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Sonntag, 29. August 2010
Lueger-Kirche am Zentralfriedhof
Kuppel der Dr.-Karl-Lueger-Gedächtnis-Kirche (Karl Borromäus-Kirche) auf dem Zentralfriedhof. Die nach dem berühmten (und als Antisemit berüchtigten) früheren Wiener Bürgermeister Dr. Karl Lueger benannte Kirche (sie ist zugleich sein Mausoleum) ist wunderschön anzusehen, aber die Akustik ist sehr problematisch. Vor einigen Tagen hatte ich zum ersten Mal dort eine Einsegnung zu halten, und aus irgendwelchen Gründen waren die Mikrophone der Beschallungsanlage nicht auffindbar. So war es ein wahrer Kampf mit dem Nachhall, der mehrere Sekunden währt.
Freitag, 9. Juli 2010
Talente
Ein Schülergottesdienst vor Schuljahrsende. Thema: Unsere Talente. Vorbereitete Schüleräußerungen zu der Frage: "Was kann ich besonders gut?" Zunächst Erwartbares: "Ich kann gut Fußball spielen." - Ich kann gut zuhören." Dann aber Überraschendes: "Ich kann ohne Ende essen." Und: "Ich kann immer und überall schlafen."
Freitag, 4. Juni 2010
Botschaft von tief unten
"Der fiel fast in Ohnmacht", wollte ich sagen. Heraus kam: "Der fiel fast in Urlaub." Da sprach wohl die Seele.
Montag, 29. März 2010
Donnerstag, 11. Februar 2010
Kurz und knapp
Der war halt gegen Weihrauch und Knoblauch.
Kurzcharakterisierung Hitlers durch einen oberösterreichischen Altnazi, belauscht in einem Lokal in Linz.
Montag, 30. November 2009
Alles in Ordnung?
Montag soll und darf mein freier Tag sein. Manchmal kommt es auch annähernd dazu. Heute war so ein glücklicher Tag. Abends im Konzert mit einigen Kolleginnen aus der Straßergasse. Prompt die Frage. "Was ist los? Alles in Ordnung?" - "Warum?" - "Du schaust so ernst..." Ach so, natürlich, ich bin ja privat und entspannt, habe mein dienstliches Gesicht zu Hause vergessen.
Freitag, 13. November 2009
Samstag, 19. September 2009
Babenberger - immer und überall?
"Wisst ihr etwas über die Stadt Essen? Denkt mal an das Fach Geschichte..."
"Waren da die Babenberger?"
Dialog im Unterricht. Das Geschichtsbild österreichischer Schüler ist schon etwas verengt.
Donnerstag, 17. September 2009
Glaubensgespräch
"Welches war dein Glas?"
"Ich glaube nicht an die Schweinegrippe!"
Dialog in unserem Jugendkreis
Mittwoch, 2. September 2009
Der Geistliche als Mahnung an das Jenseits
Alles an einem Geistlichen ist für die Menschen, oder sollte es sein, eine Mahnung an die nächste Welt, an Tod und Gericht, an Himmel und Hölle. Schon seine Kleidung ist ein Memento. Er kleidet sich nicht wie die anderen Menschen. Sein Gehaben ist ein Memento. Seine Art zu sprechen ist ernster als die der anderen. Auch seine Pflichten sind ein Memento. Man sieht ihn in der Kirche beten, taufen, predigen; man sieht in bei der Unterweisung der Kinder; man sieht in bei den Werken der Nächstenliebe; oder man sieht ihn beim Studium. Sein Leben ist der Welt des Unsichtbaren geweiht. Sein ganzes Tun ist dazu bestimmt, die Menschen daran zu erinnern, daß die Zeit kurz, der Tod gewiß und die Ewigkeit lang ist.
