
KURIER: Schlafen Sie eigentlich gut?
Gerhard Wagner: Ich schlafe sehr gut. Nur nach der Ernennung bin ich eine Nacht lang wach gelegen.
Hätten Sie die Wahl ablehnen können?
Das hätte ich können. Aber wenn der Papst es wünscht, wäre es feig, sich aus dem Staub zu machen, nur weil man die öffentliche Meinung fürchtet.
Verstehen Sie denn die Aufregung?
Ich kenne die Meinung der Welt und ich kenne meine Position. Und das crasht. Aber dass man mich persönlich angreift, verstehe ich nicht.
Schmerzen Sie die Angriffe?
Das prallt an mir ab. Außerdem kriege ich jeden Tag 50 Briefe und 70 Mails von Menschen, die sich freuen und mich ermutigen. Nur ganz wenige beschimpfen mich.
Trotzdem fürchten sich viele Gläubige vor Ihnen als Weihbischof.
Ach, ich bin als Weihbischof nicht so wichtig, wie man jetzt tut. Also muss man sich vor mich auch gar nicht so fürchten.
Aber trotzdem bleibt das Bild des unverbesserlichen Provokateurs.
Ich provoziere nicht, um zu ärgern, sondern um zum Nachdenken anzuregen. Unsere Kinder sind heute so vielen Manipulationen ausgesetzt – durch Spiele, durch Filme und Literatur! Bei Harry Potter ist von Zauberei und Hexerei die Rede. Das ist nicht harmlos.
Auch Grimms Märchen sind voll damit. Haben Sie denn je einen Potter-Band gelesen?
Den dritten. Da waren eklatant viele okkulte Elemente drinnen.
Sie haben gesagt, dass Naturkatastrophen eine Folge geistiger Umweltverschmutzung sein könnten. Tun Ihnen diese Aussagen leid?
Nein, ich nehme gar nichts zurück, das ist doch wahr. Schauen Sie sich etwa den Weltfinanzmarkt an. Auch das sind keine schicksalshaften Vorgänge, da stehen Menschen dahinter, die nicht genug haben können. Das ist eine Gier und ein Materialismus ohne Seele. Der Turbokapitalismus ist auch ein Tsunami! Das ist auch eine geistige Umweltverschmutzung!
Sind Naturkatastrophen also eine Strafe Gottes?
Eltern strafen ja auch ihre Kinder – und das hoffentlich aus Liebe. Warum soll Gott nicht auch ein Signal setzen? In der Heiligen Schrift haben wir ganz klar das Prinzip des strafenden Gottes.
Aber vom strafenden Gott ist man doch schon lange abgekommen.
Den "lieben Gott" gibt ja es nicht. Ich maße mir nicht an, ihn zu durchschauen. Wir brauchen den Gott, der uns an Grenzen führt.
Sie lehnen weibliche Ministranten ab. Was haben Sie gegen Frauen?
Gar nichts. Das ist kein Glaubensproblem. Es geht nicht darum, dass Mädchen nicht zum Altar passen. Mädchen und Buben können in dem Alter einfach nicht miteinander. Mir ist es nur wichtiger, Burschen zu rekrutieren, die zum Glauben stehen.
In Windischgarsten gibt es viele sehr junge Mädchen mit Kindern.
Das ist doch schön.
Aber die sind alle unverheiratet.
Ein Kind ist kein Heiratsgrund.
Fürchten Sie sich vor einer zunehmenden Islamisierung Europas?
Natürlich ist der Islam eine Gefahr. Aber wir werden ihr nicht Herr, indem wir auf die Muslime schimpfen, sondern indem wir Christen selbst stärker werden.
Aber das Christentum wird immer schwächer. Immer mehr Menschen treten aus der Kirche aus – auch Ihretwegen.
Das tut mit leid, aber ich habe um die Zukunft der Kirche keine Angst. Vielleicht müssen wir erst wieder eine kleine Gruppe werden, um dann stärker hinaus zu wirken. Und dann werden die Wenigen mehr bewegen als die Vielen, die sich nicht bewegen.
KURIER-Interview mit dem umstrittenen designierten Weihbischof von Linz Gerhard Maria Wagner
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