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Mittwoch, 26. Mai 2010

Bologna? Nichts Neues - Studieren will gelernt sein!

derStandard.at: Allerdings wird doch die verstärkte Anwesenheitspflicht von Studierenden kritisiert, die es immer schwieriger machen würde, das Studium frei zu gestalten.

Reinmann: Ich führe nie Anwesenheitslisten, weil Studierende erwachsene Personen sind, die selber entscheiden können, ob sie für die nachfolgende Prüfung und ihren Kompetenzerwerb anwesend sein müssen oder nicht. Wenn es natürlich Gruppenarbeiten gibt, versteht es sich von selbst, allein schon aus Rücksicht untereinander, dass man sich zu einer Anwesenheit verpflichtet. Es steht aber nirgendwo geschrieben, dass man aufgrund der Bologna-Reform permanent die Studierenden kontrollieren muss.

derStandard.at: Gibt es eine zu starke Einengung der Wahlmöglichkeiten und Freiheiten während eines Studiums, oder ist das Gegenteil der Fall?

Reinmann: Meine aktuelle Erfahrung ist, dass viele Studierende mit dem Selbststudiumsanteil - der ja auch mitgerechnet wird - große Probleme haben und nicht so recht wissen, wie sie das angehen sollen. Studierbarkeit wurde bisher immer an den Angeboten festgemacht - also ob sie zeitlich und inhaltlich zusammenpassen. Ich würde die Frage der Studierbarkeit zusätzlich aus einem anderen Blickpunkt stellen, nämlich: wie gut bereiten wir die Studierenden in ihren überfachlichen Kompetenzen vor mit unseren Angeboten umzugehen? Die Studierenden können das aufgrund ihrer schulischen Vorerfahrung oft nicht. Viele Fragen bleiben offen: wozu ist eine Vorlesung da? Wie höre ich richtig zu, wie mach ich mir Notizen? Wie lerne ich vor und nach einer Veranstaltung? Das sind Dinge, die schieben wir als Lehrende gern auf Tutoren ab. Dann führen eben die Einäugigen die Blinden.


Aus einem Interview des "Standard" mit der Wiener Medienpsychologin Gabi Reinmann

Dienstag, 11. Mai 2010

50 Jahre Antibabypille - Überlegungen eines Kommentators in der WELT

"Die Verhütungspille kennt jeder, ihren Erfinder nicht. Das könnte sich ändern, wenn unsere Nachfahren eines Tages mit mehr historischem Abstand, als wir ihn heute aufbringen, auf das 20.Jahrhundert blicken. Von den großen technischen Revolutionen des Industriezeitalters, Auto, Flugzeug, Antibiotika, Kunstdünger, Telefon, Radio, Computer, Internet, erschütterte Carl Djerassis Erfindung die Gesellschaften wohl am heftigsten – weltweit und bis in die intimsten und persönlichsten menschlichen Gefühle und Entscheidungen. Sie veränderte die Demografie ebenso wie die Sexualmoral.

Was wäre, wenn heute ein 28-jähriger Chemiker in Mexico City auf eine biochemische Substanz stieße, die die Befruchtung von Eizellen verhindert? Wie nähme die Gesellschaft das widernatürliche Mittel auf, das den weiblichen Körper manipuliert? Wie würden die Pharmakritiker, die Anhänger der Naturheiler, die Feministinnen, die Verbraucherschützer und vor allem die Anwälte, die von Sammelklagen leben, reagieren?

(...)

Die Zeiten haben sich geändert, seit Djerassi einen Abkömmling des weiblichen Geschlechtshormons Progesteron zum Patent anmeldete. Wissenschaftler sind nicht mehr die Hoffnungsträger der Gesellschaft, sondern sie sind ihre Buhmänner geworden.

Große Teile der Öffentlichkeit unterstellen ihnen, wie Frankenstein das menschliche Leben als Verfügungsmasse ihres akademischen Ehrgeizes und ihrer perversen Visionen zu betrachten. Störenfriede im Paradiesgarten von Mutter Natur. 'Viele Menschen haben eine geradezu antiwissenschaftliche Haltung“, sagt Carl Djerassi über den heutigen Zeitgeist, „das ist fast schon eine Wissenschafts-Phobie.'

(...)

Das Zeitfenster für die Einführung des ersten sicheren Verhütungsmittels in der Hand von Frauen war sehr eng. Wie sich die Grundstimmung gewandelt hat, kann man schon daran erkennen, dass die Pille für den Mann seit Jahrzehnten nicht auf den Markt kommt. Pharmafirmen schrecken vor der Entwicklung eines neuen Kontrazeptivums zurück. Die postmoderne Ängstlichkeit und besonders die ruinöse Prozesskultur bremsen Innovationen, bevor sie sich bewähren können.

(...)

Djerassis Weltrevolution wurde durch die Sehnsucht nach Freiheit entfacht. Es ist, frei nach Marx, die Gesellschaft, die Technologien vorantreibt – und nicht umgekehrt. Als ein Jahr nach der Einführung in Amerika die „Sex-Bombe“ („Bild“-Zeitung) in Deutschland auf den Markt kam, ließ sich die Gesellschaft der Adenauer-Ära anfangs nur recht zögerlich auf das neue Mittel ein.

Doch dann ging es plötzlich sehr schnell. Die 60er-Jahre waren die Zeit des Rock'n'Roll, einer nach Freiheit und Abenteuer gierenden Jugendkultur. Und die weibliche Hälfte der Jugend forderte die gleichen Freiheiten, die zuvor nur jungen Männern augenzwinkernd zugestanden worden waren.

Alte Leute kennen noch die Formulierung: „Sie ist ins Wasser gegangen.“ Das sagte man, wenn ungewollt schwangere und mittellose junge Frauen sich aus Verzweiflung das Leben nahmen. Diese Redensart ist ausgestorben. Ein Glück."


Michael Miersch im
Leitartikel der WELT vom 10.05.2010

Montag, 22. Februar 2010

Mitte? Mittelmaß? Wie fad!

Ach, die Mitte: Das klingt immer gleich nach Langeweile. Spannend ist es dort, wo es kracht und blitzt und alle Emotionen im Spiel sind – an den Rändern. Den happy few kann man Neid oder Bewunderung entgegenbringen, man kann sich über ihren Reichtum und ihre Exzentrik erregen und sich freuen, wenn sie abstürzen. Denen da unten kann man Mitleid und Mitgefühl entgegenbringen, auch von Elend und Armut geht Faszinationskraft aus. Aber die Mitte – darüber lässt sich nicht viel sagen, die Mitte ist Spießerland. Es gibt sie nun einmal, aber sie ist der Rede meist nicht wert.

Obwohl sich die Mehrheit der Deutschen soziologisch in der Mitte aufhält und sie ausmacht, beflügelt und inspiriert sie die Schriftsteller und Filmregisseure recht wenig. Vom Durchschnitt scheint kein Glanz auszugehen. Obwohl es doch, wie jeder weiß, kein vertrackteres Wesen als den sogenannten Kleinbürger gibt, regt er kaum zu besonderer Observation und Erforschung an
.

Aus: Thomas Schmid, Die Mitte, das unbekannte Wesen der Gesellschaft, Kommentar in der WELT

Das ist wohl wahr. Das Normale ist so normal, so langweilig, keiner großen Gedanken wert. Und dabei ist es doch der gangbarste Weg für das gelingende Leben. "Nichts zu sehr", die alte griechische Weisheit gilt doch nach wie vor. Aber dass der Mittelweg der goldene sei, wer kann das schon glauben?

