Posts mit dem Label Fernsehen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Fernsehen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 11. September 2009

Schräg, fromm und frei - Ein Film in der ARD

Matthias Vernaldi leidet von Geburt an an Muskelschwund und ist auf den Rollstuhl angewiesen. 1978 gründeten er und nicht behinderte Freunde eine Landkommune im thüringischen Hartroda. Kennengelernt hatten sie sich in einer sozialdiakonischen Einrichtung. Nach Beendigung der 10. Klasse gab es für die Behinderten zwei Alternativen - zurück ins Elternhaus oder in ein Altenheim. Beides wollten sie nicht. Sie wollten frei und selbst bestimmt leben. So entstand die Idee einer christlichen Bruderschaft. Die evangelische Kirche unterstützte sie und stellte das verlassene Pfarrgehöft in Hartroda zur Verfügung. In der Ostthüringer Agrarsteppe fanden sie einen Ort, den sie mit ihren Ideen füllen konnten. Sie wollten wirklich fromm leben. Doch die Lebensrealität war stärker. Hartroda entwickelte sich von einer Hippie- zur Punk-Kommune. Die Kommunarden engagierten sich in der Umwelt- und Friedensbewegung. Matthias Vernaldi lebt heute in Berlin. Der Film begleitet ihn in die Vergangenheit. Diese findet sich in der MfS-Akte "Parasit" minuziös wieder. Die Staatssicherheit bezeichnet die jungen Leute als "Ausputzertruppe", denen man lieber "ein Ende mit Schrecken" als "Schrecken ohne Ende" bereiten sollte. Zwei Oberkirchenräte und der Hausarzt der Kommune waren Zuträger der Staatssicherheit - und auch der Mitbewohner Bertram. Doch er hielt dies nicht lange aus und offenbarte sich Matthias Vernaldi noch vor 1989. Auch Matthias' Schwestern Maria, ebenfalls an Muskelschwund erkrankt, und Claudia zogen in den 80er Jahren nach Hartroda. Die Eltern unterstützten die Freiheitssuche der Kinder. Ihr tiefer christlicher Glauben ließ sie einen Umgang mit ihren Existenzängsten finden. Claudias Familie lebt heute auf dem eigenen Bauernhof in Mecklenburg. Schon in Hartroda bewirtschaftete sie den Hof und trug so zur Versorgung der Kommune bei. Das Lebensmodell Hartroda basierte auf gemeinschaftlichem Eigentum. Die Renten der Behinderten finanzierten die nicht behinderten Pfleger mit. Die Kommunarden von Hartroda waren "Schräg, fromm und frei". Ihr Lebensentwurf, geprägt vom christlichen Glauben, gab den Beteiligten Lebenskraft. In der geistigen Enge der DDR bedeutete das viel: einen Freiraum für selbstbestimmtes Leben.

Schräg, fromm und frei! - Die Kommunarden von Hartroda. Reportage von Tom Franke in der Reihe "Gott und die Welt" am Sonntag, 13. September 2009 um 17.30 Uhr.


Sonntag, 23. August 2009

Großartige Aussichten

"Wer war ich? Reise in ein früheres Leben", hieß ein aufsehenerregendes Format, in dem vox vor über fünf Jahren erstmals Trance-Reisen in die Vergangenheit zum Gegenstand einer Dokureihe machte. Ein hochemotionaler Reality-Thriller mit einem Hauch Mystik und Esoterik-Elementen - das muss doch immer noch trendy sein, glaubt man bei RTL und nimmt unter dem Titel "Mein erstes Leben - Mich hat es schon einmal gegeben" nun ein zunächst einmaliges Spin-Off ins Programm.

Bild vergrößern
Katja Burkard begleitet zwei Menschen auf einer "inneren Reise".
Bild von: RTL
Wieder mit dabei: Ursula Demarmels, eine international anerkannte Schweizer Rückführungstherapeutin, die schon mal einen coolen Top-Manager dazu brachte, sein soziales Gewissen zu entdecken und dieses fortan als Leiter eines Kinderheimes auszuleben - nachdem er unter Hypnose sich selbst als bettelarme afrikanische Mutter begegnet war. Für RTL begleitet nun "Punkt 12"-Moderatorin Katja Burkard "ganz normale Menschen" bei ihrer Rückführung in ein früheres Leben.

