Mittwoch, 19. August 2009
Immer diese modernen Erfindungen!
Gendergerechter Kindergarten
Seit die Ergebnisse der jüngsten Aufnahmetests für angehende Medizinstudenten bekanntgegeben wurden, wird wieder über festgefahrene Rollenbilder debattiert: Denn die Tests haben gezeigt, dass deutlich mehr Frauen zu dieser Prüfung antreten, aber proportional auffallend viele weibliche Bewerberinnen scheitern. Zu viele. Rufe nach Quoten werden laut. Ein Erklärungsversuch: Mädchen würden in der Schule in den Naturwissenschaften zu wenig gefördert.
"Das wird aber schon im Kindergarten begründet" , ist sich Inge Kugler, Leiterin dieser kleinen städtischen Betreuungseinrichtung, sicher.
Von der Straße aus ist ihr Kindergarten kaum zu sehen. Ein flacher Bau, völlig umschlossen vom Max-Opravil-Hof, einem Gemeindebau in Wien-Meidling. Außen endlos scheinende Häuserfluchten, innen ein kleines Haus mit großem Garten, ein richtiges Kinderparadies. Es ist der einzig öffentliche Kindergarten dieser Art in der Bundeshauptstadt: Erstmals wurde - beim Umbau 2005 - auch baulich versucht, die Handlungsspielräume für Jungs und Mädels zu erweitern.
Die Wände sind neutral gehalten, Türkis und Gelb sind die Farben, die herausstechen. Und das Glas, das die Räume durchlässig erscheinen lässt. Derzeit gibt es drei Kindergartengruppen mit Drei- bis Sechsjährigen und eine Krippe für die ganz Kleinen. Es sind viele Migrantenkinder hier, viele aus armen Haushalten. Probleme mit dem Bildungskonzept gebe es nicht, versichert Kugler. "Das hat mich anfangs auch gewundert. Ich war vorher in Wien-Liesing, da gab es schon Väter, die sagten: Mein Bub backt keinen Kuchen!" Hier stechen auch die türkischen Papas (manchmal) Kekse aus - die Mütter oder Großmütter werken dafür mit der Laubsäge. Was nicht zu finden ist: Puppen- wie Bauecken.
Dafür gibt es Bücher, in denen etwa die beschriebenen Berufsbilder nicht Stereotypen (Feuerwehr-Mann, Haus-Frau) entsprechen. Eine Werkbank steht für alle Kinder bereit, und es kann mit Playmobilfiguren gespielt werden, "die auch umbenannt werden können" (Kugler), wenn das Geschlecht gerade nicht passt. "Wir bieten nicht nur den Buben an, dass sie etwas nähen können, wir begleiten und ermutigen sie dazu" , beschreibt die Kindergartenleiterin das pädagogische Konzept an einem Beispiel. Es gehe darum, "unabhängig vom Geschlecht Stärken und Interessen zu fördern und das Selbstbewusstsein zu steigern" , heißt es in den Zielen der geschlechtssensiblen Pädagogik. "Nur so kann ein Mädchen später auch den Wunsch haben, Technikerin zu werden, oder ein Bub Säuglingspfleger" , glaubt Kugler.
Ein Herzenswunsch blieb Inge Kugler und ihren Kolleginnen bisher allerdings verwehrt: männliche Kollegen. Ein fehlendes Stück Gendergerechtigkeit vor Ort sozusagen.
standard.at (Druckausgabe vom 17.08.2009)
Nicht einladend
Festlich bitte, aber konfessionsfrei
Wir suchen für unsere Hochzeit am ... einen Trau-/ Festredner bzw. einen freien Theologen für eine festliche, konfessionsfreie Zeremonie auf dem Schloss Wittgenstein in Bad Laasphe (Kreis Siegen-Wittgenstein).
Der Auftrag umfasst neben der Zeremonie auch ein bis zwei persönliche Gespräche.
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Totentanztagung - Landpartien inkludiert
Die österreichische Sektion der Europäischen "Totentanz"-Vereinigung tagt von 28. bis 30. August im oststeirischen Grafendorf. Der "Totentanz" ist eine kulturelle Erscheinung des ausgehenden Spätmittelalters, in der sich die Bildenden Künste mit dem "Triumph des Todes" in Zyklen auf Friedhofsmauern, Kirchen, Kapellen und frühen Drucken befassten und so dem Menschen seine unausweichliche Sterblichkeit vor Augen hielten.
Grafendorf wurde bewusst als Tagungsort gewählt, weil es dort die eindrucksvollste "Totentanz"-Darstellung der Steiermark gibt. Zur Tagung werden Wissenschaftler, Künstler und Interessierte aus ganz Europa erwartet, um sich über das Thema "Totentanz" auszutauschen, so Benediktinerpater Winfried Schwab, der Vorsitzende der österreichischen Sektion der Europäischen "Totentanz"-Vereinigung. Fachvorträge, Lesungen, Musik, eine szenische "Totentanz"-Aufführung, ein Kunst-Brunch am St. Pankrazen-Berg und geschichtsträchtige Landpartien gehören zum Programm.
Meisterliche "Totentanz"-Fresken finden sich in der Kreuzkapelle am Grafendorfer Kirchplatz. Der Vorauer Stiftsmaler Johann Cyriak Hackhofer schuf 1724 auf engstem Raum eine eindrucksvolle Darstellung zu den "vier letzten Dingen". Mit nur zwei Bildern spannt er den weiten Bogen von der Kindheit bis zum Greisenalter. In den Fresken "Das Kind und der Tod" und "Der Wucherer und der Tod" sowie den zwei ovalen Wandbildern der "Armen Seelen" übersetzte Hackhofer den "Allgemeinen Totenspiegel" des P. Abraham a Sancta Clara von 1710 in Bilder.
Szenische Darstellung in der Pfarrkirche
Die Jahrestagung der "Totentanz"-Vereinigung ist auch für Nicht-Mitglieder zugänglich. Die Auftaktveranstaltung findet am Freitag, 28. August ab 19 Uhr im Mehrzwecksaal der Marktgemeinde Grafendorf statt. Der Historiker Johann Huber führt in den "Grafendorfer Totentanz" ein, außerdem gibt es bei freiem Eintritt Musik und eine Lesung des österreichischen Autors Gerhard Ruiss.
Ein weiterer Höhepunkt ist die Aufführung des "Grafendorfer Totentanzes" in der Pfarrkirche Grafendorf am Samstag, 29. August um 20.30 Uhr. Grundlage für die szenische Darstellung durch die Theatergruppe des steirischen Ortes und den Chor "Hartberg Voices" ist ein im 19. Jahrhundert von den Priestern Franz Schönberger und Joseph Wallner verfasster Text mit dem Titel "Der Tod". Das Lied zum Text wurde bis in die 1980er Jahre in Pongrazen in der steirischen Gemeinde Stambach bei Totenwachen gesungen.
Aus der Region stammt auch die zweite Quelle für die musikalische Bearbeitung des "Grafendorfer Totentanzes" durch den Komponisten Hannes Löschberger: Bei der traditionellen Wallfahrt von Pongrazen nach Miesenbach wird bis heute nach dem Einzug in die Kirche das Lied "Verschiebe die Bekehrung nicht" gesungen. Der Text erinnert an den unvermeidlichen Tod ("memento mori") und fordert den Menschen auf, sich noch rechtzeitig zu bekehren.
