Dienstag, 31. August 2010

Morgen vor drei Jahren jährt sich mein Dienstantritt in Wien zum dritten Mal. Zeit, dieses Blog zu schließen und eine Fortsetzung zu eröffnen. Hier geht es dann weiter: http://neue-wiener-notizen.blogspot.com.

Sonnenuntergang im Burgenland

Vergebliches Bemühen

Ich versuche mich zu erinnern, gehe meinen Tag durch: Da war doch irgendwo ein Splitter eines eigenen Gedankens. Aber er will mir einfach nicht mehr einfallen.

St. Margarethen

Der Schlussbeifall bei der Zauberflöte hielt sich in Grenzen (oder verlor sich im Rund des Römersteinbruchs). Erst das sich anschließende Feuerwerk versetzte das Publikum in unüberhörbares Entzücken.

Sonntag, 29. August 2010

Zum Nachdenken

In Nord- und Mitteldeutschland ist "Einsegnung" ein anderer Ausdruck für die Konfirmation, in Österreich ein Synonym für die kirchliche Bestattung. Eine Beobachtung zum Nachdenken.

Lueger-Kirche am Zentralfriedhof


Kuppel der Dr.-Karl-Lueger-Gedächtnis-Kirche (Karl Borromäus-Kirche) auf dem Zentralfriedhof. Die nach dem berühmten (und als Antisemit berüchtigten) früheren Wiener Bürgermeister Dr. Karl Lueger benannte Kirche (sie ist zugleich sein Mausoleum) ist wunderschön anzusehen, aber die Akustik ist sehr problematisch. Vor einigen Tagen hatte ich zum ersten Mal dort eine Einsegnung zu halten, und aus irgendwelchen Gründen waren die Mikrophone der Beschallungsanlage nicht auffindbar. So war es ein wahrer Kampf mit dem Nachhall, der mehrere Sekunden währt.

Dienstag, 24. August 2010

Ich entsorge, also bin ich

Entsorgen Sie täglich: Betrachten Sie das Wegwerfen als etwas ebenso Selbstverständliches wie das Kaufen. Damit beginnen Sie einen neuen Abschnitt in Ihrem Leben. Vereinbaren Sie mit sich selbst, ab heute jeden Tag konsequent 1, 2 oder 3 Dinge aus Ihrer Wohnung oder Ihrem Büro in den Abfall zu verbannen – so wie Sie bisher fast jeden Tag etwas gekauft haben.

Auch wenn es Ihnen anfangs schwer fällt – die meisten Menschen gewöhnen sich sehr schnell daran. Es ist normal, wenn Sie beim Wegwerfen gelegentlich Gefühle von Unsicherheit oder Wehmut spüren. Trennungsschmerz gehört zu Ihrem Leben wie die Freude über neu erworbene Dinge. Betrachten Sie die simplify-Wegwerf-Strategie nicht als zwanghafte Regel, sondern als natürliche, gesunde Lebenseinstellung.
In einem durchschnittlichen Haushalt befinden sich zwischen 10.000 und 50.000 Gegenstände, und fast täglich kommt Neues hinzu. 1 bis 3 Dinge weniger pro Tag, das macht bis zu rund 1.000 im Jahr, von denen Sie sich entlasten und zugleich Raum für Neues, Besseres, Sinnvolleres schaffen. Was nicht heißt, dass Sie entstehende Lücken unbedingt auffüllen müssen. Genießen Sie die freier werdenden Flächen im vormals prall gefüllten Regal. Freuen Sie sich über die Schublade, in der nur noch das liegt, was Sie wirklich brauchen.    
Auch wenn Sie bislang schon ein „aufgeräumtes" Leben geführt haben, sollten Sie sich das tägliche Wegwerfen wenigstens eines Gegenstandes zur Gewohnheit und Lebenseinstellung machen.
Hier einige Beispiele, die Sie Ihren Lebens- und Arbeitsumständen entsprechend persönlich ergänzen sollten. Entsorgen Sie täglich:  
  • Kleidungsstücke, die Sie nie wieder tragen 
  • Haushaltsartikel, die Sie nie wieder benutzen 
  • Geschirr und Besteckteile, die nie wieder auf Ihren Tisch kommen 
  • Dekorationsmaterial, das Sie nie wieder verwenden 
  • Medikamente, deren Verfallsdatum abgelaufen ist 
  • CDs, Schallplatten und Videos, die Sie sich nie wieder anhören und ansehen werden 
  • Zeitungen, Zeitschriften und Bücher, die Sie nie wieder lesen 
  • Bücher aus Wissenschaft und Politik, deren Inhalt von der Geschichte längst überholt wurde 
  • Kleinkram aus Schubladen und von Regalen 
  • Betriebsanleitungen und Ersatzteile von Geräten, die Sie längst nicht mehr besitzen 
  • CDs und Disketten mit Computer-Programmen (plus deren Handbücher), die Sie nie wieder installieren werden
  • Steuerunterlagen, deren Aufbewahrungsfrist abgelaufen ist (10 Jahre nach demjenigen 31.12., welcher der Zustellung des Steuerbescheides folgte) 
  • Souvenirs und Geschenke, die zu toten Gegenständen geworden sind, weil Sie deren Zusammenhänge nicht mehr im Herzen tragen 
  • abgenutztes Werkzeug und alle anderen Dinge, die beim nächsten Gebrauch (falls jemals) nicht mehr einwandfrei funktionieren werden 
Hans-Ulrich Meißner


