Freitag, 5. Juni 2009

Evang. A.B.

Unsere Kirche in Österreich heißt nicht "evangelisch-lutherisch", sondern sehr korrekt "evangelisch A.B. (= Augsburgischen Bekenntnisses). Wie leicht vergessen wir über Luther seinen Mitstreiter, den systematischeren, gemäßigten und gelehrten Melanchthon!

Ganz einfach

(...) Die Krebs-To-do-Liste. Am Beginn ihrer Behandlung greift Dahlia in einer Buchhandlung, in der sie ihr Vater mit Tonnen von Krebsberatungsbüchern eindecken will, nach einem schmalen Band mit dem Titel „Es liegt bei dir: die Krebs-To-do-Liste“ von Gene Orenstein. Orenstein lebt laut Klappentext sechsundzwanzig Jahre nach seiner eigenen Kebsdiagnose glücklich und zufrieden mit Frau und drei Kindern in Pennsylvania und hat sich der Aufgabe verschrieben, seine Erfahrungen an andere weiterzugeben.

Fortan befindet sich Dahlia in einer Art imaginierten Zwiegesprächs mit Gene und zeigt ihm, wie untauglich und anmaßend seine Tipps („Du willst leben? Dann kremple die Ärmel hoch. Du, lieber Leser, bist deines Glückes Schmied. Es ist dein Abenteuer, im großen Stil. Du sitzt am Steuer. Dies ist die größte Aufgabe deines Lebens.“) angesichts ihrer realen Lebenssituation sind.

Alberts kämpft in ihrem Buch gegen das weitverbreitete Vorurteil, dass Krebs nur die logische Folge eines unglücklichen Lebens und damit immer auch die Schuld des Erkrankten selbst ist. So ändert sich Dahlia auch angesichts der niederschmetternden Diagnose demonstrativ nicht. Sie hängt weiter auf ihrer Couch herum, nur dass ihr das Gras nun auf Rezept verschrieben wird. Während Alberts flapsige Sprache auf die Dauer ermüdet, bleiben viele scharfe Beobachtungen und können die esoterisch anmutenden Genesungstipps („Löse dich von allen Menschen, die nicht ganz und gar gut für dich sind“) vor allem als Handlungsanleitung für Gesunde herhalten.

Oder wie Gene und Dahlia sagen würden: „Wähle das Leben. Entscheide dich dafür, diese Krankheit zu überwinden. Entscheide dich dafür, ein langes, glückliches Leben zu führen. So einfach ist das.“ „Gene, du kannst mich mal.“

Aus der Rezension von Elisa Albert: Das Buch Dahlia in der "Presse" (Print-Ausgabe vom 31. 05. 2009)