Mittwoch, 30. Dezember 2009
Weise Worte ener Beraterin
Warum es wichtig ist, Widersprüche zuzulassen und mit der eigenen Unsicherheit sowie jener der anderen umgehen zu lernen, darüber sprach die systemische Beraterin Roswita Königswieser im Interview
STANDARD: Was heißt Gelassenheit?
Königswieser: Die Balance zwischen Zu- und Loslassen halten zu können. Wer zu viel zulässt, hat keine Identität mehr, und wer zu viel loslässt, hat kein Profil.
STANDARD: Heißt das, dass wir - bevor wir uns der Gelassenheit annähern - unser Profil stärken müssen?
Königswieser: Ja. Der erste Schritt ist, ehrlich zu sich selbst zu sein, seine Stärken und Schwächen zu benennen. Der Begriff des "Einkehrhaltens" greift zu kurz. Es ist ein Entwicklungsprozess. Die Voraussetzung dafür ist aber Selbsterkenntnis. Je stabiler der eigene Kern ist, umso eher kann ich etwas Neues zulassen oder etwas Vertrautes loslassen.
STANDARD: Darum fällt es uns so schwer, gelassen zu sein?
Königswieser: Ich denke, wir leben in einer Illusion von Sicherheit. Wir haben Versicherungen, Garantien für die Arbeit und Vollbeschäftigung. Es gibt keine absolute Sicherheit im Leben. Das verunsichert. Die Fähigkeit, das Leben als unsicher zu akzeptieren, und den Umgang mit Unsicherheit haben wir nicht gelernt.
STANDARD: Und aktuell ist die Verunsicherung auf einem Höhepunkt.
Königswieser: Durch die Krise werden all diese Ängste verstärkt. Auch in den Organisationen, in denen wir zurzeit arbeiten, wird dieser Zustand der Unsicherheit häufig als unzumutbar erachtet.
STANDARD: Wie aber lernt man mit Unsicherheit umzugehen?
Königswieser: Indem man sich mit den eigenen Ängsten konfrontiert, durch einen, wenn Sie so wollen, Desillusionierungsprozess geht, sich bewusst macht, dass Sicherheit ein Konstrukt ist, und mit Menschen, denen man vertraut, über seine Unsicherheiten spricht. Diese Gespräche bringen Entlastung, Orientierung, Gelassenheit.
STANDARD: Jetzt halten uns Systemiker aber zu positiven (Zukunfts-)Bildern an. Ist das kein Widerspruch?
Königswieser: Stimmt. Wir denken aber grundsätzlich in Polarisierungen. Was ist das Gute im Schlechten? Was ist das Schlechte im Guten? Nach Aufzeichnen eines Worst-Case-Szenarios eröffnen sich einem auch Alternativen. Man kann dadurch Ängste zugeben und sie dann eher wieder loslassen.
STANDARD: Die aktuelle Situation ist aber, dass viele Menschen sich an ihren Arbeitsplatz klammern ...
Königswieser: Menschen versuchen, wenn sie in Drucksituationen sind, im Normalfall mehr des Gleichen zu machen, was aber gar nichts bringt. Hier ist eine andere Wahrnehmung der Situation wichtig, eine Umdeutung, der Versuch einer qualitativ anderen Problemlösung.
STANDARD: Wozu raten Sie Führungskräften, die selbst unsicher sind, aber dennoch Zuversicht verbreiten sollen? Ein Dilemma, nicht?
Königswieser: Ja. Und vielen geht es damit sehr schlecht. Hat man aber eine positive Grundhaltung als Basis, ist es auch einfacher, zu sagen, dass die Planungsmöglichkeiten zwar gering sind, allerdings Prozesssicherheit da ist - im Sinne von „Wir thematisieren unsere Unsicherheit". Und an diesem Punkt gehen Sicherheit und Unsicherheit zusammen.
Die Krise mobilisiert einerseits Ängste, sie bringt aber andererseits Chancen mit sich, essenzielle Themen aufzugreifen. Es ist jetzt an der Zeit, sich wieder Sinnfragen zu stellen, jetzt, wenn man aufgerüttelt ist und mit dem allgemeinen Druck zu kämpfen hat. Das ist das Gute im Schlechten.
Heidi Aichinger: "Gelassenheit beginnt mit Erkenntnis", DER STANDARD, Printausgabe, 24. - 27.12.2009, S. K1.
