Samstag, 7. Februar 2009

Ein halber Seitenblick auf dem Heimweg

Der Turbokapitalismus ist auch ein Tsunami

KURIER: Schlafen Sie eigentlich gut?
Gerhard Wagner: Ich schlafe sehr gut. Nur nach der Ernennung bin ich eine Nacht lang wach gelegen.

Hätten Sie die Wahl ablehnen können?
Das hätte ich können. Aber wenn der Papst es wünscht, wäre es feig, sich aus dem Staub zu machen, nur weil man die öffentliche Meinung fürchtet.

Verstehen Sie denn die Aufregung?
Ich kenne die Meinung der Welt und ich kenne meine Position. Und das crasht. Aber dass man mich persönlich angreift, verstehe ich nicht.

Schmerzen Sie die Angriffe?
Das prallt an mir ab. Außerdem kriege ich jeden Tag 50 Briefe und 70 Mails von Menschen, die sich freuen und mich ermutigen. Nur ganz wenige beschimpfen mich.

Trotzdem fürchten sich viele Gläubige vor Ihnen als Weihbischof.
Ach, ich bin als Weihbischof nicht so wichtig, wie man jetzt tut. Also muss man sich vor mich auch gar nicht so fürchten.

Aber trotzdem bleibt das Bild des unverbesserlichen Provokateurs.
Ich provoziere nicht, um zu ärgern, sondern um zum Nachdenken anzuregen. Unsere Kinder sind heute so vielen Manipulationen ausgesetzt – durch Spiele, durch Filme und Literatur! Bei Harry Potter ist von Zauberei und Hexerei die Rede. Das ist nicht harmlos.

Auch Grimms Märchen sind voll damit. Haben Sie denn je einen Potter-Band gelesen?
Den dritten. Da waren eklatant viele okkulte Elemente drinnen.

Sie haben gesagt, dass Naturkatastrophen eine Folge geistiger Umweltverschmutzung sein könnten. Tun Ihnen diese Aussagen leid?
Nein, ich nehme gar nichts zurück, das ist doch wahr. Schauen Sie sich etwa den Weltfinanzmarkt an. Auch das sind keine schicksalshaften Vorgänge, da stehen Menschen dahinter, die nicht genug haben können. Das ist eine Gier und ein Materialismus ohne Seele. Der Turbokapitalismus ist auch ein Tsunami! Das ist auch eine geistige Umweltverschmutzung!

Sind Naturkatastrophen also eine Strafe Gottes?
Eltern strafen ja auch ihre Kinder – und das hoffentlich aus Liebe. Warum soll Gott nicht auch ein Signal setzen? In der Heiligen Schrift haben wir ganz klar das Prinzip des strafenden Gottes.


Aber vom strafenden Gott ist man doch schon lange abgekommen.

Den "lieben Gott" gibt ja es nicht. Ich maße mir nicht an, ihn zu durchschauen. Wir brauchen den Gott, der uns an Grenzen führt.

Sie lehnen weibliche Ministranten ab. Was haben Sie gegen Frauen?
Gar nichts. Das ist kein Glaubensproblem. Es geht nicht darum, dass Mädchen nicht zum Altar passen. Mädchen und Buben können in dem Alter einfach nicht miteinander. Mir ist es nur wichtiger, Burschen zu rekrutieren, die zum Glauben stehen.

In Windischgarsten gibt es viele sehr junge Mädchen mit Kindern.
Das ist doch schön.

Aber die sind alle unverheiratet.
Ein Kind ist kein Heiratsgrund.

Fürchten Sie sich vor einer zunehmenden Islamisierung Europas?

Natürlich ist der Islam eine Gefahr. Aber wir werden ihr nicht Herr, indem wir auf die Muslime schimpfen, sondern indem wir Christen selbst stärker werden.

Aber das Christentum wird immer schwächer. Immer mehr Menschen treten aus der Kirche aus – auch Ihretwegen.
Das tut mit leid, aber ich habe um die Zukunft der Kirche keine Angst. Vielleicht müssen wir erst wieder eine kleine Gruppe werden, um dann stärker hinaus zu wirken. Und dann werden die Wenigen mehr bewegen als die Vielen, die sich nicht bewegen.

KURIER-Interview mit dem umstrittenen designierten Weihbischof von Linz Gerhard Maria Wagner

Nacht

Wird der Papst exkommuniziert?

Unter dieser Überschrift findet sich auf einer muslimischen Seite der folgende sehr bemerkenswerte Aufsatz:

Wirklich merkwürdige Dinge geschehen in dem Land, das noch vor kurzem damit prahlte, dass wir alle Papst seien. Und Muslime müssen aufpassen, hier nicht instrumentalisiert zu werden.

