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Dienstag, 31. August 2010

Sonnenuntergang im Burgenland

St. Margarethen

Der Schlussbeifall bei der Zauberflöte hielt sich in Grenzen (oder verlor sich im Rund des Römersteinbruchs). Erst das sich anschließende Feuerwerk versetzte das Publikum in unüberhörbares Entzücken.

Sonntag, 29. August 2010

Zum Nachdenken

In Nord- und Mitteldeutschland ist "Einsegnung" ein anderer Ausdruck für die Konfirmation, in Österreich ein Synonym für die kirchliche Bestattung. Eine Beobachtung zum Nachdenken.

Sonntag, 18. Juli 2010

Gedanke

Das österreische Äquivalent zum deutschen "Bundesamt für Verfassungsschutz" heißt "Staatspolizei". Seltsam, dass man bei der Namengebung vor dem Anklang an die "Geheime Staatspolizei" des III. Reiches nicht zurückgeschreckt ist.

Mittwoch, 14. Juli 2010

Schnäppchen-Disneyland

In Wien ist gut einkaufen, insbesondere im Textilbereich. Schon in der Stadt gibt es jede Menge "Outlets", als Abverkaufsstellen verschiedener Marken, Ketten und Fabriken. Aber das wahre El Dorado soll dieses Parndorf im Umland sein.

Überdeutlich

Fresko an der Außenmauer von Schloss Parz in Oberösterreich. Die evangelischen Herren schauten vor einer deutlich antikatholischen Positionierung nicht zurück: Die Israeliten haben das Rote Meer durchschritten, in den Fluten versinken die ägyptischen Truppen, aber der Pharao ist hier der Papst, an der Tiara deutlich zu erkennen. Diese Fresken von Schloss Parz waren Jahrhunderte lang übertüncht und wurden erst vor wenigen Jahren wieder freigelegt.

Freitag, 9. Juli 2010

Beim Aufräumen wiedergefunden...


Diesen Prospekt finde ich jetzt wieder, als ich während meines Urlaubs das Arbeitszimmer in Ordnung bringe und viel räume (und wegwerfe). Das Motiv mit dem ostdeutschen Ampelmännchen ist einfach gut. Leider konnte ich nicht hinfahren. Ach ja: Österreich ist natürlich auch ein Missionsgebiet, vielleicht noch in viel höherem Maße als Deutschland ist dieses Land säkularisiert. Wenigstens in Wien kommt mir das so vor. In den Bundesländern spielt der traditionelle Katholizismus natürlich noch immer eine größere Rolle; in Wien aber ist Religion eine Privatangelegenheit, über die man am liebsten nicht spricht.

Dienstag, 15. Juni 2010

Scharf geschossen

"Hier ist die Wochenschau des Zweiten Deutschen Fernsehens, wir melden uns aus Deutsch-Südafrika.

Es ist uns ein innerer Reichsparteitag, liebe Volksgenossen zu Hause vor den Volksempfängern. Trotz des Lärms, den die Zulu-Kaffer, pardon Neger, hier machen, hat unsere deutsche Truppe die australischen Buschmänner soeben mit einem 4:0 nach Hause geschickt. Seit 20.30 Uhr wurde zurückgeschossen. Lauter Bombentreffer! Scharf ins Hakenkreuzeck. Das Match gegen Coventry seinerzeit war nichts dagegen. Wir sind der Endlösung der Jubelfrage ein schönes Stück näher gerückt. In der VIP-Lounge klirrten in dieser herrlichen Reichskristallnacht bereits die Sektgläser. Heute gehört ihnen Deutschland und morgen die ganze Weltmeisterschaft – den strammen Jungs von der Jogi-Jugend, Mesut Özil, Miroslav Klose, Mario Gomez und Cacau. Ein Volk, ein Land, ein Trainer, wie wir immer sagen. Ja, es geht ein Ruck durch Deutschland, seit wir wieder mal wen aus dem Bezirk Braunau gewählt haben: unsere Alisar, Germanias Nächstes Spitzenmodell. Ein sehr schöner Anschluss-Treffer."