Aus einer Predigt von John Henry Newman (Geduld und Tadel der Welt v. 29. März 1840, also noch einige Jahre vor seinem Übertritt zum Katholizismus)
Was für ein Ideal! Dass dieser Prediger auf dem Weg zum Katholizismus war, ist unüberhörbar. Trotzdem hat sich so etwas auch in den Köpfen von Protestanten festgesetzt. "Was sind Sie von Beruf?" - "Evangelischer Pfarrer." - "Aah..." Und es tritt eine Veränderung des Blickes und des Tonfalls ein, die häufig zeugt von einer plötzlichen Unsicherheit, wie man einem solchen Wesen denn begegnen soll.
Aus einer Predigt von John Henry Newman (Geduld und Tadel der Welt v. 29. März 1840, also noch einige Jahre vor seinem Übertritt zum Katholizismus)
Was für ein Ideal! Dass dieser Prediger auf dem Weg zum Katholizismus war, ist unüberhörbar. Trotzdem hat sich so etwas auch in den Köpfen von Protestanten festgesetzt. "Was sind Sie von Beruf?" - "Evangelischer Pfarrer." - "Aah..." Und es tritt eine Veränderung des Blickes und des Tonfalls ein, die häufig zeugt von einer plötzlichen Unsicherheit, wie man einem solchen Wesen denn begegnen soll.
Donnerstag, 9. Juli 2009
Lutherkirche am Morgen
Mittwoch, 8. Juli 2009
Religion in Österreich auf dem Rückzug
Auf einen "latenten Trend hin zu einem 'Atheismus-light'" in der österreichischen Bevölkerung hat der Wiener Pastoraltheologe em.Prof. Paul M. Zulehner hingewiesen. Neben dem weiterhin schrumpfenden Feld jener Menschen mit einem ererbten christlich-kirchlichen Bezug wachse unter den Österreichern der Anteil an "unbekümmerten Alltagspragmatikern", die ohne religiöse Sinnansprüche lebten, sagte Zulehner am Dienstag bei einer Diskussion zur kürzlich erschienenen Wertestudie "Die ÖsterreicherInnen. Wertewandel 1990-2008" in Wien.
Angesichts der Ergebnisse der Studie müsse das Christentum "sehr aufpassen", warnte Zulehner. Trotz beunruhigender Entwicklungen habe die Kirche heute aber auch zahlreiche Chancen, weil viele Menschen einen tiefen Sinn für Spiritualität besitzen würden: "Diese Chancen nutzen wir derzeit nicht".
Bei den Umfragen zur Wertestudie 2008 bezeichneten sich rund zwei Drittel (61 Prozent) der befragten Österreicher als religiöse Menschen, ein Drittel (30 Prozent) als nicht religiös. Vier Prozent halten sich für überzeugte Atheisten, fünf Prozent konnten auf die Frage nach ihrer Religiosität keine genaueren Angaben machen. Bei der letzten Befragung im Jahr 1999 gaben noch 75 Prozent der Menschen an, religiös zu sein, nur 18 Prozent sahen sich als nicht-religiös an.
Zulehner lenkte den Blick zudem erneut auf die in der Wertestudie nachgewiesenen "katastrophalen" Imagewerte der Kirche bei Jugendlichen und den dramatischen Rückgang an kirchlicher Bindung in ländlichen Regionen. Beunruhigt sei er außerdem über das Verhältnis zwischen der Kirche und den Frauen. Er habe den Eindruck, dass die Lebenskultur junger Frauen heute nicht mehr mit Kirche kompatibel sei, sagte Zulehner.
Die christlichen Kirchen müssten die einzelnen Menschen wieder "zu einem Gefühl der menschlichen Größe führen, anstatt sie moralisch im Kleinen zu halte", meinte der Pastoraltheologe. Kirche sollte wieder "für die Heilung der Angst statt für eine moralisierende Verängstigung" stehen.
Mit Sorge beobachte er zudem eine der gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Islam geschuldete Re-Politisierung des Christentums. Mit dieser Entwicklung könne man der Religion "schaden wie sonst in keiner anderen Art und Weise", warnte der Pastoraltheologe.