Aus dem simplify-Newsletter

Samstag, 21. August 2010

Zynismus - öffentlich-rechtlich



Fiese Fassaden - Deutschland aus der Street View



hr2-kultur | Der Tag | Freitag, 20.08.2010

Ja Leute, folgt dem Trend: hindert Google daran, eure Häuser im Internet zu zeigen. Lasst eure Fassaden verpixeln – und verschont den Rest der Welt mit diesem Anblick! Denn – mal ganz im Ernst: Was wird man zu sehen bekommen, wenn Google Street View Deutschlands Städte fotografiert hat? Ein Panoptikum an Scheußlichkeiten. Die Unwirtlichkeit unserer Städte als Fotoalbum. Das Grauen zum Nachschlagen. Das muss wirklich nicht sein. Man könnte natürlich Googles Street View zum Anlass nehmen, sich mal um das Aussehen deutscher Städte zu kümmern, sich mal Gedanken darüber machen, warum wohl die Depression auf dem Weg ist, die Volkskrankheit Nummer eins zu werden.

Aus dem e-mail-Newsletter der Sendung "Der Tag"

Donnerstag, 19. August 2010

Bei geöffnetem Fenster

Die Grille im Hinterhof
singt ohne Unterlass,
als könnte sie allein
den Sommer zum Bleiben bewegen
durch ihren Gesang.

Ich bewundere sie.

Hildegard Knef - In dieser Stadt

Splitter

Wenn alles Leben Problemlösen ist, wie Karl Popper gemeint hat, dann ist Urlaub so etwas wie Scheintod.

Louis Armstrong - Mack The Knife - 1959




1959 in Stuttgart, anscheinend in der damals drei Jahre alten Liederhalle.

Geschenkidee

Eine gute Idee für ein Geschenk zur Konfirmation oder zum 16. oder 18. Geburtstag: Ein ungeheuer umfangreiches Adressbuch, das ein Leben lang reicht und genügend Platz bietet für die Hunderte oder Tausende Kontakte, die ein Mensch so in seinem Leben ansammelt - die meisten nur auf Zeit. Trüge man in einem solchen Buch nicht nur alle Daten (und Änderungen) treulich ein, sondern könnte man sich auch entschließen, bei gelegentlicher Durchsicht des Buches die Namen all derjenigen zu streichen, mit denen man nichts mehr zu tun hat oder haben will - oder die inzwischen gestorben sind -, dann wäre ein solches Buch ein wahrer Lebensbegleiter und würde eben auch abspiegeln, wie mit der Zeit die Zahl der Toten und übrigen Gestrichenen immer mehr zunimmt.

Ein Stück Erinnerung: Marlene Dietrich - Sag mir, wo die Blumen sind



Kommentar eines Users auf youtube: "that smokey velveted voice , so Sexy, who said the German language is not hot..."


Diese wunderbare Aufnahme ist eine der großen und schönen Erinnerungen an meine Jugendtage, als wir noch an die Veränderlichkeit der Welt glaubten.

Mittwoch, 18. August 2010

Traurige Nachrichten aus Gelnhausen

Gustav Honzen bei der Verabschiedung einer Sekretärin im Juni


Durch eine meiner ehmaligen Schülerinnen erfahre ich heute vom Tod unseres Gelnhäuser Schulleiters. Seit einem Jahr war seine Krankheit bekannt, werst kürzlich wurde er aus dem aktiven Dienst verabschiedet-

Gelnhausen - 17.08.2010 23:23 Uhr
 
Gustav Honzen ist tot

Gelnhausen (küm/re). Gestern morgen ist der ehemalige Schulleiter der beruflichen Schulen, Gustav Honzen, nach schwerer Krankheit gestorben. Erst Anfang Juli war er aus dem Schuldienst verabschiedet worden. Der bekannte und beliebte Pädagoge wurde nur 64 Jahre alt. Besonders tragisch: Bereits am Samstag starb Gustav Honzens Bruder Friedrich Wilhelm im Alter von 61 Jahre, ebenfalls nach langer, schwerer Krankheit.