Wenn diese Gedanken nicht von einer Wirtschaftsberaterin, sondern von einem Theologen geäußert würden, hieße es sicher sofort: "Da sieht man es wieder. Die Kirche will die Leute erst klein machen und dann noch ihre Lage in ihrem Sinne umdeuten."
Sich überlagernde Bilder
Es fehlt an Sprache für das Glück
Dienstag, 29. Dezember 2009
Österreich und der Weltkreis
Gesehen in der Volksschule Knollgasse im 17. Bezirk.
Montag, 28. Dezember 2009
Wahrheit aus Kabarettistenmund
Es hat sich leider immer noch nicht herumgesprochen, dass Nazisein keine Meinung, sondern ein Verbrechen ist.
Der Kabarettist Dieter Nuhr in seinem Jahresrückblick (NUHR 2009) auf 3sat
Nicht bedrohlich...

Samstag, 19. Dezember 2009
Von den wahren Werten
Deutsche Kinder haben Schwierigkeiten mit dem Lesen. In Schulbüchern erscheinen vereinfachte Fassungen bekannter Texte, weil Astrid Lindgren für einen durchschnittlichen Achtjährigen zu hoch ist. Auch die Studenten, die seit Monaten für bessere Studienbedingungen demonstrieren, sind ihres Lesens nicht mehr sicher. Laut einer Untersuchung der Universität Dortmund können nur noch die wenigsten einen komplexen und abstrakten Text durchdringen, weshalb nicht mehr von Lesefaulheit, sondern von "intellektueller Legasthenie" zu sprechen sei. In der Gesamtbevölkerung gelten inzwischen vier Millionen Bundesbürger als funktionale Analphabeten. Sie kennen zwar die Buchstaben, sind aber schon mit dem Lesen eines einfachen Hinweisschilds hoffnungslos überfordert.
Vor diesem Hintergrund ein Zitat von Angela Merkel, nachzulesen, wenn Sie können, in der deutschen "Le monde diplomatique" vom November 2009:
"Stellen Sie sich nur kurz einmal vor, wir würden zehn Jahre lang, vier Stunden in der Woche, genauso viel über unsere Körper lernen wie über die deutsche Sprache und Geschichte. Medizin als Hauptfach - warum eigentlich nicht, meine Damen und Herren, soll das Lesenlernen eine öffentliche Angelegenheit sein, aber das Gesund-leben-Lernen nicht? Warum soll der Körper nur im Sportunterricht vorkommen, warum könnte nicht im Lehrplan stehen, wie man Kopfschmerzen vermeidet, wie man Zuckerkrankheit gar nicht erst entstehen lässt, wie man gesund kocht oder einen Wadenwickel anlegt?"
Ja, zum Teufel, warum eigentlich nicht? Jetzt ganz scharf nachdenken. Vielleicht weil ein Wadenwickel weniger wichtig ist als Sprache und Geschichte? Weil das Vermeiden von Kopfschmerzen im Gegensatz zur Alphabetisierung tatsächlich keine öffentliche Angelegenheit darstellt? Falsch? Falsch. Wer derartige Zweifel hegt, muss in spießigen bildungsbürgerlichen Ideen aus dem vorletzten Jahrhundert gefangen sein. Immerhin ist auch die Schweinegrippe eindeutig wichtiger als der Notstand im deutschen Schul- und Hochschulsystem. Wir leben schließlich nicht in einer Bildungsnation, sondern in einer öffentlichen Krankenstation.
Ein Blick in die Schlagzeilen der letzten Monate beweist das. Während sich Studenten und Schüler gegen die Auswirkungen der Bologna-Umstellung wehren, kämpfen Presse und Politik lautstark gegen H1N1. Die Bundesländer haben 600 Millionen Euro, also einen Betrag, der in etwa dem geschätzten Gesamtaufkommen der Erststudiengebühren im Wintersemester 09/10 entspricht, für einen Impfstoff ausgegeben, der von der Bevölkerung nicht angenommen wird und deshalb zur Kostendeckung ins Ausland verscherbelt werden muss. Bislang hat Deutschland 94 Schweinegrippe-Opfer zu verzeichnen. Auf "normale" Influenza sind, je nach Statistik, 6000 bis 20 000 Todesfälle pro Jahr zurückzuführen.
