Zu Beginn und am Ende des Schuljahrs nimmt die Schule sehr viel Zeit in Anspruch, diese Woche bin ich an fünf Tagen in meinen Schulen, in der kommenden (letzten) Woche des Semesters immerhin noch an vier Tagen. Matura, Abschluss-, Noten- und pädagogische Konferenzen, Feste und Feiern - und nicht zuletzt natürlich Schulgottesdienste, das füllt den Kalender. Um des guten Klimas willen darf man als Pfarrer da auch nicht ohne sehr triftige Gründe fehlen, so kommen viele Stunden zusammen, die am Ende doch mehr oder weniger nur abgesessene Zeit sind. Aber für die Lehrer ist es nicht anders, und als evangelischer Pfarrer in Österreich ist man eben auch Lehrer.
"Frauen sind aus unserem täglichen Leben kaum noch wegzudenken. Sie gebären, erziehen, erregen, benoten und regieren uns. Aber: Machen Frauen wirklich glücklich? Für viele kommt diese Frage sicher zu spät. Umso dringender, dass das endlich mal geklärt wird. Sonst stehen wieder Generationen von Verklärten vor den Traualtären, schwören sich: ''Bis dass der Tod uns scheidet und warten dann vergebens..."
Newsletter-Ankündigungstext für die Übertragung einer Veranstaltung mit dem Kabarettisten Thomas Reis in hr2.
Für die Fußball-Europameisterschaft 2008 in der Schweiz und in Österreich wurden tausende Helfer rekrutiert - unbezahlt. Meine Freundin Anna ist eine von ihnen. Auf meine Frage, warum um Himmels Willen sie bei so etwas mitmache, antwortete sie achselzuckend: "Wir bekommen die Unterkunft gestellt, kriegen was zu essen, können gratis mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren und wenn wir Glück haben, fällt etwas von den VIP-Geschenken, die nicht ganz makellos sind, an uns ab.
Und in der Tat: Bisher kann Anna nun schon zwei VIP-Toilettentaschen, die leider kleine Kratzer haben, von der Euro mit nach Hause nehmen. Sofort war ich beruhigt. Dann ist ja alles gut. Immerhin kann man auf diese Weise hautnah an der unvergleichlichen Atmosphäre bei der Euro teilhaben, vielleicht erhascht man gar einen Blick auf die Spieler, und beim stundenlangen Verteilen von Sponsorenpaketen an Prominente kommt man mal ganz nahe an die hohen Tiere ran. Und das erhebende Gefühl, in einer eingeschworenen blaugekleideten Gemeinschaft von Idealisten dabei zu sein, kann sowieso mit nichts aufgewogen werden. Ist das nicht schön?
Endlich mal Leute, für die Arbeit keine Plage ist, die man nur des schnöden Mammons wegen auf sich nimmt. Wenn man aber die Augen aufmacht, bemerkt man, dass solche Menschen allerorten anzutreffen sind. Von den Frauen, die zu Hause bleiben, sich um die Kinder kümmern und den Haushalt in Schwung halten, fange ich hier gar nicht an. Genetische Programme laufen nun mal so, Diskussion überflüssig. Aber auch sonst: Wie viele investieren Stunden um Stunden ihrer Lebenszeit, um etwa Homepages zu betreuen, engagierte Artikel für Online-Magazine zu schreiben, soziale Projekte voranzutreiben, sich kulturell einzubringen, ohne dafür jemals auch nur einen roten Heller zu sehen?
Freilich, irgendwann am Ende des Jahres, wenn man launig bei einem Abendessen zusammensitzt und der Verein sich selbst feiert, heimst man Blumensträuße ein, Ehrennadeln und einen zweiminütigen Applaus, und dann weiß man: Der Einsatz hat sich gelohnt, und auch die Knochenbrecher-Tretmühle von Zweitjob, den man annehmen musste, um halt irgendwie noch die Miete bezahlen zu können, ist leichter wegzustecken. Das nämlich ist bei uns etabliert: Wenn man was verdienen will, dann muss es schon auch wehtun. Wo kämen wir hin, wenn alle bei ihrer mit echtem Geld bezahlten Arbeit auch noch Spaß hätten? Spaß-Arbeit darf nicht bezahlt werden. Die tut man ja gern, mithin ist sie eine Art Freizeitbeschäftigung, die das Leben bereichert.
Oh ja, ich bin auch "gefährdet": Weil mir meine Arbeit immer schon Spaß machte, habe ich mich die längste Zeit geniert, sie gar nicht als wirkliche Arbeit empfunden. Um das zu überdecken, habe ich dann gerne auch noch viel zusätzliche "Spaß-Arbeit" angenommen, die garantiert unbezahlt blieb, sammelte Posten, Ämter, Aufgaben: Das glich das seelische Konto wieder etwas aus, entlastete das Gewissen. Ich hoffe immer, dass ich mit den Jahren in dieser Hinsicht weiser werde - und es hat tatsächlich den Anschein.