Kirchen als "Lebensräume"
Der Wiener Jugendseelsorger Gregor Jansen plädierte dafür, dass Kirchen wieder stärker zu "Lebensräumen" der Menschen werden sollten. Die Kirche hätte die Pflicht, den Menschen gegenüber ihre bleibende Relevanz aufzuzeigen, indem sie wieder verstärkt zu einem "Kernort der glaubwürdigen Glaubensweitergabe, des Respekts und der Toleranz" werden, so Jansen.
"Die Menschen bringen sich heute mit ihrem persönlichen Einsatz sehr stark in die Kirche ein, aber die treue Beheimatung in der Kirche verdunstet", skizzierte der Priester seine Erfahrungen aus den vergangenen Jahren. Die Bereitschaft aus der Kirche auszutreten sei im Zuge der Affären um die Pius-Brüderschaft und die "Causa Wagner" im Zentrum der Kirche angekommen - also auch bei Menschen, die sich in höchstem Maß für Kirche eingesetzt haben, so Jansen.
Diffuses Religionsbild
Die Rektorin der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule Wien/Krems, Ulrike Greiner, verwies auf den ungebremsten Trend der Pluralisierung auch unter den Studierenden. So kämen etwa immer mehr Lehramts-Studierende ohne jegliche religiöse Sozialisation an die Hochschule. Die Studierenden hätten dabei sehr wohl Interesse an Religion, sie besäßen jedoch "keine Symbolisierungsfähigkeit mehr", sagte Greiner. Auf einer emotionalen und spirituellen Ebene werde Kirche oftmals positiv wahrgenommen, selten jedoch die "kognitive Kraft" des Glaubens erkannt.
Der evangelische Oberkirchenrat Prof. Raoul Kneucker bezweifelte in der Debatte das Hauptergebnis des Religionsteils der Wertestudie, wonach sich im Bereich der Religionen eine Pluralisierung in der Gesellschaft statt einer Wiederkehr abzeichne. Er nehme stattdessen beide Phänomene gleichzeitig war. "Wir haben es heute mit privater, selbst gestrickter und sehr diffuser Religion zu tun", sagte Kneucker.
Ein scheinbares Paradoxon in der Entwicklung des Verhältnisses von Kirche und Gesellschaft sei, "dass sich viele Kirchen- und Religionsferne gerade von Kirche erwarten, dass sie als moralische Instanz auftreten", so Kneucker. Zusammen mit der größeren Bedeutung, die die Politik der Religion beimesse, beinhalte dies auch Chancen für die Kirchen. "Diese neue Rolle der Religionen kann aber nur gedacht werden, wenn man die Pluralität annimmt".
Angesichts der Ergebnisse der Studie müsse das Christentum "sehr aufpassen", warnte Zulehner. Trotz beunruhigender Entwicklungen habe die Kirche heute aber auch zahlreiche Chancen, weil viele Menschen einen tiefen Sinn für Spiritualität besitzen würden: "Diese Chancen nutzen wir derzeit nicht".
Bei den Umfragen zur Wertestudie 2008 bezeichneten sich rund zwei Drittel (61 Prozent) der befragten Österreicher als religiöse Menschen, ein Drittel (30 Prozent) als nicht religiös. Vier Prozent halten sich für überzeugte Atheisten, fünf Prozent konnten auf die Frage nach ihrer Religiosität keine genaueren Angaben machen. Bei der letzten Befragung im Jahr 1999 gaben noch 75 Prozent der Menschen an, religiös zu sein, nur 18 Prozent sahen sich als nicht-religiös an.
Zulehner lenkte den Blick zudem erneut auf die in der Wertestudie nachgewiesenen "katastrophalen" Imagewerte der Kirche bei Jugendlichen und den dramatischen Rückgang an kirchlicher Bindung in ländlichen Regionen. Beunruhigt sei er außerdem über das Verhältnis zwischen der Kirche und den Frauen. Er habe den Eindruck, dass die Lebenskultur junger Frauen heute nicht mehr mit Kirche kompatibel sei, sagte Zulehner.