Gesucht wird die Antwort auf eine der komplexesten Fragen überhaupt: Gibt es die Wiedergeburt wirklich? Man kriegt zwar durchaus Gänsehaut, aber wirklich schlauer ist man am Ende nicht. Denn könnte es nicht einfach so sein, dass das Unterbewusstsein einem, etwa wie in einem Traum, einen Streich spielt? Könnte wohl. Andererseits: Warum belegen dann die Experten und Historiker, die Katja Burkhard zurate zieht, dass der geschichtliche Hintergrund der geschilderten Rückführungserlebnisse absolut realistisch ist?

Begleitet werden zwei "Probanten": Die 28-jährige Innenarchitektin Anne Zeughardt aus Köln erzählt während der Hypnose von ihrem Leben als Burgfräulein in der Mitte des 16. Jahrhunderts auf einer Ritterburg im Elsass. Nach, so RTL, "intensiver Recherche" erweisen sich die räumlichen Details als korrekt, obwohl Anne noch nie im Elsass gewesen sein will. Und, diesen emotionalen Show-down kennt man schon aus den vox-Dokus, vor Ort kommt es zu einer emotionalen Begegnung mit Annes erstem Leben. RTL beteuert, die junge Frau habe bislang "mit Esoterik oder dergleichen wenig im Sinn" gehabt. "Reines Interesse und der Tod ihres Großvaters" seien ihre Beweggründe gewesen, sich in Trance versetzen zu lassen.

Der 46-jährige Verkaufsleiter Bodo Uffelmann berichtet in Trance von seinem Leben als einfacher Bauernsohn Anfang des 19. Jahrhunderts. Auf dem Weg von Deutschland nach Italien verliert er bei einem Unfall ein Bein und wird von Kapuzinermönchen in einem Kloster in den Abruzzen aufgenommen. Von einem alten Mann lernt er das Mandolinespielen und verdient von nun an seinen Lebensunterhalt mit dem Anfertigen von Gehhilfen und Spazierstöcken.

"Durch spezielle Trance-Techniken und mithilfe hoher Lichtführer aus der spirituellen Welt führe ich Sie sanft in tiefe Entspannung und begleite Sie auf Ihrer inneren Reise in frühere Leben und in die lichtvolle, faszinierende Welt Ihrer unsterblichen Seele. Ihre Eindrücke und Erlebnisse teilen Sie mir gleichzeitig verbal mit, und diese werden zu Ihrem späteren Gebrauch aufgezeichnet", verrät Ursula Demarmels auf der Internetseite "transwelten.de" auf die Frage, wie solche Rückführungen überhaupt ablaufen. Was diese spirituellen Worte wirklich bedeuten, weiß wohl erst, wers selbst erlebt hat.

"Kann es wirklich wahr sein, dass Menschen von einem früheren Leben berichten?", fragt RTL. Die Frage ist aber womöglich eher: Will man wirklich wissen, was man vor 400 Jahren angestellt hat? Trance-Rückführungen in die eigene Vergangenheit mögen gewiss dem einen oder anderen Aufschluss über die eigenen Talente und Neigungen geben, aber unter Umständen kann genau dies wohl auch fatale Folgen haben: Es sollen etwa schon Beziehungen zerbrochen sein, nachdem brave Ehefrauen, die sich unter Hypnose als chinesischer Seefahrer und Eroberer im 9. Jahrhundert wiedergefunden hatten, in ihrer Wanderlust bestärkt in die Welt hinauszogen ... Andererseits klingt Ursula Demarmels Einladung allzu verlockend: "Sich selber seiner wunderbaren Einzigartigkeit als unsterbliche Seele bewusst zu werden, ist ein bewegendes Ereignis, welches Ihr ganzes Leben positiv beeinflussen und verändern kann." Keine Angst mehr vor dem Tod - eine großartige Aussicht.

