass es schon ein grobes und großes Kunststück wäre, das alles für „spät“ und deshalb für erfunden zu erklären.

Aber wie dann? Wie soll es dann gewesen sein und sich zugetragen haben? Matthäus und Lukas lassen keinen Zweifel an der biologischen Gottessohnschaft Jesu. Darin waren sich Orthodoxe, Katholiken, reformatorische Christen und sogar Moslems stets einig – bis man eben seit dem 19.Jahrhundert grundsätzlich Gottes Wirken aus der Welt verbannen wollte und die biblischen Geschichten als Märchen erklärte.

DIE ROLLE DES HEILIGEN GEISTES

Eine Lösung sehe ich mit einem Ausweg aus dieser wissenschaftlichen Sackgasse in zwei Punkten. Einmal gibt es eine innerhalb der Bibel des Alten und dann des Neuen Testaments selbst ansteigende Linie, als deren Erfüllung und Vollendung man die Entstehung Jesu durch den Heiligen Geist ansehen darf.

Nach Jesaja 49 ist der Prophet „vom Mutterleib an berufen“, Gott hat seinen Namen genannt. Auf der nächsten Stufe sehen wir, wie der Prophet Jeremia (Jer. 1) vom Mutterleib an ausersehen und „geheiligt“ ist.

Eine weitere nächste Stufe findet sich im Galaterbrief, wo Paulus vom Mutterleib an ausgesondert ist, berufen durch Gnade. Von einer noch höheren Stufe Nächste Stufe spricht Lukas (Lk 1,15), wo er Johannes den Täufer darstellt als vom Mutterleib an „erfüllt vom Heiligen Geist“.

Am Ziel und Gipfelpunkt dieser aufsteigenden Linie kommen wir dann bei Jesus an, von dem Lukas (Lk 1,30) schließlich sagt: Jesus ist von Anfang an im Mutterleib durch den Heiligen Geist geworden.

Wichtig an dieser Linie ist: Die Frau ist jedes Mal in ihrer Mutterschaft einbezogen in die Sendung ihres Sohnes. Das ist Elisabeth bei Johannes, dem größten Propheten, und schließlich Maria, die mit Jesus, den Herrn aller Propheten zur Welt bringt.

Dieses Geheimnis setzt radikal Gottes erwählendes Wirken vom Lebensanfang an voraus. Das wird hier immer tiefer begriffen und verstanden, immer heiliger aufgefasst und erlebt. Hier findet sich deshalb nichts, aber auch gar nichts von Ehebruch und Frivolität oder, wie Plutarch es sagt, von gewissen göttlichen Gerüchen.

Hier bereitet sich im Rahmen der Geschichte der Propheten über Johannes das Geheimnis der Menschwerdung Gottes und seiner Sendung in Jesus durch den heiligen Geist Gottes vor.

Dabei sind Erfassung, Selbstverständnis und Geschehen unteilbar eins. Hier geht es nicht um den Spalt zwischen Geschehen und späterer ideologischer Deutung, sondern hier wird in Entstehung und Schwangerschaft der Propheten und schließlich in dem, der mehr ist als alle Propheten, massiv Gottes Führung erlebt.

Das geheime Thema ist Heiligkeit vom ersten Augenblick der Entstehung an. Mit dem neuzeitlichen Ausdruck „Jungfrauengeburt“ ist das alles nicht einmal gestreift.


Ein sehr kluger Artikel wider den irreführenden Biologismus in der Theologie.

Doch noch...


... etwas Schnee diesen Winter. (Hier in der Alszeile.)

Im christlichen Kreuzdesign

Seit kurzem gibt einen trendigen MP3-Player im christlichen Kreuzdesign - Ein MP3-Player, mit dem Sie ins Gespräch kommen werden

Sie haben noch keinen MP3-Player? Dann ist vielleicht der seit kurzem am Markt erhältliche Crossplayer eine Chance um dies zu ändern. Der Crossplayer ist ein trendiger MP3-Player im Kreuzdesign, vielleicht sogar ein ungewöhnliches "Instrument der Neuevangelisierung", mit dem Sie ins Gespräch kommen werden.

Unterstützt werden die Formate MP3 und WMA. Das Display ist mehrsprachig einstellbar. Außerdem hat es eine Aufnahme- und Wiedergabefunktion sowie ein eingabautes FM-Radio. Auch als USB-Stick ist der Crossplayer verwendbar.


Werbehinweis auf kath.net. Der Player ist über den dortigen Online-Shop zu bestellen.

Für die Provokation von islamischen Jugendlichen und als Auslöser für einen Wickel wahrscheinlich sehr brauchbar, in der Tat.

Freitag, 30. Januar 2009

Nicht verweilen...

Immer wieder fallen öffentliche Kundmachungen in Wien durch eine gehobene Sprache auf.

Ist diese Welt nicht zum Lachen?

Ich begreife nicht, warum die Leute nicht auf der Gasse stehenbleiben und einander ins Gesicht lachen. Ich meine, sie müßten zu den Fenstern und zu den Gräbern heraus lachen, und der Himmel müsse bersten, und die Erde müsse sich wälzen vor Lachen.

Georg Büchner, Dantons Tod II/2

Dienstag, 27. Januar 2009

Blick zur Lutherkirche von Süden

Unsinnigkeit der elementaren Natur

Zwar äußert sich Mayreder über die Geschlechter und deren 'Aufgabenteilung' bei der Fortpflanzung weitgehend biologistisch, jedoch ohne einem essentialistischen Geschlechtsunterschied das Wort zu reden. Sei "die Aufgaben der Fortpflanzung" bei Fischen "unter beiden Geschlechtern gleich verteilt", erklärt sie, erhöhe sich "die Beanspruchung des weiblichen Teils" bei Säugetieren "in wachsendem Maße". So habe "[g]erade das weibliche Geschlecht [...] in seiner biologischen Laufbahn reichlich zu fühlen bekommen, daß die Natur keine gütige Mutter ist, sondern eher ein blinder Dämon, der in der Entwicklung der Lebewesen aus Zufälligkeiten Endgültigkeiten macht."

Den "äußersten Grad" erreiche "die Unsinnigkeit der elementaren Natur" jedoch erst im menschlichen Geschlechtstrieb. Das "eigentliche Gattungsmerkmal der Menschheit", der Intellekt führe dazu, das aus der "ungleichen generativen Belastung" eine der "schlimmsten Unzweckmäßigkeiten" resultiere, "die man der Natur nachsagen muß." Als Unterschied zwischen den Sexualtrieben der Geschlechter führt sie an, dass "in der psychosexuellen Beschaffenheit des weiblichen Menschen jene Herrschaftsimpulse fehlen, die der Mann in seiner sexuellen Anlage von Natur aus besitzt." Trotz alledem unterscheiden sich Mayreder zufolge die "zwei Geschlechter" nicht "wesenhaft" voneinander. Denn weit wichtiger als der Geschlechtsunterschied sei "jener zwischen dem Sinnenmenschen und dem Geistesmenschen".

