Mittwoch, 21. Januar 2009

Armut in einem reichen Land

Ohne Sozialleistungen wäre fast jeder zweite Österreicher armutsgefährdet – Ein Prozent der Bevölkerung sind Millionäre

In Österreich kann man sehr gut leben – unter anderem dann, wenn man zu dem einen Prozent der Bevölkerung gehört, das mindestens eine Million Euro an Vermögen zur Verfügung hat. Ist man hingegen arbeitslos, alleinerziehend oder MigrantIn; hat man nur einen niedrigen Bildungsabschluss oder viele Kinder oder befindet sich in einem sogenannten prekären Beschäftigungsverhältnis, sieht es weit weniger rosig aus: Etwa eine Million ÖsterreicherInnen – vorrangig aus den genannten Gruppen – leben mit einem Einkommen unter der Armutsgefährdungsgrenze. (...)

Das geht aus dem zweiten österreichischen Armuts- und Reichtumsbericht hervor, der heute in Wien von der Österreichischen Gesellschaft für Politikberatung und Politikentwicklung (ÖGPP) präsentiert wurde. Während Vermögen und Reichtum immer mehr zunehmen – das Geldvermögen hat sich in den vergangenen zehn Jahren auf 2.155 Milliarden Euro verdoppelt – stiegen die die Einkommen im unteren Einkommensdrittel im selben Zeitraum nur um neun Prozent.

Armut trotz Arbeit

Aus den armutsgefährdeten Gruppen sticht besonders eine hervor: Die der sogenannten "Working Poor". Rund 230.000 Menschen sind in Österreich trotz regelmäßiger Erwerbstätigkeit arm oder armutsgefährdet – um zwölf Prozent mehr als noch 2003. Erwerbsarbeit ist nicht mehr per se existenzsichernd.

Dass das Netz des Sozialstaats ein unbedingtes Muss ist, zeigen Zahlen über die Effekte der Sozialleistungen. Ohne diese wären sogar 43 Prozent der Bevölkerung armutsgefährdet.

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