
Gefunden auf spiegel.de
Das zweite zensierte Bild ist die Aktfotografie 'Schweinebauch weiblich' der niederbayerischen Künstlerin Gisela Hellinger. Auf dem Foto ist ein gemalter Schweinekopf auf einem nackten Frauenbauch zu sehen - was dem katholischen Frauenbund missfiel.
Durchgesetzt
Zunächst waren die Bilder wochenlang ohne Proteste ausgestellt worden. Dann hatte es wegen der Kunstwerke Beschwerden vom Bistum Passau und dem katholischen Frauenbund gegeben. Den Künstlern wurde - von Kirchenvertretern - 'Frauenfeindlichkeit' und 'Blasphemie' vorgeworfen. 'Auf Grund dieser sehr heftigen Kritik hat der Landrat verfügt, dass die beiden Bilder nicht mehr gezeigt werden', erklärte der Sprecher des Landratsamtes, Eduard Bosch. Es sollten keine religiösen Gefühle verletzt werden.
Der Landkreis ist Veranstalter der Ausstellung. Auf Anregung des Kulturreferats des Kreises wurden die Bilder zunächst noch mehrere Tage lang in einen Nebenraum Interessierten gezeigt. Diese Nebenschau ist nun aber vom Landratsamt beendet worden, die Kunstwerke werden nun gar nicht mehr präsentiert.(APA/dpa/red)"
CHiLLi: Ist der Zugang zum Tod in Wien tatsächlich ein spezieller?
"Am Buchweizen gähnen vier schwarze Schlünde und vier an den Kartoffeln; das sind Ansitze, die sich der Bauer gemacht hat; von da aus erlegt er die Sauen und das Rotwild, die seine Äcker verwüsten. Hier unter dem struppigen Machangel gähnen lauter silbergraue Sandtrichter; in jedem lauert ein scharfbewaffnetes Ungetüm auf Spinnen und Ameisen, die in den Trichter fallen. Ein grüner Käfer rennt flink über den Sand, in den scharfen Zangen eine Fliege. Zierliche Schwalben fahren über die Heide; ich höre die kurzen Schnäbel knappen; jeder solcher Laut ist der Tod eines Wesens. Aus dem Brombeerbusche klingt ein jammervoller Ton, dünn, fein, aber voll Todesangst; da wickelt die dünne Spinne eine bunte Schwebfliege ein. Überall ist der Tod.Ich gehe gelassen über die Heide und blase sorglos den Dampf der Pfeife in die Luft; ich gehe und töte im Gehen Pflanzen und Tiere. Das ist nun einmal so. Und wer weiß, ob dicht bei mir nicht etwas auf mich lauert, um mich hinabzuzerren, heute oder morgen oder übermorgen oder einen Tag später. Eigentlich müßte mir das alle Lebenslust nehmen."
Aus: Hermann Löns, Der Heidweg, in ders., Mein braunes Buch
Im Hause meiner niedersächsischen Großeltern hoch geschätzt und verehrt: Hermann Löns, der Heidedichter. Ob es daran lag, dass mein Großvater im Grunde seines Herzens immer ein alter Nazi geblieben war? Oder kam es von der Großmutter her, die aus der Heide stammte? Sie wohnten im weiteren Sinne noch immer am Rande der Lüneburger Heide, und ab und zu gab es Ausflugsfahrten dahin, die etwas von Wallfahrten in heilige Landschaft an sich hatten.
Hermann Löns hat einen sehr verwickelten Lebenslauf mit Ecken und Kanten, einer, der unbedingt ein Schriftsteller sein wollte und es dann doch nur bis zum Journalisten brachte, der von Hannover aus die Landschaft der Lüneburger Heide entdeckte und erwanderte, von den Einheimischen zunächst als Dandy verspottet... Dann aber kam doch der schriftstellerische Erfolg mit Büchern, deren eigentlicher Gegenstand eben jene Landschaft ist.
Hermann Löns gelang es wohl nur durch Beziehungen, zu Beginn des 1. Weltkrieges als Freiwilliger akzeptiert zu werden, er fiel in der Marneschlacht. Die Nachspiele um seinen Leichnam und seine diversen Exhumierungen und Begräbnisse sind eine eigene Geschichte.
