Donnerstag, 25. Oktober 2007

Verösterreicherung

„Man wird eher das Maximalprogramm ansteuern müssen, dessen Ziel in einer Verösterreicherung besteht (auch wenn das manchem Österreicher selbst als gefährliche Drohung erscheinen mag.) Der zu Verösterreichernde behält selbstverständlich seine kulturelle und religiöse Identität, nimmt aber dazu auch noch eine österreichische Identität an. Hier gilt, dass Integration auch eine Pflicht des Aufnahmestaates ist: Er wird Angebote (zu Sprachkursen etwa) machen müssen, aber auch deren Annahme erzwingen; er muss fördern, darf aber auch fordern; er wird aber nicht zulassen können, dass „kulturelle Eigenheit“ die Geltung der Gesetze relativiert. Kurz: Er wird mehr oder minder sanften Assimilationsdruck ausüben.“ (Kommentar in Die Presse)

Die Themen Migration und Integration beschäftigen die österreichischen Medien meinem Eindruck nach viel stärker als die deutschen. Das Verfasser dieses Kommentars denkt, wie aus anderen Passagen seines Textes hervorgeht, eher an Zuwanderer vom Balkan, aus der Türkei oder aus anderen muslimischen Ländern. Aber wenn die Leute pauschal über "Ausländer" schimpfen, zucke ich als Ausländer natürlich innerlich zusammen. Natürlich werden, wenn es um kulturelle und sprachliche Identität geht, Deutsche von einer solchen Argumentation wie in der zitierten Kolumne sicher am wenigsten getroffen, trotzdem frage ich mich: Bin nicht auch ich "ein zu Verösterreichernder"? Denn nichts trennt ja Deutsche und Österreicher so sehr wie die gemeinsame Sprache, wie Karl Kraus einst schrieb.

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