Sonntag, 6. Dezember 2009

Ersatzreligion?

Jeder braucht doch etwas, woran er glauben kann. Weil Gott bei uns durch die Aufklärung aus der Mode gekommen ist, wurden schon einige Ersatzreligionen ausprobiert. In den letzten Jahrzehnten gab es zum Beispiel das Waldsterben, die Technikfeindlichkeit und den Atomtod. Sie alle haben einen apokalyptischen Hintergrund, immer geht es auf dem direkten Weg in den Untergang. Zum Bedauern der Anhänger dieser Glaubensrichtungen ist der große Knall aber bislang ausgeblieben.

Jetzt setzen sie ihre Hoffnungen auf den Klimawandel. Auch wenn nicht so klar ist, was passieren wird. Riesenwellen werden Holland zerstören, aber zugleich die Ozeane so heiß werden, dass sie kochen. In den Alpen schmelzen die Gletscher und Dürrekatastrophen lösen Völkerwanderungen aus. Irgendwie so soll er kommen, der Endsieg von Mutter Natur.

Ein Großteil der Daten, auf die sich die Weltuntergängler stützen, ist manipuliert. Abweichende Erkenntnisse wurden gar nicht erst in Fachzeitschriften veröffentlicht. Die Weltuntergangs-Wissenschaftler hielten zusammen. Man wollte sich gegenseitig die Daten bestätigten, die man gesammelt hat. Mitmachen durfte nur, wer sich zum Weltuntergang bekannte. Mit Wissenschaft hatte das oft weniger zu tun, als mit dem Versuch, den Dogmatismus der katholischen Kirche zu kopieren. Warum diese Forscher nicht konsequenterweise Pfarrer wurden, ist dabei die eigentlich interessante Frage. Von der Schlechtigkeit der Welt hätten sie dann immer noch reden können, aber zumindest hätte man ihnen ihren Starrsinn als Glaubensstärker durchgehen lassen. So aber offenbaren sie nur ihre sehr seltsames Wissenschaftsverständnis.

Wobei sie aber nicht nur Täter, sondern auch Opfer sind. Immerhin bedienen sie ja nur einen Markt. Sie haben ihn nicht selbst geschaffen, die Menschen der Industrienationen verlangen danach. Die langweilen sich nämlich, so ganz ohne Kriege, in denen sie morden und gemordet werden können und umsorgt von Wohlfühlstaaten, die ihnen alle Sorgen abnehmen. Diesen Zustand können die meisten nicht aushalten. Wo sich Glück einstellen sollte, macht sich Langeweile und Frustration breit. Der Mensch braucht eben einen Weltuntergang, um sich sorgen zu können, also zufrieden zu sein. Sonst wird er nervös, launig und sieht keinen Sinn im Leben. Diese Marktlücke erkannte als erstes Al Gore und nichts beweist eindrucksvoller, wie groß die Sehnsucht nach der Vernichtung ist, als die Tatsache, dass man sogar mit dieser zu Mensch gewordenen Verneinung von Charisma, Eleganz und Sprachbegabung als Führungsfigur zufrieden war. In der Not sinken die Ansprüche.

Deswegen werden die aktuellen Enthüllungen über die Klimamafia, in der jährlich viele Milliarden umgesetzt werden, nichts an deren Popularität ändern. Wer das annimmt, geht immer noch davon aus, dass er es mit richtiger Wissenschaft zu tun hat und nicht mit einem Glauben. Selbst wenn noch tausendmal bewiesen wird, dass das Grabtuch von Jesus eine Fälschung ist, ändert das nichts an seiner Anziehungskraft. Genauso ist es auch mit dem Klimawandel, er ist mehr Religion als Wissenschaft, seine Protagonisten eher Propheten als Forscher. Der Klimawandel wird solange erfolgreich sein, solange er genug Anhänger hat.

Nicht-Mitglieder sehen die Sache nüchterner. Die Natur ändert sich, das hat sie schon immer getan und wird sie auch weiterhin. Das beweist nichts, außer, dass es eben keinen Stillstand gibt. Als Hannibal über die Alpen zog, gab es da auch keine Gletscher. Die kamen später und sie werden irgendwann auch wieder verschwinden.


Gideon Böss, Beliebte Religionen: Christentum, Islam, Klimawandel, welt.de

Das ist zwar ein geschliffener Kommentar, und tatsächlich ist die Lust am Weltuntergang natürlich da, aber dieses Mal ist es vielleicht doch ernster.

Samstag, 19. September 2009

Vornamen und Grundschullehrer

Die Wissenschaftlerin Astrid Kaiser hat die Lehrer gegen sich aufgebracht: Eine Studie ihres Lehrstuhls zeigt, dass Grundschulpädagogen kleinen Kevins weniger zutrauen als Simons. Im Interview mit SPIEGEL ONLINE verrät sie, mit welchen Namen Kinder verloren haben - und mit welchen sie gewinnen.

SPIEGEL ONLINE: Frau Kaiser, welchen Namen würden Sie Ihrem eigenen Kind auf keinen Fall geben?

Astrid Kaiser: Adolf.

SPIEGEL ONLINE: Die Frage stammt aus einer Studie, die Sie betreut haben und für die rund 1800 Lehrer online befragt wurden, 500 Bögen haben Sie auswerten lassen. Die meisten Grundschullehrer nannten nicht Adolf, sondern Kevin, gefolgt von Jaqueline und Chantal.

Kaiser: Justin, Marvin und Mandy kamen auch nicht besonders gut weg.

SPIEGEL ONLINE: Das Ergebnis der Studie lautet: Grundschullehrer verbinden bestimmte Vornamen mit Vorurteilen, Kevin gilt sogar als Prototyp des verhaltensauffälligen Kindes. Wie verbreitet sind solche Meinungen unter Lehrern?

Kaiser: Sehr weit, das hat die Untersuchung deutlich gezeigt. Ich kenne das auch aus dem Alltag. Ich habe früher als Lehrerin gearbeitet und habe bei mir selbst Vorurteile gegenüber manchen Namen beobachtet. Heute bilde ich Lehrer aus. Was mich bei der Studie allerdings überrascht hat, war die Deutlichkeit und die Schärfe, mit der die befragten Lehrer über bestimmte Namen urteilen - und mit welcher Bestimmtheit sie davon ausgehen: Das ist kein Vorurteil, das ist eigene Erfahrung, das ist die Wahrheit.

SPIEGEL ONLINE: Vielleicht sprechen die Lehrer wirklich aus Erfahrung. Vielleicht kommen tatsächlich viele Kevins aus Familien, in denen die Erziehung überwiegend durch Trickfilmprogramme stattfindet - und seltener aus Familien, die auf musikalische Früherziehung setzen.

Kaiser: Sicher bringen bildungsferne Schichten mehr Kevins und Justins hervor als Alexanders oder Maximilians. Aber bildungsfern heißt nicht unintelligent, sondern ungefördert. Der hochbegabte Kevin bekommt nicht die schulische Förderung, die er bräuchte, weil er aus der falschen Schicht kommt und seine Lehrer ihn schon beim ersten Blick auf die Klassenliste entsprechend sortieren. Der intelligente Kevin ist dumm dran.

SPIEGEL ONLINE: Was ist mit den dummen Kevins?