Es wird überall gebaut in dieser Stadt, derzeit auch gegenüber meiner Schule in Grinzing. Das ist schade; vermutlich wird die rege Bautätigkeit dort nicht eben dazu beitragen, dass der Traum vom "Weltkulturerbe Grinzing" wahr wird.
Der Wiener Fanzone kann man sich auch als Ort nähern, an dem es nur so von klischeehaften Österreichbildern wimmelt
Hierzulande wird die Erinnerung nicht dem Zufall überlassen. Werden die Wiener Sängerknaben herbeigerufen, sind Gäste nicht weit. Man wirft die Geschichtsprojektoren an. Das Echte wird ausgespart, stattdessen kursieren Ansichten, Bilder von Bildern. Inszenierung, wohin das Auge reicht. Auf der vom städtischen Verkehr geleerten Fanmeile zwischen Heldenplatz und Rathaus ist Raum geschaffen für Public Viewing. Der Welt größter Schrebergarten befindet sich in Wien. 3100 Meter mobiler Zaun und 970 Meter historischer Zaun begrenzen ihn. Er liegt in imperialer Landschaft, sein Gärtner ist der Welt dankbarster Gastgeber.
Die Republik definiert sich durch den Wiedererkennungswert ihrer historischen Schablonen und spannt den Kaiser vor die Lippizaner. In ihren Feierlichkeiten liegt unklare Bedeutungsfülle, so schwenkt man dieser Tage Fähnchen aus der Popkornpackung und intoniert die offizielle Hymne des Österreichischen Fußballbundes, "Wir haben Fieber, komm, fieber mit ... du bist mitten drin. Merkst du, dass grad was Großes passiert?" Täglich rechnen wir mit dem Ausbruch simultaner Emotionen.
Maria Theresia ...
Trommelwirbel brausen auf, die Tauben flüchten in die Donauauen. Unter Applaus steigt Maria Theresia von ihrem Thron und spaziert über die Ringstraße, hinter ihr jagt Feldmarschall Radetzky herbei, überholt die behäbige Monarchin und verschwindet in den Parkanlagen. An diesem lauen Junitag schüttelt Prinz Eugen die Locken und defiliert vor einer halben Million Zuschauern. Kaiser Maximilian geht als der von Dürer gemalte Kaiser Maximilian spazieren, man jubelt ihm zu.
Der Mann bleibt regungslos, bewahrt die Pose im Gedächtnis der Betrachter. Die Geschichtsbücher der Monarchie schlagen sich auf, ihre Bilder stürzen auf die Straße. Franz Josef steht unter einem Baldachin, die Füße tun ihm weh, aber nun kommen erst die Völker daher. Dem Kaiser gefällt's, eben hat er 60 Jahre Regierungszeit hinter sich gebracht. Nun rinnt Volksliedgut über die Ringstraße, man sieht Erntewagen, Schnitterfeste und Hofjagden, den Salzburger Glöckerlauf und schlesische Reigentänze. Zwischendurch singt der Sängerbund, und Franz Josef steigt von einem Fuß auf den anderen, die Gesellschaft ist heiter gestimmt.
Nach einer kurzen Pause beginnt das Biedermeier zu promenieren, die gute alte Zeit verneigt sich. In der Vergangenheit und ihrer Pracht zeige sich der Charakter Österreichs, sagt der Wiener Bürgermeister in seiner Festansprache. Die Ouvertüre des neuen Jahrhunderts spielt Ungewisses an, noch schwenken die Untertanen dankbar die Hüte, bald fahren sie ins Feld.
... zwischen den Zeiten
Ein Postkartenmaler steht im Spalier vor dem Heldenplatz, in diesem Jahr noch scheitert er an der Aufnahmeprüfung der Wiener Kunstakademie. Im Aufmarsch zeigt sich Österreichs wahre Kraft, begeistern sich die Kommentatoren der letzten Feier der Monarchie. Nach drei Stunden ist die Angelegenheit beendet, erleichtert schlüpft der Herrscher in die Pantoffel.
12. Juni 1908. Ein schöner Tag.
Kaiserin Maria Theresia hat wieder auf ihrem Thron zwischen den großen Museen der Stadt Platz genommen. Die Tauben sitzen ihr am Schoß, zu ihren Füßen trinkt man Kaffee, kann sich im Schatten der dressierten Buchsbäume erholen. Wenige Meter entfernt werden Leute durch die Vereinzelungsschleusen der Fanmeile getrieben. Lautsprecherboxen machen Sound, die Menge schaukelt sich auf, Torschussanlagen, Fußball-Rodeo und Riesenwuzler mit an Stangen festgebundenen Spielern bieten unvergessliche Momente.
