Freitag, 31. Oktober 2008
Am Reformationstag notiert
Sonntag, 26. Oktober 2008
Kalenderzufall
Der Preis der Freiheit
Safranski: Das Böse ist der Preis der Freiheit, das ist die einfache Botschaft. Ohne die Versuchung zum Bösen wäre Freiheit nicht denkbar. Freiheit riskiert das Böse. Wir sprechen immer von der Risikogesellschaft, doch jeder ist für sich selbst ein Risikofall. Große Sicherheiten gibt es nicht. Wir sehen, wie sogar das authentische Verlangen nach Freiheit und der Wunsch, in der Wahrheit zu stehen, terroristisch werden kann. Das geschieht in der Geschichte des Einzelnen ebenso wie im Großpolitischen. Ich bewege mich durch die wundersame Landschaft des Menschen, um diese Bereiche der conditio humana auszuloten.
Aus einem Interview mit dem advaitajournal (Volume 10)
Das neue Skandalon des Kreuzes
Selbst Kirchenleitungen, die geistliche Lehre verbreiten wollen, geraten in den Sog der Umwelt. Deshalb ist eine Reformation nach Auffassung des Lübecker Altbischofs Ulrich Wilckens heute nötiger als im 16. Jahrhundert. Man brauche Christen, die diese Aufgabe mit Zuversicht angehen, sagte er bei einer Tagung der Paul-Schütz-Gesellschaft am 25. Oktober in Bensheim bei Darmstadt. Der 80-jährige Theologe und Bibelübersetzer möchte im kommenden Jahr eine Vortragsreihe zu theologischen Grundfragen halten. Er wies jetzt darauf hin, dass auch in Theologie und Kirche weitgehend in Frage gestellt werde, dass der Tod Jesu am Kreuz als Sühne für die Sünden der Menschen nötig sei. Viele empfänden Abscheu vor der Vorstellung eines Gottes, der zur Versöhnung den Tod seines Sohnes brauche. Diese Auffassung sei nicht nur in der evangelischen, sondern auch in der katholischen Theologie anzutreffen, so Wilckens.Empörung über Botschaft vom Kreuz
Schon in der frühen Christenheit, zur Zeit des Apostels Paulus, habe der Sühnetod Jesu Christi Empörung hervorgerufen. Die Griechen hätten die Botschaft vom Kreuz als „größten Unsinn“ und die Juden als „Skandal“ bzw. Gotteslästerung angesehen. Wie damals sei es auch heute höchste Zeit, die elementaren Lehren des Christentums zu verkünden, sagte Wilckens. Er zeigte auf, wie die Liebe, Barmherzigkeit, Güte und Treue Gottes zu den Menschen die Botschaft des Alten wie des Neuen Testaments durchdringt. Das Verlangen, die durch die Auflehnung des Menschen gegen Gott, die Sünde, gestörte Lebensgemeinschaft wiederherzustellen, stehe ebenso hinter alttestamentlichen Opferritualen wie dem Kreuzestod Jesu Christi. Dieser müsse im engsten Zusammenhang mit der Auferstehung in das neue Leben gesehen werden.
Von der „Wahrheit Gottes“ reden
Wilckens betonte, dass der historische Jesus und Gottes Sohn eins seien. Gott gebe sich als letztes Zeichen seiner Liebe zu den Menschen selbst in den Tod. Der Altbischof plädierte dafür, den Mut aufzubringen, von „der Wahrheit Gottes“ zu reden und sich nicht auf den Austausch verschiedener theologischer Meinungen zu beschränken. In den Kirchen sei eine tief greifende Erneuerung nötig.
idea.de
Wie wahr. Ich erinnere mich eines Seminars in meinem Studium, in dem es um den Begriff "Erlösung" ging, und die fast einhellige Meinung der Studierenden war, dass sie eigentlich gar nicht genau wüssten, wovon sie erlöst werden sollten. Und wenn Theologiestudenten im Angesicht eines Kruzifixes im Gemeindesaal fragen, ob man sich den Anblick dieses "nackerten Leichnams" denn wirklich unbedingt antun müsse, dann kann man Wilckens doch nur zustimmen. Tatsächlich breitet sich - gerade unter manchen neuen Frommen charismatischer Prägung - anscheinend eine Frömmigkeit aus, die auch ganz gut ohne Sünde, Kreuz und Sühne auskommt. Die Gedanken daran stören das unbeschwerte Gotteslob, "ziehen so runter". Das Paradigma von Schuld und Vergebung, das für das christliche Abendland sehr prägend gewesen ist, wird ersetzt durch die Muster von persönlichen Entwicklungswegen - wie in den östlichen Religionen. Wo der Mensch ganz und gar für sich verantwortlich ist (mit allen Konsequenzen bis hin zu weiteren Leben), bedarf es keiner Erlösung, die von außen käme. Und wem die christliche Sühnetheologie zu geheimnisvoll und kompliziert ist, der findet im Islam ein wesentlich einfacheres Modell von Erlösung durch Gehorsam.