Kaiser: Auch der unintelligente Kevin wird schlechter gefördert und erzielt nicht die Leistungen, die er erbringen könnte. Die Forschung zeigt: Vorurteile führen zu ungerechten Bewertungen.

SPIEGEL ONLINE: Wo zeigt sich das?

Kaiser: Zum Beispiel bei Diktaten: Wenn ein Lehrer einem Kind viel zutraut, übersieht er mehr Fehler. Bei Kindern, die er für leistungsschwach hält, korrigiert er sehr akribisch und findet mehr.

SPIEGEL ONLINE: Viele Grundschullehrer sind empört, sie fühlen sich ungerecht behandelt und sagen: Hier werde die eigene Erfahrung schlechtgeredet.

Kaiser: Erfahrung ist gut, aber Verallgemeinerung ist schlecht. Man kann bei neun Kevins richtig liegen, aber die Lehrer müssen auch beim zehnten Kevin wieder genau hingucken: Was kann der? Was braucht der? Wie kann ich ihn fördern?

SPIEGEL ONLINE: Freunde machen Sie sich mit dem Thema nicht bei den Lehrern.

Kaiser: Ja, man macht sich unbeliebt. Mich beschäftigt das Thema schon lange, aber ich habe nie jemanden gefunden, der das genauer untersuchen wollte. Eine Habilitandin lehnte das Thema ab, weil sie Angst hatte, dass man ihr Lehrerschelte vorwirft. Auch andere sind abgesprungen. Um so glücklicher bin ich, dass die Autorin der Studie, Julia Kube, sich des Themas angenommen hat.

SPIEGEL ONLINE: Warum die Aufregung bei Lehrern?

Kaiser: Unter der Hand und in privaten Gesprächen bestätigen fast alle Lehrer, dass auch bei ihnen die Namensfalle zuschnappt. Nur sobald es öffentlich diskutiert wird, fühlen sich viele ertappt. Das ist das Spannende an Vorurteilen gegenüber Vornamen: Sie sind nicht sichtbar und den meisten deshalb auch nicht bewusst - anders als etwa bei der Hautfarbe. Dafür sind viele Lehrer sensibilisiert.

SPIEGEL ONLINE: Haben nur Lehrer diese Vorurteile oder wir alle?

Kaiser: Vor allem Grundschullehrer schließen vom Vornamen auf die soziale Schicht - eben wegen ihrer Erfahrung. Sie sind die einzigen echten Gesamtschullehrer in diesem Land, sie haben mit allen sozialen Gruppen zu tun. Aber wir alle ziehen bestimme Schlüsse aus dem Vornamen. Wenn jemand Gisela heißt, wissen Sie ziemlich sicher, dass diejenige älter als 15 Jahre ist.

SPIEGEL ONLINE: Kennen Sie solche Vorurteile auch aus anderen Ländern?

Kaiser: In Australien gelten Kinder mit amerikanisch gefärbten Namen als doof, also Namen mit einem Y am Ende, Jimmy oder Joey. Meine Schwiegertochter unterrichtet in London afrikanische Kinder, auch dort gibt es Namen, die mit Bildungshunger oder Unterschicht assoziiert werden. Es ist weit verbreitet, über kulturelle Grenzen hinweg.

SPIEGEL ONLINE: Was lässt sich gegen Namensvorurteile tun?

Kaiser: Wir machen hier an der Uni Oldenburg sogenannte Anti-Bias-Trainings, also Rollenspiele und ähnliches, um Vorannahmen und Vorurteile bewusst zu machen und zu überwinden. Das sollte zu jeder Lehrerausbildung gehören, tut es aber nicht.

SPIEGEL ONLINE: In der Studie bewerten die Lehrer Namen wie Charlotte, Hannah, Sophie, Simon, Maximilian positiv. Welche Namen haben das Zeug zu künftigen Knallernamen?

Kaiser: Emma könnte bald ein Edelname für Mädchen werden, bei Jungs hat Walter gute Chancen; Paul ist es schon geworden. Aus den altmodischen Namen spricht auch eine gewisse Nostalgie, die Sehnsucht nach konservativen Werten.

SPIEGEL ONLINE: Welche Namen empfanden Sie als Höchststrafe, als Sie noch Lehrerin waren?

Kaiser: Oliver war das damals in den siebziger Jahren. Olivers kamen aus Problemfamilien.

SPIEGEL ONLINE: Ich danke Ihnen trotzdem für das Gespräch.

spiegel.de

Vornamen können eine Strafe sein, keine Frage. In aller Regel verwirklichen sich eben die Eltern in der Namensgebung für ihre Kinder - und die tragen dann ein ganzes Leben daran. In meiner Kindheit assoziierte man mit meinem Vornamen vor allem den Fußballer Uwe Seeler, den Erfinder des Fallrückziehers. Fußball war aber meine Sache nicht. Zum Glück scheint meine Grundschullehrerin von Vorurteilen gegenüber bestimmten Vornamen frei gewesen zu sein.

Der Schriftsteller Uwe Johnson und der Schauspieler Uwe Friedrichsen traten erst später in meinen Horizont. Da war es dann schon fast egal, die Kindheit war gelaufen. Von vielen Menschen habe ich schon gehört, dass die Entwicklung des Verhältnisses zum eigenen Vornamen auch Züge der Resignation trägt. Oder aber solche des bewussten "Dennoch!".

Mittwoch, 26. August 2009

Ist das eine Entschuldigung?

Frage: Warum sind so viele Wissenschaftler bereit, ihre Reputation zu verkaufen?

Theisen: Auch Professoren haben Geldsorgen – manche müssen ihr Haus abzahlen oder ihre Scheidung finanzieren.

Manuel René Theisen, Professor für BWL und Steuerrecht an der Uni München im Interview mit der ZEIT über akademischen Titelhandel in Deutschland

Sonntag, 23. August 2009

Der Erforschung wert, wahrhaftig...


Black Metal Theory Symposium
Metal. Theory. Mutual Blackening.

December 12, 2009, 1:00-7:00 p.m
Public Assembly
70 North 6th St.
Brooklyn, NY
Cover charge: $10.00

PAPERS

Erik Butler, “The Counter-Reformation in Stone and Metal: Spiritual Substances”

Hunter Hunt-Hendrix
, TBA

Nicola Masciandaro, “Anti-Cosmosis: Black Mahapralaya”

Benjamin Noys, “‘Remain true to the earth!’: Remarks on the Politics of Black Metal” (in absentia)

Joseph Russo, TBA

Anthony Sciscione, TBA

Niall Scott, “Black Confessions and Absu-lution”

Steven Shakespeare, “The light that illuminates itself, the dark that soils itself: blackened notes from Schelling’s underground”

Aspasia Stephanou, “Black Metal and Evil”

Brandon Stosuy, TBA

Evan Calder Williams, “The Headless Horsemen of the Apocalypse”

Scott Wilson, “BAsileus philosoPHOrum METaloricum”



ART

Lionel Maunz, sculpture

Nader Sadek, Baptism in Black (Phase II)

Mittwoch, 19. August 2009

Totentanztagung - Landpartien inkludiert

Die österreichische Sektion der Europäischen "Totentanz"-Vereinigung tagt von 28. bis 30. August im oststeirischen Grafendorf. Der "Totentanz" ist eine kulturelle Erscheinung des ausgehenden Spätmittelalters, in der sich die Bildenden Künste mit dem "Triumph des Todes" in Zyklen auf Friedhofsmauern, Kirchen, Kapellen und frühen Drucken befassten und so dem Menschen seine unausweichliche Sterblichkeit vor Augen hielten.