Die christlichen Kirchen müssten die einzelnen Menschen wieder "zu einem Gefühl der menschlichen Größe führen, anstatt sie moralisch im Kleinen zu halte", meinte der Pastoraltheologe. Kirche sollte wieder "für die Heilung der Angst statt für eine moralisierende Verängstigung" stehen.
Mit Sorge beobachte er zudem eine der gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Islam geschuldete Re-Politisierung des Christentums. Mit dieser Entwicklung könne man der Religion "schaden wie sonst in keiner anderen Art und Weise", warnte der Pastoraltheologe.
Kirchen als "Lebensräume"
Der Wiener Jugendseelsorger Gregor Jansen plädierte dafür, dass Kirchen wieder stärker zu "Lebensräumen" der Menschen werden sollten. Die Kirche hätte die Pflicht, den Menschen gegenüber ihre bleibende Relevanz aufzuzeigen, indem sie wieder verstärkt zu einem "Kernort der glaubwürdigen Glaubensweitergabe, des Respekts und der Toleranz" werden, so Jansen.
"Die Menschen bringen sich heute mit ihrem persönlichen Einsatz sehr stark in die Kirche ein, aber die treue Beheimatung in der Kirche verdunstet", skizzierte der Priester seine Erfahrungen aus den vergangenen Jahren. Die Bereitschaft aus der Kirche auszutreten sei im Zuge der Affären um die Pius-Brüderschaft und die "Causa Wagner" im Zentrum der Kirche angekommen - also auch bei Menschen, die sich in höchstem Maß für Kirche eingesetzt haben, so Jansen.
Diffuses Religionsbild
Die Rektorin der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule Wien/Krems, Ulrike Greiner, verwies auf den ungebremsten Trend der Pluralisierung auch unter den Studierenden. So kämen etwa immer mehr Lehramts-Studierende ohne jegliche religiöse Sozialisation an die Hochschule. Die Studierenden hätten dabei sehr wohl Interesse an Religion, sie besäßen jedoch "keine Symbolisierungsfähigkeit mehr", sagte Greiner. Auf einer emotionalen und spirituellen Ebene werde Kirche oftmals positiv wahrgenommen, selten jedoch die "kognitive Kraft" des Glaubens erkannt.
Der evangelische Oberkirchenrat Prof. Raoul Kneucker bezweifelte in der Debatte das Hauptergebnis des Religionsteils der Wertestudie, wonach sich im Bereich der Religionen eine Pluralisierung in der Gesellschaft statt einer Wiederkehr abzeichne. Er nehme stattdessen beide Phänomene gleichzeitig war. "Wir haben es heute mit privater, selbst gestrickter und sehr diffuser Religion zu tun", sagte Kneucker.
Ein scheinbares Paradoxon in der Entwicklung des Verhältnisses von Kirche und Gesellschaft sei, "dass sich viele Kirchen- und Religionsferne gerade von Kirche erwarten, dass sie als moralische Instanz auftreten", so Kneucker. Zusammen mit der größeren Bedeutung, die die Politik der Religion beimesse, beinhalte dies auch Chancen für die Kirchen. "Diese neue Rolle der Religionen kann aber nur gedacht werden, wenn man die Pluralität annimmt".
Co-Autorin Regina Polak fasst die Ergebnisse so zusammen: "Erneuerung und Transformation von Religion sind vor allem ein städtisches Phänomen, auf dem Land gibt es einen starken Abfall." Während in Wien der Anteil mit 54 Prozent religiösen Menschen seit dem Jahr 2000 etwa gleich blieb, hat sich der Anteil der säkular geprägten Menschen in den kleinsten Orten des Landes - jenen unter 2000 Einwohnern - von 16 auf 34 Prozent mehr als verdoppelt. Gleichzeitig erreichen die Kirchen immer weniger jüngere Menschen. Gerade 43 Prozent der Menschen unter 30 Jahren stufen sich selbst als religiös ein - vor neun Jahren waren es 66 Prozent.