Vormittags werden nach Erlass des Wiener Stadtschulrats Schulklassen zu den hypen Ständen der Sponsoren geführt. Die suchen Aufmerksamkeit, um an der Erinnerung teilzuhaben, ihre Logos sind mannshoch, Ornamente des Erfolgs. Nebenbei finden die Kämpfe der Nationen auf den Projektionsflächen statt, Rituale mit Gesang und Trophäe, Sieg und Niederlage, glücklichen und gescheiterten Helden.
(…) Die Stadt ist mit Menschenbildern zugemüllt, mobile Filmcrews zaubern Unbekannte auf die Leinwände, Gesichter werden entdeckt und wieder vergessen. Um einen guten Platz in der medialen Wahrnehmung zu bekommen, ist Originalität gefragt. So liegt die Meisterschaft nicht in der Bedeutung der Geschehnisse, sondern in der gelungenen Erinnerung daran.
"Von diesem Moment werden wir noch lange sprechen", prophezeit die Sängerin Christina Stürmer. Maria Theresia wird etwas müde, sie schließt die Augen, hat nicht viel vor. Vielleicht geht sie Ende dieses anstrengenden Monats zu dem Galakonzert in den Schönbrunner Schlossgarten, dem kulturellen Highlight der EURO 08. Dort würde sie nicht weiter auffallen, schließlich hat sie dort gewohnt.
Magst nun für immer ruhn, mein müdes Herz. Dahin die äußerste Täuschung, Dass ich mich ewig wähnte. Dahin. Erloschen sind, Ich fühl es, die Hoffnung und das Verlangen Nach milden Täuschungen. Ruh’ nun für immer. Du hast genug Geschlagen. Umsonst dein Aufruhr, die Welt ist deine Seufzer Nicht wert. Bitter und schal ist Das Leben, nichts niemals sonst; und Schlamm die ganze Welt. Beruhige dich nun. Verzweifle Ein letztes Mal. Einzig das Sterben Ist unserem Geschlecht gegeben. Verachte also Dich, die Natur, die böse Macht, die im Verborgenen über gemeines Unglück herrscht, Und die unendliche Eitelkeit aller Dinge.
Die Kirchen müssten der Werbebranche eigentlich dankbar sein, dass sie das Ihre tut, wenigstens einige zentrale Texte der Bibel im Bewusstsein zu halten...
Österreich gelangen als Gastgeber in drei Spielen nur ein Tor und ein Punkt.
Das sieglose Ausscheiden des ÖFB-Teams in der Gruppenphase der Euro 2008 hat noch einen weiteren bitteren Beigeschmack. Österreich geht mit nur einem Punkt als schlechtester Gastgeber einer Fußball-EM in die Sport-Geschichtsbücher ein. Österreich löst damit Belgien ab, das es bei der gemeinsam mit den Niederlanden organisierten EM 2000 auf drei Punkte gebracht hatte. Aber immerhin hatten die Belgier damals Schweden mit 2:1 bezwungen. Die Zahlen beziehen sich auf den Zeitraum ab 1980, da zuvor kein EM-Turnier mit Gruppenphase ausgetragen wurde.
Schwach, nur ein Elfmetertor
Auch in der Gesamtstatistik aller EM-Teilnehmer stellen Österreichs Fußballer unaufhaltsam Negativrekorde ein. Neben Rot-Weiß-Rot blieben bislang nur Slowenien (zwei Remis in drei Spielen im Jahr 2000), Lettland (ein Remis in drei Spielen im Jahr 2004) sowie Polen (ein Remis in drei Spielen bei der Euro 2008) bei einer EM-Endrunde mit Gruppenphase ohne Sieg. Österreich ist auch der erste Gastgeber seit 1980, der keinen einzigen Sieg verbuchen konnte.
Für noch größeres Kopfzerbrechen sollte das Torverhältnis sorgen. Denn Ivanschitz, Harnik, Leitgeb und Co. schossen in drei Partien kein einziges Tor aus dem Spielverlauf. Nur der verwandelte Elfmeter (1:1 gegen Polen) von Ivica Vastic – der Lask-Spieler ist 38 Jahre alt und dürfte vermutlich bei der Euro seinen endgültigen Team-Abschied gefeiert haben – steht auf der Habenseite des Gastgeberlandes.
Dass eine EM im eigenen Land hingegen zu Höchstleistungen beflügeln kann, stellten Spanien (1964), Italien (1968) und Frankreich (1984) mit ihren Titelgewinnen eindrucksvoll unter Beweis. Bis auf Belgien, Österreich und die Schweiz schafften es außerdem bisher alle Gastgeber, zumindest ins Halbfinale einzuziehen.
Zahlen lügen nicht, das ist die einzige Erkenntnis beim Blick in die „Zone der Wahrheit“, von der Teamchef Josef Hickersberger vor dem Euro-Auftakt gesprochen hat.