Um sein Erbe ließ sich gut streiten. Wandervögel und Nationalsozialisten, aber auch moderne Naturschützer haben in ihm einen Ahnherrn gesehen. Eine schillernde Gestalt, ein großer Dichter sicher nicht, in der Literaturgeschichte heute eine Fußnote wert, ein großer Melancholiker allemal. Manches in seinen Gedichten mutet fast buddhistisch an:
Auch ich, noch jetzt so lebensmunter,
Kein Plan zu kühn, kein Wunsch zu schwer,
Von Westen steigt der Tod herunter,
Ein Ruck, ein Stoß, ich bin nicht mehr;
Und all' mein Jauchzen, all' mein Klagen,
Ein Traum, schon morgen unbekannt,
Mein Schaffen, Dichten, Tun und Sagen,
Es rollt darüber gelber Sand.
„Man wird eher das Maximalprogramm ansteuern müssen, dessen Ziel in einer Verösterreicherung besteht (auch wenn das manchem Österreicher selbst als gefährliche Drohung erscheinen mag.) Der zu Verösterreichernde behält selbstverständlich seine kulturelle und religiöse Identität, nimmt aber dazu auch noch eine österreichische Identität an. Hier gilt, dass Integration auch eine Pflicht des Aufnahmestaates ist: Er wird Angebote (zu Sprachkursen etwa) machen müssen, aber auch deren Annahme erzwingen; er muss fördern, darf aber auch fordern; er wird aber nicht zulassen können, dass „kulturelle Eigenheit“ die Geltung der Gesetze relativiert. Kurz: Er wird mehr oder minder sanften Assimilationsdruck ausüben.“ (Kommentar in Die Presse)
Die Themen Migration und Integration beschäftigen die österreichischen Medien meinem Eindruck nach viel stärker als die deutschen. Das Verfasser dieses Kommentars denkt, wie aus anderen Passagen seines Textes hervorgeht, eher an Zuwanderer vom Balkan, aus der Türkei oder aus anderen muslimischen Ländern. Aber wenn die Leute pauschal über "Ausländer" schimpfen, zucke ich als Ausländer natürlich innerlich zusammen. Natürlich werden, wenn es um kulturelle und sprachliche Identität geht, Deutsche von einer solchen Argumentation wie in der zitierten Kolumne sicher am wenigsten getroffen, trotzdem frage ich mich: Bin nicht auch ich "ein zu Verösterreichernder"? Denn nichts trennt ja Deutsche und Österreicher so sehr wie die gemeinsame Sprache, wie Karl Kraus einst schrieb.

Die mir der Wahrheit Spiegelschild,
Den unbezwungnen, hält empor,
Daß der Erkenntnis Träne schwillt
Und bricht aus dunklem Aug hervor;
Wie hebst das Haupt du streng und strenger immer,
Wenn ich dich mehr und mehr vergaß
Ob lärmendem Geräusch und Flimmer,
Die doch an meiner Wiege saß!
Wie hängt mein Herz an eitler Lust
Und an der Torheit dieser Welt!
Oft mehr als eines Weibes Brust
Ist es von Außenwerk umstellt,
Und selbst den Trost, daß ich aus eignem Streben,
Was leer und nichtig ist, erkannt,
Nimmst du und hast mein stolz Erheben
Zu Boden allsobald gewandt,
Wenn du mir lächelnd zeigst das Buch
Des Königs, den ich oft verhöhnt,
Aus dem es, wie von Erz ein Fluch,
Daß alles eitel sei! ertönt.
Und nah und ferne hör ich dann erklingen
Gleich Narrenschellen ein Getön –
O Göttin, laß mich dich umschlingen,
Nur du, nur du bist wahr und schön! –
Noch fühl ich dich so edel nicht,
Wie Albrecht Dürer dich geschaut:
Ein sinnend Weib, von innerm Licht
Erhellt, des Fleißes schönste Braut,
Umgeben reich von aller Werke Zeichen,
Mit milder Trauer angetan;
Sie sinnt – der Dämon muß entweichen
Vor des Vollbringens reifem Plan.