Die gleichen öffentlich-rechtlichen Medien, die es fertig gebracht haben, in drei Wochen Gaza-Massaker nicht eine einzige Sondersendung zu senden, nicht einen einzigen “Brennpunkt“, nicht eine einzige Talkshow zu organisieren, überschlagen sich jetzt regelrecht mit Sondersendungen und Talkshows, wenn es darum geht, dem Papst religiöse Vorschriften zu machen. Was aber steckt dahinter?

Inzwischen dürften es alle mitbekommen haben: Ein britischer Staatsbürger hat auf deutschem Boden einem norwegischen Sender ein Interview gegeben, in dem er die Existenz der Gaskammern in den Konzentrationslagern der Nazis und die Zahl von sechs Millionen ermordeten Juden angezweifelt hat. Kurze Zeit später wurde u.a. auch seine Exkommunikation durch den Papst aufgehoben. Bei jenem Briten handelt es sich um einen Geistlichen der sogenannten Pius-Bruderschaft. Es gibt nachweislich keinen inhaltlichen Zusammenhang zwischen beiden Ereignissen.

Zunächst sei darauf verwiesen, dass jene Pius-Bruderschaft nicht nur extreme Judenhasser sind, sondern im gleichen Maß auch Muslime hassen. Man braucht dazu nur auf deren offizielle Internetseite in Deutschland zu gehen http://www.fsspx.info und dort nach dem Begriff “Islam“ zu suchen, um den hasserfüllten Charakter jenes Ordens zu erkennen. Ein wirklich unverschämtes Video gegen den Islam und die Muslime, welches bis gestern noch auf der Seite anzuschauen war, ist heute scheinbar nicht mehr abrufbar. Die Art der Darstellung erinnert aus muslimischer Sicht etwas an die wahabitisch-salafitische Hetze gegen alle mögliche Religionen (inklusive einiger Muslime).

Ein Geistlicher jener Bruderschaft hat also die Existenz der Gaskammern geleugnet. Das Internet ist geradezu überfüllt mit Übersetzungen jenes Interviews in alle Sprachen der Welt. Normalerweise – so denkt es sich der Bürger angesichts der Medienhysterie – müsste die zuständige deutsche Staatsanwaltschaft schon längst Anklage erhoben haben. Doch der Gegner dürfte über die besten Anwälte Deutschland verfügen, und da gibt es einige Unwägbarkeiten, die dem Bürger durch die gleichen Medien vorenthalten werden. Jener Geistlicher ist ja nicht der erste, der ungestraft auf deutschem Boden solch eine “ungeheuerliche“ Behauptung aufstellt: Kein geringerer als der berühmte Daniel J. Goldhagen schreibt in seinem genau so berühmten Buch “Hitlers willige Vollstrecker“ folgenden Satz: „Der Einsatz von Gas bei der Vernichtung von Juden durch die Deutschen war daher – anders als weithin angenommen – ein nebensächliches Phänomen!“ (Fußnote 81 auf Seite 603). Und jenes Buch ist seit 2004 in deutscher Übersetzung auf deutschem Boden problemlos erhältlich und kein Staatsanwalt der Welt hat gegen Herrn Goldhagen oder den herausgebenden Verlag in Deutschland ermittelt. Daher wird es sich ein deutscher Staatsanwalt gut überlegen, ob er in dieser Angelegenheit den Weg durch die Instanzen geht, denn das Ergebnis könnte auch sein, dass man die Gaskammern höchstrichterlich anzweifeln darf (zumindest besteht bei der vorliegenden Konstellation die Gefahr). Und darauf will man es sicherlich nicht ankommen lassen.

Bliebe noch das zweite Problem der Aussagen jenes Geistlichen. Er behauptete dass einige Hunderttausend Juden ermordet wurden. Das deutsche Gesetz geht aber faktisch von sechs Millionen ermordeten Juden aus und droht jedem Strafe an, der diese Zahl vermindert. In wie weit historische Ereignisse durch Gesetze zu regeln sind, ist eine sehr spezifische innerdeutsche Angelegenheit. Denn in anderen Ländern ist es keine Straftat (nicht einmal in Israel), von weniger ermordeten Juden auszugehen. Eigentlich gibt es nur Deutschland und Österreich, in denen das eine Straftat darstellt. Und auch hier haben höchste Verfassungsrichter – allerdings erst nach Ausscheiden aus dem Amt – Zweifel an der Verfassungsmäßigkeit des entsprechenden Gesetzes bzw. zumindest deren aktuelle Umsetzung geäußert. Daher ist die Behauptung der öffentlich-rechtlichen Medien, es hätte “weltweit“ eine Empörung gegen den Papst gegeben, eine wirklich selbstverherrlichende Überschätzung des eigenen Daseins. In China und Indien hat man von dem Ereignis noch gar keine Kenntnis genommen, und auch in anderen Ländern wird die Suppe nicht einmal halb so heiß gekocht, wie in Deutschland. Afrika und Südamerika haben wahrlich andere Probleme. Es ist aber nicht das erste Mal, dass deutsche Medien den Glauben verbreiten, dass sie Sprecher der Weltgemeinschaft seien.

