Dienstag, 27. November 2007

Von der Wiener Lieblingsbeschäftigung und der sozialen Teilung

"Des Wieners liebstes Hobby ist Einkaufen - In den nächsten Jahren kommen weitere 60.000 Shoppingmall-Quadratmeter dazu - Wie viele Einkaufszentren hält die Stadt aus?

Shoppingcenter üben auf Wiener nach wie vor eine besondere Anziehungskraft aus. In keinem anderen Bundesland ist die Einkaufszentrumsdichte so hoch wie in der Bundeshauptstadt. Auf einen Stadtbewohner kommen derzeit 25 Quadratmeter Shoppingmall – Tendenz steigend."



Der Standard bringt es in seiner heutigen Ausgabe (27.11.2007) auf den Punkt, was auch mein Eindruck ist: Wien ist eine Einkaufsstadt par excellence, wobei ich mich immer frage, woher die Menschen beim hiesigen Niveau der Löhne und Gehälter eigentlich das Geld nehmen. Der weitere Text des Artikels zeigt aber auch die Grenzen auf:

"An sämtlichen neuen Bahnhöfen, die in den nächsten Jahren in Wien gebaut werden sollen, entstehen neue Einkaufsflächen. 60.000 Quadratmeter sind derzeit insgesamt geplant. Da ist das gigantische Shoppingmall-Projekt, das Frank Stronach in Rothneusiedl verwirklichen will, noch gar nicht mit eingerechnet.

Harte Konkurrenz für die 100 Wiener Einkaufsstraßen. Zumal ein Gutteil der auf kleineren Konsummeilen angesiedelten Geschäfte bereits jetzt ums Überleben kämpft.“

Faktisch gibt es bei den Einkaufsstraßen und den Shoppingmalls eine ziemlich deutliche soziale Trennung, wie auch sonst im täglichen Leben: Hier die Besserverdienenden (viele Österreicher, die Diplomaten und Mitarbeiter internationaler Firmen und Institutionen, die Arbeitsimmigranten aus der Managementetage) - dort die Anderen, die sozial mehr oder weniger deklassierten Einheimischen und die Einwanderer: Menschen aus dem früheren Jugoslawien, aus der Türkei, aus den Ländern des vormaligen Ostblocks. Wien ist eine zweigeteilte Stadt, neben dem Glamour ist die Armut unübersehbar. Das ist nicht anders als in Berlin oder in London, bei einer Stadt dieser Größe wohl unausbleiblich, hier durch die österreichische Zuwanderungspolitik der letzten zwanzig Jahre sicher forciert.

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