Grafendorf wurde bewusst als Tagungsort gewählt, weil es dort die eindrucksvollste "Totentanz"-Darstellung der Steiermark gibt. Zur Tagung werden Wissenschaftler, Künstler und Interessierte aus ganz Europa erwartet, um sich über das Thema "Totentanz" auszutauschen, so Benediktinerpater Winfried Schwab, der Vorsitzende der österreichischen Sektion der Europäischen "Totentanz"-Vereinigung. Fachvorträge, Lesungen, Musik, eine szenische "Totentanz"-Aufführung, ein Kunst-Brunch am St. Pankrazen-Berg und geschichtsträchtige Landpartien gehören zum Programm.


Meisterliche "Totentanz"-Fresken finden sich in der Kreuzkapelle am Grafendorfer Kirchplatz. Der Vorauer Stiftsmaler Johann Cyriak Hackhofer schuf 1724 auf engstem Raum eine eindrucksvolle Darstellung zu den "vier letzten Dingen". Mit nur zwei Bildern spannt er den weiten Bogen von der Kindheit bis zum Greisenalter. In den Fresken "Das Kind und der Tod" und "Der Wucherer und der Tod" sowie den zwei ovalen Wandbildern der "Armen Seelen" übersetzte Hackhofer den "Allgemeinen Totenspiegel" des P. Abraham a Sancta Clara von 1710 in Bilder.


Szenische Darstellung in der Pfarrkirche


Die Jahrestagung der "Totentanz"-Vereinigung ist auch für Nicht-Mitglieder zugänglich. Die Auftaktveranstaltung findet am Freitag, 28. August ab 19 Uhr im Mehrzwecksaal der Marktgemeinde Grafendorf statt. Der Historiker Johann Huber führt in den "Grafendorfer Totentanz" ein, außerdem gibt es bei freiem Eintritt Musik und eine Lesung des österreichischen Autors Gerhard Ruiss.


Ein weiterer Höhepunkt ist die Aufführung des "Grafendorfer Totentanzes" in der Pfarrkirche Grafendorf am Samstag, 29. August um 20.30 Uhr. Grundlage für die szenische Darstellung durch die Theatergruppe des steirischen Ortes und den Chor "Hartberg Voices" ist ein im 19. Jahrhundert von den Priestern Franz Schönberger und Joseph Wallner verfasster Text mit dem Titel "Der Tod". Das Lied zum Text wurde bis in die 1980er Jahre in Pongrazen in der steirischen Gemeinde Stambach bei Totenwachen gesungen.


Aus der Region stammt auch die zweite Quelle für die musikalische Bearbeitung des "Grafendorfer Totentanzes" durch den Komponisten Hannes Löschberger: Bei der traditionellen Wallfahrt von Pongrazen nach Miesenbach wird bis heute nach dem Einzug in die Kirche das Lied "Verschiebe die Bekehrung nicht" gesungen. Der Text erinnert an den unvermeidlichen Tod ("memento mori") und fordert den Menschen auf, sich noch rechtzeitig zu bekehren.


Montag, 20. Juli 2009

Die große Verführung

Powerpoint ist ein faszinierendes Stück Software, ungefähr so, wie LSD oder Morphium faszinierende Substanzen sind. Wenn sie aber in falsche Hände geraten, und das ist leider fast immer der Fall, dann machen sie kurzfristig jeden Traum wahr.

Powerpoint formatiert Gedanken. Hell leuchten sie auf das Publikum herab, kleine, schimmernde Wunder, bereitet aus den Zutaten Finsternis, Beamerlicht und kurzen Stummelsätzen. Die drei Grazien der Präsentation – Zurückhaltung, Einfachheit, Natürlichkeit – bleiben ja meist ausgesperrt. In der Regel steht in Riesenschrift geschrieben, was gesagt wird, und was gesagt wird, steht geschrieben. Die Cognitive Load Theory besagt aber, dass man eine Information kaum verarbeiten kann, wenn sie sich sowohl hören als auch sehen lässt.

Die Konkurrenz zwischen Auge und Ohr ermüdet das Organ dazwischen. Die Arme werden schwer. Man gerät in Trance. Mit Powerpoint machen die Manager dieser Welt Ferien vom Ich.

Wer heute ohne Folien zu einer Präsentation antritt, steht so nackt da, als wäre er ohne Hosen aufs Podium gestiegen. (...) Deftiger spricht der US-amerikanische Autor Seth Godin in dem E-Book "Really Bad Powerpoint" zu uns: "Nahezu jede Powerpoint-Präsentation stinkt nach verfaulten Eiern."

Franz Zauner: Käfig voller Folien, Wiener Zeitung 11. Juli 2009, Extra S. 2

In der Tat: Powerpoint ist nicht nur eine weltweite Seuche, sondern ein Instrument zur Erzeugung des schönen Scheins von Einfachheit, Klarheit, Kompetenz. Ganz selbstverständlich wird heutzutage erwartet, dass Schüler heute späterstens zur Matura mit diesem Programm umgehen. Rechtschreibung ist vielleicht nicht ihre Stärke, aber Folien können sie erstellen und abspielen. Leider kommen die Rechtschreibfehler dann auch besonders klar heraus.

Dienstag, 14. Juli 2009

Ehrfürchtige Annäherung an das Geheimnis der Beziehung zwischen Körper und Seele

Wenn ich mal irgendwas an Wehwehchen hatte, und meine Frau oder ein Freund sagte, ich solle doch mal zum Arzt gehen, gab es von mir immer diese halb im Ernst, halb im Spaß gemeinten Antworten wie "Was von alleine kommt, geht auch von allein wieder weg" oder "Ärzte sind für Frauen und Kinder da". Wobei ich letztere Antwort immer noch etwas dadurch entschärfte, dass dies ein Zitat meines Vaters sei, um vom eigenen Macho-Gehabe, welches dieser Satz impliziert, abzulenken.

Natürlich hat auch dieses Buch nicht dazu beigetragen, meine ungesunde Einstellung zu ändern, was ich aber mit dieser kleinen Vorrede sagen will, ist, dass ich jemand bin, der bei Psycho-Diagnose, Reformkost, Südost-Japanischen-Heil-Minz-Ölen und Ringel-Bach-Blüten-Rezepten als Skeptiker in der ersten Reihe steht. Gleichzeitig aber kannte und akzeptierte ich, zähneknirschend, diese Statistiken, bei denen Placebos nachweislich wirken und selbstbewusste, in der Hierarchie oben stehende Menschen (wäre wahrscheinlich gerne selbst so einer) seltener krank werden. Ohne dass es mir bewusst war, stellte ich mir also schon immer die Frage, ob es da irgendwas gibt zwischen Voodoo und Skalpell, was sich auch mit dem gesunden Menschenverstand erklären lässt und auch von einem Skeptiker wie mir wohlwollend akzeptiert werden kann.

Zwischen Ärztestreik und Gesundheitsreform fiel mir dann dieses Buch in die Hände und so wollte ich als zwar politisch interessierter, gebildeter und privatversicherter Mensch aber medizinischer Verweigerer mein Allgemeinwissen mit diesem gesellschaftlich Akut-Hype als Anlass erweitern.