Angesichts solcher Vergleichszahlen muss man den Schweinegrippen-Hype wohl als gesundheitspolitische Hysterie bezeichnen. Die Schweinebedingungen im Bildungssystem hingegen sind äußerst konkret. Was haben diese beiden Dinge nun miteinander zu tun? Ganz einfach: In einer Demokratie sind politische Entscheidungen auf eine gesamtgesellschaftliche Prioritätensetzung zurückzuführen. Wenn für Bildung auf politischer Ebene notorisch das Geld und auf privater Ebene notorisch die Zeit fehlt, dann stellt dieser Zusammenhang keinen Zufall dar. Im Gegenteil: Er ist ein Ausdruck von wechselseitiger Kausalität. Anders gesagt: Wer keine Zeit hat, ein Buch zu lesen, während es für die tägliche Stunde Fitnesscenter oder Yoga durchaus reicht; wem ein Theaterbesuch zu teuer ist, die neue Anti-Falten-Creme mit dreifachem Wirkstoffkomplex aber nicht; wer politische Demonstrationen sinnlos findet und am Wochenende mit Tausenden von Gleichgesinnten in bunten Wurstpellen durch die Innenstadt joggt - der muss sich nicht wundern, wenn sein Kind in der Schule Lindgren light zu lesen bekommt.
Einst gab es den schönen Satz: "Es kommt auf die inneren Werte an." Gemeint waren nicht die Blut- oder Leberwerte. Stark, schön und gesund sein kann auch ein Tier; lesen und schreiben kann nur der Mensch, vorausgesetzt, man bringt es ihm bei. Homo sapiens definierte sich über seine Vernunft, über Sprachbegabung, Intelligenz, Bewusstsein oder Seele, mithin über geistige Eigenschaften. Selbst die immer wieder aufs Neue missverstandene Mens-sana-in-corpore-sano-Formel begründete die Notwendigkeit von körperlicher Ertüchtigung mit dem Erhalt der Geisteskraft und betrachtete somit das Herumschrauben an der Physis als Mittel zu einem höheren Zweck. Es bereitet mir kaum noch Mühe, diese Sätze in der Vergangenheitsform zu formulieren. Würde man heute jungen Eltern die Frage stellen: "Was hättet ihr lieber, ein schlankes Kind oder ein fettes, das den Dreisatz kann?" - ich würde für die Antwort keine Hand ins Feuer legen.
Wer wissen will, wie es um unsere Präferenzen bestellt ist, muss nur die Gehirnwaschmaschine namens Werbung einschalten. Ob Fernsehen, Radio oder Plakate - gezeigt werden nicht Menschen, die 23 mal 7 im Kopf multiplizieren, "Satellit" buchstabieren oder das deutsche Wahlsystem erklären können. Sondern solche, die jung, schön und leistungsfähig sind, weil sie das Richtige essen, die richtige Kosmetik benutzen und mehr Vitamin-Präparate als Bücher im Schrank haben. Auch der Spam in meinem E-Mail-Postfach bietet keine Goethe-Gesamtausgaben, sondern Schwanzverlängerungen und Diätprogramme an. Es lebe der Körper. Bildung ist unsexy. (...)
Nun auch in Österreich
Erstmals geht ein Vater aus Niederösterreich vor den Österreichischen Verfassungsgerichtshof (VfGH), um das christliche Kreuz in Kindergärten anzufechten. Anlass ist nicht zuletzt das Kruzifix-Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte. Der Antragsteller - bekennender Atheist - sieht das konfessionslose Aufwachsen seiner Tochter durch die Veranstaltung religiöser Feiern und die Anbringung von Kruzifixen von Seiten des Kindergartens gestört und das Recht auf Glaubensfreiheit - und damit das Recht auch ohne religiöses Bekenntnis aufzuwachsen - verletzt. Das berichtete der "derStandard.at" am Freitag.
Die Tochter habe in diesem Schuljahr an vier religiösen Festen (Erntedank, Martinsfest, zwei Nikolausfeiern) inklusive Kirchenbesuch teilnehmen müssen. Außerdem hänge im Aufenthaltsraum des Kindergartens ein Kreuz in Augenhöhe der Kinder. Der Kindergarten teilte dem Vater mit, dass bei der Vorbereitung auf die religiösen Feste nicht auf andere Religionen und Weltanschauungen eingegangen werde. Einen privaten Kindergarten ohne religiöse Feste gebe es in der näheren Umgebung nicht, heißt es im Antrag.