Fakt ist also, dass ein britischer Staatsbürger in seinen Aussagen etwas über die deutsche Geschichte von sich gegeben hat, das in Deutschland und Österreich strafbar ist bzw. sein könnte – aber sonst nirgendwo in der Welt (nicht einmal in Europa), und der Papst dessen Exkommunikation aufgehoben hat, wobei das eine mit dem anderen gar nicht zu tun hat. Es sei daran erinnert, dass selbst Mörder nicht unbedingt exkommuniziert werden. Vom Papst wird nunmehr aber verlangt, dass er jenen Geistlichen wieder exkommuniziert. Die Hauptfront der Papstkritiker bilden dabei der Zentralrat der Juden in Deutschland und die evangelische Bundeskanzlerin. Es sei ebenfalls daran erinnert, dass der Papst ein Christ, katholisch und zudem Staatsoberhaupt eines Staates ist, der nicht Deutschland heißt.

Was aber bedeutet Exkommunikation im katholischen Sinn eigentlich? Und wie kommen die sich atheistisch gebärdenden Medien zusammen mit einer Interessenvertretung, die behauptet, für Juden in Deutschland zu sprechen und eine evangelische Bundeskanzlerin dazu, den Papst wegen der Aufhebung einer katholischen Exkommunikation in Bedrängnis zu bringen? Der Papst hat doch nie Zweifel am Holocaust geschürt; ganz im Gegenteil. Der Papst hat doch die Gaskammern nie angezweifelt; ganz im Gegenteil. Der Papst ist doch stets auf Juden zugegangen, mehr als auf irgendeine andere Religionsgemeinschaft. Wer also gibt jenen Gruppen und Personen heute das Recht, über das innerkirchliche Handeln des Papstes bestimmen zu sollen? Wenn nicht die Inquisition eng mit der katholischen Kirche verbunden wäre, könnte man von einer westlich-materialistischen Inquisition gegen den Papst sprechen oder gar einer Art Exkommunikation von der “westlichen Wertegemeinschaft“.

Unter Exkommunikation versteht die römisch-katholischen Kirche den Verlust der Kirchengemeinschaft und damit gewisser Rechte innerhalb der Kirche. Der Exkommunizierte ist nicht berechtigt, die Sakramente zu empfangen, außerdem darf er kein kirchliches Amt ausüben. So würde ihm z.B. bei einer Eheschließung der kirchliche Segen verwehrt, was einen katholischen Geistlichen wohl nicht so sehr stören wird. Aber die Pius-Bruderschaft hat ohnehin auch der Ausschluss von den restlichen Sakramenten nicht weiter gestört, denn sie haben das zweite Vatikanische Konzil komplett abgelehnt. Darin wurde die immerhin über ein Jahrtausend festgeschriebene Lehre des Gottesmordes durch Juden abgeschafft. Jene Lehre war eine der Ursachen für den Antisemitismus in der Westlichen Welt. Die Piusbruderschaft, aber auch manche andere katholische Minderheit, vertreten heute noch die These vom Gottesmord. In wie weit man Gott ermorden kann, müssen Katholiken unter sich ausmachen. Und das ist eher eine religiöse Frage, über die Muslime eher ratlos den Kopf schütteln können, was für ein merkwürdiges Gottesbild man haben muss. Da die katholische Exkommunikation keinen Ausschluss aus der Kirche bewirkt, behandelt auch das staatliche Recht den Exkommunizierten weiter als Kirchenmitglied und kassiert die Kirchensteuer, zumindest von den in Deutschland ansässigen Pius-Brüdern. Der Papst wollte wohl der offensichtlichen Spaltung der katholischen Kirche entgegen wirken, und hat daher die Exkommunikation von einigen Geistlichen der Pius-Bruderschaft aufgehoben.