Oliver Pink in der Presse, Rubrik „Pizzicato“ (Print-Ausgabe vom 15.06.2010)

Die sprachliche Entgleisung der ZDF-Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein ("innerer Reichsparteitag") macht es den hiesigen Zeitungen natürlich leicht, Spott und Hohn über Deutschland auszugießen.

Sonntag, 6. Juni 2010

Heil aus Hannover?

Wenn ich gefragt werde, woher ich stamme, gerate ich in Verlegenheit: "Geboren in Essen, dann mit 10 Jahren nach Stuttgart verpflanzt, dort Gymnasium und Zivildienst, dann Studium in Marburg und Göttingen, schließlich verschiedene Orte in Nord-, Mittel- und Südosthessen." - "Aber Ihre Sprache, woher kommt die?" - "Meine Mutter stammt aus der Nähe von Hannover, und da soll man das beste Deutsch sprechen."
Diese Auskunft gebe ich regelmäßig. Hannover gilt in Deutschland als Inbegriff der Provinz, trotz Hannovermesse und EXPO 2000. In diesen Tagen ergibt sich eine neue Perspektive: Nachdem die Hannoveranerin Lena Meyer-Landrut den Eurovision Song Contest gewonnen hat, soll nun auch noch der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff das höchste deutsche Staatsamt übernehmen. Da spreche ich doch über die Herkunft meiner Mutter gleich mit mehr Gewicht. Und vielleicht sagt meinen österreichischen Gesprächspartnern der Name "Hannover" in Zukunft mehr.
Ach ja: Die zurückgetretene EKD-Ratsvorsitzende Margot Kässmann war Bischöfin der hannoverschen Landeskirche. Und ihre verhängnisvolle Trunkenheitsfahrt ereignete sich in der Stadt Hannover. Von dort ging heuer wirklich schon viel aus, was Schlagzeilen machte.
Der Name dieser Stadt wird in Österreich übrigens fast wie in England ausgesprochen, mit einem sehr sanften "v" wie in in "Hoover". Dann klingt es auch gleich viel geheimnis- und verheißungsvoller als bei der in Deutschland üblichen Aussprache, die das "v" fast wie ein "f" artikuliert.

Freitag, 21. Mai 2010

Ein neuer Luther

"Das zum Befehlen statt zum Dienen verkommene absolutistische Papstregime liegt in der Hand eines weltfremden und überforderten Theologen alten Zuschnitts, der die fatale Verfälschung des Christentums seit der Antike verkörpert. Spitzfindige Konstruktionen, Mythen und Legenden sind ihm unumstößliche Wahrheit. Das bewirkt uninspirierte Verengung, Leib- und Frauenfeindlichkeit und Misstrauen gegen alles Neue, vor allem aber Arroganz gegenüber Gottes Volk."

Herbert Kohlmaier von der österreichischen katholischen "Laieninitiative" über den Papst in einem Gastkommentar in der Wiener Zeitung.

Donnerstag, 11. Februar 2010

Kurz und knapp

Der war halt gegen Weihrauch und Knoblauch.

Kurzcharakterisierung Hitlers durch einen oberösterreichischen Altnazi, belauscht in einem Lokal in Linz.

Montag, 8. Februar 2010

Semesterferien

Eine menschenfreundliche Einrichtung sind die österreichischen einwöchigen Schulferien nach Ende des ersten Halbjahres, "Semesterferien" genannt, wie ja auch die Schulhalbjahre hierzulande "Semester" heißen (und die Lehrer an höheren Schulen schon "Professoren" genannt werden). Natürlich ist das für alle Wintersportbegeisterten eine Gelegenheit, ihrem Hobby nachzugehen. Die Autobahnen sind entsprechend voll. Aber man kann ja auch wegfahren, ohne sich auf Skier zu stellen oder dergleichen.
Ältere Leute sprechen auch noch von den "Energieferien". Dabei war wohl in erster Linie an Energieeinsparung gedacht - so hat man ja auch die Einführung der Sommerzeit einmal begründet, ohne dass nennenswerte Einsparungen die Folge gewesen wären. Man kann das Wort aber auch anders deuten: Ferien, um neue Energie zu sammeln für die Zeit bis zu den Osterferien, bis zum Frühjahr. Und im heurigen Winter braucht man die wirklich.