Eine heute zumindest in Teilen befremdlich wirkende Argumentation. Wirklich bedenklich ist jedoch ein anderer Aspekt von Mayreders später Geschlechter- und Sexualtheorie. Ein "[g]roßer Mangel" des menschlichen Geschlechtstriebes, führt sie aus, sei, dass sein "Naturzweck", also die Erhaltung der Art, "im Bewußtsein des Individuums nicht zugleich mit ihm auftritt", was zu den "verhängnisvollsten Entartungserscheinungen", namentlich zu "seiner Beirrbarkeit durch Ablenkung auf gleichgeschlechtliche Personen" führe. Eine Homosexuellenfeindlichkeit, die sich weder aus Mayreders biologistischer Argumentation ableiten lässt - schließlich ist Homsexualität auch unter den verschiedensten tierischen Spezies verbreitet -, noch von heutigen FeministInnen gleich welcher Couleur geteilt wird.

Rolf Löchel in seiner Rezension von Rosa Mayreder: Der letzte Gott. Herausgegeben von Tatjana Popovic. Böhlau Verlag, Wien 2008 auf literaturkritik.de

Montag, 26. Januar 2009

Eckhaussonnenuhr

Träumt weiter, Bayern!

Politisches Nachspiel für "Wetten, dass..?": Der CSU stinkt, dass zwei Tierpfleger live den Kot verschiedener Tierarten erschnüffelten. CSU-Politikerin Niebler will die Wette im ZDF-Fernsehrat zur Sprache bringen - und dem "Verfall der guten Sitten Einhalt gebieten".

spiegel.de

"Verfall der guten Sitten"? Da lachen ja die Hühner. In Bayern gehen die Uhren irgendwie doch anders. Wenn man den privaten Fernsehsendern schon nicht Einhalt gebieten kann, soll wenigstens das öffentlich-rechtliche Fernsehen die Fahne der Kultur und des Anstandes hochhalten? Wenn es um Einschaltquoten geht, sind die "guten Sitten" kein Thema mehr. Die Abstimmung mit der Fernbedienung hat doch schon lange ergeben, dass das Fernsehvolk der Spaßgesellschaft sich nicht zum Höheren berufen weiß, sondern einfach sensationslüstern ist.

Über den Dächern von Hernals

Die Tochter des Todes

Dieses Jahr dürft ihr euch auf ein weiteres Action-Rollenspiel freuen. In venetica übernehmt ihr die Rolle von Scarlett. Auf den ersten Blick scheint sie eine relativ gewöhnliche Frau zu sein, wenn da nicht die Tatsache wäre, dass sie die Tochter vom Tod ist. Das praktische an der Sache, ihr könnt die gewonnenen Erfahrungspunkte dazu nutzen Papas Fähigkeiten zu erlernen und zum Beispiel von der normalen Welt in die Welt der Toten wechseln. Erscheinen wird Venetica für die Xbox 360 und den PC. Die neuen Screenshots könnt ihr euch anschauen, wenn ihr der Quelle einen Besuch abstattet.

Besprechung eines neuen Computerspiels auf giga.de

Da sage einer, Computerspiele seien nicht nützlich und weiterführend! Haben wir uns je über die Familienverhältnisse und die Verwandtschaft des Todes Gedanken gemacht? Der Schnee galt im Volksglauben als Schwester des Todes. Aber sonst? Tod ud Teufel treten seit biblischen Zeiten paarweise auf. Haben sie miteinander eine Beziehung? Und wer ist dann die Frau? Ist es am Ende doch nicht der Tod, sondern die Tödin, wie man sie auf manchen spätmittelalterlichen Totentanzdarstellungen findet? Fragen über Fragen...

Gemeindebaudetail

Die Magersuchtreligion

Die 10 Gebote

1. Wenn ich nicht dünn bin, kann ich nicht attraktiv sein!
2. Dünn sein ist wichtiger als gesund sein!
3. Ich muss alles dafür tun, dünner auszusehen/ zu sein!
4. Ich darf nicht essen, ohne mich schuldig zu fühlen!
5. Ich darf keine "Dickmacher" essen, ohne hinterher Gegenmaßnahmen zu ergreifen!
6. Ich soll Kalorien zählen und meine Nahrungszufuhr dementsprechend regulieren!
7. Die Anzeige der Waage ist wichtiger als alles andere!
8. Gewichtverlust ist GUT, Zunahme ist SCHLECHT!
9. Du bist NIE zu dünn!
10. Nahrungsverweigerung und dünn sein sind Zeichen wahren Erfolgs und Stärke! 




GLAUBENSBEKENNTNIS

Ich glaube an Kontrolle, die einzig wahre Kraft, mächtig genug, um Ordnung in mein vom Chaos bestimmtes Leben zu bringen.

Ich glaube, dass ich die wertloseste, gemeinste und nutzloseste Person bin, die jemals auf diesem Planeten existiert hat und dass ich es nicht wert bin, von jemandem Beachtung und Aufmerksamkeit zu bekommen.

Ich glaube, dass andere Menschen, die das Gegenteil behaupten, Idioten sind. Wenn diese Menschen sehen würden, wie ich wirklich bin, wäre deren Hass genauso groß wie der meine.

Ich glaube an "SOLLEN" und "MÜSSEN" als undurchdringliche Gesetze um mein Verhalten Tag um Tag durchzuhalten.

Ich glaube an Perfektion und tue alles, um sie zu erreichen.

Ich glaube, dass ich mein Seelenheil nur dadurch erlange, indem ich jeden Tag noch härter nach dieser Perfektion strebe.

Ich glaube an Kalorientabellen und präge mir alle Werte genauestens ein.

Ich glaube an meine Waage, als Messinstrument meines täglichen Erfolges und Misserfolges.

Ich glaube an die Hölle, denn ich lebe in ihr.

Ich glaube an eine Welt, die nur aus schwarz und weiß besteht, an den Verlust von Gewicht, das Vergeben von Sünden, die Ablehnung des Fleisches und an ein Leben voller Hunger.

Aus einem Magersuchtblog.

Eine andere Version des "Glaubensbekenntnisses" der Pro-Ana-Bewegung
hier:


ich glaube an die kontrolle, die ordnung in das chaos meines lebens bringen zu vermag. ich glaube, dass die leute, die mir etwas anderes sagen, lügner sind. wenn sie sehen würden wie ich wirklich bin, würden sie mich mehr hassen als ich selbst es tue. ich glaube, dass ich die schlechteste und nutzloseste person bin, die je auf unserem planeten gelebt hat, und dass ich absolut nicht wert bin, die zeit und achtung von irgend jemandem zu beanspruchen. ich glaube an die regeln als unbrechbare gesetze gottes, die mich und mein tägliches verhalten bestimmen sollen. ich glaube an die perfektion und bin bestrebt, sie zu erreichen. ich glaube an die errettung, indem ich heute härter an mir arbeite als gestern. ich glaube an die kalorienangaben und merke sie mir gut. ich glaube an die waage als meinen täglichen indikator von erfolg und niederlage.
ich glaube an die hölle, weil ich mich manchmal so fühle, als würde ich dort leben. ich glaube an den gewichtsverlust, an die ablehnung des eigenen körpers und an das leben im ständigen fasten!!!!!!