Freitag, 14. August 2009

Meistens

Gebäude sollten aufrecht stehen. Und das tun sie meistens auch.

Aus der Dokumentation „Tödliche Architektur“ auf n-tv.

Montag, 15. Juni 2009

Frage und Antwort

Nach der Osterweiterung sollen weitere Staaten wie Kroatien aufgenommen werden, andere Staaten aus Südosteuropa oder die Türkei wollen ebenfalls beitreten. Spiegelt diese Erweiterung noch den ursprünglichen Gründungsgedanken der EU wider?

Gegenfrage: Gab es denn den einen Gründungsgedanken? War der in Frankreich oder Luxemburg derselbe wie in Deutschland? Von Beginn an war klar, dass alle europäischen Länder, die sich zu Demokratie und Marktwirtschaft bekennen und im übrigen eine lange Reihe konkreter Kriterien erfüllen müssen, der EU (früher der EWG) beitreten konnten. Von Beginn an diente Europa auch der Stabilisierung junger Demokratien (das fing übrigens mit Deutschland an, ging dann weiter mit Spanien, Portugal und Griechenland und schließlich mit den Staaten des ehemaligen Ostblocks).

Trotzdem verstehe ich die Frage: Am Beginn der europäischen Zusammenarbeit stand überall die Absicht, aus Feindschaft Freundschaft zu machen und das eigene Wohl nicht auf Kosten der Nachbarn zu suchen, sondern auf dem Umweg über das gemeinsame Wohl. Dieser Geist ist uns in der größer gewordenen EU teilweise abhanden gekommen.

Mich stört, dass diese Frage aber erst am Beispiel der Türkei diskutiert wird - ausgerechnet dem Land, dem schon Konrad Adenauer und Helmut Kohl den Beitritt versprochen hatten, und das immer ein treuer Freund Deutschlands und ein zuverlässiger Partner in der NATO war. Natürlich müsste sich die Türkei noch erheblich reformieren - aber davon war noch weniger zu sehen als heute, als Adenauer und Kohl ihr Versprechen gaben. Und sind wir eigentlich mit Bulgarien und Rumänien und anderen genauso streng gewesen?


Antwort des Brüsseler ARD-Korrespondenten Rolf-Dieter Kraus auf eine Nutzerfrage zur EU (tagesschau.de)

Da liegt ja eben das Problem, dass es von Anfang an keine klare Idee gab bei der EU, bzw. dass sich diese Idee mit jeder Erweiterung verändert hat. Die EU ist ein sich immer mehr verselbstständigender Moloch, ein zwar irgendwie funktionierendes System, das sich aber jeder vernünftigen Kontrolle entzieht. Vielleicht hat die Zahl der Mitgliedsländer und Sprachen oder die Zahl der EU-Bürger einen kritischen Wert überschritten, so dass eine sinnvolle Steuerung nicht mehr möglich ist. Großreiche bestanden immer nur eine gewisse Zeit, dann zerfielen sie wieder. Es würde mich nicht wundern, wenn es über kurz oder lang zu einem Abbröseln an der Peripherie käme.

Sonntag, 7. Juni 2009

Zum Lächeln

Schleppend und uninspiriert inszenierte Gruselgeschichte; ein zähes Potpourri aus Grusel, Aberglauben und vermeintlicher Exotik, das weitgehend auf Krassheiten verzichtet." (Lexikon des Internationalen Films). Gemeint ist der Film "Wolfsmond", der heute nacht auf 3SAT läuft. Auch renommierte Sender zeigen manchmal schwache Filme, irgendwie ist das ein trostreicher Gedanke. Also lieber früher schlafen gehen... 

Montag, 1. Juni 2009

Sorgen eines EPG

Leider dürfen wir derzeit keine Detailinformationen zu den Programmen einiger privater TV-Sender anzeigen. Konkret betroffen sind die folgenden acht deutschen Sender: ProSiebenSat.1kabel einsRTLRTL IISuper RTLVOXDSF.

