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Montag, 7. September 2009

Konvervative Berufswünsche österreichischer Mädchen

"Frisörin, Bürokauffrau oder Einzelhandel". Das ist eine Antwort, die Eva Bauer von Mädchen auf die Frage nach ihren Berufswünschen oft bekam. Eva Bauer war zwei Jahre für den Salzburger Girls' Day tätig und arbeitete somit daran, das Auswahlspektrum an Berufen für junge Frauen und Mädchen zu vergrößern und Möglichkeiten in technischen Berufen aufzuzeigen. Mädchen ab 11 Jahren können seit 2001 an dem Aktionstag in verschiedenste technische Berufe schnuppern und so Interessen und Fähigkeiten ausloten. Der Girl´s Day findet mittlerweile österreichweit statt und wird von jedem Bundesland selbst organisiert.

Bevor Eva Bauer Ende Oktober ihre Tätigkeit als Girls' Day-Projektleiterin beendet, sprach dieStandard.at mit ihr über ihre Erfahrungen, "konservative" Jugendliche und die Auswirkungen von Initiativen wie dem Girls' Day auf den Arbeitsmarkt.

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dieStandard.at: Wie schätzen Sie den Einfluss von Initiativen wie den Girls' Day ein: Können solche Projekte eine Trendwende auf dem Arbeitsmarkt bewirken?

Eva Bauer: Derartige Initiativen haben zumindest eine Trendwende angestoßen. Dass es neben dem Girls' Day auch Projekte gibt wie MUT ("Mädchen und Technik") oder speziell in Salzburg das Projekt meet ("Mädchen entdecken EDV und Technik"), das auch ganzjährig durchgeführt wird, werte ich als positives Signal und dass die Notwendigkeit geschlechtersensibler Berufsorientierung erkannt wird. Aber von einer generellen Trendwende kann man noch nicht sprechen, dazu müssten die Initiativen noch verstärkt und ausgebaut werden.

dieStandard.at: Ist Ihrer Erfahrung nach den Mädchen bewusst, dass sie in einem "typischen Frauenberuf" schlechtere Verdienstmöglichkeiten haben?

Eva Bauer: Gute Verdienstmöglichkeiten stehen bei den Mädchen nicht im Vordergrund. Sie wählen in erster Linie nach ihren Fähigkeiten und Interessen aus, die von den Mädchen oft als eingeschränkter wahrgenommen werden als sie es tatsächlich sind. Geprägt von den stark vorhandenen Rollenbildern ist für viele zumindest die Richtung, die sie einschlagen wollen, schon sehr früh klar. Die Palette an Lehrberufen, aus denen die Mädchen dann wählen, kommt aus einem sehr eingeschränkten Spektrum, in dem man niedrigere Gehälter bezieht, wie etwa im Sozialbereich, im Einzelhandel oder als Bürokauffrau und Frisörin. So etwas stellen sich die meisten Mädchen für sich vor. Wenn man sie allerdings fragt, was sie beispielsweise in ihrer Freizeit machen, kommt dann schon "ich spiele sehr gern Computer". Auf die Frage, ob sie sich vorstellen können, einen EDV-Beruf zu ergreifen, kommt dann aber: "Nein, das kann ich nicht." Es kostet viel Mühe, die Mädchen zu überzeugen, dass sie bei der Berufswahl eben jene persönlichen Interessen berücksichtigen sollten.

dieStandard.at: Was den Verdienst anbelangt: Sehen sich die Mädchen manchmal schon in der Rolle der "Zweitverdienerin" oder "Zuverdienerin"?

Eva Bauer: Ja, die Vorbereitung auf die spätere Rolle der Mutter spielt sicher eine Rolle. Die Burschen beeinflusst wiederum die Vorstellung, später mal eine Familie erhalten zu müssen.

dieStandard.at: Sind die Jugendlichen tatsächlich so konservativ?

Eva Bauer: Ja, was die Berufswahl betrifft, sind sie sehr konservativ. Es ist ja auch eine Tatsache, dass viele Eltern nach wie vor mit sehr traditionellen Rollenverteilungen leben und Frauen nur geringfügig oder Teilzeit arbeiten. Dass es umgekehrt ist, wird noch immer als Ausnahme wahrgenommen. Auch Heirat und Kinder bekommen hat einen großen Stellenwert. Es ist natürlich begrüßenswert, dass sich die Mädchen mit Familienplanung beschäftigen, allerdings werden dabei Beruf und Verdienstmöglichkeiten wenig berücksichtigt und so werden bei der Berufswahl auch meist nur die Klassiker Einzelhandel, Gastronomie oder Büro in Betracht gezogen.

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dieStandard.at: Wo sehen sie Möglichkeiten, den Girls' Day noch zu verbessern?