Konkret will der niederösterreichische Vater zwei Passagen aus dem niederösterreichischen Kindergartengesetz geändert bzw. aufgehoben haben: Jenen, in dem steht, dass das Kindergartenpersonal einen grundlegenden Beitrag "zu einer religiösen und ethischen Bildung zu leisten" habe und jenen, wonach in Kindergärten, in denen die Mehrzahl der Kinder ein christliches Religionsbekenntnis haben, ein Kreuz anzubringen sei.
Das war nur eine Frage der Zeit, bis ein solcher Prozess auch in Österreich angestrengt wird. Man darf gespannt sein. Die Kindergartengesetze der einzelnen Bundesländer sind vermutlich auch noch unterschiedlich. In Wien gibt es bestimmt keine "Kreuzpflicht", wenn in den städtischen Kindergärten aus Gründen religiöser Korrektheit schon der Nikolo nicht mehr kommen darf.
Gibt es ein Kinderrecht auf religions- und konfessionsloses Aufwachsen? Noch nicht, aber wer weiß, worauf man noch verfällt. Aber wenn man dann schon dabei ist: Wie wäre es mit dem Recht auf die Freiheit von Werbung, Konsumterror und Gewaltdarstellungen in den Medien? Müssen Eltern nicht immer in Kauf nehmen, dass ihre Kinder mancherlei Einflüssen ausgesetzt sind, mit denen man in der familiären Erziehung dann kritisch umgehen muss?
Donnerstag, 10. Dezember 2009
Und draußen lauert die magische Welt
Mittwoch, 9. Dezember 2009
Tod beim Würgespiel
Potsdam - Die Mutter hat den 14-jährigen Gymnasiasten aus dem Havelland am vergangenen Freitag laut einem Bericht der "Märkischen Allgemeinen" (MAZ) leblos zu Hause gefunden. Der Junge sei bei einem sogenannten Würgespiel ums Leben gekommen. Er habe sich hingekniet, mit einem Strick kurzzeitig stranguliert und dabei offenbar das Bewusstsein verloren, meldete das Blatt weiter. Der 14-Jährige sei jetzt beigesetzt worden. Die Polizei im Havelland bestätigte am Dienstag den Vorfall.
Der Computer sei angeschaltet gewesen und eine Anleitung für das vermeintliche Spiel, mit dem sich nach Aussagen französischer Experten in jüngster Zeit vor allem Jungen einen Rausch verschaffen wollen, noch abrufbar gewesen, schreibt die Zeitung.
Ziel der Würge- oder Schalspiele ist es laut MAZ, so lange die Luft anzuhalten oder die Halsschlagader abzudrücken, bis das Bewusstsein schwindet. Das Gehirn erhält zu wenig Sauerstoff, was einen rauschhaften Zustand hervorruft. In den USA und Frankreich soll es schon zahlreiche Todesfälle gegeben haben.
In diesem Jahr seien allein in Frankreich 13 Kinder auf diese Weise ums Leben gekommen, hatte die Psychiaterin Marie-France Le Heuzey bei einer internationalen Tagung zu dem Thema am vergangenen Donnerstag in Paris erklärt. Schon Sechsjährige seien davon fasziniert, sich mit dem Mangel an Sauerstoff in einen rauschähnlichen Zustand zu versetzen, sagte sie der Zeitung "Le Figaro". Dabei käme es immer wieder zu Unfällen, die teils als Selbstmorde gedeutet werden.
Seit etwa zehn Jahren habe sich das Phänomen an Schulen ausgebreitet, neuerdings auch unter Grundschülern. Waghalsige Jungen, die sich beweisen wollten, seien besonders gefährdet. Le Heuzey empfiehlt Eltern, darauf zu achten, ob ihre Kinder regelmäßig mit Gürteln oder Schals spielen oder sich in ihrem Zimmer einschließen.
Was tun nicht Menschen alles für ein wenig Rausch? Geht es darum - oder eher um die Mutprobe? Wenn der rauschähnliche Zustand begleitet wird von einer Adrenalin-Ausschüttung, wird es wohl wirklich der ultimative Kick, im wahrsten Sinne des Wortes.
Ein Ort zum Sinnieren - und ein Ort tieferen Sinnes
Orge sagte mir:
1
Der liebste Ort, den er auf Erden hab`
Sei nicht die Rasenbank am Elterngrab.
2
Orge sagte mir: Der liebste Ort
Auf Erden war immer der Abort.
3
Dies sei ein Ort, wo man zufrieden ist
Daß drüber Sterne sind und unten Mist.
4
Ein Ort sei einfach wundervoll, wo man
Wenn man erwachsen ist, allein sein kann.