Samstag, 25. Oktober 2008
Die Arbeiten...
... an unserem Kirchturm gehen gut voran. Weder beim Zeitplan noch bei den Kosten haben sich bislang wesentliche Änderungen gegenüber den ursprünglichen Kalkulationen ergeben. Wenn alles gut geht (und das Wetter mitspielt), kann das Gerüst noch vor Einbruch des Winters so weit verkürzt werden, dass die farbigen Ziegel im oberen Bereich des Turmes wieder zu sehen sind, ein sichtbarer Beleg für den Fortschritt der Sanierung.
Fragmentierte Wirklichkeit
"Der diffuse Standort, in dem man mittlerweile mithilfe der Mobiltelefone kommuniziert, ist nicht länger ein privater, sondern ein betont öffentlicher Raum. Man könnte es bezeichnen als ein 'Kontinuum der Monologe mit austauschbaren Folien'" (Mauricio Kagel). Das Handy fragmentiert die Wirklichkeit in viele kleine Gesprächseinheiten.Kagel setzt eine Auswahl dieser polyphonen Originalton-Einheiten, die unter anderem am Flughafen Rhein-Main aufgenommen wurden, zusammen zu einer Partitur der Wirklichkeit: Es geht um Arbeit, um Liebe, um Tod, um Sport und die Weltpolitik. Es geht um den Seniorenverein und wie wer wann zu wem steht. Aber es geht auch um die Sprache an sich.
Das Mobiltelefon selbst wird zum Instrument, mit und an dem Kagel die Sprache und die Welt der Gegenwart untersucht.
Ankündigung des experimentellen Hörspiels "Erratische Blöcke" von Mauricio Kagel (DLF 28.10.2008, 20.10 Uhr) auf dradio.de.
Ein Feschist
Ein Rechtsextremist - darauf beharrt der angesehene Politologe Anton Pelinka.
Ein Austrofaschist - schreibt der Schriftsteller Robert Menasse.
Ein Rechtspopulist - sagt der publizistische Mainstream.
Der Landeshauptmann der Herzen - sagen seine Anhänger, damit auf die Kitschorgien nach dem Begräbnis von Lady Di anspielend.
Ein Feschist - wäre mein Vorschlag. Nicht ganz ein Faschist, aber mir starken faschistischen Zügen, dem Personen-, ja Führerkult vor allem. Auch der körperbetonten Politik: Fesche Burschen durch und durch, diese Haideristen."
Sonntag, 19. Oktober 2008
Kanonisierung eines Heiligen


Ein paar Momente später geht sie, ganz Landesmutter, zu den vielen Menschen, die die Zeremonie hinter den Absperrungen und auf der gigantischen Videowall verfolgt haben: Die Bevölkerung umarmt und küsst die Witwe und spricht ihr Trost und Kraft zu.
(...)
Keine Wiederkehr der Religion
Deutschland liegt damit im Vergleich von neun europäischen Ländern an letzter Stelle. Das geht aus repräsentativen Befragungen der BAT Stiftung für Zukunftsfragen (Hamburg) unter jeweils 1.000 Personen hervor. Die Aussage „Religion ist wichtig im Leben, um glücklich und zufrieden zu sein“ bejaht fast jeder zweite Italiener (48 Prozent). Dahinter folgen Finnen (32 Prozent), Briten und Russen (jeweils 31 Prozent), Ungarn (28 Prozent), Belgier (27 Prozent), Franzosen (26 Prozent) und Schweizer (25 Prozent). Auch bei der Frage, was den Deutschen heilig ist, rangieren Glaube an Gott (18 Prozent), Religion (14 Prozent) sowie Gebete und Kirche (jeweils 10 Prozent) auf den letzten Plätzen. Das Heiligste ist den Deutschen der Umfrage zufolge die Familie (71 Prozent). Dahinter folgen Gesundheit (60 Prozent), Kinder (55 Prozent), Partner (52 Prozent), Freunde (49 Prozent) und Eltern (44 Prozent). Im Bereich „Werte und Moral“ ist den Deutschen vor allem die Achtung der Menschenwürde wichtig.
