Freitag, 16. Januar 2009

Komm. lieber Frühling, komm!

Böse Prominente

Promi-Mütter verderben die Preise. Wenn alles gerecht zugegangen wäre, als die Emanzipationsrevolution ihre Kinder entließ, stünde die Vollzeitberufstätige Spontan-Spätgebärende, die sich nach zwei Monaten Schonfrist im Job zurückmeldet, als Heldin der Geschichte da. Es kam anders. Die neuen Glamour-Mamas haben ihr den Mütterpokal vor der Nase weggeschnappt. Jüngstes Beispiel: Frankreichs Justizministerin Rachida Dati nahm fünf Tage nach der Entbindung, die terminkalenderkompatibel per Kaiserschnitt erledigt wurde, ihre Amtsgeschäfte wieder auf. Selbstredend schlüpfte sie für die Kabinettssitzung in ein Kostümchen Größe zero. 

Auch Angelina Jolie lässt alle sich emanzipiert wähnenden weiblichen Erziehungsberechtigten wie Versagerinnen aussehen: Während sie ihre Zwillinge austrug, adoptierte sie drei Kinder aus fünf Kontinenten. Oder waren es fünf aus drei? Jedenfalls jettete sie, kaum dem Kreißsaal entkommen, mit ihrem Clan um die Welt. Mühelos schließt sie den Fläschchenwärmer mit den Hot-Spots des Kinos kurz. Star-Kollegin Heidi Klum macht den demografischen Durchschnittsdamen mit 1,4 Kindern vor, dass auch 3,0 locker in eine 60-Zentimeter-Taille passen. Zudem beweist die Blondine verbissenen Akademikerinnen, dass man nicht den Unterschied zwischen Nettoreproduktionsrate und Einschaltquote kennen muss, um eine TV-Show zu moderieren. „Die Veteranen der häuslichen Kleinkriege, postfeministische Mütter von maximal zwei Kindern im täglichen Kampf um ihre Life-Work-Balance, glorifiziert jetzt niemand mehr“, bilanzierte ein Magazin. Alles Schlampen außer Mutti Heidi.


Ostern im Parkhaus, mitten im Winter

... auch wenn keine "Party-Events" stattfinden ...

Der Kirchgang ist für viele Menschen noch heute ein Akt der Ehrerbietung Gott gegenüber, ein Zeitraum der Besinnung, der Andacht und Ruhe - insofern kann ein Gottesdienst sehr wohl feierlich sein, auch wenn keine "Party-Events" wie die Wahl einer "Miss Wet-T-Shirt" stattfinden.

Aus dem Buch "Kleiner Knigge für die katholische Messe und den evangelischen Gottesdienst", erschienen im Kreuz-Verlag Stuttgart 2008, S. 18.

Auf Ideen kann man kommen! 

Kellerfensterkunstwerk

Saecula mutantur

Im Mittelalter glaubte man an die Kirche, in der Renaissance an die Antike und im 19. Jahrhundert an die Behörde.

Egon Friedell

Gedankenschiff


Schreibtischstillleben

Böses Kabarett

Jesus war bekifft und Luther mies drauf!

Es ist noch nicht allzu lange her, da wurde den Protestanten von «unserem» katholischen Oberhirten der Kirchenstatus abgesprochen. Jetzt sollen sie auch noch humorlos sein! Diese Ungeheuerlichkeit allerdings hat diesmal ausnahmsweise mal nicht der Papst zu verantworten. Daran ist der Passauer Kabarettist Sigi Zimmerschied schuld – verkündete er doch am Dienstagabend im Gostner Hoftheater, dass Protestanten viel zu geradlinig seien, um wirklich witzig sein zu können. Seine Google-Recherche mit den Stichworten «Witz» und «protestantisch» habe ganze acht Treffer ergeben.

An dieser Stelle müssen wir entschieden protestieren! Eine empirische Überprüfung dieser Behauptung hat ein paar mehr Treffer ergeben: 58 700, um genau zu sein. Spätestens jetzt dürfte klar sein, dass Sigi Zimmerschieds Witz, den er selbst als «katholisch» charakterisiert, nicht ohne die eine oder andere Verrenkung diverser Gehirnwindungen verstanden werden sollte. Oder mit Zimmerschieds eigenen Worten: «Immer hintenrum erzählen», das mache seinen Witz aus.

Wenn also Protestanten geradlinig sein sollen, während der katholische Witz sich dadurch auszeichnet, dass er vor allem hintenrum funktioniert – auf wen zielt dann Zimmerschieds Attacke eigentlich? Eben . . . Ein armer «Hobbykritiker» (Zitat Zimmerschied) war in die Falle getappt, dem Kabarett-Urgestein mangelnde Dezentheit, Unfähigkeit, «über den Tellerrand zu schauen», und eine anale Fixierung – wegen der vielen A-Worte – vorzuwerfen. Der Kollege hatte vergessen, hintenrum zu denken, was ihm prompt einen unehrenhaften Platz in Sigi Zimmerschieds neuem Programm einbrachte.