Gottfried Keller
Ich ... war ... einmal
Oft weiß ich ganz genau: Ich ... war ... einmal;
Ich habe schon einmal all dies gesehn;
Der Baum vor meinem Fenster rauschte mir
Ganz so wie jetzt vor tausend Jahren schon;
All dieser Schmerz, all diese Lust ist nur
Ein Nochmals, Immerwieder, Spiegelung
Durch Raum und Zeit. - Wie sonderbar das ist:
Ein Fließen, Sinken, Untertauchen und
Ein neu Empor im gleichen Strome: Ich
Und immer wieder ich: Ich ... war ... einmal.
Otto Julius Bierbaum (1865-1910)
Nach knapp zwei Monaten da in Wien werde ich natürlich öfters gefragt, ob ich mich denn "schon eingelebt habe". Diese Frage kann ich mittlerweile ehrlich bejahen, wenngleich in der Wohnung noch manches improvisiert und nicht endgültig fertig ist. Ich kann das vor allem im Hinblick darauf, dass mir fast von Anfang an viele Situationen, Orte, Menschen so bekannt vorkommen, als hätte ich das alles schon einmal erlebt, so dass mir manche Tage wie eine Kette von Déja-vu-Erlebnissen vorkommen. Mit einem Glauben an Reinkarnation, den ich ablehne, hat das nichts zu tun; ich verstehe dieses Erleben als ein tiefes Einverständnis der Seele mit der jetzigen Situation, als ein Symptom dafür, dass ich den richtigen Entschluss gefasst habe und mich da jetzt sehr richtig am Platz fühle.
„Der vom Bundesverband deutscher Bestatter geplante Fernsehkanal Etos TV will noch in diesem Jahr auf Sendung gehen. Die Lizenz liege seit September vor, erklärte der Initiator Wolf Tilmann Schneider in Glienicke (Nordbahn).Derzeit liefen aber noch Verhandlungen mit möglichen Partnern. Wenn diese positiv abgeschlossen würden, könne es losgehen. Das Redaktionsteam werde aus acht Mitarbeitern bestehen. Ursprünglich wollte der Sender sein Programm bereits im November starten.
Das Studio des Spartenkanals befindet sich in Glienicke. Er soll zunächst über Satellit und Internet zu empfangen sein. Der Bestatterverband plant nach eigenen Angaben keinen Werbe- und Verkaufskanal, sondern 'ein seriöses Informationsprogramm'. Träger von Pflegeheimen oder Hersteller von Treppenliften sollen Beiträge sponsern.
Als weitere Finanzierungsquelle nannte der Verband Trauernachrufe etwa in Form kurzer Filme, die Menschen zu Lebzeiten von sich drehen lassen. Zudem seien Dokumentationen über berühmte Friedhöfe oder Diskussionsrunden über Tod und Bestattung geplant.“ (welt-online)
Seit vor nicht allzu langer Zeit der Bestatter zu einem anerkannten Ausbildungsberuf geworden ist, werden die Bestatter und ihr Verband immer aktiver und auch immer professioneller... Natürlich ist das Bestattungsgewerbe ein Geschäftsfeld mit Zukunft, trotzdem sind Zweifel angebracht, ob ein solcher Spartenkanal wirklich Zuschauer findet.
Oder noch kürzer: Alle Extrempositionen führen in Sackgassen. Das gilt, nebenbei gesagt, natürlich nicht nur im Hinblick auf Feuilleton und Politik, sondern auch für jeden Einzelnen, zumindest für die allermeisten Menschen.
"Ab Mitternacht ist verbreitet mit kräftigem Regen zu rechnen. Die Niederschlagssummen bewegen sich zwischen 25 und 35mm. Der Wind weht lebhaft bis kräftig aus Nordwest bis Nord und erreicht zeitweise Spitzen zwischen 65 und 70km/h. Es ist grau in grau und meist regnet es, zum Teil auch intensiv. Im Wienerwald können mitunter auch ein paar Schneeflocken dabei sein. Der Wind weht lebhaft aus Nordwest bis Nord. Die Frühtemperatur liegt um 4 Grad, es gibt kaum eine Tageserwärmung, am Nachmittag bewegt sich die Temperatur um 6 Grad."
'Diese Stimmung haben wir optimal getroffen und zugleich Qualität geliefert', fügte Weise hinzu. Inzwischen seien die Konsumenten wieder ausgabefreudiger. 'Geiz ist geil' sei die erfolgreichste Saturn-Kampagne aller Zeiten gewesen. Insgesamt werde die Media-Saturn heuer etwa eine halbe Milliarde Euro für Werbung ausgeben, mehr als jeder andere Konzern in Deutschland.