Unverständlich erscheint die aktuelle Medienschelte auch deshalb, weil westliche Medien sich sonst in religiösen Fragen nicht unbedingt als Verteidiger von Wahrheit und Würde hervortun. Unter dem Vorwand der Freiheit von Kunst darf man Gott verächtlich machen, den Namen Gottes missbrauchen, sämtliche Propheten verächtlich machen, über alle praktizierende Gläubige und ihre Riten herziehen, insbesondere über den Islam und die Muslime. Auch der Papst als Person und in seiner Funktion darf in den Medien im missbrauchten Namen der Freiheit durch alle mögliche Drecksbrühen gezogen werden, ohne dass irgendjemand sich ernsthaft darüber aufregen würde.

Jetzt aber treten die “Papstkritiker“ (wieder eine neue Berufsklasse ohne Ausbildungsgang) in den deutschen Medien lautstark hervor und behaupten gar, der Papst hätte einstmals den Islam und die Medien beleidigt! Jene Schreiber gleichen einer Geschichte im Heiligen Qur´an, in der manche Menschen vor den Propheten des Islam treten und schwören, dass er der Gesandte Gottes sei. Darauf kommt eine Offenbarung, dass Muhammad tatsächlich der Gesandte Gottes ist, aber jene Schwörenden dennoch Lügner sind! Vergleichbar verhalten sich viele Schreiber heute. Als der Islam tatsächlich vom Papst beleidigt und die Muslime diskreditiert wurden, haben die gleichen Medien 150% die Position des Papstes vertreten und die Muslime für ihre Sturheit und Intoleranz gescholten. Heute treten die gleichen Medien auf und missbrauchen die Muslime gegen den Papst. Gemäß den Wertmaßstäben des Heiligen Qur´an ist Heuchelei um Stufen schlimmer als offene Feindschaft.

Zweifelsohne gibt es religiöse Unterschiede zwischen Katholiken und Muslimen, aber die können wir unter uns ausdiskutieren und benötigen nicht jene Medien dazu, welche am liebsten jeden Glauben an Gott abschaffen wollen. Insofern sollte kein Muslim sich in dieser Situation von den öffentlich-rechtlichen Medien gegen den Papst oder die katholische Kirche missbrauchen lassen, selbst wenn die Pius-Bruderschaft ein offen islamhassender Orden ist; es sei daran erinnert, dass es auch unter Muslimen einige gibt, die weniger Toleranz besitzen.

Erstaunlich aber bleibt der Einsatz der Bundeskanzlerin und in ihrem Schlepptau auch andere Politiker. Normalerweise mischt sie sich nicht in religiöse Angelegenheiten ein. So darf der Papst problemlos die Abtreibung als Mord bezeichnen (womit rund 200.000 deutsche Frauen jährlich zu Mörderinnen würden), ohne dass die Bundeskanzlerin direkt dazu Stellung nimmt. Und auch bei des Papstes Äußerungen gegen den Islam und die Muslime hat sich kein deutscher Politiker gemüßigt gefühlt, den Papst anzugreifen bzw. Muslime zu schützen. Jetzt aber sieht sich der Papst – der nie einen Zweifel am Leid der Juden unter Nazis hat aufkommen lassen – der geballten Macht von Politikern aller Richtungen zusammen mit ihrer Hofberichterstattung ausgesetzt.

Was hat er denn getan? Das, was er getan hat, muss ja sozusagen “überreligiös“ sein, also noch wichtiger als sämtliche Religionen der Welt, so dass sogar die Bundeskanzlerin sich dazu äußert. Das ganze erfolgt zu einer Zeit, da das Gaza-Massaker selbst die engsten Israel-Freunde aufgeschreckt hat und Israel – abgesehen von karrierelüsternen Politikern und ihren Hofberichterstattern – kaum noch Fürsprecher findet. Vor wenigen Tagen hat die orthodox-jüdische und antizionistische Gruppe von Geistlichen, die sich unter dem Dach “Naturei Karta“ zusammen geschlossen hat, in einer englischen Verlautbarung die Behauptung aufgestellt und herausgegeben, dass der Zionismus ohne Antisemitismus nicht überleben könne. In wie weit jene Behauptung der Wahrheit nahe kommt, müssen Experten des Themas studieren und analysieren

Tatsache ist, dass die gesamte aktuelle Angelegenheit dazu förderlich ist, die Menschen zu spalten! Katholiken sollen gegen Juden aufgebracht werden, Muslime gegen Juden und Katholiken und Juden gegen alle, die gegen Israel sind (selbst wenn es Juden sind), denn die heutige Anti-Papst-Front ist identisch mit der Pro-Israel-Front beim Gaza-Krieg, was kaum zu übersehen ist. Und lachende Dritte sind diejenigen, die die Menschheit an den Abgrund geführt haben und weiterhin knechten und ausbeuten wollen. Man findet sie in allen Religionen! Nicht das Massaker von Gaza und die weiterhin anhaltende Strangulierung der Bevölkerung, nicht die weltweit zusammenbrechende Wirtschaft und das kollabierende Geldsystem stehen seit Tagen an erster Stelle der Nachrichten, sondern ein Papst, der die Exkommunikation eines Briten aufgehoben hat der einem norwegischen Sender ein Interview gegeben hat, dessen Inhalt mit dem Deutschen Gesetz nicht vereinbar ist.

