Mittwoch, 24. Oktober 2007

Melancholie























Sei mir gegrüßt, Melancholie,
Die mit dem leisen Feenschritt
Im Garten meiner Phantasie
Zu rechter Zeit ans Herz mir tritt!
Die mir den Mut wie eine junge Weide
Tief an den Rand des Lebens biegt,
Doch dann in meinem bittern Leide
Voll Treue mir zur Seite liegt!

Die mir der Wahrheit Spiegelschild,
Den unbezwungnen, hält empor,
Daß der Erkenntnis Träne schwillt
Und bricht aus dunklem Aug hervor;
Wie hebst das Haupt du streng und strenger immer,
Wenn ich dich mehr und mehr vergaß
Ob lärmendem Geräusch und Flimmer,
Die doch an meiner Wiege saß!

Wie hängt mein Herz an eitler Lust
Und an der Torheit dieser Welt!
Oft mehr als eines Weibes Brust
Ist es von Außenwerk umstellt,
Und selbst den Trost, daß ich aus eignem Streben,
Was leer und nichtig ist, erkannt,
Nimmst du und hast mein stolz Erheben
Zu Boden allsobald gewandt,

Wenn du mir lächelnd zeigst das Buch
Des Königs, den ich oft verhöhnt,
Aus dem es, wie von Erz ein Fluch,
Daß alles eitel sei! ertönt.
Und nah und ferne hör ich dann erklingen
Gleich Narrenschellen ein Getön –
O Göttin, laß mich dich umschlingen,
Nur du, nur du bist wahr und schön! –

Noch fühl ich dich so edel nicht,
Wie Albrecht Dürer dich geschaut:
Ein sinnend Weib, von innerm Licht
Erhellt, des Fleißes schönste Braut,
Umgeben reich von aller Werke Zeichen,
Mit milder Trauer angetan;
Sie sinnt – der Dämon muß entweichen
Vor des Vollbringens reifem Plan.

Gottfried Keller


"Beim Brand eines Museums in der niederländischen Stadt Amersfoort sind Gemälde im Wert von mehreren Millionen Euro zerstört worden. Das in einer ehemaligen Kirche untergebrachte Armando-Museum brannte vollständig aus. Besonders bedauerlich ist der Verlust von "Melancolia I", einem allegorischen Meisterwerk von Albert Dürer." (Die Presse) Dabei handelt es sich freilich ja bekanntlich um kein Gemälde, sondern um einen Kupferstich. Zerstört wurden außerdem viele moderne Gemälde.

Die Endlichkeit und Zerstörbarkeit der Dinge steigert in manchen Fällen ihren Wert.

So kann sogar der Verlust einer Melancholie melancholisch machen.

Richtig

Ich ... war ... einmal

Oft weiß ich ganz genau: Ich ... war ... einmal;
Ich habe schon einmal all dies gesehn;
Der Baum vor meinem Fenster rauschte mir
Ganz so wie jetzt vor tausend Jahren schon;
All dieser Schmerz, all diese Lust ist nur
Ein Nochmals, Immerwieder, Spiegelung
Durch Raum und Zeit. - Wie sonderbar das ist:
Ein Fließen, Sinken, Untertauchen und
Ein neu Empor im gleichen Strome: Ich
Und immer wieder ich: Ich ... war ... einmal.

Otto Julius Bierbaum (1865-1910)

Nach knapp zwei Monaten da in Wien werde ich natürlich öfters gefragt, ob ich mich denn "schon eingelebt habe". Diese Frage kann ich mittlerweile ehrlich bejahen, wenngleich in der Wohnung noch manches improvisiert und nicht endgültig fertig ist. Ich kann das vor allem im Hinblick darauf, dass mir fast von Anfang an viele Situationen, Orte, Menschen so bekannt vorkommen, als hätte ich das alles schon einmal erlebt, so dass mir manche Tage wie eine Kette von Déja-vu-Erlebnissen vorkommen. Mit einem Glauben an Reinkarnation, den ich ablehne, hat das nichts zu tun; ich verstehe dieses Erleben als ein tiefes Einverständnis der Seele mit der jetzigen Situation, als ein Symptom dafür, dass ich den richtigen Entschluss gefasst habe und mich da jetzt sehr richtig am Platz fühle.

Worauf wir noch gewartet haben...

„Der vom Bundesverband deutscher Bestatter geplante Fernsehkanal Etos TV will noch in diesem Jahr auf Sendung gehen. Die Lizenz liege seit September vor, erklärte der Initiator Wolf Tilmann Schneider in Glienicke (Nordbahn).

Derzeit liefen aber noch Verhandlungen mit möglichen Partnern. Wenn diese positiv abgeschlossen würden, könne es losgehen. Das Redaktionsteam werde aus acht Mitarbeitern bestehen. Ursprünglich wollte der Sender sein Programm bereits im November starten.

Das Studio des Spartenkanals befindet sich in Glienicke. Er soll zunächst über Satellit und Internet zu empfangen sein. Der Bestatterverband plant nach eigenen Angaben keinen Werbe- und Verkaufskanal, sondern 'ein seriöses Informationsprogramm'. Träger von Pflegeheimen oder Hersteller von Treppenliften sollen Beiträge sponsern.

Als weitere Finanzierungsquelle nannte der Verband Trauernachrufe etwa in Form kurzer Filme, die Menschen zu Lebzeiten von sich drehen lassen. Zudem seien Dokumentationen über berühmte Friedhöfe oder Diskussionsrunden über Tod und Bestattung geplant.“ (welt-online)

Seit vor nicht allzu langer Zeit der Bestatter zu einem anerkannten Ausbildungsberuf geworden ist, werden die Bestatter und ihr Verband immer aktiver und auch immer professioneller... Natürlich ist das Bestattungsgewerbe ein Geschäftsfeld mit Zukunft, trotzdem sind Zweifel angebracht, ob ein solcher Spartenkanal wirklich Zuschauer findet.

Regenwetter