Der auch in Österreich präsente deutsche Elektronikkonzern musste für seine Kampagne aber auch vermehrt Kritik einstecken, er appelliere an die niederen Instinkte der Käufer und trage zum Werteverfall in der Gesellschaft bei. So kam es Mitte September bei der Eröffnung eines zum Konzern zählenden Media-Marktes auf dem Berliner Alexanderplatz ('Die größte Öffnung seit dem Fall der Mauer') zu tumultartigen Szenen unter den 'kaufgeilen' Besuchern, die durch günstige Eröffnungsangebote in das Einkaufszentrum gelockt wurden. Mehrere Menschen wurden verletzt. (APA)" Gefunden im Standard.
Die Kampagne ist zu Ende - wird so in Deutschland der erwünschte Aufschwung herbeigeredet? Man wird sehen. Aber ein geflügeltes Wort wird bleiben, auf das man sicher immer wieder zurückkommen wird.
„Vor Beginn ihres Deutschlandtages haben führende Mitglieder der Jungen Union (JU) eine zügige Heraufsetzung des Renteneintrittsalters gefordert. Die Landesverbände Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein sprachen sich für die Anhebung des Renteneintrittsalters auf 70 Jahre aus.
Der Vorsitzende der JU in Schleswig-Holstein, Rasmus Vöge, sagte der ‚Bild’-Zeitung, zur ‚Entlastung der Rentenkasse müssen alle länger arbeiten’. Niedersachsens JU-Chef Kristian Tangermann betonte, nur so sei der Wohlstand zu erhalten.“ (WELT-online)
"Am Mittwoch war im Brucknerhaus ein einzigartiger, mutiger Versuch zu erleben, scheinbar spröde philosophische Literatur in Musik zu gießen.
Es war gleichzeitig der Auftakt der Residenz von Anna Maria Pammer, die in den nächsten drei Jahren dem Linzer Konzerthaus eng verbunden sein wird.
Es handelte sich aber nicht um irgendeinen philosophischen Text, sondern um einen, der zu den bedeutendsten Denkanstößen des 20. Jahrhunderts zu zählen ist: Ludwig Wittgensteins 'Tractatus logico-philosophicus'. Und Balduin Sulzer hat dazu Musik erdacht, die auf den ersten Blick nicht spröder sein könnte und doch einen unglaublich spannenden Abend bescherte. Sulzer hat hier eine Ein-Frau-Oper geschrieben, ein Werk für Sopran solo und sonst nichts. Die einzige nicht vokale Zutat waren Schlaginstrumente, die die Sängerin höchst ausdrucksvoll selbst zum Klingen brachte.
Die musikalische Grundidee geht von der Musik der Entstehungszeit des Tractatus, also der Zeit des Ersten Weltkriegs, aus und greift mit den gewagt großen und schwierig zu treffenden Intervallen und dem aberwitzig schnellen und in extremsten Höhen geflüsterten Sprechgesang auf die Wurzeln neuer Gesangskultur der Zweiten Wiener Schule zurück.
Aber nicht nur in der Textrealisation finden sich Bezüge zu Schönberg, sondern auch in der reihenförmigen Struktur der Töne, die dem 75-Minuten-Werk Zusammenhalt gibt. Minutiös deutet Sulzer die Sätze, legt Schwerpunkte auf einzelne Ausdrücke, markiert immer wiederkommende Wörter – so zum Beispiel den Begriff 'Sachverhalt', dessen Sprachrhythmus jedes Mal mit dem Holzblock mitgeklopft wird." (OÖNachrchten)
Die Kirchenleitung und die Vertretung der Kirche nach außen hat der Oberkirchenrat A.u.H.B. mit Sitz in Wien inne. Ihm gehören an: der Bischof, der Landeskurator und die Oberkirchenräte A.B. (für die A.B.-Kirche) sowie der Landessuperintendent und ein weltlicher Oberkirchenrat H.B. (für die H.B.-Kirche). Den Vorsitz führt der Vorsitzende des Oberkirchenrats A.B. Zu den Aufgaben des Oberkirchenrats A.u.H.B. gehören Verordnungen zur Vollziehung der Kirchenverfassung und der kirchlichen Gesetze der beiden Mitgliedskirchen sowie die Regelung des Religionsunterrichts." (Wikipedia)
Eigentlich ganz einfach, oder? Ach ja: "A.B." steht für "Ausgburgischen Bekenntnisses" und "H.B. für "Helvetischen Bekenntnisses", in Deutschland würde man also sagen für "Lutheraner" bzw. "Reformierte" (aber diese Ausdrücke sind in Österreich ganz ungebräuchlich).