5
Ein Ort der Demut, dort erkennst du scharf
Daß du ein Mensch nur bist, der nichts behalten darf.
6
Ein Ort der Weisheit, wo du deinen Wanst
Für neue Lüste präparieren kannst.
7
Und doch erkennst du dorten, was du bist:
Ein Bursche, der auf dem Aborte - frißt!
Bertolt Brecht: Orges Gesang
Ich empfehle meinen Schülern und Konfirmanden diesen Raum immer wieder als Ort des Gebets. Man ist so ungestört wie sonst kaum irgendwo.
Dienstag, 8. Dezember 2009
Zielbestimmung
Montag, 7. Dezember 2009
Wer sich mit den bösen Geistern einlässt...
Wer am vergangenen Wochenende nicht vom Krampus heimgesucht wurde, kann von Glück reden. Denn ein Treffen mit dem Bösewicht kann unangenehm enden, wie eine Entscheidung des Obersten Gerichtshofs (OGH) zeigt.
Im Dezember 2005 veranstaltete ein Verein im Salzburger Land einen Krampuslauf. Gleich 250 Krampusse nahmen daran teil. Eine Frau – sie war als Zuschauerin zu der Veranstaltung gekommen – machte um 21Uhr nähere Bekanntschaft mit einem Krampus. Dieser stürmte in die Zuschauermenge und packte ein neben der Frau stehendes Mädchen an den Haaren. Die Frau selbst wurde dabei vom Griff der Rute massiv am linken Auge verletzt. Die Frau klagte den Veranstalter – der konkrete Übeltäter hinter der Maske wurde nicht ausfindig gemacht.
Das Erstgericht wies die Klage ab. Es falle in die Eigenverantwortung des Publikums, ob es an der Vermischung von Publikum und Krampussen beim Freilauf teilhaben wolle. Ein Mehreinsatz an Ordnern hätte auch nichts genützt: Das Verhalten des Krampusses in der Mädchengruppe sei nicht so auffallend gewesen, dass ein Ordner eingegriffen hätte.
Schläge gegen Beine normal
Denn „leichtes Rutenschlagen gegen Mädchenbeine und Körperkontakte etwa durch scheinbar bedrohliches Herumfuchteln oder Mädchen-in-die-Haare-Greifen“ würden unter „nicht zu verhindernde Exzesse“ fallen. Jedenfalls scheide eine Haftung des Krampusvereins aus, weil nicht festgestellt werden konnte, dass die Verletzung der Frau tatsächlich durch eine am Handgelenk des Krampusses baumelnde Rute verursacht worden sei. Das Berufungsgericht hingegen hob das Urteil auf: Es betonte, dass die Augenverletzung durch die Krampusrute im Prozess unstrittig gewesen sei. Überdies müsse der Krampusverein aufgrund einer bescheidmäßigen Anordnung die Haftung für Schäden übernehmen. Dies sei Inhalt des Bescheides gewesen, mit dem der Bürgermeister die Veranstaltung genehmigt hat.
Der Oberste Gerichtshof (10 Ob 15/08s) entschied aber, dass es für die im Bescheid ausgesprochene verschuldensunabhängige Haftung des Veranstalters keine Rechtsgrundlage im Salzburger Veranstaltungsgesetz gebe. Der Bescheid biete damit keine Haftungsgrundlage. Aber auch wegen der Unterlassung von Sicherheitsmaßnahmen könne es keine Haftung des Krampusvereins geben. Denn Besucher beim Krampuslauf seien während des Freilaufs, der an den Umzug anschließt, nicht bloß Zuseher. Sie seien vielmehr Mitwirkende „zur eigenen Unterhaltung und des Nervenkitzels wegen“, meinte der OGH. Den Zusehern falle „ungefragt die Rolle der Opfer der Krampusse zu“. Die verletzte Frau habe daher die Gefahr, die von Krampussen und ihren am Handgelenk baumelnden Ruten ausgehe, selbst erkennen müssen. Sie bekommt keinen Schadenersatz.