Zum Lehrerberuf kam Honzen auf dem zweiten Bildungsweg. Nach der Schulzeit an der Volks- und der Kreisrealschule machte er eine Ausbildung zum Industriekaufmann. Gleichzeitig wurde er Landwirt.

Er verpflichtete sich für vier Jahre bei der Bundeswehr. Dort lernte er die pädagogische Arbeit kennen und lieben. Er drückte noch einmal die Schulbank, um sein Abitur am Abendgymnasium abzulegen. Es folgte ein Studium der Wirtschaftspädagogik an der Goethe-Universität in Frankfurt. Sein Referendariat absolvierte er an den beruflichen Schulen in Gelnhausen, denen er bis zu seiner Pensionierung am 1. Juli treu blieb. 

http://www.gnz.de/index.php?id=8&backPID=8&tt_news=16130


Ein feiner Mensch, ein menschlicher Schulleiter, ein guter Pädagoge.

Im gemeinsamen Nachruf von Schulleitung, Personalrat, Elternbeirat und Schülervertretung auf der Schulhomepage heißt es sehr richtig:


"Mit Gustav Honzen verlieren die Kolleginnen und Kollegen, die Schülerinnen und Schüler und die ganze Schulgemeinde einen zuverlässigen Begleiter und Ratgeber. Er verstand es, den ihm anvertrauten Menschen in allen Situationen beizustehen, sie zu motivieren und ihnen Wertschätzung entgegen zu bringen.
Vielen Generationen von Schülerinnen und Schülern ist Gustav Honzen ein beliebter Lehrer und einfühlsamer Pädagoge gewesen, der sie vorbildlich auf dem Weg ins Berufsleben begleitet hat. Die Schülerinnen und Schüler bildeten für ihn stets den Mittelpunkt seines Wirkens. Seine Türe stand immer offen."

Montag, 16. August 2010

Letzte Botschaft

Gedanken über die Berufswahl

"Begleiten wir die 'Orion' und ihre Besatzung bei ihrem Patrouillendienst am Rande der Unendlichkeit!"


So sprach die Off-Stimme am Anfang jeder der Folgen der deutschen Kultserie "Raumpatrouille - Die phantastischen Abenteuer des Raumschiffes ORION". Diese siebenteilige Serie war eines der prägenden Erlebnisse meiner Kindheit. 


Manchmal denke ich, dass ich meinen Beruf nicht zuletzt wegen dieser Formulierung gewählt habe. Denn ist nicht das Dasein eines Pfarrers auch so etwas wie "Patrouillendienst am Rande der Unendlichkeit"?

Beethoven, Schubert, Brahms, Schönberg

Grabdenkmäler auf dem Zentralfriedhof in der "Welthauptstadt der Musik"

Sonntag, 15. August 2010

... bis sich jemand an mich erinnert

Nujoom Al-Ghanem - ما تتركه لنا الوحدة

Was die Einsamkeit uns lässt

Ich schließe meine Augen
um meinen Lidrand zu betrachten
und die Feier der betrunkenen Töne
die aus dem Abendlicht regnen.
Die Flure schwärzen ihre Dunkelheit nach
aber die Geräusche zittern weiter
in den kalten Straßen.
Ich schließe meine Augen
um schärfer zu hören
wie der Wind von ferne pfeift
seine Räder über den Asphalt scheucht
oder das Haar der Bäume sträubt.
Die Stadt badet gänzlich
im versandeten Regen.
Mein Herz irrt in den Gassen umher
doch meine Augen verharren hinter den Lidern.
Könnte nur jemand, wenigstens etwas
an die Tür klopfen
oder das Telefon klingeln
träfe eine E-Mail schrillend ein.
Meine Augen sind geschlossen
und ich lege mich hin für eine Weile
bis sich jemand an mich erinnert.

Aus dem Arabischen von Nora Bossong

Quelle: lyrikline.org

Lüneburger Impression

Posted by Picasa

Alles ist auch eine Chance

Im Vorübergehen fotografiert: Werbung im Fenster eines Bestatters in Lüneburg.

Wieviele Sünden passen eigentlich auf einen LKW?

"Wie lange leben wir normalerweise in dieser Welt? Sagen wir, so ungefähr 70 Jahre. Wenn wir die Sünden von den 70 Jahren zusammenzählen, wie schwer würden sie sein? Wenn wir sie auf einen 8 Tonnen schweren Lastwagen laden würden, würden wahrscheinlich mehr als 100 Lastwagen dabei herauskommen."


Aus einer Bibelarbeit von Rev. Paul C. Jong

Schönbrunner Straße

Donnerstag, 12. August 2010

Guter Gedanke

In meinem Regal finde ich Bücher, die ich vor über dreißig Jahren aus dem Ramschkasten vor einer Buchhandlung oder einem Antiquariat gekauft, aber bis heute nicht gelesen habe. Eine beruhigende Entdeckung. Es gibt zur Not noch immer etwas zu lesen.