Das ist tatsächlich eine Religion ganz und gar abendländischen Typs, getragen von der Idee von Schuld und Sühne und von dem Gedanken möglicher Selbsterlösung durch eigenes konsequentes Bemühen; das Ganze verbunden mit asketischem Hass auf den Körper und Ablehnung der Welt. Eine asketisch-dualistische Selbsterlösungslehre, Pelagianismus reinsten Wassers unter dem Vorzeichen postmoderner Schönheitsideale. Dagegen ist selbst der abschließende Satz aus Faust I noch barmherzig. 

Sonntag, 25. Januar 2009

Am Weg hinauf zum Schafberg

Nur Satire, natürlich

An die Bürger der Vereinigten Staaten von Amerika. Von Elisabeth II., von Gottes Gnaden Königin des Vereinigten Königreiches von Großbritannien und Nordirland und ihrer anderen Länder und Gebiete, Oberhaupt des Commonwealth, Verteidigerin des Glaubens.

Im Licht Eures jüngsten Versagens, die eigenen Finanzen in Ordnung zu halten, und weil Ihr in den letzten Jahren nicht fähig gewesen seid, kompetente Präsidenten zu wählen und damit bewiesen habt, daß Ihr nicht in der Lage seid, Euch selber zu regieren, teilen wir Euch die Aufkündigung Eurer Unabhängigkeit mit.

Diese Aufkündigung gilt mit sofortiger Wirkung.

Ihre königliche Hoheit, Königin Elizabeth II., wird ihre monarchischen Verpflichtungen über alle Bundesstaaten und Gebiete der ehemaligen USA sofort wieder übernehmen – mit Ausnahme des US-Bundesstaates Kansas, auf den sie keine Lust hat.

Euer neuer Ministerpräsident, Gordon Brown, wird einen Gouverneur für Amerika ernennen, ohne daß weitere Wahlen notwendig wären.

Kongreß und Senat werden aufgelöst. Irgendwann im nächsten Jahr wird ein Fragebogen verteilt, um festzustellen, ob das jemand überhaupt bemerkt hat.

Um den Übergang zur Abhängigkeit unter die Britische Krone zu erleichtern, werden ab sofort die folgenden Regeln eingeführt:

1. Es wird von Euch erwartet, daß ihr Euren Wortschatz auf ein annehmbares Niveau hebt.

2. Der 4. Juli wird kein Feiertag mehr sein.

3. Ihr werdet lernen müssen, persönliche Probleme zu lösen, ohne zu Gewalt, Gewehren, Rechtsanwälten oder Therapeuten Zuflucht zu nehmen. Daß Ihr so viele Rechtsanwälte und Therapeuten benötigt, beweist, daß Ihr unfähig seid, unabhängig zu sein. Gewehre sollten nur verwendet werden, um Moorhühner zu schießen. Aber wenn Ihr nicht in der Lage seid, Probleme zu lösen, ohne jemanden vor Gericht zu bringen oder mit einem Therapeuten zu sprechen, dann seid ihr auch nicht fähig, Moorhühner zu schießen.

4. Darum wird es Euch nicht länger erlaubt sein, etwas Gefährlicheres als ein Schälmesser zu besitzen oder auf Euch zu tragen. Allerdings ist eine Erlaubnis nötig, wenn Ihr das Schälmesser auch in der Öffentlichkeit tragen wollt.

5. Alle Straßenkreuzungen werden durch Kreisverkehr ersetzt. Ihr werdet auch mit sofortiger Wirkung auf der linken Straßenseite fahren. Gleichzeitig werdet Ihr sofort und ohne Umrechnungstabellen das metrische System einführen. Sowohl der Kreisverkehr als auch das metrische System werden Euch helfen, den britischen Sinn für Humor zu verstehen.

6. Die ehemaligen Vereinigten Staaten werden die britischen Preise für Benzin übernehmen. Das gibt 2 Dollar 60 pro Liter. Ihr werdet Euch daran gewöhnen.

7. Das kalte, geschmacklose Zeug, das ihr beharrlich Bier nennt, ist in Wahrheit kein Bier. Darum darf in Zukunft nur originales britisches Bitter als „Bier“ bezeichnet werden. Europäische Produkte bekannter und akzeptierter Herkunft, werden „Lager“ genannt. Amerikanische Marken sind als „Beinahe gefrorener Stechmücken-Urin“ zu kommerzialisieren. Dieser darf dann weiterhin und ohne Verwechslungsgefahr verkauft werden.

8. Im weiteren wird in den Ex-USA nicht mehr länger Baseball gespielt. Es ist sinnlos, für eine Sportart „World Series“ abzuhalten, die außerhalb der ehemaligen Vereinigten Staaten gar nicht bekannt ist. Da nur 2.1 Prozent Eurer Bevölkerung überhaupt wissen, daß es jenseits Eurer Grenzen noch eine Welt gibt, ist der Fehler allerdings verständlich.

9. Ein Steuerbeamter der Regierung Ihrer Majestät wird in Kürze bei Euch sein, um die Rückzahlung aller Schulden seit 1776 sicherzustellen.

Gott schütze die Königin!
Satire auf kreuz.net

Blick aus dem Schlafzimmer

Ein untrügliches Kennzeichen dafür, dass ein Mann nicht mehr ohne weibliche Fürsorge lebt, sind Gardinen und Vorhänge. Die bieten nicht nur Sichtschutz, sondern eröffnen auch neue Möglichkeiten für das Fotografieren.

Jesus und die Antifaltencremewerbung

Kompaktkurs Mentaltraining (14): Gewünschtes loslassen und auf Realisierung vertrauen

Experte: Dr. Wolf Barth

Im Mentaltraining wird bewusst das geistige Gesetz von Ursache und Wirkung aktiviert. Alles Angestrebte und Gewünschte, das wir uns vorstellten und durch Worte verstärkten, ist schon geschehen, wenn wir an unsere Schöpfungskräfte glauben. Der Zweifel kann uns um den Erfolg der mentalen Arbeit bringen.

Ursachen bringen Wirkungen hervor

Jeder Gedanke, jedes Gefühl, jedes Wort ist eine Ursache, die auch eine Wirkung hervorbringt. Der Glaube an dieses geistige Gesetz ist der Träger des Samens der Verwirklichung im Schöpfungsprozess. Das Ziel dieses Schrittes im Mentaltraining besteht darin, ein neues Glaubenssystem zu schaffen und dann das Beabsichtigte im tiefen Glauben an seine Schöpfungskraft und im Urvertrauen auf die Realisierung loszulassen.

Glaube kann Berge versetzen


Glaube ist die subjektive Vorstellung über Zusammenhänge, die sich direkter körperlicher und Verstandes-Erfahrung entzieht und die durch besondere Gründe gefestigt ist. Es geht ursprünglich beim Glaube darum, sich zu verlassen auf... bzw. seine Existenz an... zu binden. Glauben ist ein Bewusstseinsakt des Vertrauens; sich vom Geglaubten her leiten zu lassen (Ich glaube an...).