Fenstertag
Sonntag, 6. Dezember 2009
Apokalyptisches zur neuen Grippe (eine Fundsache)
Die weltweite Schattenregierung hat das Programm der quantitativen Verringerung der Menschheit begonnen, in dem sie Nanoteilchen in den hohen Schichten der Atmosphäre zerstäubt. Diese rufen Immunitätsschwäche hervor und die Menschen können vom gewöhnlichen Schnupfen die furchtbarsten Komplikationen bekommen und zu Tausenden sterben. Die Impfungen von der fiktiven Schweinegrippe, die es in Wirklichkeit nicht gibt, darf man nicht machen, weil diese Impfungen die Menschen vernichten werden. Auf diese Weise will die Schattenregierung die Bevölkerung der Erde bis zu einer bestimmten Zahl verringern. Ihr Plan sieht so aus: Wenn die Menschen die Dämpfe der Stickstoff-wasserstoffhaltigen Säure einatmen, die bei der Temperatur 37,2 aufkocht, so wird bei der gewöhnlichen Erkältung die Temperatur des Körpers steigen, die Säure geht eine Reaktion mit dem Wasserstoff ein, sondert dann leichtes Wasserstoff und leichtes Stickstoff ab. Dieser Verbindung ruft die Symptome der Lungenentzündung, Lungenödem und den Tod hervor. Aber! Wenn man eine chemische Analyse des Blutes des Menschen macht, in dessen Organismus solche Reaktion geschieht, bekommt man die chemische Formel 1N1, die auch Schweinegrippe genannt wird!!! Gerade deshalb wird eine solche Analyse nur in einem bestimmten Labor in Großbritannien gemacht! Die Terroristen können diese Säure von den Flugzeugen und sogar mit Hilfe der gewöhnlichen Spraydosen verteilen. Seien Sie äußerst aufmerksam, es existiert keine Epidemie, das ist nur der gewöhnliche chemische Terrorismus! Um die Säure zu neutralisieren reicht es einmal am Tag ein halbes Glas Wasser mit einem Tropfen des Wasserstoffperoxids 22 zu trinken!
Diese Information bekam ich von dem letzten Apostel Christi, Doktor Baas.
Der Apostel ist überzeugt, dass diese Aktion eine Prüfung des Gehorsams für die verängstigte Herde ist. Die Weltregierung führt solche Aktionen durch, um menschliche Reaktion zu testen. Weiter wird sie öfter, intensiver und vielfältiger auf uns als Herde wirken. Apostel Baas ruft alle vernünftige Menschen dazu auf sich dem rasenden Monster nicht zu unterwerfen, keine gehorsame Herde zu sein, sondern anfangen zu handeln. So wie die Berliner Mauer nicht durch die Regierung, sondern durch Freidenker zerstört wurde, können auch wir-gewöhnliche Menschen, die Weltregierung, wie die Berliner Mauer zerstören, in dem wir uns am Plan des Gottes Hausbau beteiligen, der Seinem letzten 153-ten Apostel gegeben wurde. Die Länderregierungen sind machtlos, weil sie wirtschaftlich von der Weltregierung abhängig sind. Wir sind aber nicht abhängig, deswegen können wir handeln. Aber unsere Taten sollen nicht chaotisch sein, sondern nach dem Plan der Hausbau der Liebe. Ich schlage allen vernünftig denkenden Menschen vor sich zu vereinigen und ohne jeglicher Gewalt oder Terror, sondern mit ihren guten Taten den schrecklichen Plänen der Starken dieser Welt zu widerstehen.
Sollen alle die Wahrheit über die Weltregierung und ihre Pläne kennen, um sich mit dem letzten Apostel Christi zu vereinigen und durch die Taten der apostolischen Jüngerschaft und des lebendigen Glaubens Christi alle Angriffe des Satans, Krankheiten, Unzucht, Stolz, Geiz und Lüge überwinden. Die machtlosen Regierungen dieser Welt können nichts gegen den Teufel ausrichten, aber wir können. Die Rettung liegt im Plan des Hausbaus eines neuen Lebens von Christus, dem Herrn und diesen Plan kennt der letzte 153-er Apostel Baas- Diener und Gesandter von Jesus Christus und kein anderer kennt den Rettungsplan. Lasst uns zusammen kommen und handeln für eine gesunde Zukunft der Menschheit und für die Kinder in der ganzen Welt.
Ersatzreligion?
Jetzt setzen sie ihre Hoffnungen auf den Klimawandel. Auch wenn nicht so klar ist, was passieren wird. Riesenwellen werden Holland zerstören, aber zugleich die Ozeane so heiß werden, dass sie kochen. In den Alpen schmelzen die Gletscher und Dürrekatastrophen lösen Völkerwanderungen aus. Irgendwie so soll er kommen, der Endsieg von Mutter Natur.
