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Samstag, 21. August 2010

Zynismus - öffentlich-rechtlich



Fiese Fassaden - Deutschland aus der Street View



hr2-kultur | Der Tag | Freitag, 20.08.2010

Ja Leute, folgt dem Trend: hindert Google daran, eure Häuser im Internet zu zeigen. Lasst eure Fassaden verpixeln – und verschont den Rest der Welt mit diesem Anblick! Denn – mal ganz im Ernst: Was wird man zu sehen bekommen, wenn Google Street View Deutschlands Städte fotografiert hat? Ein Panoptikum an Scheußlichkeiten. Die Unwirtlichkeit unserer Städte als Fotoalbum. Das Grauen zum Nachschlagen. Das muss wirklich nicht sein. Man könnte natürlich Googles Street View zum Anlass nehmen, sich mal um das Aussehen deutscher Städte zu kümmern, sich mal Gedanken darüber machen, warum wohl die Depression auf dem Weg ist, die Volkskrankheit Nummer eins zu werden.

Aus dem e-mail-Newsletter der Sendung "Der Tag"

Freitag, 9. Juli 2010

So einfach, so kompliziert

"Lisa ist 15, lebt in Berlin, geht zur Schule und verbringt Zeit mit ihren Altersgenossen. Zum Geburtstag bekommt sie ein formschönes Apple Keyboard aus eloxiertem Aluminium von ihrem Elternteil, weil das ein echter Blickfang ist und kinderfreundlicher als Wohnaccessoires und Sexspielzeuge. 'Ich prophezeie. Ich spreche Kindermund, man merkt sich die Aussprüche, man wiederholt sie vor mir. Diese Aussprüche sind Gedichte, das Rezept ist einfach:
Man muss sich auf den Teufel verlassen, auf den Zufall, auf das Vakuum.' Kompromisslos durchläuft sie den komplizierten Weg des Erwachsenwerdens und der ersten Liebe. 'Ich bin Ariel, die kleine Meerjungfrau aus dem gleichnamigen Zeichentrickklassiker von Walt Disney und du bist irgendwie tot'.
"

Hörspielankündigung im phonostar-Newsletter ("Der komplizierte Weg des Erwachsenwerdens", Deutschlandradio Kultur 12.07.2010, 00.05 - 01.00 Uhr)

Freitag, 4. Juni 2010

Poetry meets politics

Ein außergewöhnlicher Stoff für Literatur: Fünfzig europäische Dichter haben die EU-Verfassung in Verse gesetzt, darunter auch der irische Literaturnobelpreisträger Seamus Heaney. Entstanden ist ein fast hundert Seiten langer, vielstimmiger Text, in dem sich nicht nur der europäische Gedanke spiegelt, sondern auch die Probleme der EU auf poetische Weise reflektiert werden. Das Projekt der "Europäischen Verfassung in Versen" wurde 2008 von einer Gruppe belgischer Künstler unter dem Namen "Kollektiv Brüsseler Poeten" gestartet.

Information des Deutschlandradios (im E-mail-Newsletter) zu einer Sendung am 4. Juni 2010 ("Thema" - 14.07 Uhr).

Dienstag, 11. Mai 2010

Wie war das mit der stabilen Währungspolitik?

"Das Bundeskabinett will heute einen Gesetzentwurf zum deutschen Anteil am Rettungsschirm für die Euro-Länder auf den Weg bringen. Deutschland haftet mit bis zu 123 Milliarden Euro, allerdings befürchtet die Opposition, dass sich diese Zahl noch erhöhen könnte. Alle beteiligten Staaten zusammen sollen insgesamt Kreditgarantien über 750 Milliarden Euro aufbringen. Wenn andere Länder aber nicht zahlten, werde der deutsche Beitrag weiter steigen, sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Oppermann. Er warf Bundeskanzlerin Merkel vor, das wahre Ausmaß der Krise verschleiert zu haben. Bei Wirtschaftsexperten stößt das Rettungsprogramm auf Kritik.Der Wirtschaftsweise Schmidt sagte der 'Bild'-Zeitung, es passiere nun das Gegenteil von dem, was Deutschland sich bei der Einführung des Euro unter stabiler Währungspolitik und einer unabhängigen Notenbank vorgestellt habe. Der Präsident des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung warf den Regierungen vor, sie hätten sich nur Zeit gekauft. Bundesbankpräsident Weber kritisierte den Ankauf von Staatsanleihen durch die Europäische Zentralbank. Dies berge erhebliche stabilitätspolitische Risiken, sagte er der 'Börsen-Zeitung'."