Mittwoch, 11. August 2010

Auch das muss mal sein...

Großes Aufräumen in der Pfarrkanzlei: Eine schon lang fällige Arbeit, für die nur im Sommer Zeit ist.

Nicht nur "Göttingen"



BARBARA

Die Einsamkeit

(La Solitude)

Ich sah sie vor der Türe stehen,
als ich nach Haus' kam, gestern Nacht.
Froh war ich gar nicht, sie zu sehen.
"Nun fand sie mich", hab' ich gedacht.

Sie schleicht herbei auf leisen Sohlen.
Sie wittert, wenn ein Glück zerbrach,
und nun, der Teufel soll sie holen,
nun kam sie zu mir, sie schlich mir nach!

Nur sie, mit ihren hohlen Wangen,
den großen Augen, schwarz umringt,
sie ist es, die ins Herz das Bangen
und uns die vielen Tränen bringt.

Sie schenkt uns jene leeren Nächte,
wo alles seinen Sinn verliert.
Ich glaub', daß sie es fertigbrächte,
daß man sogar im Sommer friert.

Dein Kleid ist ein Trauerkleid!
Das Haar hängt wild dir ins Gesicht -
hoffnungslos! Fast tust du mir leid.
Ein schöner Anblick bist du nicht!

Komm, sei so gut, geh' fort von hier
Halt andern deine Fratze hin.
Ich brauch kein Unglück, glaub es mir.
Nein, geh dorthin, wo ich nicht bin.

Es gibt so viel noch, was ich möchte,
den Sonnenschein, den Frühlingswind
und Herz an Herz verbrachte Nächte,
die für den Schlaf zu schade sind.

Zwar wird einst meine Stunde schlagen,
doch vorher muß noch viel gescheh'n:
ich will noch oft "Je t'aime" sagen,
und oft vor Liebe noch vergeh'n.

Doch sie sprach: "Öffne mir die Türe,
und tut es dir auch noch so weh...
Ich kam zu dir, weil ich es spüre:
Die Zeit der Liebe ist passé

Verblaßt der Reigen der Gesichter,
verstummt ist nun der Phrasenchor
der feinen Herrn, der falschen Dichter,
der Traum ist aus, mach dir nichts vor!"

Sie wird mir jeden Tag vergiften,
den Schlaf mir rauben jede Nacht.
Sie klammert sich um meine Hüften,
sie hält zu meinen Füßen Wacht!

Wohin ich geh', wird sie dabei sein.
Sie schafft, daß ich mich nie mehr freu'.
Ich weiß: jetzt werd' ich nie mehr frei sein.
Sie ist wieder da, und sie ist treu:
die Einsamkeit,
die Einsamkeit!



Quelle: http://www.mcgee.de/paroles/solitall.html

Die französische Chansonsängerin Barbara hat einige Titel auch in deutscher Fassung aufgenommen. Früher kannte ich immer nur das Lied über "Göttingen" (und als ich dort studierte, musste ich mitunter daran denken), aber es gibt noch einige andere wie dieses hier. Die Kraft des französischen Textes bleibt in einer guten deutschen Übersetzung durchaus spürbar.

Montag, 9. August 2010

Wechsel der Zeiten



"Während des ersten Weltkrieges, als viele Frauen in jungen Jahren zu Kriegswitwen wurden, kam es in Verbindung mit der Ausbildung eines neuen, von Existenzangst und Überlebenskampf geprägten Selbstverständnisses der Frau zum abrupten Ende der Produktion allegorischer weiblicher Friedhofsfiguren in passiver Trauerhaltung."


Gefunden in einem Informationsblatt zu einer Steinfigur von W. Lovrek auf der Empore der Friedhofskirche zum Heiligen Karl Borromäus am Wiener Zentralfriedhof.

Sonntag, 8. August 2010



"O, jeder Weg ist lang! Das Picken der Todtenuhr in unserer Brust ist langsam und jeder Tropfen Blut mißt seine Zeit und unser Leben ist ein schleichend Fieber. Für müde Füße ist jeder Weg zu lang..."


Georg Büchner, Leonce und Lena 2. Akt, 2. Szene

Mittwoch, 4. August 2010

Brauchen und gebraucht werden

Lebendig sein heißt in Beziehungen stehen. Beziehungslosigkeit ist der Tod der Menschen, und eine der möglichen Beziehungen zu anderen und zur Welt ist, dass man nötig ist, dass man uns braucht und gebraucht. Mit dieser Kunst, sich brauchen zu lassen, hängt eine andere Kunst zusammen: die Kunst, jemanden zu brauchen.
Fulbert Steffensky