Viele Wiener Bauten sind betroffen – auf der Donauplatte, dem Wienerberg und dem neuen Bahnhof. Luftströmungen und Kleinklima zu bedenken ist eine Fleißaufgabe.
Starke Fallwinde und Böen machen den Bewohnern der Donaucity seit Monaten zu schaffen, auch am Wienerberg klagen Anrainer über gefährliche Starkwinde. Und jetzt drohen auch dem neuen Hauptbahnhof in Favoriten Windprobleme. Erich Mursch-Radlgruber, außerordentlicher Professor für angewandte Meteorologie an der Universität für Bodenkultur (Boku), der als Prüfer im Verfahren um die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) für den Neubau des Südbahnhofs aufgetreten ist: „Ich habe im Detail dargelegt, warum es Starkwinde geben wird und mit welchen Maßnahmen dem entgegengewirkt werden kann. Es sieht aber nicht so aus, dass dem Folge geleistet werden wird.“
Derartige Windphänomene sind kein Zufall, sondern Ergebnis einer Umsetzung von Plänen, die meteorologische Gegebenheiten zu wenig bis gar nicht ins Kalkül genommen haben. „Jeder Platz ist anfällig, wenn er nur groß genug ist“, sagt Mursch-Radlgruber. „Das hat nicht nur Folgen für die Windböen, die schlimmstenfalls am Boden stärker sein können als an der Spitze eines Hochhauses. Ein Bau kann die gesamte meteorologische Situation verändern. Es wird heißer und trockener. Bäume können da viel mildern, aber Bäume werden nicht vorgeschrieben, aus Sicht von Bauträgern kosten sie nur Geld und bringen nichts.“
In Wien gibt es aber noch weitere gefährdete Plätze: Der Wissenschaftler nennt etwa größere Freiflächen entlang des Wientals oder an der Donau. „Baulich bedingt sind auch die starken Winde in der Innenstadt um den Stephansdom, in der Zone zwischen Rotenturmstraße, Stock-im-Eisen-Platz, Kärntner Straße und am Graben. Ebenso ist die Kreuzung von Mariahilfer Straße und Gürtel vor dem Westbahnhof ein idealer Ort für Starkwinde.“
Eine Lösung derartiger Bauprobleme sei ganz einfach, vorausgesetzt, dass sie von Anfang an bedacht werde: „Man muss den Wind brechen.“ Jedenfalls sei bekannt, welche Luftströmungen in welchen Gegenden vorherrschen, und deshalb ließe sich auch „ziemlich genau berechnen, welche Veränderungen auftreten, wenn Hochhäuser errichtet werden“. Und: „Auf der Donauplatte wurde anfangs auf die Windsituation überhaupt keine Rücksicht genommen.“ (…)
Michael Lohmeyer, Nächstes Winddesaster: Neuer Hauptbahnhof, Die Presse 02.04.2009