Aus den Morgennachrichten des Deutschlandfunks

So geht Europa also unter. Unsere armen Kinder. Vermutlich sollte alles noch einmal neu beginnen. Alle zurück an den Start, aber das geht eben nur im Spiel. Neustart des Programms, so einfach wäre das am Computer. Der Ruf nach einem allgemeinen Schuldenerlass wurde bislang immer nur für Staaten der früher so genannten "Dritten Welt" laut. Inzwischen täte ein solcher Schuldenerlass auch der Euro-Zone gut, wenigstens in ihrem südlichen Abschnitt. Kinder, wie die Zeit vergeht und die Welt sich verändert! Das wahre Ausmaß dieser Krise wird von den meisten Menschen wohl gar nicht wahrgenommen. Die machen sich Sorgen um Vulkanausbrüche, fiebern der Fußball-Weltmeisterschaft entgegen oder fragen sich ganz schlicht, wie sie die nächste Stromrechnung bezahlen sollen. Es ist die alte Vogel-Strauß-Politik: Uns wird es schon nicht treffen - oder jedenfalls nicht so schlimm. Andere werden es bezahlen müssen - vermutlich unsere Kinder und Enkel.

Montag, 29. März 2010

Erzählen über das Leben

"Oper ist erstmal mein Leben. Ganz klar. Ich glaub, dass wir mit der Oper sehr viel erzählen können über das Leben insgesamt. Das kann die Oper besser als jedes andere Genre, deshalb sollte man sich den Luxus leisten, und das ist es auch, was die Menschen begeistert."

Der Saarbrücker Operndirektor Berthold Schneider im Gespräch mit Deutschlandradio Kultur anlässlich der szenischen Uraufführung der Schubert-Oper "Sakontala".

Donnerstag, 3. Dezember 2009

Minarette

Die Mehrheit der Schweizer hat begriffen, was jeder Muslim weiß: Minarette sind kein bloßer Bauschmuck, sondern politische Symbole, sie verkörpern einen Machtanspruch. Sie dienen daher keineswegs dem Religionsfrieden, den die Schweizer auf alle Fälle wahren wollen.

Aus einem Kommentar im Deutschlandradio Berlin

Mittwoch, 19. August 2009

Immer diese modernen Erfindungen!

Die Jugendphase gehört – ebenso wie die Dampfmaschine – zu den Erfindungen der industriellen Moderne. Die Soziologie untersucht seit Jahrzehnten diese widersprüchliche und riskante Lebenszeit. In der werden die Jugendlichen zwangsweise ausgegrenzt, um sie später ins Erwachsenenleben zu integrieren.

Mittwoch, 22. Juli 2009

Deutschland, geh voran

Nordrhein-Westfalens Arbeitsminister Laumann hat Überlegungen der Bundesbank zur Erhöhung des Renteneintrittsalters kritisiert. Wer jetzt für die Rente mit 69 eintrete, erntferne sich von der Lebenswirklichkeit der Rentner, sagte Laumann der "Westdeutschen Zeitung". Es müsse zunächst darum gehen, altergerechte Arbeitsplätze für die Rente mit 67 zu schaffen, meinte der CDU-Politiker. Die Menschen dürften nicht verunsichert werden. - Die Bundesbank stellte klar, dass es sich um eine Modellrechnung und nicht um eine Forderung gehandelt habe.

