Donnerstag, 10. Februar 2011
Entwackeln
Dienstag, 24. August 2010
Ich entsorge, also bin ich
- Kleidungsstücke, die Sie nie wieder tragen
- Haushaltsartikel, die Sie nie wieder benutzen
- Geschirr und Besteckteile, die nie wieder auf Ihren Tisch kommen
- Dekorationsmaterial, das Sie nie wieder verwenden
- Medikamente, deren Verfallsdatum abgelaufen ist
- CDs, Schallplatten und Videos, die Sie sich nie wieder anhören und ansehen werden
- Zeitungen, Zeitschriften und Bücher, die Sie nie wieder lesen
- Bücher aus Wissenschaft und Politik, deren Inhalt von der Geschichte längst überholt wurde
- Kleinkram aus Schubladen und von Regalen
- Betriebsanleitungen und Ersatzteile von Geräten, die Sie längst nicht mehr besitzen
- CDs und Disketten mit Computer-Programmen (plus deren Handbücher), die Sie nie wieder installieren werden
- Steuerunterlagen, deren Aufbewahrungsfrist abgelaufen ist (10 Jahre nach demjenigen 31.12., welcher der Zustellung des Steuerbescheides folgte)
- Souvenirs und Geschenke, die zu toten Gegenständen geworden sind, weil Sie deren Zusammenhänge nicht mehr im Herzen tragen
- abgenutztes Werkzeug und alle anderen Dinge, die beim nächsten Gebrauch (falls jemals) nicht mehr einwandfrei funktionieren werden
Aus dem simplify-Newsletter
Sonntag, 15. August 2010
... bis sich jemand an mich erinnert
Was die Einsamkeit uns lässt
Ich schließe meine Augen
um meinen Lidrand zu betrachten
und die Feier der betrunkenen Töne
die aus dem Abendlicht regnen.
Die Flure schwärzen ihre Dunkelheit nach
aber die Geräusche zittern weiter
in den kalten Straßen.
Ich schließe meine Augen
um schärfer zu hören
wie der Wind von ferne pfeift
seine Räder über den Asphalt scheucht
oder das Haar der Bäume sträubt.
Die Stadt badet gänzlich
im versandeten Regen.
Mein Herz irrt in den Gassen umher
doch meine Augen verharren hinter den Lidern.
Könnte nur jemand, wenigstens etwas
an die Tür klopfen
oder das Telefon klingeln
träfe eine E-Mail schrillend ein.
Meine Augen sind geschlossen
und ich lege mich hin für eine Weile
bis sich jemand an mich erinnert.
Aus dem Arabischen von Nora Bossong
Quelle: lyrikline.org
Mittwoch, 11. August 2010
Nicht nur "Göttingen"
BARBARA
Die Einsamkeit
(La Solitude)
Ich sah sie vor der Türe stehen,als ich nach Haus' kam, gestern Nacht.
Froh war ich gar nicht, sie zu sehen.
"Nun fand sie mich", hab' ich gedacht.
Sie schleicht herbei auf leisen Sohlen.
Sie wittert, wenn ein Glück zerbrach,
und nun, der Teufel soll sie holen,
nun kam sie zu mir, sie schlich mir nach!
Nur sie, mit ihren hohlen Wangen,
den großen Augen, schwarz umringt,
sie ist es, die ins Herz das Bangen
und uns die vielen Tränen bringt.
Sie schenkt uns jene leeren Nächte,
wo alles seinen Sinn verliert.
Ich glaub', daß sie es fertigbrächte,
daß man sogar im Sommer friert.
Dein Kleid ist ein Trauerkleid!
Das Haar hängt wild dir ins Gesicht -
hoffnungslos! Fast tust du mir leid.
Ein schöner Anblick bist du nicht!
Komm, sei so gut, geh' fort von hier
Halt andern deine Fratze hin.
Ich brauch kein Unglück, glaub es mir.
Nein, geh dorthin, wo ich nicht bin.
Es gibt so viel noch, was ich möchte,
den Sonnenschein, den Frühlingswind
und Herz an Herz verbrachte Nächte,
die für den Schlaf zu schade sind.
Zwar wird einst meine Stunde schlagen,
doch vorher muß noch viel gescheh'n:
ich will noch oft "Je t'aime" sagen,
und oft vor Liebe noch vergeh'n.