"Bist Du A.B. oder H.B.?" Diese Frage, die nur für nicht-österreichische Ohren lustig klingt, kann hier jedes evangelische Kind ohne Zögern beantworten.
Aber trotz dieser klaren Trennung bilden die beiden Kirchen eine Glaubensgeeinschaft mit weitgehend gemeinsamer Verwaltung: eine Leuenberger Kirche par excellence, wo ich mich als Pfarrer aus Kurhessen-Waldeck (einer durch die Geschichte zusammengewachsenen Kirche ohne Konsensunion) ganz richtig fühle.
„Schon oft verblüfften Killifische mit bemerkenswerter Anpassungsfähigkeit.“ Eine Art lebt „im Elizabeth River an der Ostküste der USA. Durch Abwässer ist der Fluss so verschmutzt, dass vom Grund Öl aufsteigt. Das Wasser ist so verpestet, das kaum ein Wesen überlebt – außer dem 'Fundulus heteroclitus'. Mutationen machten ihn resistent gegen den Dreck. Dagegen ist sauberes Wasser für den Fisch inzwischen Gift geworden – klare Gewässer sind eine Todesfalle, in denen er stirbt.“ Gefunden auf WELT-online.


Ist's ein Wunder, daß dich alle lieben,
Die nach meinem Scheiden sich dir nahen,
Meine Seufzer sind bei dir geblieben
Und als Luftgeist sehnlich dich umfahren,
Wer zu athmen wagt an deinem Munde
Zieht sie unbewußt zu seinem Herzen,
Diese Seufzer mancher trüben Stunden,
Diese Geister, mir entflohn in Schmerzen.
Zu lebendig war des Herzens Hoffen,
Es vergeht nicht mit den Schmerzenstagen,
Ja es liegt die Welt jetzt vor mir offen,
Meine Liebe fühl' ich drinnen schlagen;
Leb' ich nun in Andern, die dich lieben,
Mag ich wohl der armen Mutter gleichen,
Die ihr Kind von ihrer Brust vertrieben,
Ihre Brust dem fremden Kind zu reichen.
Hoffnungsgeister, die mit schönen Bildern
Mich getäuschet wie die Jugendzeiten,
Meiner Nächte Einsamkeit zu mildern,
Ich entlaß euch in die blauen Weiten,
Einen Händedruck gebt noch zum Scheiden,
Sei's die Jugend, die ich heut entlassen,
Was auch komme, nichts will ich vermeiden,
Was vorbei, das läßt sich nicht mehr fassen.
Achim von Arnim (1781-1831)
WebStandard: Sie meinen man wird durch den Bundestrojaner keinen Kriminellen erwischen?
Zeger: Kleinkriminelle, Personen, die gewisse Daten auf dem Computer haben oder Wichtigtuer werden sicherlich aufgespürt werden können. Aber im Unterschied zur Telefonüberwachung ist es bei der Computer- und Internetüberwachung sehr einfach sich zu schützen. Wenn man eine geordnete IT hat, und ich gehe davon aus, dass professionelle und organisierte Kriminelle das Geld haben um entsprechende Vorkehrungen zu treffen, dann sind diese Maßnahmen wirkungslos.
WebStandard: Aber wieso dann der "Bundestrojaner?
Zeger: Es ist ein Signal an die Bevölkerung. Wir tun etwas und kümmern uns um die Probleme. Und wenn ihr was macht, dann erwischen wir euch. Grundsätzlich handelt es sich hier nur um eine Erweiterung bereits bestehender Möglichkeiten und Befugnisse.
WebStandard: Wie soll der Bundestrojaner überhaupt funktionieren?
Zeger: Sie können sich schön jetzt entsprechende Software aus dem Internet laden, diese wird zu Preisen zwischen 100 und 1000 Euro zum Kauf angeboten. Je nach den Möglichkeiten, können dann der E-Mailverkehr oder auch die Tastenanschläge mitgeschnitten und ausspioniert werden."