DLF-Nachrichten 22.07.2009, 6 Uhr


Die Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre ist in Deutschland schon seit ein paar Jahren beschlossene Sache. Es steht nicht zu erwarten, dass eine nennenswerte Zahl von sozialversichungspflichtig Tätuigen bis zu diesem Zeitpunkt arbeitet, das faktische Renteneintrittsalter wird auch in Zukunft darunter liegen, ja, die Schere zwischen Theorie und Lebenswirklichkeit wird sich weiter öffnen. Aber die Abschläge auf theoretisch erzielbare Renten und Pensionen werden zunehmen und so zur Rettung des Systems beitragen. Nach neueren Rechnungen reicht auch 67 dazu noch lange nicht aus...
In Österreich wird eine solche Diskussion bislang nicht geführt, aber auch das österreichische Pensionskassenwesen wird über kurz oder lang ohne eine Erhöhung der realen oder fiktiven Lebensarbeitszeit zusammenbrechen.
In diesem Zusammenhang fällt mir immer wieder die deutsche Hochschulreform der 70er Jahre ein: Nach der damals in Kraft getretenen Novellierung des Dienstrechts durften Universitätsprofessoren nicht mehr bis 68 (oder länger) im aktiven Dienst bleiben, sondern wurden pflichtmäßig mit 65 in Pension geschickt, was oft und lautstark bejammert wurde. Das ist begreiflich, denn Wissenschaftler und akademische Lehrer erreichen ja oft erst weit jenseits der 50 das Maximum ihrer Leistungskraft und wirklich gut dotierte Stellen und können ihre Tätigkeit zweifellos länger ausüben als die meisten anderen Erwerbstätigen. Für Pfarrer gilt das übrigens auch. Der Gedanke, in gut dreizehn Jahren in den Ruhestand zu gehen (bzw. gehen zu müssen), mutet mich ziemlich absurd an. Bei diesem Thema alle über einen Kamm scheren zu wollen, ist nicht angemessen.

Sonntag, 12. Juli 2009

Beschließen kann man viel...

"Jetzt, wo die Älteren die Mehrheit der Wähler ausmachen, ist wahlkampfbedingt erneut an der Rente geschraubt worden. Die Rentengarantie, die das Bundeskabinett vor etwas mehr als zwei Monaten in Eile beschlossen hat und die erst den Bundestag und jetzt den Bundesrat passierte, wäre ohne den bevorstehenden Wahltermin nicht zustande gekommen. Und sie ist ein weiterer Beleg dafür, dass die große Mehrheit einer großen Koalition nicht unbedingt dazu taugt, Großes zu bewerkstelligen.Wie kann eine Regierung - die doch mit Fragen politischer Pragmatik, nicht aber mit denen der Ewigkeit befasst ist - ernsthaft glauben, sie könne die Unkürzbarkeit der Renten beschließen? Wie sich jetzt zeigt, glaubt sogar ein beträchtlicher Teil derer, die diesen Unsinn beschlossen haben, nicht daran, dass die Garantie Bestand haben wird", schreibt die WELT AM SONNTAG.

Aus der Presseschau des Deutschlandfunks (12.07.2009)

Dienstag, 16. Juni 2009

Multireligiosität

"Ich persönlich habe meine geistige Heimat in einer evangelischen Gemeinde gefunden und überlege seit einiger Zeit dort einzutreten, bin aber offiziell auch in einem Sufi - Orden und ich fühle mich auch der Yogatradition ganz verbunden, das ist auch mein Lebensweg."

"Wir stehen auf, in der Früh begibt sich jeder in einen anderen Raum. Und jeder macht seine Übungen. Anthony macht seine Yoga Übungen, Pranayama. Ich beginne aber mit Sufi Meditationen, mit Sufi Mantren stimme ich mich auf mich ein und auf den Tag ein. Und dann beginne ich mit meinen Yogaübungen. Dann treffen wir uns um 9 Uhr zum gemeinsamen Frühstück und bevor wir frühstücken, beten wir gemeinsam und lesen aus der Bibel, sprechen dann ein bisschen darüber beim Frühstück. Und in den Yogastunden kommt genau dann das durch, was wir für uns auch Tagesthema war in den Schriften, in der eigenen Erfahrung und das lassen wir mit einfließen."

Eingangsstatements einer Frau in der Sendung "Ich bin multireligiös." Religionskomponisten schöpfen aus verschiedenen Brunnen, wdr5, 11.06.2009 Uhr.

Die Sendung kann man hier auch nachhören.

Ist das der Anfang der Zukunft der Religionen in einer globalisierten Welt? Oder ist eine solche religionsübergreifende Sicht, die vor allem aus den mystischen Traditionen schöpft, immer nur etwas für wenige?