Meine Alltags- und Sonntagsbeobachtungen gehen in dieselbe Richtung. Bei einer Taufe sind fast alle Anwesenden katholisch, wie man am routinierten Kreuzzeichen unschwer erkennt. Beim Glaubensbekenntnis und beim Vaterunser höre ich niemanden mitsprechen. Maturanten, die das Gleichnis vom verlorenen Sohn zum ersten Mal hören; meine Schüler von sechzehn Jahren, die mich fragen, ob Evangelische denn auch beten; neulich ein alter Mann im Pflegeheim, der nach eigenen Angaben noch nie in seinem Leben einen Gottesdienst besucht hat... Die Liste ließe sich beliebig verlängern. Ich habe schon bald den Eindruck gewonnen, in einem Land angekommen zu sein, das noch viel säkularer, religionsferner und materialistischer ist als Deutschland, und dieser Eindruck bestätigt sich immer wieder. Österreicher haben im Durchschnitt keinerlei Bezug zur Religion, auch wenn sie einer Kirche angehören. Und das gilt insbesondere für den Katholizismus. Ihre eigene Kirche ist für die meisten Katholiken, die ich hier in Wien erlebe, ein Stück Heimat wie Johann Strauß, die Berge und der Opernball - mehr aber auch nicht.
Freitag, 19. Juni 2009
Frage und Antwort
- Why do you like the inspector?
- He's so unfriendly.
Aus einer Englisch-Matura über John Priestley's "Ein Inspektor kommt"
Mittwoch, 1. April 2009
Erlebnis in der Schule
Am vergangenen Donnerstag hatte ich in einer Freistunde eine Einsegnung auf dem nahe gelegenen Ottakringer Friedhof zu halten, also trug ich ausnahmsweise eine Krawatte. Mehrere Schüler kamen im Gang in der Schule sehr respektvoll auf mich zu mit der ehrfürchtigen Frage: "Sind Sie ein Schulinspektor?" Im Kollegium dieser großen AHS gibt es sehr viele Männer, aber kaum je einer kommt mit Krawatte zur Schule - selbst der Direktor nur bei unumgänglichen offziellen Anlässen. Dieser legere Alltag steht in krassem Kontrat zur Matura, bei der alle, auch die Kandidaten, herausgeputzt sind, als ginge es gleich zu einem Staatsempfang.
Dienstag, 24. März 2009
Bitte keine Zukunft!
Drei Schülerinnenäußerungen von heute (aus drei verschiedenen Stunden):
"Bald geht ja doch die Welt unter. Ich werde es nicht mehr erleben, aber es kann nicht mehr lange dauern. Und alles Unheil haben wir Menschen angerichtet." (Kommentar einer Mitschülerin: "Ja, aber das ist mir egal, und ändern kann man sowieso nichts. Ich will nur mein Leben genießen. Und Schluss. Was nach mir kommt, interessiert mich nicht.")
"Ich hasse Kinder."
"Mit 69 Jahren gebe ich dann den Führerschein ab - und dann hat das Leben keinen Sinn mehr."
Sie haben nicht nur keine Lust auf Schule, sie haben keine Lust auf das Leben, unsere heutigen Jugendlichen. Sie sehen keine Perspektive, aber nicht einmal das ist ihnen Anlass zur Revolte.
Samstag, 14. März 2009
Wie Gott
Gespräch in der Schule (7. Klasse AHS) über den Amoklauf von Winnenden. "Was hat das zu tun mit Genesis 3?" "Da wollte einer sein wie Gott." Genau!
