Wie oft lassen wir uns (…) auf die Heilsversprechungen der Welt ein. Wir suchen Rat in Horoskopen und Hilfe und Heil in der Esoterik. Wir öffnen uns fragwürdigen und gefährlichen Praktiken, wie Reiki u. ä. Selbst Kirchgänger fallen in den heidnischen Aberglauben zurück und glauben an fernöstliche Lehren wie die Reinkarnation. (…)
Statt in fernöstlicher Manier in die Leere zu starren sollten wir uns wieder in der Betrachtung der christlichen Heilsgeheimnisse üben und uns der Liebe Christi und der Heiligen, wie sie uns etwa in der Ikone entgegenstrahlt, öffnen. Wir müssen uns bewusst sein, dass es einen unversöhnlichen Gegensatz zwischen der Lehre des alten und neuen Heidentums und der christlichen Botschaft gibt.
Während das Heidentum keinen Erlöser kennt und die Erlösung, die meist in der Auflösung des Ichs besteht, durch magische Praktiken und esoterische Lehren verspricht, so ist die wahre Erlösung nur in und durch Christus möglich, niemand kommt zum Vater außer durch ihn! Entscheiden wir uns also wieder für ein Leben aus dem christlichen Glauben und lassen ab von fragwürdigen und oft teuren neuheidnischen Praktiken. (…) Und denken wir immer daran: Gottesfurcht schützt vor Heidenangst!
(…) Der Mensch ist keine Maschine, die ununterbrochen tätig sein kann und wenn selbst der gottmenschliche Erlöser immer wieder Zeiten benötigte, in denen er sich zur Ruhe und zum Gebet zurückzog, wieviel mehr brauchen dann wir schwachen, einfachen Menschen diese Zeiten. Unser Zeitalter ist vielleicht wie kein anderes vor ihm durch eine extreme Betriebsamkeit und Hektik bestimmt. Die Menschen erfinden Maschinen, die ihnen viele schwere und zeitaufwendige Arbeit abnehmen und scheinen doch zugleich weniger Zeit als je zuvor zu haben.
Selbst wenn wir mehr Freizeit haben als je eine Generation vor uns, füllen wir auch diese mit Aktivitäten in Überfülle und hetzen von einer Attraktion zur nächsten. Nach einem völlig ausgebuchten Wochenende erscheinen wir dann montags kaputter auf der Arbeit als wir sie Freitags verlassen haben.
Lassen Sie mich eine Erklärung versuchen zu diesem Phänomen der ständigen Zeitknappheit, der Hektik und des Getriebenseins. Es ist meine feste Überzeugung, dass auch dieses Phänomen unserer Zeit mit dem Verlust des christlichen Glaubens, mit der Gottvergessenheit unserer Zeit zusammenhängt. Wer gemäß dem Kirchenlied, das in Zeiten schwerster Not entstand, „nur den lieben Gott lässt walten“, der ist sich darüber bewusst, dass wir zwar das Unsere tun sollen, dass aber letztlich alles in Gottes Hand liegt und wir uns zuversichtlich seiner Vorsehung anvertrauen dürfen. Er weiß am Besten, was wir benötigen, und er wird es uns, wenn wir uns in rechter Weise an ihn wenden, auch zuteil werden lassen.
Dieses Vertrauen in die väterliche Vorsehung schenkt eine tiefe und innere Gelassenheit. Der Gläubige weiß zugleich, dass das irdische Leben immer auch ein „Tal der Tränen“ ist, dass das vollkommene Glück hier nie zu erreichen ist und dass wir immer nur eine Vorverkostung der künftigen Herrlichkeit erlangen können. Der Gläubige weiß, dass er hier seinem göttlichen Meister folgen muss, der Verrat, Verhöhnung, Abneigung, Folter und Tod auf sich genommen hat, um uns von der Sünde Adams zu erlösen und uns ein Zeugnis seiner Liebe zu geben.
Wer dagegen jene Vorsehung vergisst und wer auch das ewige Ziel, den Himmel, aus den Augen verliert und sein gesamtes Glück auf Erden finden will, der wird ein Getriebener, ein Rastloser, auf ihm wird der Fluch liegen, dass er ewig nach Ruhe sucht, doch diese im Getriebe der Welt nie finden wird. Er verliert in dieser Rastlosigkeit sich selbst ebenso aus den Augen, wie er seinen Nächsten und Gott aus den Augen verliert. Weshalb sollte er sich aufopferungsvoll um einen Mitmenschen kümmern, wenn er doch damit die kostbarste Zeit seines kurzen Lebens auf Erden vergeudet. Wenn es keinen Himmel gibt, dann gibt es auch keine Verantwortung dem anderen gegenüber und dann bin ich nur mir selbst der Nächste. Dann muss ich über Leichen gehen, um mein höchstes Glück auf Erden zu erlangen. Doch ich verspreche Ihnen, wer so denkt, der wird sein Glück nie finden! Auch die großen Ideologien des 20. Jahrhunderts, der Nationalsozialismus und der Kommunismus versprachen den Himmel auf Erden, doch sie schufen die Hölle auf Erden.
Wir wissen aber, dass wir uns der göttlichen Vorsehung, dem Vater im Himmel, anvertrauen können, wir wissen, dass wir dem Beispiel des Gottmenschen folgen dürfen und uns Zeiten der Rast und Ruhe gönnen dürfen, in denen wir uns im Gebet unserem Gott zuwenden, uns wieder besinnen auf die wirkliche Bestimmung unseres Lebens. Wir dürfen uns eine Zeit gönnen, in der wir nur die Schönheit der Schöpfung betrachten und dem Schöpfer für dieses große Geschenk danken. Dann erfahren wir plötzlich die Verlangsamung der Zeit, wir erfahren, wie der Geist aufatmet und der Körper Ruhe findet.
Peter H. Görg
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