Hier geht es nicht um Stationen auf dem spirituellen Weg, sondern um Gleichzeitigkeit. In den Lebensläufen nicht weniger Menschen findet sich heute das Ausprobieren verschiedener religiöser Angebote. Die Menschen aber, die in dieser Sendung zu Wort kommen, haben für sich eine Synthese gefunden.

Das setzt eine bestimmte Weite des Horizonts und des Herzens voraus, vor allem auch eine tiefe und lebendige Spiritualität. Mit esoterischer Praxis, die ja auch mancherlei aus verschiedensten Traditionen zueinanderfügt, ist das durchaus zu vergleichen. Die Übergänge sind fließend, aber in der Esoterik werden oft bestimmte Ergebnisse, rasche Erfolge, schnelle Besserungen der Lebenssituation gesucht - und vor allem wird dabei viel Geld ausgegeben bzw. verdient. Multireligiosität, wie sie in dieser Sendung aufscheint, sucht die tiefere, mystische Wahrheit in den Religionen, nicht die schnelle magische Lösung.

Sonntag, 14. Juni 2009

Buch oder Download

Die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands hat in der Broschüre "Stay wild statt burn out - Leben im Gleichgewicht" erarbeitet, wie man sich davor schützen kann. Das Buch will sensibilisieren und Grenzen der eigenen Kraft vor Augen führen, um Überforderung abzuwenden.

(...)

Der Partner fühlt sich oft genauso hilflos neben dem Burn-Out-Opfer. Denn Appelle, mehr Pausen zu machen oder weniger zu arbeiten, helfen einfach nicht weiter. Forderungen verstärken nur noch mehr das schlechte Gewissen, sagt Pastor Lothar Mischke. Es wächst zu einem Schuldgefühl heran. Auch mit professioneller Hilfe braucht es dann Zeit, neue Einsichten zu gewinnen und neue Erfahrungen damit zu machen. Im Buch wird die biblische Geschichte von Elia erzählt und gedeutet. Der Prophet kam in eine tiefe Krise, nachdem er ein Gemetzel unter den Gläubigen des konkurrierenden Baal-Kultes angerichtet hatte. Erschöpft und sinnentleert ging er in die Wüste und wollte sterben. Nach der biblischen Erzählung schickte ihm Gott einen Engel, er ihn versorgte und später offenbarte sich ihm Gott. Elias Krise hat Ähnlichkeit mit dem Erschöpfungssyndrom des Burn-Out.

Lothar Mischke [Pfarrer der braunschweigischen Landeskirche und Pastoralpsychologe]: "Die Krise signalisiert den Punkt, wo es dann entweder schlechter wird oder wieder zum Guten kommt. Das heißt, dass sich am Krisenpunkt möglicherweise etwas in mir verändert und mir neue Stärkung von Lebensgewissheit gibt. Und das ist in diesem Falle geschehen. Aber man muss wirklich erstmal zur Ruhe kommen. Der Elia war so am Ende, dass er ja gesagt hat: Ich will nicht mehr! Das heißt, ich will sterben. Ich bin absolut müde. Und es braucht die Zeit zur Regeneration und auch neue Lebensideen oder neue Bilder von sich - dass er eben nicht der ist, der nur dazu da ist, mit Schwert und Power durch diese Welt zu gehen und für seinen Gott zu kämpfen. Das ist überhaupt nicht nötig. Das will dieser Gott gar nicht."

So halfen Elia nicht Forderungen aus der Krise, sagt der Pastoralpsychologe Mischke, sondern eine fürsorgliche Zuwendung Gottes.

Lothar Mischke: "Aber was auch dazu gehört, ist, dass ich mich nicht nur über die Leistung definiere, sondern dass ich darum weiß, die evangelische Theologie betont die Würde des Menschen unabhängig von seiner Leistung. Und das ist ja ein großer Schatz, dem man sich da auch nähern kann."

Susanne Breit Keßler, Norbert Dennerlein: Stay wild statt burn out - Leben im Gleichgewicht
Gütersloher Verlagshaus
124 Seiten, 6,95 Euro
Burn-Out-Broschüre - Kostenloser Download


Aus einer Information von Deutschlandradio Kultur (die Sendung lief am 13. Juni 2009, 16.05 Uhr).