Bernd Hontschik gibt in "Körper, Seele, Mensch" Antworten auf die Frage, was es denn da gibt zwischen Körper und Seele. Keine Pauschal-Phrasen, wie ich sie vielleicht gern hätte, aber das ist auch gut so. Was es zwischen Körper und Seele gibt, ist nicht fassbar und Hontschik widmet sich diesem Thema mit der angemessenen Erfurcht. Er spricht von individuellen und gemeinsamen Wirklichkeiten, von Bedeutungserteilung und geknechteten Emotionen, von Placebo-Chirugie und der Droge Arzt.

Während ich das hier schreibe, kommen mir diese Begriffe wieder mächtig esoterisch vor, sind sie aber nicht, nicht bei Hontschik.

Deshalb: Lieber das Buch lesen, als diese Rezension.

Amazon-Kundenrezension von Novonda

Montag, 29. Juni 2009

Muss das wirklich sein?

Am 3. August soll der Dalai Lama in Marburg die Ehrendoktorwürde verliehen werden, die 54. wahrscheinlich.

Was rechtfertigt die Marburger Ehrendoktorwürde für den Dalai Lama?

Nichts. Was der »Gottkönig« in seinen Vorträgen zum besten gibt, ist eine absurde Dialektik von Platitüde und Nonsens. Zum einen läßt er positiv-denkerischen Trivialkram ab, dessen Niveau nur selten über das der Glückskekse hinausreicht, die man nach dem Essen im Chinarestaurant bekommt, beispielsweise »Nur wer Leid erträgt, wird Glück erfahren«. Alle können dabei mit dem Kopf nicken und sich der Erleuchtung ganz nahe wähnen, auch wenn der Aussagewert gleich null ist. Zum anderen schwadroniert er endlos in pseudophilosophischer Metaphysik herum und reiht, begleitet von unmotiviertem Gekichere und sonstigen Hanswurstiaden, wie etwa dem Herumschaukeln auf seinem Thron, sinnleere Worthülsen aneinander. Schon nach dem ersten Satz schalten die Zuhörer ab, weil es schlechterdings keinen Sinn macht, was er da von sich gibt. Dieses kognitive Abschalten halten sie dann auch noch für bewußtseinsfördernde Meditation. Wenn man’s nicht versteht, dann nur, weil man selbst doch noch nicht erleuchtet genug ist.

Ein Beispiel?

O-Ton »Seiner Heiligkeit«: »Daß Erscheinungen unter letztgültiger Analyse nicht gefunden werden können, zeigt an, daß sie nicht wirklich existieren. Da sie leer sind in bezug auf die konkrete Existenzweise, in der sie erscheinen, ist klar, daß sie im Kontext und Wesen der Leere in bezug auf inhärente Existenz existieren.« Es ist wie in Andersens Märchen von den neuen Kleidern des Kaisers: Niemand traut sich zu sagen, daß der Dalai Lama einen Unsinn verzapft, daß die Lichter ausgehen.

Warum legt sich die Universität Marburg so ein Ei ins Nest?

Offenbar glaubt man, der Glanz all der vorherigen Ehrungen, einschließlich des Nobelpreises, falle irgendwie auch auf die Uni Marburg zurück. Die Ehrendoktoratsverleiherei an den Dalai Lama ist zu einem grotesken Selbstläufer geworden. Die Uni Marburg muß sich gleichwohl fragen lassen, weshalb sie einen Mann auszeichnet, der als oberster Repäsentant eines der ausbeuterischsten und blutsaugerischsten Systeme gilt, die es je in der Menschheitsgeschichte gab: eines feudaltheokratischen Priesterstaates, in dem bis Mitte des 20. Jahrhunderts – also bis in die Ägide des jetzigen Dalai Lama hinein! – Leibeigenschaft und Sklaverei vorherrschten. Sie muß sich fragen lassen, weshalb sie das Oberhaupt eines religiösen Wahnsystems ehrt, zu dessen wesentlichen Ritualen der sexuelle Mißbrauch kleiner Mädchen zählt; einen Obskuranten, der auf Astrologie, Orakel- und Dämonenkult abstellt und von sich behauptet, frei durch die Luft fliegen zu können.


Aus einem Interview der "Jungen Welt" mit Colin Goldner, einem klinischen Psychologen und Autor einer kritischen Dalai-Lama-Biografie.

Mein halbes Erwachsenenleben habe ich an dieser Universität oder in ihrem engsten Umkreis verbracht. Es stellt sich wirklich die Frage, ob das sein muss. Vermutlich wird es ja auch noch ein theologischer Ehrendoktor sein. Beschämend.

Donnerstag, 25. Juni 2009

Englisch

Glaubt man den Statistiken, ist es schlecht bestellt um die Qualität der österreichischen Reifeprüfungen: In Englisch etwa sind 40 Prozent aller Schulabgänger nicht auf dem im Lehrplan geforderten Sprachniveau, so das Ergebnis von Eingangstests an den Fachhochschulen. Und selbst bei jenen AHS-Absolventen, die in den vergangenen drei Jahren ein Anglistik-Studium beginnen wollten, war ein Drittel in Englisch unter Maturaniveau. In den Jahren 2007 und 2008 wiesen 15 Prozent bei den Tests an den Unis Wien und Innsbruck gar nur die Fremdsprachkenntnisse eines Unterstufenschülers auf.

Die Presse (Druckausgabe 24. Juni 2009)

So schlimm? Die Maturanten, die ich in diversen Prüfungen heuer habe Englisch reden, verstanden sich jedenfalls wesentlich sicherer und gewandter auszudrücken als deutsche Abiturienten.

Samstag, 20. Juni 2009

Das hättet ihr wohl gern...

Menschlicher Schädel auf dem Mars?

Ein angeblicher menschlicher Schädel auf dem Mars feuert die Diskussion um Leben im All neu an.

© NASA

(cze) - Kaum geistert ein Bild eines angeblichen menschlichen Schädels auf dem Mars durchs Netz, stellt sich wieder die Frage: Anzeichen für Leben auf dem Roten Planeten oder doch nur eine besondere Gesteinsformation?

Der Weltraum fasziniert die Menschheit schon seit ihren Anfängen. Und schon immer beflügelte die Möglichkeit von Leben auf anderen Planeten unsere Fantasie.

So geschehen beispielsweise beim so genannten "Mars-Gesicht", das eine "Viking"-Sonde der amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA in den 70er Jahren aufnahm: Von oben betrachtet war auf der Oberfläche des Planeten ein gesichtsähnliches Gebilde auszumachen. Lange rätselten sowohl Experten als auch Weltraumenthusiasten, ob es sich dabei um die Überreste einer längst untergegangenen Kultur handeln könnte. Am Ende stellte sich das "Gesicht" dann aber doch als natürliche Erscheinung heraus.

Nun also der "menschliche Schädel", über den zahlreiche Medien hierzulande derzeit berichten und für den es offensichtlich noch keine wissenschaftliche Erklärung gibt. Allzu aktuell ist die Entdeckung zwar nicht mehr, denn die Mars-Sonde "Spirit" nahm das fragliche Bild bereits im Jahr 2005 auf, und schon im Jahr danach berichtete ein gewisser Joseph P. Skipper auf seiner Webseite "Mars Anomaly Research" über die Erscheinung. Doch die Bereitwilligkeit, mit der die Diskussion nun wieder aufflammt, zeigt, welche Faszination das Thema ausübt.