Was die A-Worte in seinem Sprachgebrauch betrifft, so sind sie Zimmerschieds Meinung nach unverzichtbar, weil typisch katholisch. Und dass er nicht «über den Tellerrand» schaut, kann man ihm auch nicht vorwerfen. Schließlich gibt es kaum eine Richtung, in die Zimmerschied nicht schießt. Dem Titel seines Programms «Zeitgeister» Rechnung tragend, bekommt die Öko-Bewegung ebenso ihr Fett ab wie die CSU, die Finanzkrise, die Linken, die Anarchos, Nazis, Frauenquoten, Kinderkrippen, bürgerliche Reihenhausidyllen und reaktionär-bayerische Wirtshauskultur. Besonders in letzterer die Verklemmtheit und Sublimierung unterdrückter Triebe offenzulegen, ist eines von Zimmerschieds Leitmotiven, weshalb es mitunter ganz schön «zur Sache» geht – nicht nur verbal.

Besonders gern drischt er auch auf alles Klerikale ein. Wir erfahren beispielsweise, dass Jesus «ständig zuakifft» war und die Protestanten nur deshalb so humorlos sind, weil sie, ohne Beichte, keine Möglichkeit haben, Schuld abzubauen: «Dreimal an der falschen Stelle g’lacht, scho is die Seligkeit im Arsch. Des hams davon, dass Luther so scheiße drauf war!»

Christina Roth in der Nürnberger Zeitung

Idyll

Wieder ein Beispiel für die künstlerische Ausgestaltung eines Gemeindebaus aus den späten fünfziger Jahren (in Ottakring): Der Mann bläst die Flöte, die Frau hält das Kind auf dem Arm. Schwarze und weiße Schafe weiden getrennt, aber haben doch beide ihr Lebensrecht.

Der Unterschied

Mitleid bekommt man geschenkt, Neid muss man sich erst mal verdienen.

Robert Lembke

Entropa - Entropie Europas?


Darf Kunst Europa lächerlich machen? Muss sie das vielleicht sogar dann und wann? Aber woher denn!, sagt David Cerný. Das will sie doch gar nicht. Jedenfalls wolle er mit seinem Werk niemanden beleidigen oder angreifen. Gelungen ist es dem Tschechen trotzdem: „Entropa“ heißt seine Installation, sein Bildnis aller 27 EU-Staaten, das seit Donnerstag das ehrwürdige Brüsseler Ratsgebäude ziert. Dort, wo sonst die Staats- und Regierungschefs, Minister und tausende Beamte über dem Schicksal Europas brüten – dort hängt jetzt ein Schandfleck. Findet zumindest das offizielle Bulgarien. Es ist in dem Werk, das die tschechische EU-Präsidentschaft in Auftrag gegeben hat, nämlich als türkische Toilette repräsentiert. Bulgarien, der EU-Neuling, als „letzter Dreck“ in Europa? Darf das sein?


„Ironie“ fällt Cerný dazu ein. Wenn sich Bulgarien verletzt fühle, dann werde man diesen Baustein aus der Skulptur eben wieder herausnehmen. Das beherzte Verteidigen eines Werkes sieht anders aus. Ob es beabsichtigt gewesen sei, dass die Lego-Konstruktion, die Dänemark darstellt, an die umstrittenen Mohammed-Karikaturen von 2006 erinnert? Auch dazu gab der Künstler lieber keinen Kommentar.

Europa hat seine Erfahrung mit „skandalösen“ Kunstwerken, welche die EU verunglimpfen. Oder sie auf die Probe stellen. „25Peaces“ hieß die Ausstellung, die der damalige österreichische EU-Vorsitz 2006 startete. Mit Plakaten von Carlos Aires und Tanja Ostojic, die eine Frau im EU-Slip zeigte. Bis die Veranstalter sie, einigermaßen entnervt von den Vorwürfen Sexismus und Pornografie, unter dem Druck der Öffentlichkeit wieder abmontierten.

Jetzt dudelt eben ein mannshoher Dudelsack im Ratsgebäude von Brüssel: Sinnbild dafür, dass Irland sich zu sehr aufplustert in der EU, indem es den EU-Vertrag blockiert? Deutschland ist ein Hakenkreuz aus textilen „Autobahnen“, über die Matchbox-Autos rasen. In den Niederlanden geht das Abendland baden – nur die Minarette ragen noch aus dem Wasser. In Österreich, dem Anti- AKW-Land, stehen vier Reaktoren. So what?

Peinlich berührt entschuldigte sich Alexandr Vondra, Europaminister der Tschechen, bei anderen Nationen, die protestierten – wie Bulgarien. Er hatte den Auftrag für „Entropa“, eine Auseinandersetzung mit „Klischees“ in Europa, vergeben. Und schon vor der Eröffnung einen herben Schlag hinnehmen müssen: Projektleiter Cerný hätte mit 26 Künstlern aus den 26 anderen EU-Ländern zusammenarbeiten sollen. Stattdessen erledigte er einfach alles selbst. Er erfand die 26 Künstler samt Lebensläufen – zugunsten der Provokation, wie er sagt. Das Geld für die Installation werde er aber an die Regierung zurückzahlen.

Ein Schelm, wer denkt, das EU-kritische Tschechien könnte den Schwindel um die Künstler und die Attacke auf die EU-Länder insgeheim begrüßt oder sogar geplant haben. Selbst ist das Land mit Anti-EU-Sprüchen seines Präsidenten repräsentiert. „Kunst, nicht mehr und nicht weniger“, sagt Vondra über „Entropa“. Lächerlich habe sich nicht Europa gemacht. Sondern am ehesten Tschechien.

Regina Pöll, EU-Ausstellung: Angriff auf das AbendlandDie Presse 16.01.2009

Ohne Titel