Sicher eine gute Sache, diese Broschüre, keine Frage. Bemerkenswert finde ich die Bezugsmöglichkeiten: Ein Büchlein um fast 7 Euro - oder ein kostenloser Download. Bei kirchlichen Publikationen ist mir diese Alternative schon einige Male aufgefallen: Großzügig (wie die Kirche ja nun einmal sein soll), aber nicht zu verallgemeinern. Wenn das alle so machten, dann stünde das Ende des Gutenbergzeitalters wohl unmittelbar bevor.

Dienstag, 9. Juni 2009

Heiß

Der bislang heißeste Tag des Jahres soll heute kommen, bis zu 30 °C sind angekündigt. Da ist es ja gut zu wissen, dass die Alte Donau an Wasserqualität dem Mondsee nicht nachsteht, wie das Radio heute meldet.

Samstag, 6. Juni 2009

Vom Verschwinden und Wegsein

Am 30. Dezember 2006 wollte Sabine L. den Morgen mit einem Bad im Whirlpool beginnen. Sie befand sich an Bord der "Queen Elizabeth 2", irgendwo vor der Küste Madeiras. Ihr Mann schlief noch in der Kabine, als sich die 62-jährige Hamburgerin auf den Weg machte. Was dann geschah, ist unbekannt. Sabine L. ist seitdem spurlos verschwunden, wie etwa 100.000 andere Menschen auch, die jährlich allein in Deutschland als vermisst gemeldet werden. Verwandte, Freunde und Bekannte bleiben ratlos zurück. 

Viele stellen sich schon zu Lebzeiten die Frage: Was passiert mit uns, wenn wir verschwunden sind aus unserem bisherigen Leben oder gar ganz weg sind von dieser Welt? Schon immer hat die Menschen diese Ungewissheit verstört, Hoffnungen genährt, Ängste geschürt und Phantasien beflügelt. Menschen, die einen Herzstillstand erlitten haben, berichten nach erfolgreicher Wiederbelebung von einem hellen Licht am Ende des Tunnels. 

Wissenschaftler beschäftigen sich mit sogenannten Nahtod-Erfahrungen, Esoteriker sind vermeintlichen Stimmen aus dem Jenseits auf der Spur, und Kriminalisten kritisieren das Versagen von Politik und Staat, wenn es keine Erklärung für ein Verschwinden gibt, so wie im Fall von Sabine L.


Ankündigung der Sendung Da wo du bist, ist nichts. Vom Verschwinden und Verschwundenbleiben von Wolf Eismann (Deutschlandfunk, 14.06.2009, 20:05 Uhr)

Welche Linie?

Das Wetter: Ausbreitung eines teils kräftigen Regens von Südwestdeutschland nach Norden und Osten, der bis zum Abend eine Linie vom Münsterland bis zum Oderbruch erreicht.

Aus dem Wetterbericht des Deutschlandfunks. Da werden ja fortgeschrittene Geografiekenntnisse vorausgesetzt. Ich frage mich, ob irgend einer meiner früheren Schüler in Deutschland diese Linie ziehen könnte... Der werbefreie Deutschlandfunk ist eben ein intellektueller Sender.

Samstag, 9. Mai 2009

Topografisches

"Einen Tag nach seinem Besuch in Ägypten wird der US-Präsident in Dresden erwartet, wo er die Gedenkstätte Buchenwald bei Weimar besichtigen will."

DLF-Nachrichten, 9. Mai 2009, 12 Uhr

So richtig sicher mit der Geografie ist man sich auch in den Nachrichtenredaktionen nicht mehr. Oder ist es die amerikanische Perspektive? Über den Ozean geschaut, mag Weimar ja wie ein Vorort von Dresden erscheinen...

Dienstag, 24. Februar 2009

Nicht wirklich eine Neuigkeit

Der Grünen-Vorsitzende Özdemir sieht in antisemitischen Tendenzen bei Muslimen in Deutschland ein Problem. Die Vertreter der muslimischen Verbände müssten klare Kante zeigen, sagte Özdemir der "Frankfurter Rundschau". Wer sich gegen Juden und das Existenzrecht Israels stelle, der könne nicht Bündnis- oder Gesprächspartner sein. Man müsse leider zur Kenntnis nehmen, dass es antisemitische Denkweisen nicht nur am rechten Rand oder bei linken sogenannten Anti-Imperialisten gebe, sondern auch in der muslimischen Gemeinschaft. Dies gelte insbesondere bei männlichen arabischen, türkischen und kurdischen Jugendlichen, erklärte der Grünen-Politiker.