Dienstag, 29. Dezember 2009

Österreich und der Weltkreis

Eine liebe Schülerzeichnung, keine Frage. Bei näherem Betrachten kommen mir aber doch Bedenken: Wo die Welt so mit dem eigenen Land identifiziert wird, wundert man sich über Fremdenfeindlichkeit kaum. Immerhin haben die Gestalten ja verschiedene Farben. Das lässt wieder hoffen.
Gesehen in der Volksschule Knollgasse im 17. Bezirk.

Samstag, 19. Dezember 2009

Nun auch in Österreich

Erstmals geht ein Vater aus Niederösterreich vor den Österreichischen Verfassungsgerichtshof (VfGH), um das christliche Kreuz in Kindergärten anzufechten. Anlass ist nicht zuletzt das Kruzifix-Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte. Der Antragsteller - bekennender Atheist - sieht das konfessionslose Aufwachsen seiner Tochter durch die Veranstaltung religiöser Feiern und die Anbringung von Kruzifixen von Seiten des Kindergartens gestört und das Recht auf Glaubensfreiheit - und damit das Recht auch ohne religiöses Bekenntnis aufzuwachsen - verletzt. Das berichtete der "derStandard.at" am Freitag.

Die Tochter habe in diesem Schuljahr an vier religiösen Festen (Erntedank, Martinsfest, zwei Nikolausfeiern) inklusive Kirchenbesuch teilnehmen müssen. Außerdem hänge im Aufenthaltsraum des Kindergartens ein Kreuz in Augenhöhe der Kinder. Der Kindergarten teilte dem Vater mit, dass bei der Vorbereitung auf die religiösen Feste nicht auf andere Religionen und Weltanschauungen eingegangen werde. Einen privaten Kindergarten ohne religiöse Feste gebe es in der näheren Umgebung nicht, heißt es im Antrag.

Konkret will der niederösterreichische Vater zwei Passagen aus dem niederösterreichischen Kindergartengesetz geändert bzw. aufgehoben haben: Jenen, in dem steht, dass das Kindergartenpersonal einen grundlegenden Beitrag "zu einer religiösen und ethischen Bildung zu leisten" habe und jenen, wonach in Kindergärten, in denen die Mehrzahl der Kinder ein christliches Religionsbekenntnis haben, ein Kreuz anzubringen sei.

Die Presse

Das war nur eine Frage der Zeit, bis ein solcher Prozess auch in Österreich angestrengt wird. Man darf gespannt sein. Die Kindergartengesetze der einzelnen Bundesländer sind vermutlich auch noch unterschiedlich. In Wien gibt es bestimmt keine "Kreuzpflicht", wenn in den städtischen Kindergärten aus Gründen religiöser Korrektheit schon der Nikolo nicht mehr kommen darf.

Gibt es ein Kinderrecht auf religions- und konfessionsloses Aufwachsen? Noch nicht, aber wer weiß, worauf man noch verfällt. Aber wenn man dann schon dabei ist: Wie wäre es mit dem Recht auf die Freiheit von Werbung, Konsumterror und Gewaltdarstellungen in den Medien? Müssen Eltern nicht immer in Kauf nehmen, dass ihre Kinder mancherlei Einflüssen ausgesetzt sind, mit denen man in der familiären Erziehung dann kritisch umgehen muss?

Montag, 7. Dezember 2009

Wer sich mit den bösen Geistern einlässt...