Dabei geht es nicht um den Gegenpol zum Wissen, sondern um Vertrauen in und Hingabe bzw. Übergabe des Lebens an.

Nach der Christen-Bibel belehrte uns Jesus: "
Es geschehe euch nach eurem Glauben."  (Mt 9,27-31) und "Dem Glaubenden ist alles möglich." (Mk 9,23). Oder er soll gesagt haben: "Frau, dein Glaube ist groß. Was du willst, soll geschehen." - und sofortige Heilung der Tochter dieser Frau geschah. "Wenn euer Glaube auch nur so groß wie ein Senfkorn, dann werdet ihr zu diesem Berg sagen: Rück von hier nach dort!, und er wird wegrücken. Nichts wird euch unmöglich sein." Das wäre Urvertrauen in die eigenen göttlichen Schöpfungskräfte und in die Unterstützung durch die geistige Hierarchie bis zur Quelle allen Seins, d. h. Selbstvertrauen (Ich glaube an mich). Dieses Verständnis von Glaube bzw. Glauben ist völlig unabhängig von einem traditionellen Glaubenssystem großer Menschenmengen (Religion) oder einer menschlich-weltlichen Organisationen (Kirche).

Im Mentaltraining schöpfen wir selbst durch Glauben

Wir können jetzt davon ausgehen und dafür einen tiefen Glauben entwickeln, dass wir Menschen selbst als Mit-Schöpfer im Universum leben und dieselben Fähigkeiten wie Jesus Christus besitzen. Wenn wir aber, wie so viele Menschen auf der Erde, nicht an uns selbst und unser göttliches Erbe und unsere eigene Schöpfungskraft glauben können, dann lädt Jesus Christus uns in völliger kosmischer Liebe und in tiefem Mitgefühl ein, an ihn als Sohn Gottes zu glauben, damit wir lernen, an uns zu glauben. Denn wir sind nicht getrennt.

Jesus soll gesagt haben: "
Wer an mich glaubt, wird die Werke, die ich vollbringe, auch vollbringen, und er wird noch größere vollbringen, denn ich gehe zum Vater. (...) Wenn ihr mich um etwas in meinem Namen bittet, werde ich es tun." (Joh 14,12)

Es ist bereits geschehen.

Der Glaube befähigt uns, zu visualisieren. Der Glaube verstärkt sich durch Affirmationen. Aus den wiederholten Visualisierungen und Affirmationen im Mentaltraining formen sich die unbewussten geistigen Prozesse, die mein neues Glaubens-System ausmachen. Wir entwickeln dabei die Vorstellung, dass wir bereits das Angestrebte erhalten haben, dass es bereits (in der geistigen Sphäre) fertig ist: 

Glauben und Vertrauen, dass die Sache oder Erfahrung bereits real ist, in unserem Besitz ist. Der Glaube und das tiefe Wissen um seine Realisierung durch das kosmische Gesetz von Ursache und Wirkung zwingen den Gedanken in die Existenz.
Deshalb können wir an einem bestimmten Punkt des Mentaltrainings mit dem Visualisieren und Affirmieren aufhören und im Vertrauen loslassen.

"
Wer um etwas bittet, der soll daran glauben,
dass er es schon erhalten hat und es wird ihm zuteil werden.
" (Bibel)

Glaube an das, was noch nicht ist, damit es werde.
  • Wenn wir auch nur den geringsten Zweifel haben, werden die Materialisierungen sich verzögern oder gar zunichte gemacht.
  • Wenn wir unbedingt das WIE bzw. den WEG der Verwirklichung wissen wollen (Wie soll denn das gehen?), dann kann das die Manifestierung der Absichten und Wünsche einschränken.
"Wo Glaube ist, ist Hoffnung, und wo Hoffnung ist, geschehen Wunder."
(Werbespruch für eine Gesichtscreme gegen Falten)

Gefunden auf der website des VNR Verlags für die deutsche Wirtschaft AG

So ist das also mit dem Glauben: Er ist nichts als eine mentale Technik. Ist das Esoterik? Zumindest ist das eine nicht-religiöse Auslegung des Glaubensbegriffes, die bei vielen Menschen heute sehr verbreitet ist: Glaube an deine Ziele, so wirst du sie erreichen. Sei überzeugt von dir selbst, und der Erfolg wird sich einstellen. Du suchst einen Parkplatz in einer belebten Großstadtgegend? Visualisiere ihn einfach, glaube an dich und die Macht deines Glaubens - und du wirst ihn finden.

Funktioniert das Leben wirklich so? Oder bin ich nur zu sehr von Zweifeln angekränkelt, um das begreifen zu können?

Die "Christen-Bibel" muss jedenfalls für vieles herhalten. Und wenn Jesusworte in direktem Zusammenhang mit Werbesprüchen für Antifaltencremes erscheinen, macht mich das irgendwie doch misstrauisch.

U-Bahn Währinger Straße

Samstag, 24. Januar 2009

Darf man Magersucht predigen?


Pro-Ana-Web-Seite, Selbstbildnisse Magersüchtiger: "Glaubensbekenntnisse" und Handlungsanweisungen

Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) hat erstmals ein Privatblog auf den Index gesetzt. Betroffen ist "Anna-Hanna-Blogspot", in dem sich eine minderjährige Autorin mit ihrer Magersucht Anorexia Nervosa auseinandersetzt. Laut BPjM gehört die Autorin zur "Pro-Ana"-Szene und verherrlichte die Krankheit in Gedichten, "Glaubensbekenntnissen", Handlungsanweisungen und "Motivationsverträgen", so die Prüfstelle in ihrer Entscheidung. "Gefährdungsgeneigte Jugendliche oder heranwachsende Betroffene fühlen sich auf Pro-Ana-Seiten verstanden und ermutigt, weiter an der Essstörung festzuhalten." Blog-Hoster Google hat das Angebot bereits aus dem Netz genommen - eine Zugangsbeschränkung für Minderjährige hätte genügt. Beim Lawblog hat die Sperrung derweil eine Diskussion um Netz-Zensur und Präzedenzwirkung entfacht: Wird Minderjährigen - und damit praktisch allen Nutzern - bald auch der Zugriff auf andere kritische und ungemütliche Internet-Beiträge durch Altersverifikations-Systeme gesperrt? Ein Kommentator fragt hintergründig: "Wann werden denn Modellwettbewerbe zensiert?"

Spreeblicker Johnny Haeusler dagegen bricht eine Lanze für die Prüfstelle - man müsse sich den digitalen Herausforderungen anders stellen "als durch reflexhafte 'Zensur!'-Statements". In den Kommentaren fordern dann einige aber wieder ein Recht aufs Zu-Tode-Hungern.

spiegel.de

Verständlich, diese Maßnahme der Bundesprüfstelle, einerseits. Andererseits ist der Gedanke doch nicht abwegig, dass das ehemals so freie Internet immer stärker der Zensur unterworfen wird, und das nicht nur in Ländern wie China. 