DLF-Nachrichten 23.02.2009, 6 Uhr

Und Vögel können fliegen, und Regenwürmer kriechen. 
Was für eine Neuigkeit! 
Der Nachrichtenwert besteht nur darin, dass ein aus der Türkei stammender prominenter deutscher Politiker es öffentlich ausspricht, was jeder weiß, was auf hunderten von Internetseiten nachzulesen ist. 
Das Witzigste am Text dieser Radiomeldung ist noch der Ausdruck "klare Kante zeigen" - vermutlich sollte "Flagge zeigen" vermieden werden.

Mittwoch, 10. Dezember 2008

Ritalin für alle?

Schätzungen zufolge setzt rund ein Fünftel aller Wissenschaftler Medikamente zur Steigerung der eigenen geistigen Leistungsfähigkeit ein. In anderen Berufsgruppen sieht das vermutlich ähnlich aus. Ein Kommentar im britischen Fachblatt "Nature" fordert nun die Freigabe solcher Substanzen. Die Wissenschaftsjournalistin Kristin Raabe bewertet die Forderung im Gespräch mit Monika Seynsche.

Seynsche:
Frau Raabe, was sind das denn für Leute, die da diese Forderung stellen?

Raabe: Ja, das ist eine Gruppe von amerikanischen und britischen Autoren aus den Fachbereichen Jura, Hirnforschung, Philosophie. Und allesamt arbeiten an führenden Forschungseinrichtungen. Und deswegen muss man dem, was die sagen, durchaus auch Gehör schenken. Sie fordern zumindest eine Diskussion, nicht notwendigerweise eine generelle Freigabe von Wirkstoffen, aber eine Diskussion über die Freigabe von Substanzen, die die kognitive Leistungsfähigkeit erhöhen. Das sind insbesondere die Wirkstoffe Methylphenidat, das ist eher bekannt unter dem Handelsnamen Ritalin, wird bei hyperaktiven Kindern vor allem verschrieben, fällt unter das Betäubungsmittelgesetz derzeit. Ein anderer Wirkstoff ist Modaphenil, das wird bei jet lag auch mal verschrieben oder auch bei Narkolepsie. Ich möchte vielleicht einmal etwas zitieren aus diesem Artikel, damit man so ein bisschen die Argumentation versteht. Da sagen die die Autoren:

"Diese Wirkstoffe sollten in dieselbe Kategorie eingeordnet werden wie Bildung, ein gesundes Leben und Informationstechnologien. Denn das alles sind Methoden, mit denen unsere innovative Spezies versucht, sich selbst zu verbessern."

Also deren Argumentation geht eben dahin, es gibt nicht wirklich einen Unterschied zwischen pharmazeutischen Wirkstoffen, die unsere Konzentrationsfähigkeit, unsere Denkfähigkeit verbessern und anderen Methoden. Denn wenn ich vorher Joggen gegangen bin, kann ich mich beim Vokabeln lernen hinterher dann auch besser konzentrieren. Eine gesunde Ernährungsweise wirkt auch ähnlich. Und all diese Maßnahmen bewirken letztendlich Veränderungen in unserem Gehirn, die ganz ähnlich den Änderungen sind, die solche Pillen auch hervorrufen.

Seynsche: Na ja, aber wenn ich joggen gehe oder mich gesund ernähren, sind das ja durchaus natürliche Sachen, die ich mache, um mich selbst zu verbessern. Pillen schlucken, kommt mir das sehr unnatürlich vor!