"Die Suche nach den Motiven ergibt bei den Schulmördern regelmässig dasselbe: Sie hatten sich Verrohung ‚angedeihen' lassen. Schusswaffen hatten sie in Griffnähe, vor allem aber gaben sie sich mit Gewaltvideos und Killerspielen ab. Vereinsamten sie, als Schulversager, Eigenbrötler oder Ausgegrenzte, gerieten sie auf die tödliche Bahn.
Wir brauchen keine Armeepsychologen und weitere Experimente, um zu erkennen, dass eine Flut von Bildern mit Gewalt, visuell aufgenommen und reflexartig mit dem Joystick beantwortet, enthemmend wirkt. Zahllose Spiele belohnen den, der sich den Weg blitzschnell freischiesst - und wenn man selbst unterliegt oder getroffen wird, hat man die nächste Chance. Kein Spiel, das die Gewalt des Schützen auf ihn zurückfallen lässt, würde sich verkaufen. So bauen sich Allmachtsphantasien auf."
Peter Schmid auf jesus.ch
"Die Suche nach den Motiven ergibt bei den Schulmördern regelmässig dasselbe: Sie hatten sich Verrohung ‚angedeihen' lassen. Schusswaffen hatten sie in Griffnähe, vor allem aber gaben sie sich mit Gewaltvideos und Killerspielen ab. Vereinsamten sie, als Schulversager, Eigenbrötler oder Ausgegrenzte, gerieten sie auf die tödliche Bahn.
Wir brauchen keine Armeepsychologen und weitere Experimente, um zu erkennen, dass eine Flut von Bildern mit Gewalt, visuell aufgenommen und reflexartig mit dem Joystick beantwortet, enthemmend wirkt. Zahllose Spiele belohnen den, der sich den Weg blitzschnell freischiesst - und wenn man selbst unterliegt oder getroffen wird, hat man die nächste Chance. Kein Spiel, das die Gewalt des Schützen auf ihn zurückfallen lässt, würde sich verkaufen. So bauen sich Allmachtsphantasien auf."
Peter Schmid auf jesus.ch
Samstag, 28. Februar 2009
Rätselhaft
Warum in der Apotheke ein Dauervideo mit Flammen lief, konnte mir auch die Apothekerin nicht erklären...
Donnerstag, 5. Februar 2009
"Heiraten? Tatsächlich?"
"Um Gottes willen! Warum denn das? Kommt ein Kind?" - "Nein." - "Nötigt euch die Kirche? Oder die Gemeinde?" - "Nein." - "Aber dann gibt es doch gar keinen Grund! Warum wollst ihr denn nur heiraten?" - "Weil wir uns lieben und uns sicher sind, dass wir zusammen bleiben wollen." - Ja, aber das ist doch kein Grund, darum muss man doch nicht heiraten! Habt ihr euch das auch gut überlegt?"
Kommentar einer Lehrerkollegin: "Sie haben wohl auch gar nichts gelernt!"
Entsetztes Kopfschütteln, ungläubig aufgerissene Augen, ernstliche Besorgnis, wohlmeinendes Abraten - das ist es, was heute die Ankündigung einer Heirat hervorruft, noch dazu, wenn beide Partner schon einmal verheiratet waren. Es fehlt nur nur noch der Rat, einen Psychiater aufzusuchen.
Ja, da ist wirkliches Nichtglaubenkönnen. Manch ein Gesprächspartner denkt zunächst und auch noch länger an einen bloßen Schmäh. Erst nach einiger Zeit stellt sich dann eine Art strahlender Freude ein darüber, dass es so etwas tatsächlich noch gibt, heute, in diesen Tagen: eine ohne Not, rein aus Liebe geschlossene Ehe. Eine Botschaft wie aus fernen, märchenhaften Zeiten.
Die Menschen fürchten die Ehe anscheinend. Oder richtiger: sie haben zu ihr jenes ambivalente Verhältnis, das Rudolf Otto gegenüber dem Numinosen ausgemacht hat: Ehe ist (auch) heute (noch) ein Numen - Mysterium fascinosum und tremendum zugleich. Letzterer Aspekt scheint aber doch zu überwiegen.