Diese Sender haben über die VG Media in erster Instanz eine Unterlassung erwirkt, die uns die Darstellung von Bildmaterial und Detailtexten mit exklusiven Rechten der klagenden Sender untersagt. Die Basisdaten wie Sendezeit, Titel und eigene Zusammenfassungen unserer redaktionellen Partner sind davon nicht betroffen.

Dieses Unterlassungsurteil ist mit einem hohen Ordnungsgeld belegt. Wir sind daher im Moment gezwungen, sämtliche Bilder und Detailtexte der betroffenen Sender zu entfernen, da wir die Programminformationen nicht direkt von den Sendern beziehen. Wir können derzeit auch keine Informationen erhalten, für welchen Teil der Bilder und Detailtexte die Sender exklusive Verbreitungsrechte haben. Eine Lösung, die dies berücksichtigt, befindet sich im Aufbau. Ausserdem prüfen wir auch diverse alternative Quellen, um die Informationstiefe sukzessive wieder zu verbessern.

Das Urteil kam für uns überraschend, da eine Klage mit quasi identischem Inhalt vor dem Oberlandesgericht Köln 2004 vollständig gegensätzlich entschieden wurde, die bis dato als juristischer Rahmen für EPGs (Elektronische Programmführer) in Deutschland galt. Die Gültigkeit des Tarifes für EPGs, den die VG Media 2008 in Kraft zu setzen versuchte, war nicht Gegenstand der Klage, dennoch wurde mit diesem Urteil bestätigt, dass die Sender lediglich für Bildmaterial und Detailtexte mit exklusiven Rechten urheberrechtlichen Schutz geltend machen können.

Soweit die Fakten; als Resultat bleibt die ärgerliche Tatsache, dass wir auf Grund der veränderten Rechtslage die Detailtiefe des EPG für acht Sender reduzieren müssen.

Wir hoffen auf Ihr Verständnis und versuchen so schnell wie möglich den Umfang des tvtv EPG im Sinne unserer Nutzer auch ohne die Unterstützung der entsprechenden acht Sender wieder herzustellen. An dieser Stelle möchten wir noch erwähnen, dass es unseren Service mittlerweile seit mehr als zehn Jahren gibt, in denen wir für mehr als 1000 europäische Sender deren Programmwerbung über unsere Datenbanken verbreiten.

Vielen Dank auch für die zahlreichen Vorschläge, die betroffenen acht Sender von der Website zu nehmen oder in den Sendergruppen nach hinten zu schieben. Dies ist leider nicht möglich, da wir uns nach wie vor dem Grundsatz verpflichtet sehen, den EPG diskriminierungsfrei darzustellen und alle Sender entsprechend Ihrer Marktstellung im jeweiligen Land zu berücksichtigen, wie durch die Landesmedienanstalten empfohlen.

Wir gehen davon aus, dass die Beschränkung bei den acht Sendern temporär ist und werden Sie über tvtv.de auf dem Laufenden halten.

Falls Sie uns unterstützen möchten, auch weiterhin einen umfangreichen Informationsdienst für das komplette Fernsehprogramm anzubieten, richten Sie Ihre Kommentare an die vertretenen Sender oder deren Verwertungsgesellschaft 
VG Media.

Diese Information findet sich zur Zeit auf tvtv.de.

Nun könnte man sich angesichts des durchschnittlichen Programmangebots dieser Privatsender vielleicht fragen, ob der Verlust so groß ist. Andererseits ist das natürlich ein interessantes Beispiel für den zähen Kampf um die Wahrung von Urheberrechten im Internet, der nicht eben zur Freude der Nutzer ausgetragen wird. Worum geht es hier? Zahlen gedruckte Programmzeitsschriften an die Sendeanstalten Gebühren für die Nutzung der Informationen?

Samstag, 21. Februar 2009

Die anderen können es auch


Nach Wochen der Empörung über die Katholische Kirche wegen des Bischofs und Holocaust-Leugners Richard Williamson empört sich nun die katholische Kirche - über Jesus-Witze im israelischen Fernsehen.