Für eben jenen Skipper ist der mutmaßliche Schädel im Übrigen nicht nur der Beweis für Leben auf dem Mars, sondern vor allem dafür, dass die NASA die Öffentlichkeit hinters Licht führen will. Seine Analyse der Aufnahmen habe nämlich ergeben, dass die Bilder manipuliert worden seien, um die Entdeckung des Schädels zu verschleiern. Solcherlei Erkenntnisse seien nur für eine kleine Elite vorgesehen, der Bürger hingegen, der die Raumfahrt finanziere, werde im Dunkeln gelassen. Wie gesagt: Der Weltraum beflügelt die Fantasie.

Gefunden auf gmx.net

Dienstag, 16. Juni 2009

Lyrik im Konsumentenalltag

Moderne Markennamen sind sprachliche Wundertüten, in denen jede Menge Unterhaltung steckt. Sie informieren nicht mehr über ein Produkt, sondern stilisieren dessen ,Persönlichkeit'. Sie wecken Wünsche, schaffen Mythen, verheißen Glück und bereichern nicht zuletzt auch die Alltagssprache", urteilt Dr. Christoph Platen. Der Münchner Romanist hat die Produktnamen spachwissenschaftlich analysiert. Seine Ergebnisse ermöglichen ganz neue Blicke auf die "Lyrik im Supermarkt".

"Die sprachlichen Zutaten für die Markennamen sind heute längst international. Die Namen sind das Esperanto der Marktwirtschaft: Ob Raguletto, Valensina, Zottarella oder Dentagard - ohne große grammatikalische und kulturelle Skrupel wird munter gemixt", sagt der Forscher. Allerdings im "Lego-Stil", denn die grundlegenden Mechanismen, nach denen Worte gebildet werden, haben auch in der Warenwelt Bestand. Das Basismaterial bleibt (wie bei Lego) immer gleich, aber die Regeln für die Kombination werden lockerer gehandhabt und grammatikalische Konvention zudem spielerisch außer Kraft gesetzt. Hinzu kommt, dass der Pool für mögliche Bausteine groß ist, denn er speist sich aus vielen (europäischen) Sprachen.

So werben Fastfood-Ketten anlässlich "Los Wochos" mit "Paprikanos" und feurig gewürzten "Los Pommos" zum "Hossa"-Preis. "Das Kurzschließen zweier Sprachen ist ein für die Werbung typischer Zug," sagt Christoph Platen. "Doch damit die Mischung in Deutschland auch richtig verstanden wird, bleibt die Basis der Kunstwörter immer Deutsch."

Allerdings gelingen die Transfers der Namen in andere Sprachen nicht immer reibungslos: linguistische Fallstricke lauern fast überall auf der Welt und wirken vor allem bei Exportprodukten fatal, weiß der Sprachwissenschaftler. In Deutschland hatte der englische Hersteller des Lockenstabes "Mist Stick" (schlechter Stab) wenig Erfolg. In Frankreich erlitt die private ägyptische Fluglinie "Misair" (misère, Elend) eine Bruchlandung, in Puerto Rico war der Chevrolet "Nova" (no va, fährt nicht) ein Ladenhüter. Und es kommt nicht von ungefähr, dass der im englischen Original "Silver Mist" (Silbernebel) getaufte Rolls-Royce hierzulande als "Silver Shadow" firmiert. Klingt nobler.

"Die Markennamen sind immer auch ein Spiegel des Zeitgeistes", sagt Christoph Platen. Zu Zeiten des Wirtschaftswunders hießen die Autos beispielsweise Tempo, Rekord oder Blitz. In den 60er-Jahren gab es Consul, Commodore oder Diplomat, die soziale Anerkennung versprachen. Sie wurden bald darauf von Modellen mit südländischem Flair wie Ascona, Capri, Monza und den sportlichen Typen wie Polo, Derby oder Golf verdrängt. Heutzutage werden mit Vectra, Calibra oder Omega Anleihen bei der Technik gemacht, während Monterey, Explorer oder Galaxy die Abenteurer bedient. "Wer aber nur dem Zeitgeist folgt, dessen Marken veralten schnell", weiß der Forscher.

Das kann Nivea, Whiskas oder Eduscho nicht passieren. Diese Namen haben sich inzwischen verselbstständigt, ihr tatsächlicher Ursprung liegt im Dunkeln, teilweise von Legenden umrankt. So verbirgt sich hinter Audi der Name des Firmengründers Horch, nur eben auf lateinisch. In Nivea steckt niveus, das lateinische Wort für schneeweiß und Whiskas verdankt dem Schnurrhaar der Katze (englisch whiskers) seinen Namen. "Wenn man die wahre Wortgeschichte erfährt, dann ist das nicht selten eine Überraschung", sagt Christoph Platen. "Die gefühlte Bedeutung, ,feeling significance' wie Sprachpsychologen sagen, ist eine andere. Das Sinnesempfinden hat sich vom Ursprung des Namens abgekoppelt. Wer dann noch im Urlaub nichts ahnend entdeckt, dass Dr. Oetker hinter dem Brenner als Cameo firmiert und Meister Proper sich dort Mastro Lindo nennt, der empfindet das fast als kleinen Verrat" - für den Romanisten Christoph Platen war dieses Gefühl der Ausgangspunkt für seine Studie.

Längst haben die Markennamen Spuren in der Alltagssprache hinterlassen. Tesa oder Tempo stehen in Deutschland für Klebefilm und Papiertaschentuch. In Frankreich heißt der blasse Strandbesucher "blanc comme un cachet d'aspirine" (weiß wie Aspirin), ein niedliches Mädchen wird in Italien "una nutella" (wer kennt den Aufstrich nicht?) genannt und in Paris heißen die grünen Mopeds, mit denen Straßenreiniger die Hundehaufen beseitigen, "kakasaki" auf Tour. "Die Tatsache, dass Produktnamen und die durch sie vermittelte Vorstellungswelt heutzutage verstärkt als Basis von Metaphern, Anspielungen und Wortschöpfungen dient, verdeutlicht den Stellenwert der Konsumgüter in der heutigen Lebenswelt. Sprachlich ist das kein Drama", so der Forscher.

Was ist nun ein idealer Markenname? "Er sollte der Persönlichkeit des Produktes entsprechen, ein dezentes Augenzwinkern enthalten und dem Ohr schmeicheln", sagt der Romanist. Er rät, beim nächsten Besuch im Supermarkt Produkte aufzuspüren, bei denen das gut gelungen ist. Einkaufen als Lyrikstudium.

Das Buch: Die 243 Seiten starke Studie ist unter dem Titel "Ökonymie. Zur Produktnamen-Linguistik im europäischen Binnenmarkt" im Max Niemeyer-Verlag (Tübingen) in der Reihe "Beihefte zur ZRP" erschienen und kostet 47 Euro.

Angela Grosse: Die Lyrik der Markennamen, Hamburger Abendblatt 14.01.2003

Montag, 15. Juni 2009

Ein eigenes Forschungsfeld

Esoterik ist in den vergangenen Jahren aus dem gesellschaftlichen "Untergrund" an die Oberfläche getreten: Esoterische Praktiken zwischen Reinkarnationstherapie und Reiki-Massage sind weit verbreitet, in der Wissenschaft hat sich ein eigenes Forschungsfeld etabliert. Eine Studientagung des Fachs Europäische Ethnologie/Volkskunde gibt am 23. und 24. Juni 2009 an der Universität Augsburg Einblicke in den aktuellen Forschungsstand.

