Die österreichische Sektion der Europäischen "Totentanz"-Vereinigung tagt von 28. bis 30. August im oststeirischen Grafendorf. Der "Totentanz" ist eine kulturelle Erscheinung des ausgehenden Spätmittelalters, in der sich die Bildenden Künste mit dem "Triumph des Todes" in Zyklen auf Friedhofsmauern, Kirchen, Kapellen und frühen Drucken befassten und so dem Menschen seine unausweichliche Sterblichkeit vor Augen hielten.
Grafendorf wurde bewusst als Tagungsort gewählt, weil es dort die eindrucksvollste "Totentanz"-Darstellung der Steiermark gibt. Zur Tagung werden Wissenschaftler, Künstler und Interessierte aus ganz Europa erwartet, um sich über das Thema "Totentanz" auszutauschen, so Benediktinerpater Winfried Schwab, der Vorsitzende der österreichischen Sektion der Europäischen "Totentanz"-Vereinigung. Fachvorträge, Lesungen, Musik, eine szenische "Totentanz"-Aufführung, ein Kunst-Brunch am St. Pankrazen-Berg und geschichtsträchtige Landpartien gehören zum Programm.
Meisterliche "Totentanz"-Fresken finden sich in der Kreuzkapelle am Grafendorfer Kirchplatz. Der Vorauer Stiftsmaler Johann Cyriak Hackhofer schuf 1724 auf engstem Raum eine eindrucksvolle Darstellung zu den "vier letzten Dingen". Mit nur zwei Bildern spannt er den weiten Bogen von der Kindheit bis zum Greisenalter. In den Fresken "Das Kind und der Tod" und "Der Wucherer und der Tod" sowie den zwei ovalen Wandbildern der "Armen Seelen" übersetzte Hackhofer den "Allgemeinen Totenspiegel" des P. Abraham a Sancta Clara von 1710 in Bilder.
Szenische Darstellung in der Pfarrkirche
Die Jahrestagung der "Totentanz"-Vereinigung ist auch für Nicht-Mitglieder zugänglich. Die Auftaktveranstaltung findet am Freitag, 28. August ab 19 Uhr im Mehrzwecksaal der Marktgemeinde Grafendorf statt. Der Historiker Johann Huber führt in den "Grafendorfer Totentanz" ein, außerdem gibt es bei freiem Eintritt Musik und eine Lesung des österreichischen Autors Gerhard Ruiss.
Ein weiterer Höhepunkt ist die Aufführung des "Grafendorfer Totentanzes" in der Pfarrkirche Grafendorf am Samstag, 29. August um 20.30 Uhr. Grundlage für die szenische Darstellung durch die Theatergruppe des steirischen Ortes und den Chor "Hartberg Voices" ist ein im 19. Jahrhundert von den Priestern Franz Schönberger und Joseph Wallner verfasster Text mit dem Titel "Der Tod". Das Lied zum Text wurde bis in die 1980er Jahre in Pongrazen in der steirischen Gemeinde Stambach bei Totenwachen gesungen.
Aus der Region stammt auch die zweite Quelle für die musikalische Bearbeitung des "Grafendorfer Totentanzes" durch den Komponisten Hannes Löschberger: Bei der traditionellen Wallfahrt von Pongrazen nach Miesenbach wird bis heute nach dem Einzug in die Kirche das Lied "Verschiebe die Bekehrung nicht" gesungen. Der Text erinnert an den unvermeidlichen Tod ("memento mori") und fordert den Menschen auf, sich noch rechtzeitig zu bekehren.
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