Die Bischofskonferenz in Israel verurteilte am Freitag die "widerlichen Angriffe auf Jesus Christus und die Jungfrau Maria", die der Sender Kanal 10 Anfang der Woche in einer Comedy-Sendung ausgestrahlt hatte.

Der Humorist Jair Schlein hatte in seiner Nachtsendung am Dienstag mit Bezug auf Bischof Williamson gesagt: "Wenn die den Holocaust leugnen, dann verleugnen wir eben das Christentum."

In kurzen Video-Sequenzen wurde dann unter anderem ausgeführt, dass Jesus im Alter von 40 Jahren an Übergewicht gestorben sei. Auch die Jungfrau Maria wurde aus Sicht der Kirche geschmäht: In Schleins Quatsch-Clip hieß es, Jesu Mutter sei im Alter von 15 Jahren von einem Klassenkamerad geschwängert worden.

Montag, 9. Februar 2009

Bruderschaft St. Pius X.

Nach Recherchen von "Report Mainz" hat der heutige Distriktobere für Deutschland der Priesterbruderschaft St. Pius X., Pater Franz Schmidberger, im Oktober 2001 bei einem Vortrag folgendes geäußert: Die Schändung eines Kreuzes, bei der dem Heiland ein Arm abgerissen wird, sei objektiv eine schwerere Sünde als die Terroranschläge von New York und Washington. Im Interview mit dem Magazin hat Pater Schmidberger diese Äußerung bestätigt und erneut verteidigt: "Also das ist natürlich sehr provozierend formuliert. Das muss dazu gesagt werden. Aber die Sünde ist zunächst einmal eine Beleidigung Gottes an erster Stelle, und dann natürlich auch eine große Beleidigung seiner Geschöpfe, ein großes Unrecht, das den Menschen angetan wird. Aber der erste Aspekt ist eben Gott."

Antisemitische Äußerungen

"Report Mainz" hat nach eigenen Angaben Hunderte von Veröffentlichungen der Bruderschaft aus den vergangenen 15 Jahren ausgewertet und ist dabei wiederholt auch auf antisemitische Äußerungen gestoßen. So heißt es zum Beispiel in einer vom "Verlag Vereinigung St. Pius X." im Jahr 2000 verbreiteten Schrift: "Es unterliegt keinem Zweifel, dass jüdische Autoren an der Zersetzung der religiösen und sittlichen Werte in den zwei letzten Jahrhunderten einen beträchtlichen Anteil haben." An anderer Stelle wird formuliert: "Das Ausleihen von Geld gegen hohe Zinsen und der so betriebene Wucher (...) machten die Juden verhasst."

Schmidberger sagte gegenüber "Report Mainz", ein bisschen etwas Wahres sei da schon dran. Anliegen der Bruderschaft sei es aber "mit allen Menschen, auch mit den Juden, ein friedliches Zusammenleben zu pflegen." Nach Recherchen von "Report Mainz" ist allerdings im aktuellen Mitteilungsblatt der Priestervereinigung erneut die Rede vom "Starrsinn" und der "Blindheit" des jüdischen Volkes. Das sei keine ethnische, sondern eine religiöse Aussage, rechtfertigte Schmidberger diese Passage.

Plädoyer für Todesstrafe

In der Schrift "Grundsätze einer christlichen Gesellschaftsordnung" plädiert Pater Schmidberger 2007 für die Todesstrafe. Gegenüber dem Magazin sagte er: "Das hat die Kirche immer vertreten, dass die Todesstrafe natürlich für Schwerverbrecher, für Schwerstverbrechen die angemessene Strafe ist einerseits als Sühne, andererseits aber auch in medizinischer Hinsicht, dass also mögliche weitere Verbrechen verhindert werden." Der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp, widersprach dieser Darstellung ausdrücklich: "Diese Position der Pius-Bruderschaft hat in der Katholischen Kirche keinen Platz."