Wie weit darf der Staat gehen, um seine Bürger vor sich selbst zu schützen? In der Frühen Neuzeit gab es in manchen Territorien Erlasse, die die Ausgaben bei Taufen und Hochzeiten begrenzten, um die Menschen vor Verarmung zu schützen. In diesem Sinne müsste man sich heute fragen, ob nicht das Lotteriewesen und jegliches Glücksspiel ebenso begrenzt und scharf beobachtet werden sollten, aber daran verdienen die Staaten ja gut und gerne mit. Die Vorsorge des Staates geht weit. Die Raucher bekommen es zu spüren, trinken darf man vorläufig noch. Extremsportarten mit hoher Verletzungsgefahr gehören sicher auf den Index. (Vor Jahren war das schon einmal ein vorgeschlagenes Erörterungsthema für die Abschlussklausuren an hessischen Berufsfachschulen: Sollten die Krankenkassen auch in Zukunft für die Folgen von Sportunfällen aufkommen?) Das ungesunde Leben fängt aber eigentlich schon beim Autofahren und beim Einkaufen an. Im Grunde ist der ganze Kapitalismus gesundheitsschädlich. Oder er fördert zumindest die menschlichen Selbstzerstörungsimpulse. Wenn es dem Staat gelänge, die Menschen ganz und gar umzuerziehen und alle Selbstzerstörungsimpulse auszuschalten, was bliebe dann übrig? Ein Märchenland, ein großer Kibbuz, oder doch eine Art Arbeitslager?  

Bedrohliche Teme

Überall um uns herum vermehren sich Techno-Meme und bereiten sich darauf vor, die Kontrolle zu übernehmen. Sie selbst wissen es nicht, denn sie sind einfach egoistische Replikatoren, und sie tun, was alle egoistischen Replikatoren tun: Sie lassen sich kopieren, wo immer und wann immer es geht, ohne Rücksicht auf die Konsequenzen.

Im aktuellen Fall verwenden sie uns als menschliche Mem-Maschine für die erste Stufe ihres Kopiervorgangs, bis etwas Besseres auftaucht. Künstliche Mem-Maschinen werden ständig besser, und der Schritt, der alles verändern wird, wird darin bestehen, dass diese Maschinen selbstreplizierend werden. In diesem Augenblick werden sie uns nicht mehr benötigen. Ob wir leben oder sterben, ob der Planet für uns bewohnbar ist oder nicht - all das wird für ihre weitere Evolution ohne Belang sein.

Ich stelle mir unseren Planeten gerne als einen unter einer Million oder einer Billion möglicher Planeten vor, auf denen die Evolution anfängt. Notwendig ist dazu etwas (ein Replikator), das sich mit gewissen Variationen kopieren lässt, sowie ein Selektionsvorgang. Darwin hat erkannt, dass, wenn mehr Kopien erstellt werden als überleben können, die Überlebenden diejenigen Merkmale an die nächste zu kopierende Generation weitergeben werden, dank derer sie durchgekommen sind. So entstehen alle Gebilde im gesamten Universum.

Nachahmung ist eine Art des Kopierens. Die Affen kopierten Bewegungsabläufe und Töne und erzeugten neue Variationen und Kombinationen alter Bewegungsabläufe und Töne. Und so setzten sie einen neuen Replikator frei: das Mem. Nach wenigen Millionen Jahren hatten sich die ursprünglichen Affen vollkommen verwandelt: Sie entwickelten ein riesiges Gehirn und geschickte Hände, und ihre Kehle und ihr Brustkorb waren umgemodelt, so dass sie Töne und Bewegungsabläufe genauer kopieren konnten. Aus ihnen waren Mem-Maschinen geworden.

Wir wissen nicht, ob es irgendwo draußen im Universum weitere Planeten mit zwei Replikatoren gibt, denn deren Bewohner könnten uns das gar nicht mitteilen. Was wir jedoch wissen, ist, dass unser Planet zurzeit die Geburtsstunde eines dritten Replikators erlebt – ein Schritt, der eine interplanetarische Kommunikation ermöglichen würde.

Der Vorgang hat langsam begonnen und wurde dann, wie bei evolutionären Prozessen so oft der Fall, immer schneller. In Lehm gekratzte Zeichen hielten verbale Meme fest und ermöglichten es mehr Menschen, sie zu sehen und zu kopieren. Die Drucktechnik brachte eine höhere Kopiergüte und mehr Kopien mit sich. Dank Eisenbahn und Straßennetz konnten die Kopien immer weiter verteilt werden, und Menschen auf dem ganzen Planeten forderten sie lautstark. Computer erhöhten sowohl die Anzahl der Kopien als auch deren Güte. Normalerweise wird dieser Vorgang als Errungenschaft des menschlichen Erfindergeistes gesehen, aus dem wunderbare Technologien hervorgehen, die dem Wohl der Menschheit dienen, und bei dem wir die Kontrolle haben. Das ist eine erschreckend anthropozentrische Sichtweise dessen, was da vor sich geht.

Sehen Sie es einmal so: Druckerpressen, Schienennetze, Telefone und Fotokopierer gehören zu den frühen künstlichen Mem-Maschinen; sie haben aber lediglich einen oder zwei der drei Schritte im Algorithmus der Evolution durchgeführt. Bücher speichern beispielsweise Meme, und Druckerpressen kopieren sie, aber der Mensch übernimmt weiterhin die Variation (das heißt, er schreibt Bücher, indem er die Wörter auf neue Weise zusammenstellt) und die Selektion (indem er entscheidet, welche Bücher er kauft, liest oder nachdruckt). Mobiltelefone speichern Meme und übertragen sie über weite Entfernungen, aber der Mensch variiert und selektiert weiterhin die Meme.

Auch im Internet findet die Selektion weiterhin überwiegend durch den Menschen statt, doch das ändert sich rapide. Wir altmodischen, schlabberigen, lebendigen Mem-Maschinen werden von Memen überschwemmt und überlassen es daher munter Suchmaschinen und anderen Softwareanwendungen, auch noch den letzten Vorgang, die Selektion, zu übernehmen.

Haben wir ungewollt einen dritten Replikator freigesetzt, der auf menschlichen Memen huckepack reitet? Ich glaube ja. Die Informationen, die diese Maschinen kopieren, sind nicht menschliche Sprache oder Bewegungsabläufe. Es sind digitale Informationen, die um den verfügbaren Platz in riesigen Servern und elektronischen Netzwerken konkurrieren, wobei sie durch elektronische Prozesse mit extrem hoher Güte kopiert werden. Wenn erst einmal alle drei Vorgänge – Kopieren, Variation und Selektion – von diesen Maschinen durchgeführt werden, wird meiner Meinung nach tatsächlich ein neuer Replikator entstanden sein. Wir könnten diese Replikatoren der dritten Ebene als "Teme" (technische Meme) oder "Treme" (tertiäre Meme) bezeichnen. Egal wie wir sie nennen, sie und ihre Kopiermaschinen sind nun da. Wir dachten, wir hätten schlaue Werkzeuge erfunden, die unserem eigenen Vorteil dienen, doch in Wirklichkeit haben uns blinde, unaufhaltsame evolutionäre Prozesse ausgenutzt, als Sprungbrett zur nächsten Ebene der Evolution.

