Dienstag, 2. Juni 2009

Liebe und Gerechtigkeit

Zwei große Sehnsüchte im Menschen: Liebe, Zuwendung, Anerkennung usw. Und: Gerechtigkeit.

Beides kann in Konflikt geraten, etwa in der Begegnung mit Gott: Zwar wünschen wir uns den lieben Gott, aber wir werden an ihm irre, wenn wir erwachsen werden. Zu viel Leid, Unglück, Ungerechtigkeit begegnet uns. Darum die Sehnsucht danach, dass es wenigstens nach dem Tode einen Ausgleich geben möge.

Und mit der Sehnsucht nach Gerechtigkeit hängt auch der Drang der Selbsterlösung zusammen: Wir wollen uns das Heil nicht schenken lassen, wir wollen es uns erarbeiten, verdienen.

Darum ist ja auch der Buddhismus so beliebt: Ein eigener Weg der Erfahrung und der Entwicklung, das reizt.

Aber am Ende hilft uns doch nichts, kein eigenes Streben, keine Mühe, wenn uns Gottes Gnade nicht zieht.

Dinge


- Warum sammeln Sie Dinge? 
- Sie fragen mich nichts. Sie reden nicht. Sie stören nicht.

Jung und frech...




Also wie halten Sie es mit der Religion?

Katharina Lorenz: So klassisch? Ja, da gibt es eine Beziehung. In meiner Kindheit in Leverkusen ging ich oft in die Kirche, meine Eltern nie. Ich ging meist alleine in die Abendmesse. Der Pfarrer fragte mich einmal, warum ich nicht in die Kindermesse käme, aber ich mochte den Abend lieber: Da war es dunkler, geheimnisvoller, schöner. Ich mochte das, auch die Kirchengebäude und...

...das Theatralische, das Inszenieren?

Vielleicht auch. Aber es war der Ort, der mich verzauberte. Meine Großmutter hat auch immer mit mir gebetet.

Stand der Glaube im Vordergrund oder das Ritual?

Das ganze Prozedere.

Hätte dieses Gefühl jede Religion oder religiöse Richtung bei Ihnen ausgelöst? Die evangelischen Kirchen etwa sind nie so düster.

Stimmt, katholische Kirchen lösen dieses Gefühl stärker aus. Aber ich gehe heute noch gerne in Kirchen. Aber vielleicht war das wirklich meine Großmutter, die mir einmal sagte, dass ihr der Glaube an Gott hilft, etwa bei Schicksalsschlägen.

Ihnen?

Der Glaube an Gott? Nein, ich glaube eher an eine Kraft, die das ist.

Muss man sich mit Religion beschäftigen, um das Gretchen zu spielen?

Auch. Ich beschäftige mich damit. Aber jetzt kämpfe ich damit, mich der Figur zu nähern und sie zu besetzen. Das ist nicht so leicht.

Weil sie so unschuldig ist?

Das ist sie eben nicht, sie ist nicht nur unschuldig. Sie hat ihre eigene Welt und ein Selbstbewusstsein. Sie ist sicher nicht nur das Opfer. Wenn sie sagt, dass sie mit Schmuck ganz anders dreinschaut. Dass, wenn man Geld hat, auch andere Möglichkeiten kommen. Da bin ich mir nicht so sicher, ob sie das wirklich so toll findet. Es ist schwierig, sich so eine junge Figur zu eigen zu machen.

Die Presse am Sonntag 31. Mai 2009, S. 56, vgl. auch diepressse.com

In der kommenden Saison wird Katharina Lorenz das Gretchen am Burgtheater spielen. Auf die Kunst, sich in Wien unbeliebt zu machen, versteht sie sich offenbar...

Tertium non datur

Im Ringen um eine mögliche private Hauptschule in Mulfingen (Hohenlohekreis) vertreten Kultusministerium und Regierungspräsidium die Ansicht, dass die Gemeinde selbst keine Privatschule gründen kann. Der Gemeinderat hatte dies schon beschlossen.

Der Bürgermeister von Mulfingen, Robert Böhnel, bewirbt das neue Schulmodell bereits. Das Land sucht nun nach einer einvernehmlichen Lösung. In der Schulverwaltung wird offenbar auch befürchtet, dass durch Mulfingen ein Präzedenzfall geschaffen wird. Auf diesen könnten sich andere Kommunen berufen, wenn in strukturschwachen Gegenden kleine Schulen geschlossen beziehungsweise zusammengelegt werden. Die knapp 3.900 Einwohner zählende Kommune will eine private Haupt- und Realschule gründen, weil sie die Schließung der vergleichsweise kleinen Hauptschule am Ort befürchtet.

Nach Auffassung des Stuttgarter Regierungspräsidiums können Gemeinden nicht Träger privater Ersatzschulen sein. Hierfür kämen nur kirchliche oder private Träger sowie Stiftungen oder Vereine infrage. Diese Position wird auch im Kultusministerium unterstützt. Dort will man angeblich in der kommenden Woche entscheiden, wie man mit dem Plan der Gemeinde Mulfingen weiter umgeht.

Lehrer wissen nicht, wie es weitergehen würde

Der Gemeinde steht mit der Firma ebm-papst, einem Hersteller von Motoren, Pumpen und Ventilatoren, ein finanzkräftiger Unterstützer zur Seite. Es gibt aber auch erhebliche Vorbehalte gegen das Schulmodell, vor allem unter den Lehrern der örtlichen Hauptschule. So hat der Personalrat in einem Schreiben an Kultusminister Helmut Rau (CDU) beklagt, die Pädagogen stünden unter einem erheblichen Druck. Während die Gemeinde schon kräftig für die neue Schule werbe und daraufhin etliche Eltern ihre Kinder anmeldeten, wüssten die Lehrer noch nicht, ob sie dort beschäftigt würden, oder sich aus dem Staatsdienst beurlauben lassen können, wenn sie an eine Privatschule wechseln.

Auch dürfe das staatliche Schulwesen nicht diskreditiert und eine aus Steuergeldern aufgebaute öffentliche Schule nicht einfach von einer Kommune in eine private Bildungseinrichtung umgewandelt werden.


swr.de

Öffentlich oder privat - eine Alternative gibt es nicht. Dabei wäre eine echte Privatschule soigar vernünftiger als eine kommunale Einrichtung. Denn Privatschulen werden von den Bundesländern -wenigstens in einem Maße - finanziell gefördert. Es wäre also den Mulfingern anzuraten,umgehend einen Trägerverein zu gründen oder eine entsprechende Schulstiftung...

Seltsames Plakat

Geh in einen Kirchenchor - und du wirst Ärzte finden? Tatsächlich ist bei jeder Aufführung in einem Bundestheater, bei jeder Opernaufführung ein Arzt dienstlich anwesend, aber bei Kirchenkonzerten nun gerade nicht... Die Botschaft dieses Plakates (gesehen an einer großen Werbefläche der GEWISTA in Heiligenstadt) will mir nicht eingehen: Ärzte sind überall? Oder jedenfalls da, wo Kultur geboten wird, weil sie ja interessiert sind und immer Kraft und Zeit haben...?