WebStandard: Das bedeutet eine einfache Firewall würde ausreichen, um das Ausspionieren zu verhindern?
Zeger: Ja. Eine gute konfigurierte Firewall sollte diese Trojaner erkennen.
WebStandard: Denken Sie, dass sich der Innenminister Platter mit dieser Entscheidung und dem Thema Vorratsdatenspeicherung zum heißen Kandidaten für die Big Brother Awards gemacht hat?
Zeger: Ich bin nicht im Komitee für die Big Brothers Awards und kann daher dazu nur sagen, dass die Polizei immer ein heißer Kandidat für eine "Auszeichnung" im Bereich Verletzung der Privatsphäre ist. Wir leben schon heute in einem Stasi-ähnlichen Überwachungssystem. Die Vorratsdatenspeicherung ist dabei jedoch der wesentlich tief gehendere Einschnitt in die Privatsphäre als dies die Online-Überwachung ist. Der Online-Trojaner ist nur ein wesentlich spektakuläreres System. Viel mehr Gefahr ergibt sich aus der allgegenwärtigen Überwachungsmentalität und den Eingriffen durch die Vorratsdatenspeicherung.
Michaela Warnke: Familienfeindlich?!: Im Lokal »Hacienda« müssen Kinder ab sofort draußen bleiben, auf jesus.de
"Als Kontinentalklima bezeichnet man den Temperaturverlauf verschiedener Klimatypen, welche sich durch jahreszeitlich bedingt große Temperaturschwankungen auszeichnen. Typisch sind heiße Sommer und kalte Winter." (Wikipedia).
Dass Wien (ebenso wie Berlin) ein kontinentales Klima aufweist, gehört zum Grundwissen. Ich erlebe erstmals solche Verhältnisse. In ganz kurzer Zeit sind die Nachttemperaturen in Gefrierpunktnähe gesunken. Am Tage erwärmt sich die Luft noch immer auf 13 oder 14 Grad, und der Himmel ist wolkenlos, von magischem Blau; aber der Winter kündigt sich an, in Wien ist er meistens hart und kalt, das höre ich oft. Wenn unser Organist freilich von Kindheitserinnerungen an Schlittenpartien Anfang November erzählt, sind das wohl doch Geschichten aus der Zeit vor der globalen Erwärmung...
"Ich will jetzt nichts durchpeitschen, sondern glaube, dass uns eine Atempause hilft, über wirksame Schritte im Jugendschutz zu diskutieren", so die deutsche Familienministerin von der Leyen (CDU) in der "Bild"-Zeitung. Den Plan, Jugendliche als Testkäufer für Alkohol, Tabakwaren und brutale Computerspiele loszuschicken, hat sie nach massiven öffentlichen Protesten fallen gelassen. Das Bemühen um den Jugendschutz treibt schon seltsame Blüten. Irgendwie bin ich froh, dieses Deutschland aus einer gewissen Distanz betrachten zu können.
Weder ist das Lesen von vornherein löblich noch das Nichtlesen verdammenswert. Wenn jemand alles nur im Kopf hat und gegen das Angelesene nichts mehr selber findet, ist das ein Jammer. Wenn jemand eine Abwehr gegen alles bloß Fiktive hat, ist er unter Umständen auf diese Art der Idee der Literatur näher als der belesene Schmock. Es stimmt auch geschäftlich, dass das Nichtlesen nicht von vornherein verdammenswert sein kann: Wirklich berühmt (und Millionäre) können Schriftstellerinnen und Schriftsteller nur werden, wenn sie die Aufmerksamkeit der Nichtleser haben; Schriftsteller müssen in aller Munde sein. Leser allein sind nicht in der Lage, den besten Künstlern jenen Status zu verleihen, den sie verdienen.
Die Spracherfahrung, die man durch Lektüre macht, ist nicht weltfern. Die Metapher von "der Lesbarkeit der Welt" sagt das, aber sie erinnert auch daran, dass "die Welt" heute nicht bloß in Büchern dargestellt wird. Ein einigermaßen adäquates Weltverständnis kommt ohne Bücher ebenso wenig zustande wie allein mit Büchern. Mancher Lektürefreak trägt ein Museum mit sich herum und sollte aufpassen, dass ihn die Patina nicht auffrisst."