Familie die neue Glaubensgemeinschaft der Deutschen“
Der wissenschaftliche Leiter der BAT Stiftung, Prof. Horst W. Opaschowski, kommentiert die Ergebnisse so: „Die ‚heilige Familie’ überlebt offensichtlich alle Krisen und Zeitgeistströmungen.“ Statt Wiederkehr der Religion heißt es eher Renaissance der Familie: „Die Familie ist die neue Glaubensgemeinschaft der Deutschen.“ Aus den Gottsuchern seien Sinnsucher geworden. Unterschieden nach Bundesländern ist der Glaube besonders wichtig für Bürger in Baden-Württemberg (29 Prozent), Rheinland-Pfalz (27 Prozent), dem Saarland (26,3 Prozent), Hessen (25,5 Prozent) und Bayern (23,5 Prozent). Die geringste Bedeutung hat der Glauben dagegen für die Menschen in Schleswig-Holstein (4,3 Prozent), Mecklenburg-Vorpommern (4 Prozent) und Sachsen-Anhalt (1,6 Prozent) – die Region, von der einst die Reformation ausging.
Hochreligiöse haben mehr Ehrfurcht vor dem Leben
Nach Opaschowskis Angaben weist die Befragung nach, dass hochreligiöse Menschen besonders geprägt sind von Ehrfurcht vor dem Leben und der Natur sowie der Achtung vor der Menschenwürde. „Hochreligiös“ seien Menschen, die an Gott glauben, regelmäßig beten, einer Kirche angehören und sich selbst als religiös bezeichnen. Wer hingegen gott- und religionslos lebe, lege deutlich weniger Wert auf Natur und Menschenwürde, Verlässlichkeit und Toleranz. Diese Werte seien aber der soziale Kitt, der die Gesellschaft in Zukunft zusammenhalte. Opaschowski: „Es muss daher ein fundamentales Interesse von Gesellschaft und Politik sein, dass Religion auch im traditionellen Sinne weiter gepflegt und im Alltag gelebt wird, damit die Humanität nicht verkümmert oder stirbt.“ Ohne Religion seien Kultur und sozialer Zusammenhalt einer Gesellschaft auf Dauer gefährdet. Religion stärke das Gemeinschaftsgefühl.
idea.de 17.10.2008
Samstag, 18. Oktober 2008
Der Himmel weiß...
Unfrei
Ganz richtig, diese Welt ist nichtig.
Auch du, der in Person erscheint,
bist ebenfalls nicht gar so wichtig,
wie deine Eitelkeit vermeint.
Was hilft es dir, damit zu prahlen,
daß du ein freies Menschenkind?
Mußt du nicht pünktlich Steuern zahlen,
obwohl sie dir zuwider sind?
Wärst du vielleicht auch, sozusagen,
erhaben über gut und schlecht,
trotzdem behandelt dich dein Magen
als ganz gemeinen Futterknecht.
Lang bleibst du überhaupt nicht munter.
Das Alter kommt und zieht dich krumm
und stößt dich rücksichtslos hinunter
ins dunkle Sammelsurium.
Daselbst umfängt dich das Gewimmel
der Unsichtbaren, wie zuerst,
eh du erschienst, und der Himmel
weiß, ob und wann du wiederkehrst.
Wihelm Busch
Seelenstände und GlaubensgenossInnen
Kecke Erdbeeren
Vor vielen Jahren schon sagte ich manchmal zu meinen Studenten: "Wenn im Winter frische Erdbeeren angeboten werden, muss man sich nicht wundern, dass jedes Empfinden für das Kirchenjahr verloren geht."Samstag, 11. Oktober 2008
Tod eines Politikers
Freitag, 10. Oktober 2008
Mittwoch, 8. Oktober 2008
Schauspielerglück
Peter Truschner: Der Marquis von O., Der Standard 13. September 2008, Album S. 1