Laut "Report Mainz" ist Pater Schmidberger einer der führenden Köpfe der weltweiten Pius-Bruderschaft. Er gilt als einer ihrer Mitbegründer, assistierte zum Beispiel an der Seite des Bruderschaftsgründers Marcel Lefebvre 1988 bei der Weihe der kürzlich vom Vatikan rehabilitierten vier Bischöfe. In der vergangenen Woche hatte er in einem
 SWR-Interview den Propheten Mohamed als "Kinderschänder" bezeichnet. Für diese Aussage entschuldigte er sich später.

Von 1983 bis 1994 war Pater Schmidberger Generaloberer, also der oberste Vorsteher, dieser weltweiten Bewegung. Seit 2006 bekleidet er das Amt des Distriktoberen in Deutschland. Hierzulande hat die Bewegung nach Recherchen von "Report Mainz" etwa 30.000 Anhänger, zumindest lesen so viele das monatliche Mitteilungsblatt der Bruderschaft.


swr.de

Diese Bruderschaft stellt eine ernstliche Belastung für das ökumenische Ansehen der Römisch-katholischen Kirche dar. 

Freitag, 6. Februar 2009

Wie kann sich da eine evangelische Politikerin einmischen?

Die deutsche Zentrale der Pius-Bruderschaft hat die Kritik von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) an Papst Benedikt XVI. zurückgewiesen. Die Kanzlerin verstehe das nicht und «sie ist ja auch nicht katholisch», sagte Pater Franz Schmidberger, Mitglied der Bruderschaft, in einem vorab vom Südwestrundfunk veröffentlichten Interview in der Fernsehsendung «Zur Sache Baden-Württemberg!». Es sei nicht Angelegenheit der Kanzlerin, sich in die inneren Angelegenheiten der Kirche einzumischen.

Gleichzeitig distanzierte sich Schmidberger von den Äußerungen des Holocaust-Leugners und Mitglieds der Pius-Bruderschaft, Bischof Richard Williamson, wie der SWR mitteilte. Glaubensbruder könne Williamson aber dennoch sein, «solange er die katholischen Dogmen anerkennt».

Dass Papst Benedikt XVI. die Exkommunikation der vier Bischöfe aus der Bruderschaft zurückgenommen habe, sei nur folgerichtig. «Es ist dringend notwendig, denn der Glaube ist sehr, sehr verwässert und wir leben in einer neuheidnischen Gesellschaft», sagte Schmidberger den SWR-Angaben zufolge.

Mittwoch, 4. Februar 2009

Aus der nordhessischen Provinz

Wer als Lieferant auf das Werksgelände von Volkswagen in Baunatal fahren will, der braucht ab sofort einen VW. Für alle anderen Marken gilt ein Einfahrtverbot. Die lokale Handwerkskammer findet das inakzeptabel.


Bislang war es nur der unausgesprochene Wunsch der Werksleitung, dass Lieferanten oder Besucher, die auf das Werksgelände fahren wollen, einen VW haben. Jetzt, in Zeiten der Krise, gibt es eine offizielle Regelung: Eine Dauereinfahrterlaubnis gebe es nur noch für VW-Fahrer, bestätigte Firmensprecher Rudi Stassek am Dienstag. "Natürlich wollen wir mit unseren Geschäftspartnern auch ein umgekehrtes Geschäft machen, indem sie unser Auto fahren." Sprich: Falsches Auto – kein Einlass. 

Stassek findet das nicht weiter schlimm. "Die ganz großen Zulieferer haben einen Fuhrpark mit mehreren Autos – jeweils mit den Marken, für die sie auch arbeiten. Für die ist das überhaupt kein Problem." Und die kleinen Firmen? "Mit denen reden wir dann", so Stassek.

Ausgrenzung von Handwerkern mit "Fremdmarken"

Bernd Peter Doose, Vorsitzender der Kreishandwerkerschaft Kassel, kann diese Argumentation nicht nachvollziehen. "Wenn das alle Auto-Unternehmen in der Region so machen würden, dann muss sich ein Handwerksbetrieb wohl bald fünf oder mehr Autos unterschiedlicher Hersteller kaufen", sagte er hr-online am Dienstag. Beispielsweise habe neben VW auch Mercedes-Benz ein Werk in der Region. Durch eine offizielle VW-Pflicht würden bestimmte Firmen, die in Baunatal arbeiten wollten, ausgegrenzt. 