Doch sie sprach: "Öffne mir die Türe,
und tut es dir auch noch so weh...
Ich kam zu dir, weil ich es spüre:
Die Zeit der Liebe ist passé
Verblaßt der Reigen der Gesichter,
verstummt ist nun der Phrasenchor
der feinen Herrn, der falschen Dichter,
der Traum ist aus, mach dir nichts vor!"
Sie wird mir jeden Tag vergiften,
den Schlaf mir rauben jede Nacht.
Sie klammert sich um meine Hüften,
sie hält zu meinen Füßen Wacht!
Wohin ich geh', wird sie dabei sein.
Sie schafft, daß ich mich nie mehr freu'.
Ich weiß: jetzt werd' ich nie mehr frei sein.
Sie ist wieder da, und sie ist treu:
die Einsamkeit,
die Einsamkeit!
Quelle: http://www.mcgee.de/paroles/solitall.html
Die französische Chansonsängerin Barbara hat einige Titel auch in deutscher Fassung aufgenommen. Früher kannte ich immer nur das Lied über "Göttingen" (und als ich dort studierte, musste ich mitunter daran denken), aber es gibt noch einige andere wie dieses hier. Die Kraft des französischen Textes bleibt in einer guten deutschen Übersetzung durchaus spürbar.
Montag, 9. August 2010
Wechsel der Zeiten
"Während des ersten Weltkrieges, als viele Frauen in jungen Jahren zu Kriegswitwen wurden, kam es in Verbindung mit der Ausbildung eines neuen, von Existenzangst und Überlebenskampf geprägten Selbstverständnisses der Frau zum abrupten Ende der Produktion allegorischer weiblicher Friedhofsfiguren in passiver Trauerhaltung."
Gefunden in einem Informationsblatt zu einer Steinfigur von W. Lovrek auf der Empore der Friedhofskirche zum Heiligen Karl Borromäus am Wiener Zentralfriedhof.
Sonntag, 8. August 2010
Mittwoch, 4. August 2010
Brauchen und gebraucht werden
Sonntag, 18. Juli 2010
Homo homini lupus, eine alte Erkenntnis. Manchmal frage ich mich, ob dies nicht auch das biblische Bild vom Menschen ist: Gleich nach dem Hinauswurf aus dem Garten Eden wird schließlich vom ersten Mord, von einem Brudermord erzählt.
Samstag, 17. Juli 2010
Fehlersehnsucht
Hans Wollschläger
Was für ein böses Wort. Wenn man es ernst nimmt, hat mein Leben einen derart kompetenten Korrektor, dass es kaum noch zu Druckfehlern kommt.
Mittwoch, 14. Juli 2010
Die Frage nach dem Gebet unter dem Gesichtspunkt von Zeit und Ewigkeit
Unterschied
Die Hände erheben zu Gott
Dienstag, 13. Juli 2010
Metamorphose, fast unmerklich
tritt es
über deine Schwelle
das Licht,
sprüht die Farben
einer neuen Zeit
auf die Wände,
verwandelt den Staub deiner Tage
zu Gold
mit seinem leichten Schritt
und legt um deine Ängste
deine Zweifel
warm einen Mantel:
Fürchte dich nicht!
Isabella Schneider
Es fließt und schweigt
Ohne Wort, ohne Wort
rinnt das Wasser immerfort,
andernfalls, andernfalls
spräch' es doch nichts andres als:
Bier und Brot, Lieb und Treu, -
und das wäre auch nicht neu.
Dieses zeigt, dieses zeigt,
daß das Wasser besser schweigt.
Christian Morgenstern
Montag, 12. Juli 2010
Gebetsratschläge von Tiki Küstenmacher im Anschluss an Fulbert Steffensky
Rechnen Sie nicht mit großen inneren Erlebnissen. Beten ist zunächst Anstrengung. Gebetsarbeit ist manchmal schön und erfüllend, oft aber auch langwierig und trocken. Meditieren, Beten, Lesen sind Bildungsvorgänge. Bildung ist ein langfristiges Unternehmen. Doch langfristig ist der Lohn groß.
Entmutigen Sie sich nicht durch zu große Vorhaben. Gehen Sie in bescheidenen Schritten vorwärts: Sprechen Sie anfangs am Morgen einen Psalm, oder halten Sie am Abend einige Minuten Stille, mehr nicht. Wenn selbst das nicht möglich ist, liegt es nicht an der Hektik Ihres Berufs, sondern daran, dass Sie falsch leben!