Als sich Meme parallel zu den Genen entwickelten, verwandelten sie Gen-Maschinen in Mem-Maschinen. Nun verwandeln uns Teme in Tem-Maschinen. Viele Menschen verbringen den ganzen Tag damit, Teme zu kopieren und zu übermitteln. Kinder lernen in sehr jungen Jahren das Lesen – einen völlig unnatürlichen Vorgang, an den wir uns einfach gewöhnt haben – und die Menschen fangen nun an, Medikamente zur Steigerung des Denkvermögens und zur Senkung des Schlafbedarfs zu akzeptieren, und sogar elektronische Implantate, um ihre Fähigkeiten im Umgang mit Temen zu verbessern. Wir glauben weiterhin, wir hätten die Kontrolle, aber aus Sicht der Teme sind wir lediglich willige Gehilfen in ihrer Evolution.

Wie sieht also der Schritt aus, der alles verändern wird? Im Augenblick benötigen uns Teme noch, um ihre Maschinen zu bauen und um die Kraftwerke zu betreiben, so wie Gene den menschlichen Körper benötigen, um sie zu kopieren und ihnen Energie zu liefern. Aber wir Menschen sind zerbrechliche, beschränkte Kopiermaschinen von minderer Qualität, und wir benötigen einen gesunden Planeten mit den richtigen Klimabedingungen und den richtigen Nahrungsmitteln, um überleben zu können. Der nächste Schritt besteht darin, dass die Maschinen, von denen wir dachten, wir hätten sie erschaffen, sich selbst replizieren können. Das mag erst mit der Nanotechnologie geschehen, oder es kann dadurch passieren, dass Server und große Tem-Maschinen ihre eigene Energieversorgung erhalten und die Fähigkeit, sich selber zu reparieren.

Wir wären dann entbehrlich. Damit würde sich wirklich alles verändern.


Susan Blackmore (Artikel aus spiegel.de)

Susan Blackmore ist freie Schriftstellerin, Lektorin und Rundfunksprecherin, außerdem lehrt sie als Gastdozentin an der University of the West of England in Bristol. Sie forscht vor allem auf dem Gebiet der Meme und der Memetik, der Evolutionstheorie, des Bewusstseins und der Meditation. Blackmore hat zahlreiche Bücher verfasst, darunter "Die Macht der Meme oder die Evolution von Kultur und Geist" und jüngst "Gespräche über Bewusstsein".

Birken, Sehnsuchtsbäume

Und immer wieder, wenn ich Birken sehe, fällt mir Peters Steins berühmte Inszenierung von Gorkis "Sommergästen" an der Berliner Schaubühne ein, in der auf der Bühne lauter (echte) Birken standen. Wann habe ich das gesehen? 1975 wahrscheinlich. Ein starker, bleibender Eindruck.

Ein winterlicher Sonnentag

Vom Wiener Regen

Ein alltäglicher Gebrauchsgegenstand, den ich in Wien nicht brauche, ist der Regenschirm. Nicht, dass es etwa nie regnete. Aber bei leichtem Nieselregen genügt durchaus mein breitkrempiger Hut; und wenn es heftiger regnet, ist das in aller Regel mit so starkem Wind verbunden, dass ein Schirm nur Probleme schaffen würde, dann hilft nur noch eine Regenjacke mit Kapuze.

Zwischen den Stramplern

Oft fragt man sich, was man jungen Eltern zur Geburt des Nachwuchses schenken soll? Na, ist doch gar nicht so schwer. Schenken Sie ein Horoskop von Astroportal.com.

Ein Horoskop als Geschenk für einen neuen Erdenbürger. Damit werden Sie, soviel ist sicher, sehr viel Freude bereiten. Der Vorgang ist ganz einfach. Sie müssen nur die Geburt des Babys abwarten und begeben sich dann mit den Daten über dessen genauen Geburtsort, die exakte Zeit sowie natürlich dem Tag, zum Astrologen Ihrer Wahl.

Der benötigt zwar dann etwas Zeit, weil ein von einem Astrologen erstelltes Horoskop eine sehr aufwändige Angelegenheit ist, aber seien Sie sicher, es lohnt sich. Ein solches Horoskop, es wird auch als Geburtshoroskop bezeichnet, liest aus der Sternenkonstellation am angegebenen Tag und zum angegebenen Zeitpunkt, Dinge wie die zu erwartenden Charaktereigenschaften des Kindes sowie seinen Werdegang und öffnet ein kleines Fenster in dessen Zukunft.

Welche Eltern möchten nicht einen derartigen Blick auf die künftige Entwicklung Ihres Nachwuchses werfen können? Vor allem der Blick auf die charakterliche Entwicklung des Kindes ist äußerst spannend. Geht doch die moderne Astrologie davon aus, dass sich das Kind den zu ihm passenden Geburtszeitpunkt selbst auswählt. 

Wie dem auch sei – mit einem Horoskop liegen Sie bestimmt richtig. Einerseits können Sie sicher sein, dass Ihr Geschenk sehr lange Freude macht, da man immer mal wieder, auch nach Jahren, einen Blick in das Horoskop werfen wird. Andererseits können Sie davon ausgehen, dass Sie mit einem Horoskop zwischen all den Stramplern, Bodys und Babyhäubchen wirklich auffallen werden.


Werbung im Internet

Feuchte oder Glätte?

Warum eigentlich gerade Bielefeld?

Einige deutsche Schrottplätze bieten als Freizeitvergnügen die Möglichkeit, auf ausgediente Kraftfahrzeuge mit dem Hammer loszugehen.

Die Abwrackprämie der Bundesregierung ist mit derlei Firlefanz natürlich nicht vergleichbar. Immerhin soll durch die Vernichtung neun Jahre alter Autos die Wirtschaft angekurbelt werden. Auch hier gibt es reichhaltig Erfahrung. Im bisher größten Abwrackprogramm der deutschen Geschichte wurde zwischen 1939 und 1945 ein großer Teil des Bestands an Fahrzeugen, Häusern und anderen Gegenständen erfolgreich entsorgt - damals noch ohne Prämie.

Der ökonomische Effekt lässt sich im Nachhinein zwar als Erfolg lesen. Die unangenehmen Begleiterscheinungen allerdings gilt es diesmal zu vermeiden. Ziel muss daher eine geordnete Abwrackung des Altbestands sein, wie sie am Palast der Republik und dem TV-Entertainer Harald Schmidt bereits beispielhaft vollzogen wird (beide älter als neun Jahre).

Als weitere Objekte eignen sich: der Gesamtbestand deutscher Gartenzwerge, Monopoly-Spiele sowie die Stadt Bielefeld.


Financial Times Deutschland 19. 01. 2009

Es ist und bleibt mir rätselhaft, wieso gerade Bielefeld einen solchen schlechten Ruf unter den deutschen Städten erlangen konnte. Natürlich ist es eine nach den Kriegszerstörungen ausgesprochen lieblos wieder aufgebaute und höchst langweilige Verwaltungsstadt ohne besondere Sensationen. Aber als mögliche Objekte geplanter Zerstörung würden sich sicher auch noch Dutzende anderer deutscher Städte empfehlen.