Ein Großteil der Daten, auf die sich die Weltuntergängler stützen, ist manipuliert. Abweichende Erkenntnisse wurden gar nicht erst in Fachzeitschriften veröffentlicht. Die Weltuntergangs-Wissenschaftler hielten zusammen. Man wollte sich gegenseitig die Daten bestätigten, die man gesammelt hat. Mitmachen durfte nur, wer sich zum Weltuntergang bekannte. Mit Wissenschaft hatte das oft weniger zu tun, als mit dem Versuch, den Dogmatismus der katholischen Kirche zu kopieren. Warum diese Forscher nicht konsequenterweise Pfarrer wurden, ist dabei die eigentlich interessante Frage. Von der Schlechtigkeit der Welt hätten sie dann immer noch reden können, aber zumindest hätte man ihnen ihren Starrsinn als Glaubensstärker durchgehen lassen. So aber offenbaren sie nur ihre sehr seltsames Wissenschaftsverständnis.
Wobei sie aber nicht nur Täter, sondern auch Opfer sind. Immerhin bedienen sie ja nur einen Markt. Sie haben ihn nicht selbst geschaffen, die Menschen der Industrienationen verlangen danach. Die langweilen sich nämlich, so ganz ohne Kriege, in denen sie morden und gemordet werden können und umsorgt von Wohlfühlstaaten, die ihnen alle Sorgen abnehmen. Diesen Zustand können die meisten nicht aushalten. Wo sich Glück einstellen sollte, macht sich Langeweile und Frustration breit. Der Mensch braucht eben einen Weltuntergang, um sich sorgen zu können, also zufrieden zu sein. Sonst wird er nervös, launig und sieht keinen Sinn im Leben. Diese Marktlücke erkannte als erstes Al Gore und nichts beweist eindrucksvoller, wie groß die Sehnsucht nach der Vernichtung ist, als die Tatsache, dass man sogar mit dieser zu Mensch gewordenen Verneinung von Charisma, Eleganz und Sprachbegabung als Führungsfigur zufrieden war. In der Not sinken die Ansprüche.
Deswegen werden die aktuellen Enthüllungen über die Klimamafia, in der jährlich viele Milliarden umgesetzt werden, nichts an deren Popularität ändern. Wer das annimmt, geht immer noch davon aus, dass er es mit richtiger Wissenschaft zu tun hat und nicht mit einem Glauben. Selbst wenn noch tausendmal bewiesen wird, dass das Grabtuch von Jesus eine Fälschung ist, ändert das nichts an seiner Anziehungskraft. Genauso ist es auch mit dem Klimawandel, er ist mehr Religion als Wissenschaft, seine Protagonisten eher Propheten als Forscher. Der Klimawandel wird solange erfolgreich sein, solange er genug Anhänger hat.
Nicht-Mitglieder sehen die Sache nüchterner. Die Natur ändert sich, das hat sie schon immer getan und wird sie auch weiterhin. Das beweist nichts, außer, dass es eben keinen Stillstand gibt. Als Hannibal über die Alpen zog, gab es da auch keine Gletscher. Die kamen später und sie werden irgendwann auch wieder verschwinden.
Gideon Böss, Beliebte Religionen: Christentum, Islam, Klimawandel, welt.de
Das ist zwar ein geschliffener Kommentar, und tatsächlich ist die Lust am Weltuntergang natürlich da, aber dieses Mal ist es vielleicht doch ernster.
Samstag, 5. Dezember 2009
Donnerstag, 3. Dezember 2009
Minarette
Aus einem Kommentar im Deutschlandradio Berlin
Aus der weltanschaulichen Landkarte...
Mittwoch, 2. Dezember 2009
Oh ja, das trifft es

Gestaltung
Dienstag, 1. Dezember 2009
"... gesetzlich geschützt." Wenigstens in der Regel
So schützt man die christliche Religion. Nicht, indem man wie in der Schweiz der muslimischen Minderheit verbietet, ihre Gotteshäuser entsprechend ihren Glaubenstraditionen zu bauen – nämlich mit Minarett! – sondern indem man sicherstellt, dass die christliche Mehrheit den prägenden Einfluss auf Grundordnungen des gesellschaftlichen Lebens behält. Also nicht durchs Beschneiden der Religionsfreiheit bei einer Minderheit, sondern durchs Bewahren der religiösen Mehrheitskultur.
