Mittwoch, 25. Juni 2008

Sprache im Rhythmus der Zeiten

"Waren Sie am Wochenende wieder auf der Piste, dass es so richtig gefetzt hat? Sind Sie auf eine oberaffengeile Fete zum Abhotten gegangen, haben sich ein Lungenbrötchen nach dem anderen reingezogen, ordentlich gealkt, bis Sie voll bedröhnt waren, gar noch am Ende eine Trulla - hoffentlich keine Breitbandnudel - aufgerissen?

Wenn ja, dann haben Sie bestimmt nicht später in dieser Sprache davon berichtet. Zwanzig Jahre sind vergangen, und schon kommen uns „oberaffengeil“, „Abhotten“, „Lungenbrötchen“ und „Trulla“ mächtig altmodisch vor. Dass nach der jüngsten Studie des Demoskopischen Institut in Allensbach zwei Drittel aller Deutschen (65 Prozent) glauben, die deutsche Sprache sei vom Verfall bedroht, sollte niemanden beunruhigen. Entweder die Deutschen fürchten sich davor, selbst auszusterben, oder aber sie glauben, ihre Sprache sei dem Untergang geweiht - eines von beiden ist immer Thema.

Sprache ist ein lebendiges Konstrukt, sie verhält sich nicht statisch zum Sprecher, sie verfällt nicht - dies ist eine elitäre, moralische Kategorie -, sondern verändert sich. Und oft kann man über genau diesen Prozess der organisch-ungesteuerten Veränderung von Sprache nur froh sein. Eine prima Party ist doch allemal einer oberaffengeilen Fete vorzuziehen. Und die Welt der Trullas (alternativ: Tussis) teilt sich zum Glück auch nicht mehr in „Breitbandnudeln“ und „Bohnenstangen“ ein."

Tanja Dückers: Mal ein Lungenbrötchen reinziehen, ZEIT online 17.6.2008

Was fällt mir dazu ein? Noch mehr solche Wörter, zum Beispiel:"faszinandabelhaft", die "FDGO", die Beschimpfung "du Handtuch!" oder auch "BMW" (Brett mit Warzen) als Burschenkürzel für ein Mädchen mit kleinen Brüsten.

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