Doose zeigte sich allerdings wenig überrascht von der Nachricht. "Das gab es bei VW in Baunatal schon immer mal, dass Handwerker nur mit VW-Fahrzeugen auf das Gelände gelassen wurden." Nur jetzt sei diese Praxis wohl offiziell.

Montag, 26. Januar 2009

Träumt weiter, Bayern!

Politisches Nachspiel für "Wetten, dass..?": Der CSU stinkt, dass zwei Tierpfleger live den Kot verschiedener Tierarten erschnüffelten. CSU-Politikerin Niebler will die Wette im ZDF-Fernsehrat zur Sprache bringen - und dem "Verfall der guten Sitten Einhalt gebieten".

spiegel.de

"Verfall der guten Sitten"? Da lachen ja die Hühner. In Bayern gehen die Uhren irgendwie doch anders. Wenn man den privaten Fernsehsendern schon nicht Einhalt gebieten kann, soll wenigstens das öffentlich-rechtliche Fernsehen die Fahne der Kultur und des Anstandes hochhalten? Wenn es um Einschaltquoten geht, sind die "guten Sitten" kein Thema mehr. Die Abstimmung mit der Fernbedienung hat doch schon lange ergeben, dass das Fernsehvolk der Spaßgesellschaft sich nicht zum Höheren berufen weiß, sondern einfach sensationslüstern ist.

Samstag, 27. Dezember 2008

Wenn Jesus heute lebte...

Wenn Jesus heute auf der Welt wäre, würde er gegen „Kriegstreiber, Besatzer, Terroristen und Tyrannen“ vorgehen, heißt es weiter. „Er würde ohne Zweifel gegen die tyrannische Politik der vorherrschenden, globalen wirtschaftlichen und politischen Systeme kämpfen."

Aus der Weihnachtsansprache des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad, die der britische Sender Channel 4 ausstrahlte. Dieser Fernsehsender sorgt seit Jahren mit seinen alternativen Fernsehansprachen für Aufsehen. Dies Mal hagelte es Kritik von allen Seiten.

Der komplette Text der Ansprache findet sich übrigens hier.

Aber ist das, was der umstrittene iranische Präsident gesagt hat, wirklich "irreführend und gefährlich"? Es kommt eben immer darauf an, wer etwas sagt...

Sonntag, 21. September 2008

Stammheim

Der Trakt in der Justizvollzugsanstalt Stuttgart-Stammheim, in dem in den 70er Jahren die RAF-Terroristen untergebracht waren, wird einem Zeitungbericht zufolge abgerissen. Im siebten Stock des Gebäudes hatten Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe am 18. Oktober 1977 Selbstmord begangen.

Das Hochhaus soll durch Neubauten ersetzt werden. Dies sei nach Berechnungen des Finanzministeriums billiger als eine Sanierung des maroden Gebäudes, zitiert die "Stuttgarter Zeitung" (Montagsausgabe) den Sprecher des Justizministeriums, Stefan Wirz.

Das Justizministerium will dem Bericht zufolge schon lange das Gebäude, das als Wahrzeichen der blutigen Terrorjahre gilt, durch neue Gefangenenbauten ersetzen. Nun ist der Abriss für 2012 geplant. Zuvor sollen als Ersatz für die in dem Hochhaus untergebrachten 580 Gefangenenplätze drei Neubauten auf dem Gelände entstehen. An der Stelle des Hochhauses ist eine psychiatrische Klinik mit 200 Betten geplant. Der rund 70 Millionen teure Bau soll das Justizvollzugskrankenhaus auf dem Hohenasperg entlasten.

tagesschau.de

Samstag, 9. Februar 2008

Ein Schmaus für Ohren und Augen

Selten genug, aber es kommt doch vor, dass auch das Fernsehprogramm eine Quelle des Glücks ist: Beethoven, Buñuel, dann die Berlinale - und schließlich sogar noch Uecker. Als habe der Sender sein Programm genau für mich gemacht, in gerade dieser Zusammenstellung.
Natürlich heißt der berühmte Buñuel-Film in Wahrheit "Ein andalusischer Hund", aber eine ordentliche Programmzeitschrift kann ich mir leider nicht leisten.