Die religiöse Landschaft hat sich in den letzten Jahrzehnten massiv verändert. Praktiken, die lange als geheim oder "häretisch" galten, randständig waren oder zumindest nur im Rahmen "hochkultureller" Deutungen akzeptiert wurden, verselbständigen sich zunehmend. Selbsterlösung, unterbewusstes Wissen oder "magische" Techniken stehen exemplarisch für ein überaus vielfältiges Feld von Phänomenen. Von wissenschaftlicher Seite aus sind aber an diesen locker gestrickten Begriff "Esoterik" kritische Fragen zu stellen: Wo beginnt, wo endet Esoterik? Greift sie auf alte Traditionen zurück oder ist sie eine Erfindung jüngeren Datums? Gibt es unsichtbare Elemente der Esoterik?

In einer Studientagung, zu der das Fach Europäische Ethnologie/Volkskunde der Universität Augsburg insbesondere Studentinnen und Studenten einlädt, werden diese Fragen mit Gästen aus Deutschland und Europa am 23. und 24. Juni 2009 erörtert. Dabei dienen die Beispiele, die herangezogen werden, dazu, grundsätzliche Probleme der Esoterikforschung zu diskutieren.

Veranstaltet wird die Tagung von Prof. Dr. Sabine Doering-Manteuffel und ihrem Kollegen PD Dr. Helmut Zander von der Humboldt-Universität zu Berlin, der momentan an der Universität Augsburg eine Gastprofessur für Europäische Ethnologie innehat. Im Herbst vorigen Jahres haben Doering-Manteuffel und Zander gemeinsam eine DFG-geförderte internationale Tagung über "Esoterik und die Ambivalenz der Moderne" in der Villa Vigoni veranstaltet (...).

Auch durch Publikationen sind beide als führende Experten für das Tagungsthema ausgewiesen: Doering-Manteuffels Buch "Das Okkulte: Eine Erfolgsgeschichte im Schatten der Aufklärung" (München 2008), wurde hervorragend rezensiert und fand sich auf renommierten Bestenlisten. Zudem wurde es jüngst auch mit einem "Preis zur Förderung der Übersetzung geisteswissenschaftlicher Literatur" bedacht. Diesen unter dem Motto "Geisteswissenschaften International" von der Fritz Thyssen Stiftung, dem Börsenverein des deutschen Buchhandels und vom Auswärtigen Amt vergebenen Preis, mit dem in diesem Jahr 14 geisteswissenschaftliche Publikation gewürdigt wurden, erhielt auch die bei Vandenhoeck & Ruprecht erschienene Studie "Anthroposophie in Deutschland" des Politologen, Neuhistorikers und Theologen Helmut Zander (...)


Presseaussendung der Universität Augsburg

Ob das Thema Esoterik bei der Europäischen Ethnologie gut untergebracht ist, kann man sich fragen. Als Phänomen unserer gesellschaftlichen Realität wohl, aber zur inhaltlichen Auseinandersetzung sollten doch Theologie, Philosophie und Religionswissenschaft mit im Gespräch sein.

Mittwoch, 27. Mai 2009

Ach, das ist ja meistens so...

Meistens glauben Paare, dass sie einander besonders gut kennen, je länger sie zusammen sind und einander daher auch besser verstehen können. Welch ein Irrtum! Neue Untersuchungen zeigen, dass aufeinander eingespielte Lebensgefährten kaum mehr voneinander wissen als Frischverliebte. Gleichzeitig aber sind sie überzeugt davon, den anderen in- und auswendig zu kennen - eine nie versiegende Quelle von Missverständnissen.

Aus der Ankündigung einer Sendung in der Reihe "Salzburger Nachtstudio" in Ö1

Wenn dir die Wissenschaft erklärt, dass deine Schicksale keineswegs besondere sind, und so deine vermeintliche Individualität zum Spezialfall eines statistisch häufigen Phämomens erklärt, ist das keineswegs nur trostreich.

Dienstag, 26. Mai 2009

Drittes Geschlecht?

In Wien ist die Gender-Thematik sehr präsent, Gender Mainstreaming gehört hier in bestimmten Kreisen zur political correctness. Vermutlich ist natürlich kein drittes Geschlecht gemeint, sondern die Auswahlmöglichkeit "transgender" ist ein Oberbegriff für alle Arten von Wechsel der sexuellen Identität. Da hätte man sich natürlich noch mehr Genauigkeit gewünscht...

Dienstag, 14. April 2009

Vor dem Urknall

SZ: Sie haben in die Zeit vor dem Urknall geblickt. Was haben Sie gesehen?

Bojowald: Wir können jetzt zum ersten Mal mathematische Gleichungen befragen, um zu erfahren, was vor dem Urknall gewesen sein könnte. Wir sehen zumindest, dass es auch vorher ein Universum gab und dass es schrumpfte. Es zog sich auf engsten Raum zusammen, kam dann in eine heiße und dichte Phase, bis die Raumzeit wieder anfing zu wachsen. Das Entscheidende ist, dass man überhaupt Gleichungen benutzen kann, um etwas vor dem Urknall auszurechnen. In der Allgemeinen Relativitätstheorie funktionierte das bislang überhaupt nicht. Wenn wir dort rückwärts durch die Zeit blickten, schrumpfte das Universum am Zeitpunkt Null zu einem einzelnen Punkt. Mathematisch gesprochen nennt man das eine Singularität. Hier brachen die Gleichungen zusammen, und die Physik ergab keinen Sinn mehr.

SZ: Es gab also gar keinen Urknall?

Bojowald: Der Urknall war zumindest nicht der Anfang des Universums, es existierte davor schon etwas. Im Übergang vom "Davor" zum "Jetzt" gab es eine Phase, in der die Materie stark konzentriert war. Die Eigenschaften dieser Phase kann man noch am Aufbau des Universums, an der Hintergrundstrahlung, den Sternen und Galaxien ablesen. Das Universum war aber nie in einem Punkt mit - physikalisch sinnloser - unendlich hoher Dichte konzentriert, wie die konventionelle Vorstellung vom Urknall besagt.

SZ: Das heißt, wer vom Urknall spricht, hat eine mathematische Fiktion als physikalische Realität fehlgedeutet?

Bojowald: Wenn man den Urknall als den Anfang des Universums ansieht, dann ist es eine Fehldeutung.

SZ: Was setzen Sie an die Stelle des schönen Bildes vom Urknall?

Bojowald: Die Theorie der Quantenschleifen-Gravitation, die wir schon seit einiger Zeit entwickeln, versucht die Allgemeine Relativitätstheorie mit Eigenschaften der Quantentheorie zu kombinieren. Dabei ist die Raumzeit nicht mehr eine gleichmäßige, lückenlose Folie, sondern sie ist quantisiert, sie hat auf sehr kleinen Längenskalen eine gestückelte Struktur. Raum und Zeit bestehen also aus winzigen Bausteinen, sozusagen aus Raumzeit-Atomen. Deren Größe ist weit geringer als alles, was mit modernen Teilchenbeschleunigern untersucht werden kann. Diese Gitterstruktur spielte in der Phase eine entscheidende Rolle, als das gesamte Universum selbst extrem klein und dicht war, wie es während des Urknalls gewesen sein muss. Die Gitterstruktur bewirkt, dass die Raumzeit nicht beliebig schrumpfen kann. Wenn es eng wird, wirkt die Gravitation nicht mehr nur anziehend, sondern kann auch abstoßend wirken. So können wir die mathematische Schwierigkeit eines unendlich dichten Universums vermeiden.