Eva Bauer: Initiativen wie der Girl´s Day oder auch FIT ("Frauen in die Technik") sind auf eine Ausweitung des Spektrums der Berufswahl und Chancengleichheit ausgerichtet. Was aber derzeit noch ausgeklammert wird, ist, dass auch Mädchen mit Beeinträchtigungen technische Berufe ergreifen möchten. Diese Mädchen werden meiner Meinung nach noch nicht ausreichend angesprochen. Wenn man Firmen etwa fragt, ob sie barrierefrei sind, wird oft schnell nein gesagt, weil davon ausgegangen wird, dass damit eine Rollstuhlrampe gemeint ist. Dass aber auch Mädchen in einen Betrieb kommen könnten, die beispielsweise eine Sehbeeinträchtigung haben, daran wird nicht gedacht. Dadurch werden Mädchen mit Beeinträchtigungen ziemlich ausgeschlossen. Viele wissen auch beispielsweise gar nicht, dass beeinträchtigten Personen ArbeitsplatzassistenInnen zur Seite gestellt werden können, die von den Bundessozialämtern finanziert werden. Für den Raum Salzburg ist 2007 eine Studie erschienen, die diese Problematik sehr gut aufzeigt und auch eine Reihe von Maßnahmen vorschlägt. Der Girl´s Day könnte eine gute Möglichkeit sein, dahingehend einiges zu verbessern.

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ieStandard.at: Hören Sie öfters den Einwand, dass mit Projekten wie dem Girl´s Day Burschen diskriminiert werden?

Eva Bauer: Ja, sehr oft. Für Außenstehende ist oft nicht klar, dass es überhaupt nicht darum geht, Burschen aus Berufen zu verdrängen. Es geht darum, junge Frauen überhaupt mal auf bestimmte Berufe aufmerksam zu machen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Mädchen zwar Interesse an dem einen oder anderen technischen Beruf haben, sich aber schlichtweg nicht trauen, um einen Schnupperplatz anzufragen. Für so etwas ist der Girls' Day sehr hilfreich, sie müssen selbst nicht anrufen und können das alles über uns machen. Vor kurzem erst ist es erst passiert, dass ein Mädchen bei einer Autowerkstätte angerufen hat, wo ihr gesagt wurde, dass sie generell keine Mädchen aufnehmen. Natürlich ruft dieses Mädchen als nächstes in einem Büro an. Der Zugang ist einfach nicht derselbe, den Burschen haben. (Die Fragen stellte Beate Hausbichler, dieStandard.at, 6.9.2009)

Meine Erfahrungen bestätigen diese Einschätzung völlig. Österreich ist nach wie vor ein konservatives Land, die Ideale und Lebensvorstellungen der Jugendlichen hier sind sehr viel traditioneller als etwa in Deutschland.


Den Machos keinen Meter - in Finnland

Testosteron-Überschuss oder völlig verunglückte Ironie - eine plausible Erklärung für seine Entgleisung hatte der Verkaufschef von Audi Finnland, Esko Kiesi, am Ende selbst nicht. "Meine undurchdachten Äußerungen und der Schaden, den ich angerichtet habe, tun mir leid", teilte Kiesi in einer öffentlichen Erklärung mit. Sein Versuch, die Macho-Sprüche als lustigen Unernst hinzustellen, hatten zuvor die Empörung noch angeheizt.

Stein des Anstoßes war ein Interview in einer Sondernummer der finnischen Frauenzeitschrift "Anna", in dem Kiesi munter drauflos geplappert hatte: Der Spruch "Technische Jobs können Frauen ohne die Hilfe eines Mannes ohnehin nicht bewältigen" war dabei eine der moderaten Aussagen. Doch damit ließ es Kiesi nicht bewenden. "Das Aussehen eines Autos hängt stark von den Rädern und der Aufhängung ab. Bei einer Frau sind es die Schuhe", erklärte der Audi-Manager den verdutzten Journalistinnen.

Der Manager gab auch seine Überzeugung zum Besten, dass eine Frau ihre Form verliere, "wenn die Absätze unter sieben Zentimetern" seien. Und die Qualität einer Beziehung zwischen Frau und Mann lässt sich laut Kiesi leicht ermitteln: "Weigert sich eine Frau, zu bügeln und sauberzumachen, wird der Beziehung bald die Luft ausgehen."

Auch sonst scheint der Manager eher vom alten Schlag zu sein. Das Portal Finnland on Line zitierte ihn mit der Aussage, ein Frauenratgeber von 1948 liefere die einzig wahre Antwort darauf, welches das perfekte Alter einer Frau sei: das Alter des Mannes geteilt durch zwei plus sieben. "Eine geeignete Frau für Kiesi, der 59 Jahre alt ist, wäre demnach 36 bis 37 Jahre alt", rechnet das Portal süffisant vor.

Audi geht auf Distanz

Dass dann nach Kiesis Auffassung Frauen wegen ihrer zu starken Emotionalität nicht für Führungspositionen geeignet seien, war schließlich der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte: Ein Sturm der Entrüstung brach los, vor allem im Internet schäumten Leserinnen und Leser ob des "Chauvinismus".