Wer am vergangenen Wochenende nicht vom Krampus heimgesucht wurde, kann von Glück reden. Denn ein Treffen mit dem Bösewicht kann unangenehm enden, wie eine Entscheidung des Obersten Gerichtshofs (OGH) zeigt.

Im Dezember 2005 veranstaltete ein Verein im Salzburger Land einen Krampuslauf. Gleich 250 Krampusse nahmen daran teil. Eine Frau – sie war als Zuschauerin zu der Veranstaltung gekommen – machte um 21Uhr nähere Bekanntschaft mit einem Krampus. Dieser stürmte in die Zuschauermenge und packte ein neben der Frau stehendes Mädchen an den Haaren. Die Frau selbst wurde dabei vom Griff der Rute massiv am linken Auge verletzt. Die Frau klagte den Veranstalter – der konkrete Übeltäter hinter der Maske wurde nicht ausfindig gemacht.

Das Erstgericht wies die Klage ab. Es falle in die Eigenverantwortung des Publikums, ob es an der Vermischung von Publikum und Krampussen beim Freilauf teilhaben wolle. Ein Mehreinsatz an Ordnern hätte auch nichts genützt: Das Verhalten des Krampusses in der Mädchengruppe sei nicht so auffallend gewesen, dass ein Ordner eingegriffen hätte.

Schläge gegen Beine normal

Denn „leichtes Rutenschlagen gegen Mädchenbeine und Körperkontakte etwa durch scheinbar bedrohliches Herumfuchteln oder Mädchen-in-die-Haare-Greifen“ würden unter „nicht zu verhindernde Exzesse“ fallen. Jedenfalls scheide eine Haftung des Krampusvereins aus, weil nicht festgestellt werden konnte, dass die Verletzung der Frau tatsächlich durch eine am Handgelenk des Krampusses baumelnde Rute verursacht worden sei. Das Berufungsgericht hingegen hob das Urteil auf: Es betonte, dass die Augenverletzung durch die Krampusrute im Prozess unstrittig gewesen sei. Überdies müsse der Krampusverein aufgrund einer bescheidmäßigen Anordnung die Haftung für Schäden übernehmen. Dies sei Inhalt des Bescheides gewesen, mit dem der Bürgermeister die Veranstaltung genehmigt hat.

Der Oberste Gerichtshof (10 Ob 15/08s) entschied aber, dass es für die im Bescheid ausgesprochene verschuldensunabhängige Haftung des Veranstalters keine Rechtsgrundlage im Salzburger Veranstaltungsgesetz gebe. Der Bescheid biete damit keine Haftungsgrundlage. Aber auch wegen der Unterlassung von Sicherheitsmaßnahmen könne es keine Haftung des Krampusvereins geben. Denn Besucher beim Krampuslauf seien während des Freilaufs, der an den Umzug anschließt, nicht bloß Zuseher. Sie seien vielmehr Mitwirkende „zur eigenen Unterhaltung und des Nervenkitzels wegen“, meinte der OGH. Den Zusehern falle „ungefragt die Rolle der Opfer der Krampusse zu“. Die verletzte Frau habe daher die Gefahr, die von Krampussen und ihren am Handgelenk baumelnden Ruten ausgehe, selbst erkennen müssen. Sie bekommt keinen Schadenersatz.

Die Presse

Fenstertag

Heute ist in Österreich ein Fenstertag (oder "Fensterltag"). So nennt man hier einen Tag zwischen einem Feiertag und einem Wochenende, also denjenigen Tag, der in Deutschland "Brückentag" heißt und der dazu einlädt, mit nur einem Urlaubstag zu einem Kurzurlaub zu kommen. "Brückentag" ist für mich einigermaßen logisch: Der Tag kann, wenn er frei genommen wird, eine Brücke zwischen den arbeitsfreien Tagen bilden. Aber "Fenstertag" ist rätselhaft. Schaut man da hinaus oder hinein? Und durch welches Fenster? Vielleicht so: Sperr Fenster und Läden zu, dann geht dich die Welt nichts mehr an.