Freitag, 23. Januar 2009

Blick zum Winterhimmel

Verständigung: Im Zweifel hilft Nuscheln

An das Österreichische bzw. Wienerische habe ich mich mittlerweile gut gewöhnt, in manchem auch angepasst, das bleibt nicht aus. Im Zweifelsfalle muss man einfach etwas undeutlich reden, manches verschlucken und ein wenig "auf den Vokalen sitzen" (ein schöner Ausdruck, den ich vor einiger Zeit gelernt habe), schließlich die Doppellaute wie Einzelvokale behandeln, und schon wird man viel besser verstanden als mit klarem Hochdeutsch, das die Wiener tatsächlich nur vom Theater her kennen und auf das sie im Alltag nicht gefasst sind. 

In der U-Bahn Station


Mittwoch, 21. Januar 2009

Überströmender Messianismus: Das Reich der Liebe ist da

Praise song for the day

Each day we go about our business, walking past each other, catching each others' eyes or not, about to speak or speaking. All about us is noise. All about us is noise and bramble, thorn and din, each one of our ancestors on our tongues. Someone is stitching up a hem, darning a hole in a uniform, patching a tire, repairing the things in need of repair.

Someone is trying to make music somewhere with a pair of wooden spoons on an oil drum with cello, boom box, harmonica, voice.

A woman and her son wait for the bus.

A farmer considers the changing sky; A teacher says, "Take out your pencils. Begin."

We encounter each other in words, words spiny or smooth, whispered or declaimed; words to consider, reconsider.

We cross dirt roads and highways that mark the will of someone and then others who said, "I need to see what's on the other side; I know there's something better down the road."

We need to find a place where we are safe; We walk into that which we cannot yet see.

Say it plain, that many have died for this day. Sing the names of the dead who brought us here, who laid the train tracks, raised the bridges, picked the cotton and the lettuce, built brick by brick the glittering edifices they would then keep clean and work inside of.

Praise song for struggle; praise song for the day. Praise song for every hand-lettered sign; The figuring it out at kitchen tables.

Some live by "Love thy neighbor as thy self."

Others by first do no harm, or take no more than you need.

What if the mightiest word is love, love beyond marital, filial, national. Love that casts a widening pool of light. Love with no need to preempt grievance.

In today's sharp sparkle, this winter air, anything can be made, any sentence begun.

On the brink, on the brim, on the cusp -- praise song for walking forward in that light.

Elizabeth Alexanders Gedicht bei der Amtseinführung von Barack Obama (Nachschrift aus der New York Times)

Armut in einem reichen Land

Ohne Sozialleistungen wäre fast jeder zweite Österreicher armutsgefährdet – Ein Prozent der Bevölkerung sind Millionäre

In Österreich kann man sehr gut leben – unter anderem dann, wenn man zu dem einen Prozent der Bevölkerung gehört, das mindestens eine Million Euro an Vermögen zur Verfügung hat. Ist man hingegen arbeitslos, alleinerziehend oder MigrantIn; hat man nur einen niedrigen Bildungsabschluss oder viele Kinder oder befindet sich in einem sogenannten prekären Beschäftigungsverhältnis, sieht es weit weniger rosig aus: Etwa eine Million ÖsterreicherInnen – vorrangig aus den genannten Gruppen – leben mit einem Einkommen unter der Armutsgefährdungsgrenze. (...)

Das geht aus dem zweiten österreichischen Armuts- und Reichtumsbericht hervor, der heute in Wien von der Österreichischen Gesellschaft für Politikberatung und Politikentwicklung (ÖGPP) präsentiert wurde. Während Vermögen und Reichtum immer mehr zunehmen – das Geldvermögen hat sich in den vergangenen zehn Jahren auf 2.155 Milliarden Euro verdoppelt – stiegen die die Einkommen im unteren Einkommensdrittel im selben Zeitraum nur um neun Prozent.

Armut trotz Arbeit

Aus den armutsgefährdeten Gruppen sticht besonders eine hervor: Die der sogenannten "Working Poor". Rund 230.000 Menschen sind in Österreich trotz regelmäßiger Erwerbstätigkeit arm oder armutsgefährdet – um zwölf Prozent mehr als noch 2003. Erwerbsarbeit ist nicht mehr per se existenzsichernd.

Dass das Netz des Sozialstaats ein unbedingtes Muss ist, zeigen Zahlen über die Effekte der Sozialleistungen. Ohne diese wären sogar 43 Prozent der Bevölkerung armutsgefährdet.

Auch eine Definition

Schreiben ist ausgefülltes Warten auf den Tod.

Der Dichter Michael Lentz

Hilfreiche Hände...

... aber sie wirken eher bedrohlich - und der Motorradunfall eigentlich fast lustig: Spendenwerbeplakat des Arbeitersamariterbundes.

Liebe im Kapitalismus

Wie lieben wir heute? Was bestimmt unsere Vorstellungen von Liebe und Romantik? Der Konsum ist gut für die Romantik, sagt die bekannte israelische Soziologin Eva Illouz. Aber: Onlinedating ist der Tod der Liebe.

Falter: Lieben die Menschen anders im modernen Kapitalismus?

Eva Illouz: Ein paar Empfindungen bleiben schon immer gleich – dass man Herzklopfen hat oder total verwirrt ist, wenn man mit jemandem zusammen ist, in den man sich verliebt hat, dass man kaum mehr schlafen kann oder nichts mehr essen will. Aber wie die Menschen ihr Leben rund um das Thema „Liebe“ organisieren, alle Institutionen, die damit in Zusammenhang stehen, das hat sich sehr verändert. Die sexuelle Freiheit hat viel verändert. In einer Gesellschaft, in der es als unmoralisch galt, viele Partner zu haben, gab es eine Kultur der Sublimierung. Heute leben wir eher in einer Ökonomie des Übermaßes, auch in der Liebe, und das verändert natürlich unser Empfinden von Liebe. Die Storys, die wir um die Liebe herum erzählen, haben sich fundamental verändert.

Falter: In Ihrem Buch, das Sie berühmt gemacht hat – „Der Konsum der Romantik“ –, klang das aber noch deutlich optimistischer …

Illouz: Jetzt haben Sie mich erwischt. Ich habe meine Position geändert.

Falter: Inwiefern?

Illouz: Ich denke, man muss unterscheiden zwischen Konsumobjekten und Freiheit. Nun nimmt man im Allgemeinen an, dass Konsumobjekte gefährlich sind für unsere Gefühle, die Freiheit aber sehr gut für unser Gefühlsleben, weil sie uns erlaubt, unsere „echten“ Wünsche zu realisieren. Ich glaube, das exakte Gegenteil ist der Fall.