Muslime sollten sich aus jenem Konflikt wahrlich heraushalten und auch nicht auf den Zug der Papstkritik aufspringen, der jetzt vorgibt, auch den Islam gegen den Papst schützen zu wollen. Alles hat seine Zeit und seinen Ort. Wenn Muslime überhaupt Stellung dazu beziehen wollen, dann ist jetzt der Papst zu schützen vor den Angriffen derjenigen, die eine Gesellschaft ohne Gott im Mittelpunkt wünschen; und die treten im missbrauchten Namen aller Religionen auf.

Bei aller Kritik an der Bundeskanzlerin kann man ihr eines nicht vorwerfen: Zu sehr versteckte Heuchelei! In einer an Klarheit kaum zu überbietenden Offenheit tritt sie seit Amtsantritt sowohl außenpolitisch als auch innenpolitisch für Interessen ein, die jeder erkennen kann; wirklich jeder. Und es liegt in der Hand der Wähler in Deutschland, wie lange sie das noch können wird, so dass alle Wähler eine gewisse Mitverantwortung tragen.

Schlusswort: Die Angelegenheit gibt allen aufrichtigen Juden, Christen und Muslimen die Gelegenheit, darüber nachzudenken, wofür sie eigentlich eintreten wollen und wer diejenigen sind, die ein gemeinsames Eintreten verhindern wollen. Auch darin liegt eine Chance für zukünftigen Frieden in der Welt.

Artikel von Yavuz Özoguz auf www.muslim-markt.de

Ich glaube, es war ein schwedischer Fernsehsender (kein norwegischer), aber ansonsten kann ich diesem Text weitgehend beipflichten. Die Ankündigung der Exkommunikation von einigen Angehörigen der erzkonservativen Pius-Bruderschaft ist das Eine. Dafür allein würde der Papst aber nicht solche Medienschelte abkriegen, es passt zur Wiederzulassung der tridentinischen Messe, zu dem Versuch, nach und nach auf vorkonziliare Positionen zurückzurudern und vor allem die erzkonservativen Katholiken nicht zu vergraulen und zu verlieren. 

Dass Angehörige der Pius-Bruderschaft auch insofern vorkonziliare Positionen vertreten, als sie die vom II. Vaticanum de facto verkündete Toleranz gegenüber anderen Religionen nicht teilen, sondern auf dem unbedingten Wahrheitsanspruch des Christentus beharren (was sie auch Mitgliedern anderer christlicher Konfessionen nicht unsympathisch machen dürfte), ist eine andere Sache, die auch niemand ernstlich aufgeregt hätte, implizierte diese Überzeugung nicht auch die Notwendigkeit der Mission gegenüber Israel. 

Was die Sache aber prekär machte, sind die Äußerungen zum Thema Holocaust, der in Mitteleuropa insofern einen quasi-religiösen Status genießt, als jeder Zweifel an Einzelheiten, ja sogar jeder Vergleich mit Stalin oder den Roten Khmer ins politische Abseits stellt Was die Nazis den Juden angetan haben, darf niemals mit anderen Gräueltaten anderer Regime verglichen werden. In der Kurzformel lässt sich das Wissen über die Shoa in folgenden Worten zusammenfassen: Die Nazis haben sechs Millionen Juden in ihren Konzentrationslagern vergast. Das stimmt so natürlich nicht. Der Versuch einer Auslöschung des Judentums hat nur zum kleineren Teil in den Gaskammern der Vernichtungslager stattgefunden, was kein Historiker leugnen wird. Ich bin auch überzeugt, dass der Bischof Williamson mit seinen Äußerungen ebensowenig die Wahrheit trifft wie der Historiker Irwing, aber solche Äußerungen, wie dumm oder unbedacht sie immer sein mögen, rühren - wenigstens in Deutschland und Österreich - an ein Tabu und stellen den schlimmsten denkbaren Verstoß gegen die political correctness dar.

Und das fällt nun auf den Papst zurück. Der Vatikan wird sehen müssen, wie er das beschädigte Ansehen des Kirchenoberhauptes und der Kurie wiederherstellt. 

Nächtlicher Ausblick