Donnerstag, 7. Februar 2008

Immer wieder der Tatort...

„ARD verschiebt ‚Tatort’ wegen Brands in Ludwigshafen

Diese Fiktion ist derzeit zu nah an der Realität: Wegen des Wohungsbrands mit neun Toten in Ludwigshafen hat die ARD die Ausstrahlung eines in der Stadt spielenden Tatort-Krimis aus dem deutsch-türkischen Milieu verschoben.

‚Mit dieser Entscheidung nehmen wir Rücksicht auf eine große Trauergemeinde, deren Gefühle wir nicht verletzen wollen’, sagte SWR-Intendant Peter Boudgoust am Donnerstag. Die Folge ‚Schatten der Angst’ solle nun erst am 6. April gezeigt werden. Am kommenden Sonntag wiederholt die ARD stattdessen eine frühere Folge.

Boudgoust sprach von einer schwierigen Entscheidung. ‚Schatten der Angst’ mit der Hauptdarstellerin Ulrike Folkerts sei eine stimmig inszenierte, spannende Liebesgeschichte. Der Fernsehfilm spiele zwar im deutsch-türkischen Umfeld, habe aber mit der Diskussion über die Hintergründe des Feuers in Ludwigshafen nichts zu tun. ‚In dieser Situation hätte die Gefahr bestanden, dass eine herausragende Tatort-Produktion völlig falsch verstanden wird’, sagte Boudgoust.

Bei dem Wohnhausbrand waren am Sonntag neun Türken ums Leben gekommen. Am Donnerstagnachmittag besuchte der türkische türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan den Unglücksort. Er wurde bei dem Rundgang um die Brandruine vom rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck und der Integrationsbeauftragten der Bundesregierung, Maria Böhmer, begleitet. Erdogan hatte zuvor in Ankara vor einem ‚neuen Solingen’ gewarnt.“

Financial Times Deutschland (dpa-Meldung), 07.02.2008, 17:22 Uhr

War da nicht erst kürzlich eine Tatort-Folge, die die Gemeinschaft der Aleviten so sehr erzürnt hat? Die Krimis der Tatort-Reihe sind ja bekannt für ihren Realismus. Aber in manchen Fällen wird der offenbar schon brenzlig.

Dienstag, 27. November 2007

Das große Suchen


"Die Dokusoap mit dem umstandslos knappen Titel 'Bauer sucht Frau' ist derzeit der Quotenrenner überhaupt. Mit jeder neuen Folge der mittlerweile dritten Staffel schauen noch mehr Leute zu, an diesem Montag waren es über acht Millionen. Bauernpräsident Gerd Sonnleitner äußerte sich im Spiegel ungehalten: Die Sendung vermittle ein unrealistisches Bild, der heutige Bauer kenne gar kein Nachwuchsproblem und sei überhaupt viel fortschrittlicher als in der RTL-Show dargestellt. Aber wie dem auch sei - Fernsehen ist ja nicht unbedingt dann am erfolgreichsten, wenn es Realismus betreibt, sondern eben dann, wenn es seinem Zuschauer Wohlbehagen verschafft." (Süddeutsche Zeitung 27.11.2007)
Tatsächlich hat nach wie vor alles, was mit Partnersuche, Dating und Liebe zu tun, Dauerkonjunktur. Wie auch nicht in dieser Welt der funktionierenden Menschen mit den einsamen Herzen?

Ein gelungenes Beispiel für die mediale Umsetzung des Themas ist Ralf Westhoffs Filmkomödie "Shoppen" aus dem Jahr 2006. Der Episodenfilm macht uns mit acht Männern und acht Frauen bekannt, die sich zum Speed-Dating treffen, und skizziert ein insgesamt wohl zutreffendes Bild des Single-Lebens mit all seinen Nöten und Hoffnungen - nicht nur in München.