Falter: Was die Frage nach den Konsumgütern betrifft, ist das ja keine große Differenz zu Ihrer früheren Haltung: dass Waren unser Gefühlsleben nicht bedrohen, sondern der Konsum uns im Gegenteil erlaubt, unsere Sehnsüchte zum Ausdruck zu bringen …

Illouz: Ja, es gibt diese antimaterialistische Haltung, die glaubt, Objekte seien nur bedrohlich. Das sind sie nicht. Wenn wir eine rote Rose kaufen oder einen Wochenendtrip mit einem Geliebten oder einer Geliebten nach Paris oder Venedig buchen, dann konsumieren wir Waren, die mit „Romantik“ assoziiert sind, unser Leben aber bereichern. Dass Restaurants entstanden – also kommerzialisierte Orte –, in denen man sich für Rendezvous verabreden kann, machte unser Liebesleben nicht ärmer, es erlaubte vielen Menschen im Gegenteil erst, sich privat zu begegnen. Also, dass es eine regelrechte Ökonomie des Romantischen gibt, hat die Emotionen nicht schlechter, schwächer oder instrumenteller gemacht.

Falter: Also, Konsumkritik ist Ihre Sache nicht?

Illouz: Diese Konsumobjekte hatten einen positiven Effekt auf Gleichberechtigung und sexuelle Freiheit. Die Fülle an solchen Waren und kommerziellen Angeboten haben mehr Möglichkeiten geschaffen, romantische Momente zu erfahren. Also, daran ist nichts Schlechtes. Sie können auch helfen, die Mechanik des Genießens aufrechtzuerhalten. Klar, auch das kann sich entleeren nach einer gewissen Zeit, aber das ist noch kein Argument – ohne die Waren würde es sich wohl früher entleeren.

Falter: Selbst das Bild der „echten“ Liebe, das wir alle im Kopf haben, stammt nicht aus unserem Kopf, sondern ist oft kulturell erzeugt.

Illouz: Durch Filme, durch die Werbung, durch Literatur. Oft haben Liebende „ihren“ Song. Oder sie erinnern sich an einen bestimmten Moment in einer Bar, den sie gemeinsam erlebt haben. Aber schon dieser Moment war, in dem Augenblick, in dem sie ihn erlebten, eingefärbt von ihrem kulturellen Wissen, wie ein romantischer Moment in einer Bar aussehen muss.

Falter: In ihrem Buch zitieren Sie den berühmten Rochefoucauld-Satz, dass viele Menschen sich niemals verlieben würden, wenn sie nicht davon gehört hätten.

Illouz: Es ist einfach nicht haltbar, dass Erlebnisse allein deshalb unauthentischer oder weniger wert sein sollen, nur weil sie nicht allein und rein aus dem Innersten unseres Ichs kommen.

Falter: Warum haben Sie dann Ihren optimistischen Blick aufgegeben?

Illouz: Weil wir auch die negativen Seiten der Freiheit beachten müssen. Nehmen wir nur die Technologie des Internets mit seinen Partnerbörsen, dem Onlinedating, den Social-Network-Foren, wo es oft primär um Partnersuche geht. Hier entsteht eine Kultur der Freiheit, die eine Kultur der Auswahl ist. Jeder kann nach jedem Ausschau halten, jeder hat eine unermessliche Möglichkeit, nach Partnern zu suchen. Diese Technologie der Auswahl hat eine sehr negative Auswirkung auf Emotionen. Es führt ein hohes Maß an Rationalität in das Liebesleben ein und lässt keinen Platz für Intuition.

Falter: Mit den Konsumgütern kamen auch die „Tugenden“ des Konsumkapitalismus auf den Marktplatz der Romantik – und dazu zählt etwa, dass jeder seinen eigenen Vorteil suchen soll, dass wir überzeugt sind, eine unbegrenzte Auswahl zu haben, und dass das Neueste das Neue schlägt. Kann man da so leicht eine Differenz machen zwischen der „guten“ Warenorientierung und den „schlechten“ Folgen einer Kultur der Auswahl?

Illouz: Sicherlich, das ist das Problem. Und das Problem mit der Idee von der „Auswahl“, die der Konsument hat, besteht darin, dass man unterstellt, die Konsumenten wüssten, was sie wollen. Aber das ist absolut nicht der Fall. Die Menschen wissen nicht exakt, was sie wollen, das zeigen alle Studien. Mehr noch: Je mehr Auswahl sie haben, umso verwirrter sind sie in Hinblick auf ihre Wünsche. Sie wissen dann noch viel weniger, was sie wollen. Und wenn diese Konsumorientierung das Liebesleben infiziert, macht das das Leben nicht leichter. Was aber auf den Liebesmärkten im Internet noch hinzukommt, ist: Die Menschen sehen andere Menschen, als wären sie Waren, aber sie betrachten sich selbst ebenfalls als Ware.

Falter: Man preist sich an, kultiviert ein bestimmtes Bild des Selbst, man schauspielert …

Illouz: Das ist der Betriebsmodus der Social Networks. Nun, im Networking des Arbeitslebens, in diesen permanenten Konkurrenzsituationen, haben wir uns daran gewöhnt, dass wir uns als die Besten, Schönsten, Schnellsten, Smartesten präsentieren wollen. Gleichzeitig wissen wir natürlich, dass wir nur ein künstliches, professionelles Selbst präsentieren und dass unser „wirkliches“ Selbst ein anderes ist. Etwas ganz anderes ist es allerdings, wenn die gleiche Logik etwas so Intimes wie die Liebe infiziert. Man hält Ausschau nach authentischen Erfahrungen, nach dem nackten, inneren Ich eines Anderen, aber die Technologie der Auswahl zerstört die Intimität.

Falter: Geht es damit den Menschen in der Liebe schlechter als früher? Die Leute waren vor 20 Jahren doch auch nicht glücklicher.

Illouz: Komparative Daten gibt es natürlich nicht. Aber der Grad der Enttäuschungen ist gerade in der Welt des Internetdatings sehr, sehr hoch. Selbst in Beziehungen sehen sich die Menschen oft weiter um, um ihren Marktwert zu testen. Denn womöglich könnten sie ja einen wertvolleren Partner ergattern. Man zappt wie vor dem Fernseher. Hinzu kommt die Abstumpfung durch die Wiederholung. Goethes Werther würde heute nicht mehr Selbstmord begehen, er würde einfach seinen Computer einschalten und sich zur nächsten Affäre zappen.

Falter: Man könnte sagen: besser weiterklicken als Selbstmord verüben.

Illouz: Für das Individuum ist es sicher besser, die Sache mit dem Selbstmord bleiben zu lassen. Aber für eine soziale Kultur ist es besser, wenn es Leidenschaft und die Vorstellung eines Begehrens gibt, die im Extremfall im Selbstmord münden können. Was für das Individuum gut ist, kann für eine Kultur schlecht sein.

Falter: Ihr neuestes Forschungsthema ist die „Bindungsangst“. Ist es der konsumistischen Mentalität zuzuschreiben, dass man sich nicht gern bindet, weil man damit Optionen aufgibt?

Illouz: Mein nächstes Buch behandelt das Thema „Warum Liebe schmerzt“. Viele Menschen sind von der psychologischen Auffassung überzeugt, dass es bei ihnen in der Liebe nicht klappt, weil in ihrer Kindheit irgendetwas schiefgelaufen ist. Ich denke, das ist oft falsch. Mindestens so viel Anteil haben die Moderne und der zeitgenössische Kapitalismus.

Aus einem Interview des Falter mit der Soziologin Eva Illouz