Raabe: Ja, das Argument, es sei unnatürlich, ist eigentlich nicht wirklich ein Argument. Naturbelassenheit an sich ist kein Wert. Das würde jeder Ethiker und jeder Philosoph auch sofort ablehnen. Wir machen ganz viele Sachen, die unnatürlich sind. Wir färben uns die Haare, lassen unsere Zähne richten, die Segelohren operieren, wir leben in einer manipulierten Umwelt, unsere Wohnungen, unsere Straßen, unsere Kleidung, da ist einfach nichts mehr natürlich. Wenn ich sage, Naturbelassenheit ist das Gegenargument gegen den Einsatz solcher Substanzen, dann muss ich gleichzeitig aber auch unterschreiben, dass der Mensch wieder nackig in die Höhle geht. Also das ist nicht das Argument. Ein anderes Argument ist vielleicht schon eher, was auch mal wieder vorgebracht wird: Das ist doch nicht fair, so wie im Sport. Da will man ja auch nicht, dass gedopt wird. Da ist aber dann doch wieder, wenn ich einen Radrennfahrer sehe, der mit Epo gedopt hat, dann hat er einen Vorteil gegenüber denjenigen, die es nicht gemacht haben. Jetzt muss man aber sehen, es wird mit einer Regel gebrochen, und jetzt, wenn es um das brain doping geht, dann muss man sich mal anschauen, was haben wir da für Regeln. Im Moment haben wir dann nicht wirklich Regeln. Was ist beispielsweise mit dem Studenten, der vor einer Prüfung einen doppelten Espresso getrunken hat. Der hat auch schon einen ungerechten Vorteil gegenüber demjenigen, der das nicht getan hat. Oder ein Student, der sich Privatstunden bei einem kompetenten Lehrer leisten kann, aus finanziellen Gründen, das ist auch nicht gerecht. Also die Arbeitswelt, die Bildungswelt ist nicht gerecht, und wenn wir aus Gerechtigkeitsempfinden heraus den Einsatz von Pharmaka zur geistigen Leistungssteigerung verbieten wollen, müssen uns überlegen, ob wir da nicht auch andere Maßnahmen regulieren wollen.

Seynsche: Aber wie sieht es denn mit den medizinischen Risiken aus. Ich könnte mir vorstellen, so ein verschreibungspflichtiges Medikament wird ja nicht ganz ohne sein!

Raabe: Das ist die Frage. Im Moment kann man nur sagen, zum Beispiel im Bezug auf Ritalin, was jetzt seit zig Jahren, seit Jahrzehnten im Einsatz ist, sehr breit verabreicht wird, das hat nicht wirklich, nach allem was wir wissen, keine dramatischen Nebenwirkungen. Es reduziert ein bisschen den Appetit und kann zu Schlaflosigkeit führen, all das wissen wir auch vom Kaffee. Sicher ist, dass ganz viel Forschung notwendig ist in Bezug auf den Einsatz solcher Substanzen bei gesunden Menschen. Und das fordern auch die Autoren in ihrem Artikel. Dass geschaut wird, dass der Einsatz solcher Medikamente halt weiter erforscht wird und zwar nach Möglichkeit nicht nur von Naturwissenschaftlern, sondern auch von Soziologen, von Philosophen, damit man eine Basis hat, wo man den Umgang mit diesen Wirkstoffen regeln kann.

Deutschlandfunk Forschung aktuell 08.12.2008

Samstag, 25. Oktober 2008

Fragmentierte Wirklichkeit

"Der diffuse Standort, in dem man mittlerweile mithilfe der Mobiltelefone kommuniziert, ist nicht länger ein privater, sondern ein betont öffentlicher Raum. Man könnte es bezeichnen als ein 'Kontinuum der Monologe mit austauschbaren Folien'" (Mauricio Kagel). Das Handy fragmentiert die Wirklichkeit in viele kleine Gesprächseinheiten.

Kagel setzt eine Auswahl dieser polyphonen Originalton-Einheiten, die unter anderem am Flughafen Rhein-Main aufgenommen wurden, zusammen zu einer Partitur der Wirklichkeit: Es geht um Arbeit, um Liebe, um Tod, um Sport und die Weltpolitik. Es geht um den Seniorenverein und wie wer wann zu wem steht. Aber es geht auch um die Sprache an sich.

Das Mobiltelefon selbst wird zum Instrument, mit und an dem Kagel die Sprache und die Welt der Gegenwart untersucht.

Ankündigung des experimentellen Hörspiels "Erratische Blöcke" von Mauricio Kagel (DLF 28.10.2008, 20.10 Uhr) auf dradio.de.