
Die einen bekommen eine Statue, die dem stadt- bekannten grauen Federvieh zu dessen Erleichterung oft mehr dient, als etwas anderem. Den anderen wird überhaupt erst posthum die große Anerkennung gezeigt. Wie Thomas Bernhard auf die Idee der Volkshochschule Hietzing reagiert hätte, lässt sich leider nur mutmaßen. Denn am 12. Februar 1989, vor genau 20 Jahren also, starb der großartige Schrift- steller an einer Lungenkrankheit. Und aus genau diesem Anlass zeigte sich die Bildungsanstalt (von A wie Aerobic bis Z wie Zitronen schälen) besonders kreativ.
"Wien ist ein Toilettenskandal"
In einer Toninstallation vor dem Haus in der Hofwiesengasse 48 heißt es: "Wir haben Thomas Bernhard gelesen und ernst genommen". Im Roman "Alte Meister" treffen sich die Gelehrten Atzbacher und Reger und philosophieren unter anderem über den Zustand der Toiletten in Wien: "Die Wiener Toiletten sind insgesamt ein Skandal, selbst auf dem unteren Balkan findet sich nicht eine einzige solche verwahrloste Toilette, sagte Reger. Wien hat keine Toilettenkultur, sagte er. Wien ist ein einziger Toilettenskandal." Im 1. Stock des VHS-Gebäudes findet man das davon inspirierte "Kultur-Häusl". Die Wände wurden mit passenden Bernhard-Zitaten verziert. Im 2. Stock wird übrigens David Irving mit seinem Roman "Wasserlassen" gewürdigt.
Robert Streibel, Direktor der Volkshochschule Hietzing, konnte so aus der Not(durft) eine Tugend machen, des Öfteren bekam er nämlich Beschwerden über die zu kleinen Toilettenkabinen. "Da wir die bauliche Situation nicht verändern konnten, haben wir diesen Ort einfach zum Kunstobjekt erklärt", so Streibel.
Wer das geschmacklos findet, dem sei versichert: Dem Autor ist es höchst-wahrscheinlich mehr als wurscht, ob es nun Tauben oder Menschen sind, die sich auf der Würdigung (sei's aus Stein oder aus Porzellan) erleichtern.
Wien ist eben eine Stadt der Kultur. Wo sonst käme man auf eine solche Idee?