Feste Zeit
Beten Sie nicht nur, wenn Ihnen danach zumute ist, sondern richten Sie sich eine feste Gebetszeit im Tageslauf ein. Beispiele: der frühe Morgen oder der nicht zu späte Abend. Regelmäßig beachtete Zeiten gliedern Ihr Leben und vermindern das Gefühl „Andere bestimmen über meine Zeit“.
Fester Platz
Geben Sie Ihrem Vorhaben einen festen Ort. Beispiele: eine Ecke in Ihrem Schlafzimmer, ein bestimmter Baum auf Ihrem täglichen Spazierweg, ein Parkplatz, auf dem Sie Ihr Auto auf Ihrem Weg zur Arbeit abstellen und im Wagen sitzend beten. Orte sprechen und bauen an Ihrer Innerlichkeit.
Festes Ritual
Koppeln Sie das Gebet ab von Ihrer Stimmung. Seien Sie streng mit sich: Machen Sie nicht Ihre momentanen Bedürfnisse zum Maßstab. Sie reinigen Ihr Herz, indem Sie nicht auf Ihre Empfindungen achten, sondern nur auf Zeit, Ort und Methode. Entwickeln Sie Ihren eigenen festen Ablauf und nutzen Sie die Kraft der Wiederholung. Beispiel: eine täglich gleiche Eingangsformel („Öffne mein Herz und meine Lippen“), eine Geste (Kreuzeszeichen), lesen Sie einen Psalm (täglich wechselnd), 3 Minuten Stille, Vaterunser. Legen Sie den Psalm vorher fest, damit Ihre Gebetszeit nicht durch Sucherei gestört wird.
Halten Sie eine Notration bereit
Besorgen Sie sich ein Buch mit Gebeten, aus dem Sie in Zeiten größerer innerer Müdigkeit einfach etwas lesen. Lernen Sie kurze Sätze, die Ihnen dort oder in den Psalmen besonders gut gefallen, auswendig. Bilden Sie Ihre eigenen Formeln. Feste Sätze helfen Ihnen, zur Passivität zu finden. Sie sind die Notsprache, falls Ihnen das Leben einmal die Sprache verschlägt.
Halten Sie durch
Wenn Sie zu bestimmten Zeiten nicht beten können, lassen Sie es. Aber halten Sie den Platz frei für das Gebet. Tun Sie nicht irgendetwas anderes, sondern verhalten Sie sich auf andere Weise still. Verlernen Sie nicht Ihren Gebetsort und Ihre Gebetszeit. Seien Sie nicht gewaltsam zu sich selbst. Wenn einmal gar nichts geht, sagen Sie sich: „Auch das Misslingen ist meine Schwester.“
Diese Gedanken wurden angeregt durch: Fulbert Steffensky, Der alltägliche Charme des Glaubens
Autor: Werner Tiki Küstenmacher
Das Christus-Zimmer
Hab’ also ein Haus, in dem Christus eine Bleibe findet. Sag: „Das ist das Zimmer Christi. Das ist die Wohnung, die Ihm vorbehalten ist.“ Er wird sie nicht verschmähen, auch wenn sie sehr einfach ist. Er braucht nur ein Dach über dem Kopf. Sei nicht grausam und unmenschlich, und gib ihm wenigstens das. Du legst soviel Feuer an den Tag um der materiellen Güter willen, so bleibe auch nicht kalt, wenn es um geistige Güter geht... Du hast einen Platz für dein Fuhrwerk und hättest keinen für den umherziehenden Christus?