SZ: Inwieweit kann man Ihre mathematische Lösung als physikalische Realität betrachten?

Bojowald: Das neue Bild aus der Quantenschleifen-Gravitation ist auf jeden Fall besser als die Singularität des Urknalls, weil alle Größen, die man ausrechnen kann, endlich sind und physikalisch sinnvoll. Trotzdem ist Ihre Frage berechtigt. Es ist alles nur Mathematik, und wir versuchen das zu interpretieren und auf das Universum anzuwenden. Ob das wirkliche Universum und die Natur dem entsprechen, ist eine andere Frage. Theorien können immer falsch sein.

SZ: Wie könnte man Ihre Theorie experimentell beweisen?

Bojowald: Wir möchten in Aufnahmen vom frühen Universum indirekte Hinweise auf die Quantelung der Raumzeit suchen. Wir versuchen darum schon seit einiger Zeit auszurechnen, was sich in den Satelliten-Bildern zeigen müsste, wenn es dieses feine Raster im Universum gibt. Im Alltag würden wir davon wenig merken, es hat ja auch sehr lange gedauert, bis Physiker nachgewiesen haben, dass die Materie aus Atomen besteht. 

(...)

SZ: Was bedeutet es für ein Gebiet wie Ihres, dass nur noch wenige Spezialisten die Theorien überhaupt verstehen?

Bojowald: Es sind ja auch in einem kleinen Feld wie meinem immerhin noch rund 100 Leute, die die Details verstehen und überprüfen könnten. Das ist ein gute Zahl - da braucht man sich keine Sorgen zu machen.

SZ: Hat der Verstand der meisten Menschen deshalb Probleme mit der Relativitätstheorie oder Quantentheorie, weil sie erst in Größenordnungen ihre Kraft entfalten, die unserer Wahrnehmung unzugänglich sind?

Bojowald: Wenn ein Physiker ausgebildet wird, hat er ja zunächst einmal die gleichen Probleme. Die Sinne genügen nicht mehr, darum werden die Phänomene mathematisch erschlossen. Irgendwann gewöhnt man sich an die komplizierten und unanschaulichen Sachverhalte - so ähnlich wie man sich ja auch keine Gedanken mehr darüber macht, wie man sieht. Auf ähnliche Weise muss es auch für Nicht-Physiker geschehen. Je mehr Darstellungen von unterschiedlichen Blickwinkeln es gibt, die allgemein verständlich sind, umso mehr sollte sich auch die Allgemeinheit daran gewöhnen.

(...)

SZ: Sie sind jetzt so weit, dass Sie über den Urknall hinaus rechnen können. Gibt es noch Grenzen der Erkenntnis?

Bojowald: Was war denn nun wirklich der Anfang des Universums? Das ist, denke ich, eine Frage, die man in der Kosmologie nicht wird beantworten können. Es war nicht der Urknall, aber dadurch verschieben wir den Anfang sozusagen zurück. Wann und wie er war, das ist derzeit nicht absehbar - vielleicht noch nicht einmal vorstellbar.

Aus einem Interview der "Süddeutschen Zeitung" mit dem Physiker Martin Bojowald

Unser Verstand würde sich nie mit dem Urknall zufrieden geben, das wusste ich schon immer. Er ist so strukturiert, dass er immer die Frage stellen kann: "Was war vorher?" Für Gott bleibt sehr viel Raum, daran werdem auch die Fortschritte der Astrophysik und Kosmologie nichts ändern.

Donnerstag, 2. April 2009

Wien und seine Winde

Viele Wiener Bauten sind betroffen – auf der Donauplatte, dem Wienerberg und dem neuen Bahnhof. Luftströmungen und Kleinklima zu bedenken ist eine Fleißaufgabe.

Starke Fallwinde und Böen machen den Bewohnern der Donaucity seit Monaten zu schaffen, auch am Wienerberg klagen Anrainer über gefährliche Starkwinde. Und jetzt drohen auch dem neuen Hauptbahnhof in Favoriten Windprobleme. Erich Mursch-Radlgruber, außerordentlicher Professor für angewandte Meteorologie an der Universität für Bodenkultur (Boku), der als Prüfer im Verfahren um die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) für den Neubau des Südbahnhofs aufgetreten ist: „Ich habe im Detail dargelegt, warum es Starkwinde geben wird und mit welchen Maßnahmen dem entgegengewirkt werden kann. Es sieht aber nicht so aus, dass dem Folge geleistet werden wird.“

Derartige Windphänomene sind kein Zufall, sondern Ergebnis einer Umsetzung von Plänen, die meteorologische Gegebenheiten zu wenig bis gar nicht ins Kalkül genommen haben. „Jeder Platz ist anfällig, wenn er nur groß genug ist“, sagt Mursch-Radlgruber. „Das hat nicht nur Folgen für die Windböen, die schlimmstenfalls am Boden stärker sein können als an der Spitze eines Hochhauses. Ein Bau kann die gesamte meteorologische Situation verändern. Es wird heißer und trockener. Bäume können da viel mildern, aber Bäume werden nicht vorgeschrieben, aus Sicht von Bauträgern kosten sie nur Geld und bringen nichts.“

In Wien gibt es aber noch weitere gefährdete Plätze: Der Wissenschaftler nennt etwa größere Freiflächen entlang des Wientals oder an der Donau. „Baulich bedingt sind auch die starken Winde in der Innenstadt um den Stephansdom, in der Zone zwischen Rotenturmstraße, Stock-im-Eisen-Platz, Kärntner Straße und am Graben. Ebenso ist die Kreuzung von Mariahilfer Straße und Gürtel vor dem Westbahnhof ein idealer Ort für Starkwinde.“

Eine Lösung derartiger Bauprobleme sei ganz einfach, vorausgesetzt, dass sie von Anfang an bedacht werde: „Man muss den Wind brechen.“ Jedenfalls sei bekannt, welche Luftströmungen in welchen Gegenden vorherrschen, und deshalb ließe sich auch „ziemlich genau berechnen, welche Veränderungen auftreten, wenn Hochhäuser errichtet werden“. Und: „Auf der Donauplatte wurde anfangs auf die Windsituation überhaupt keine Rücksicht genommen.“ (…)

Michael Lohmeyer, Nächstes Winddesaster: Neuer Hauptbahnhof, Die Presse 02.04.2009 

Samstag, 21. März 2009

Schlafen mit offenen Augen

Selbst an einem grauen und regnerischen Herbsttag unter freiem Himmel werden gut 8000 Lux erreicht. Hingegen herrschen in fast allen unseren Büros, Praxen und Werkshallen um 600 Lux. Was bei Nacht schon zu viel ist, um schlafen zu können, ist frühmorgens viel zu wenig, um hellwach und fit zu werden. Setzt man Schülern morgens während des Unterrichts spezielle helle Tageslichtlampen auf die Tische, verbessern sich ihre Schulnoten deutlich, wohingegen frühmorgendliche Hirnstromuntersuchungen bei normaler Klassenraumbeleuchtung zeigten, dass nicht wenige Schüler bei geöffneten Augen tatsächlich noch in mitteltiefen Schlafstadien verweilten.

Aus: Michael Feld, Das dunkle Kapitel unserer Arbeitswelt, in der FAZ (10.12.2008)

Also trügt der Eindruck der Lehrer nicht...