Donnerstag, 15. Januar 2009
Aus der Schule geplaudert
"Sie sind der einzige Professor, bei dem wir denken sollen." So oder ähnlich ist mir das nun schon von verschiedenen Schülern gesagt worden. Das spricht nicht gerade für die Qualität der hiesigen Schulen. Tatsächlich dominieren hier noch Frontalunterricht und stupides Auswendiglernen von Daten, Zahlen, Fakten. Geschichte wird als Bündnis- und Kriegsgeschichte unterrichtet, natürlich mit allen dynastischen Feinheiten der Habsburger.
Vor Weihnachten kamen wir im Zusammenhang mit dem Adventkranz (so sagt man da in Österreich ohne das Binde-s) auf Wichern und seine Zeit. Was ihnen dazu einfalle, wollte ich wissen. Ein Schüler meldete sich und sagte: "Das war zwischen Waterloo und Solferino, hmm, da war doch gar kein großer Krieg..."
Eine angenehme Eigenart österreichischer Schulen ist es, dass die Schüler bei Regen oder Schnee dazu verpflichtet sind, im Schulgebäude "Patschen" (Hausschuhe) zu tragen.
Geradezu altertümlich aber mutet es mich an, dass der Turnunterricht hier noch nach Geschlechtern getrennt erteilt wird. Aber die baulichen Voraussetzungen sind eben so, dass es keine getrennten Umkleidebereiche gibt. Mein Staunen über die Geschlechtertrennung löste bei Schülern wie Lehrern ein nicht weniger großes Staunen aus. Andere Länder, andere Sitten.
Vor Weihnachten kamen wir im Zusammenhang mit dem Adventkranz (so sagt man da in Österreich ohne das Binde-s) auf Wichern und seine Zeit. Was ihnen dazu einfalle, wollte ich wissen. Ein Schüler meldete sich und sagte: "Das war zwischen Waterloo und Solferino, hmm, da war doch gar kein großer Krieg..."
Eine angenehme Eigenart österreichischer Schulen ist es, dass die Schüler bei Regen oder Schnee dazu verpflichtet sind, im Schulgebäude "Patschen" (Hausschuhe) zu tragen.
Geradezu altertümlich aber mutet es mich an, dass der Turnunterricht hier noch nach Geschlechtern getrennt erteilt wird. Aber die baulichen Voraussetzungen sind eben so, dass es keine getrennten Umkleidebereiche gibt. Mein Staunen über die Geschlechtertrennung löste bei Schülern wie Lehrern ein nicht weniger großes Staunen aus. Andere Länder, andere Sitten.
Sonntag, 14. Dezember 2008
"Dann wäre ich ja nicht aktiv."
Neulich in der Schule (Maturaklasse) kamen wir auf das Stillsitzen, sprachen darüber, wie schwierig es für die meisten Menschen ist, einfach mal gar nichts zu tun, nicht zu lesen, nicht fernzusehen, nicht zu telefonieren oder SMS zu verschicken, keine Musik zu hören, nicht vor sich hin zu malen, - sondern einfach nur dazusitzen, ein paar Minuten lang. Eine Schülern bemerkte: "Da käme ich mir komisch vor, hätte ein schlechtes Gewissen." "Warum denn ein schlechtes Gewissen?" "Weil ich dann nicht aktiv wäre."
Was für innere Antreiber sind da am Werk, die uns einflüstern, wir müssten unablässig aktiv sein? Unsere mobilisierte, aktivierte Welt wartet geradezu auf die Botschaft von der Rechtfertigung.
Was für innere Antreiber sind da am Werk, die uns einflüstern, wir müssten unablässig aktiv sein? Unsere mobilisierte, aktivierte Welt wartet geradezu auf die Botschaft von der Rechtfertigung.