Zu dieser Mehrheitskultur gehört die Einteilung der Woche in sechs Arbeitstage und einen freien Tag, den christlichen Sonntag, laut Bibel der Tag der Auferstehung. Dem folgt auch das Grundgesetz, das hierbei den Artikel 139 der Weimarer Reichsverfassung übernimmt, wo es klipp und klar heißt: „Der Sonntag und die staatlich anerkannten Feiertage bleiben als Tage der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung gesetzlich geschützt.“
Angesichts dieser Bestimmung blieb den Karlsruher Richtern gar nichts anderes übrig, als das Berliner Ladenöffnungsgesetz zu kippen. Denn das sieht verkaufsoffene Sonntage nicht etwa als Ausnahme vor, sondern macht sie im Advent zur Regel, weil da nämlich in der Hauptstadt durchgehend verkauft werden kann, vom 1. Advent bis zum Mittag des 24. Dezembers in einer Tour, ohne einen einzigen Tag der Unterbrechung. In einer christlich bedeutsamen Zeit, dem Advent als Vorbereitung auf die Geburt Christi, wurde da der Sonntagsschutz komplett abgeräumt.
Dadurch aber, so haben die Kirchen mit Recht argumentiert, wird zahlreichen Beschäftigten im Handel die Möglichkeit genommen, Adventsonntage frei zu gestalten und sie so einzurichten, wie es christlichem Lebensprinzip entspricht: Kirchgang am Morgen, am Nachmittag Zeit für Gemeinschaft in der Familie oder in der Gemeinde, für Singen, Vorlesen, Nachdenken. Es ist ein Stück Religionsfreiheit, solches tun zu können. Diesem Recht gegenüber sind Einschränkungen begründungspflichtig. Es muss also ein besonderer, zusätzlicher Anlass, ein höheres Interesse bestehen, um jenes Recht einzuschränken. Ein solches höheres Interesse aber ist nicht erkennbar, wenn wie in Berlin der gesamte Advent zur verkaufsoffenen Zeit wird.
Montag, 30. November 2009
Kaiserlich-knackig
Meine Berge...
Ich habe solche Äußerungen immer sehr ernst genommen. Meine Berge sind freilich die Konzertsäle, mein Wald ist das Opernhaus.
Mein Onkel sagte immer: "Wenn ich ein Problem habe und intensiv nachdenken muss, dann gehe ich ins Konzert." Vielleicht ging es ihm wirklich nur um die Konzentration. Aber möglicherweise doch auch um viel mehr. Und dann wäre ich ganz auf seiner Seite.
Wenn es keine Kirchen mehr gäbe, dann gibt es doch hoffentlich immer noch Aufführungen von klassischer Musik. Wenn ich ehrlich bin, habe ich von solchen Aufführungen meistens mehr als von einem Gottesdienst.
Auf dem Land, in der hessischen Einschicht, war ich natürlich nicht verwöhnt. Aber hier in Wien, in der Kulturhauptstadt der Welt, hat es die Kirche wirklich schwer, sich angesichts des allgemeinen Angebots zu behaupten.
Alles in Ordnung?
Heilung einer Stadtseele
Ich wohne seit ein paar Monaten in Düren und merke, dass diese Stadt sehr krank ist. Zum Ende des zweiten Weltkrieges wurde die Stadt bis auf die Grundmauern niedergebombt und das Trauma ist hier dauerhaft spürbar. Es herrscht viel Wut und Zorn und dementsprechend verhalten sich die Menschen hier auch. Ich fühle mich nicht wohl aber ich weiß, dass ich in diese Stadt gerufen wurde um zu helfen. Ich soll nicht lange bleiben aber ich muss etwas schaffen. Heute kam ich aus Aachen zurück und es wurde mir klar, wie krank diese Stadt ist, denn sobald ich in ihre Nähe komme geht es mir schlecht. Ich werde gereizt, wütend, genau wie diese Stadt. Ich kann mich gut beherrschen, es macht mir auf Dauer auch nichts aus aber ich möchte, am besten mit viel Hilfe, was dagegen tun.
Es wimmelt hier von Geistern, die damals bei der großen Bombardierung gestorben sind und die alle Wut ausstrahlen. Es wimmelt von gefallenen Soldaten und es ist für mich ein bisschen zuviel auf einmal, daher möchte ich gerne ein paar Lichtarbeiter zusammenbekommen, damit wir uns gemeinsam dieser Stadt annehmen können. Es ist viel Arbeit, mehr als in jeder anderen Stadt die ich kenne aber es würde sich lohnen, da bin ich mir sicher.