Am Donnerstag schließlich beugte sich Kiesi dem öffentlichen Druck und gab seinen Posten auf. Ein Audi-Sprecher bemühte sich, die Distanz klarzustellen: Solche Aussagen spiegelten ganz und gar nicht das Verhältnis des Herstellers zu Frauen wieder und seien eine persönliche Meinung von Herrn Kiesi. Audi Finnland ist ein eigenständiger Importeur, der nicht zum Ingolstädter Konzern, sondern zur VW-Gruppe gehört.

Ob sein Rücktritt ganz freiwillig oder mit Nachhilfe der obersten Spitze der VW-Tochter erfolgte, wurde nicht bekannt. Pekka Lahti, Chef von VW-Auto, erklärte nur, dass die Äußerungen von Kiesi dem Ansehen der Marke Audi geschadet haben. Auch Kultusminister Stefan Wallin kommentierte den Rücktritt mit Genugtuung: "Das zeigt, dass so etwas in Finnland nicht länger toleriert wird."

spiegel.de

Hätten solche Äußerungen in Mitteleuropa eigentlich ähnliche Konsequenzen?

Mittwoch, 19. August 2009

Gendergerechter Kindergarten

Ein Spielzeug sorgt für kurze Irritation: "Das hat ein Kind mitgebracht. Aber das ist ja in Ordnung" , rechtfertigt eine Kindergärtnerin das Corpus Delicti. Das kleine Einhorn aus Plastik steht am Fensterbrett, mit wallender Mähne - und vor allem ganz in Rosa. Es ist ein Fremdkörper in dieser Umgebung, in einem der wenigen öffentlich-städtischen Kindergärten, die ganz auf genderbewusste Pädagogik ausgerichtet sind.

Seit die Ergebnisse der jüngsten Aufnahmetests für angehende Medizinstudenten bekanntgegeben wurden, wird wieder über festgefahrene Rollenbilder debattiert: Denn die Tests haben gezeigt, dass deutlich mehr Frauen zu dieser Prüfung antreten, aber proportional auffallend viele weibliche Bewerberinnen scheitern. Zu viele. Rufe nach Quoten werden laut. Ein Erklärungsversuch: Mädchen würden in der Schule in den Naturwissenschaften zu wenig gefördert.

"Das wird aber schon im Kindergarten begründet" , ist sich Inge Kugler, Leiterin dieser kleinen städtischen Betreuungseinrichtung, sicher.

Von der Straße aus ist ihr Kindergarten kaum zu sehen. Ein flacher Bau, völlig umschlossen vom Max-Opravil-Hof, einem Gemeindebau in Wien-Meidling. Außen endlos scheinende Häuserfluchten, innen ein kleines Haus mit großem Garten, ein richtiges Kinderparadies. Es ist der einzig öffentliche Kindergarten dieser Art in der Bundeshauptstadt: Erstmals wurde - beim Umbau 2005 - auch baulich versucht, die Handlungsspielräume für Jungs und Mädels zu erweitern.

Die Wände sind neutral gehalten, Türkis und Gelb sind die Farben, die herausstechen. Und das Glas, das die Räume durchlässig erscheinen lässt. Derzeit gibt es drei Kindergartengruppen mit Drei- bis Sechsjährigen und eine Krippe für die ganz Kleinen. Es sind viele Migrantenkinder hier, viele aus armen Haushalten. Probleme mit dem Bildungskonzept gebe es nicht, versichert Kugler. "Das hat mich anfangs auch gewundert. Ich war vorher in Wien-Liesing, da gab es schon Väter, die sagten: Mein Bub backt keinen Kuchen!" Hier stechen auch die türkischen Papas (manchmal) Kekse aus - die Mütter oder Großmütter werken dafür mit der Laubsäge. Was nicht zu finden ist: Puppen- wie Bauecken.

Dafür gibt es Bücher, in denen etwa die beschriebenen Berufsbilder nicht Stereotypen (Feuerwehr-Mann, Haus-Frau) entsprechen. Eine Werkbank steht für alle Kinder bereit, und es kann mit Playmobilfiguren gespielt werden, "die auch umbenannt werden können" (Kugler), wenn das Geschlecht gerade nicht passt. "Wir bieten nicht nur den Buben an, dass sie etwas nähen können, wir begleiten und ermutigen sie dazu" , beschreibt die Kindergartenleiterin das pädagogische Konzept an einem Beispiel. Es gehe darum, "unabhängig vom Geschlecht Stärken und Interessen zu fördern und das Selbstbewusstsein zu steigern" , heißt es in den Zielen der geschlechtssensiblen Pädagogik. "Nur so kann ein Mädchen später auch den Wunsch haben, Technikerin zu werden, oder ein Bub Säuglingspfleger" , glaubt Kugler.

Ein Herzenswunsch blieb Inge Kugler und ihren Kolleginnen bisher allerdings verwehrt: männliche Kollegen. Ein fehlendes Stück Gendergerechtigkeit vor Ort sozusagen.

standard.at (Druckausgabe vom 17.08.2009)

Spannend und wichtig wäre eine wissenschaftliche Begleitung der weiteren Bildunslebensläufe der Kinder eines solchen Kindergartens.