Johannes Chrysostomos, Predigt 45 zur Apostelgeschichte
Donnerstag, 8. Juli 2010
Patriotismus und Antipatriotismus in Zeiten von Fußballgroßereignissen
Ein solcher Ausbruch von fußballinduziertem Nationalismus bietet aber auch die Möglichkeit, sich zu distanzieren, die eigene Immunität gegen diese Art von Wahnsinn zu demonstrieren - oder gar den verborgenen Groll oder Hass auf das eigene Land an die Öffentlichkeit zu tragen, so wie in diesen (sicher tief aus dem Bauch des Verfassers kommenden) Versen, die als Kommentar zu einem Artikel in der ZEIT publiziert wurden:
"Durch Deutschland weht ein kalter Wind
Menschen hasten tränenblind
weil sie so verzweifelt sind
in der Stadt herum
Sogar den Bäumen häng'n die Blätter
schlaff herunter wie Lametta
Alle Vöglein singen Moll
Fussball-Deutschland beklagt sich
immer wieder und man fragt sich
wie es weiter gehen soll
Freudentaumel zieht durchs Land
von Garmisch bis zur Waterkant
Alle singen Hand in Hand
Deutschland hat verloren
Links und Rechts und zick und zack
Das "unverkrampfte" Patriotenpack
kriegt endlich wieder aufn Sack
Deutschland hat verloren
lalalalalalalalalala
Deutschland hat verloren
lalalalalalalalalala
Deutschland hat verloren
Ein leichter Gegner eigentlich
machte die Stars heut lächerlich
Mutti Merkel ärgert sich
Deutschland hat verloren
Jogi sitzt alleine da
wie ein alter Fußballstar
Doch kein Meister trallala
Deutschland hat verloren
lalalalalalalalalalala
Deutschland hat verloren
lalalalalalalalalalala
Deutschland hat verloren
Wie Amateure wie Amateure - Ich mach die Säge
Deutschland hat verloren
Wie Amateure wie Amateure - Gott ist das herrlich
Deutschland hat verloren
Wie Amateure wie Amateure - Ich habe fertig
Deutschland hat verloren"
Von Nutzer "aeferiihkaefe", Rechtschreibung leicht gebessert von mir.
Der Verfasser weiß sich mit seinen Gefühlen der Schadenfreude nicht allein (vgl. die 3. Strophe). Aber das ist statistisch vermutlich schwer zu erheben. Denn wer würde sich in einer Umfrage schon als Antipatriot outen?
Die meisten "Patrioten auf Zeit" werden sich die Tränen bald aus den Augen wischen und zur Tagesordnung übergehen. Schade eigentlich, dass es noch dieses Spiel um den 3. Platz gibt, für die deutsche Mannschaft eine weitere Gelegenheit zum Verlieren, im Falle eines Sieges im "kleinen Finale" aber winkt eben nur Anerkennung - und kein Pokal. Und auf den Fanmeilen wird die Freude auch bei einem Sieg über Uruguay verhaltener ausfallen. Ein Anlass zum Trinken ist es, so oder so. Aber den braucht man in Deutschland ja im Grunde nicht - so wenig wie in Österreich übrigens...
Sonntag, 6. Juni 2010
Aufwärts? Abwärts!
Samstag, 5. Juni 2010
Terra nova
Sonntag, 30. Mai 2010
Verena Stefans "Häutungen" - nach 35 Jahren
Auch mehr als drei Jahrzehnte nach Erscheinen dieses Buches hat sich an den von Verena Stefan geschilderten Mann-Frau-Beziehungen leider nur wenig geändert. Obwohl auf politischer und juristischer Ebene die Gleichstellung der Frau mittlerweile fest geschrieben ist und ebenso auf gesellschaftlicher Ebene ein gewisser öffentlicher Konsens darüber besteht, dass die Frau gleichwertig ist und ihr eben solches Ansehen und eine adäquate Behandlung zustehen, haben sich das Miteinander und Verständnis der Geschlechter bis auf wenige Ausnahmen nicht verbessert. Im Gegenteil erfahren Frauen heute verstärkt Diskriminierungen und Sexismen, die sich jedoch desöfteren unter subtilen Vertuschungsmechanismen zu verbergen suchen. So können Frauen gegenwärtig relativ selbstbestimmt über ihr Leben verfügen, ökonomisch unabhängig sein und sind nicht mehr angewiesen, Teil eines Paares zu sein. Auf der symbolischen Ebene - und diese wirkt logischerweise auf die reale Wirklichkeit - erweisen sie sich nach wie vor als nachrangig gedachte Geschlechtsklasse, was sich speziell in den so genannten "privaten" Beziehungen zu Männern, in Liebe und Sexualität auswirkt. Denn in der Porno-Gesellschaft ist das Wollen der Männer nur zu oft auf Sex und weniger auf Verstehen fixiert. Ein einander Erkennen ist bis dato nicht möglich.
Dagmar Buchta: "Ich beherberge keinen Mann mehr“ dieStandard.at, 16.05.2010