Mittwoch, 2. September 2009

Der Geistliche als Mahnung an das Jenseits

Alles an einem Geistlichen ist für die Menschen, oder sollte es sein, eine Mahnung an die nächste Welt, an Tod und Gericht, an Himmel und Hölle. Schon seine Kleidung ist ein Memento. Er kleidet sich nicht wie die anderen Menschen. Sein Gehaben ist ein Memento. Seine Art zu sprechen ist ernster als die der anderen. Auch seine Pflichten sind ein Memento. Man sieht ihn in der Kirche beten, taufen, predigen; man sieht in bei der Unterweisung der Kinder; man sieht in bei den Werken der Nächstenliebe; oder man sieht ihn beim Studium. Sein Leben ist der Welt des Unsichtbaren geweiht. Sein ganzes Tun ist dazu bestimmt, die Menschen daran zu erinnern, daß die Zeit kurz, der Tod gewiß und die Ewigkeit lang ist.

Aus einer Predigt von John Henry Newman (Geduld und Tadel der Welt v. 29. März 1840, also noch einige Jahre vor seinem Übertritt zum Katholizismus)

Was für ein Ideal! Dass dieser Prediger auf dem Weg zum Katholizismus war, ist unüberhörbar. Trotzdem hat sich so etwas auch in den Köpfen von Protestanten festgesetzt. "Was sind Sie von Beruf?" - "Evangelischer Pfarrer." - "Aah..." Und es tritt eine Veränderung des Blickes und des Tonfalls ein, die häufig zeugt von einer plötzlichen Unsicherheit, wie man einem solchen Wesen denn begegnen soll.

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