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Sonntag, 11. Juli 2010

Forscher Kardinal, ziemlich unverfroren

Welt am Sonntag: Ist es schon zu früh für eine Bilanz des von Benedikt ausgerufenen Priesterjahres? Ist die Rolle der Geistlichen gestärkt worden?

Meisner: Die Wichtigkeit des priesterlichen Dienstes ist für die Träger und für das Volk tiefer erkannt worden. Und eben auch: wie wichtig die Gabe des Zölibates ist. Denn darin liegt ja der Stachel für unsere Gesellschaft. Darum wundert es gar nicht, wie sehr sie dagegen anrennt. Bei einem Zölibatär muss man immer sagen: Entweder ist der verrückt, oder es gibt Gott. Eine andere Alternative gibt es nicht. Und wenn die Menschen feststellen, der ist nicht verrückt, dann muss es Gott geben. Überzeugend gelebt ist der Zölibat immer noch der schlagendste Gottesbeweis.

Welt am Sonntag: Braucht die katholische Kirche eine Reformation?

Meisner: Ja! Aber keine Revolution wie 1517. Doch eine Reformation, die braucht sie! Die Kirche versteht sich ja selbst als „ecclesia semper reformanda“, also als Kirche, die immer reformiert werden muss. Diese Umformung brauchen wir immer, als ständige Ausrichtung auf den Ursprung. Wenn Sie das Rheinwasser in Köln trinken, wird Ihnen schlecht. Sie müssen den Strom hinauf. An der Quelle, da schmeckt der Rhein. So auch bei der Kirche: zurück zur Quelle!


Aus einem Interview mit der Welt am Sonntag (veröffentlicht auf welt-online.de schon am 10. Juli 2010)

Um forsche Worte ist Kardinal Meisner nie verlegen. Das ur-evangelische Motto von der Kirche, die immer der Reformation bedarf, nimmt er kühn für die Kirche schlechthin, und das heißt in seiner Sicht doch wohl: für die römisch-katholische Kirche in Anspruch. Und das Problem der Tradition wird gar mit der Rheinverschmutzung (die ja vor allem auf Industrieabwässern beruht) verglichen. Um in diesem Bild zu bleiben: Am Rheinfall von Schaffhausen weiß man noch nichts vom Zölibat, den er unverfroren geradezu als den "schlagendsten Gottesbeweis" bezeichnet. Auch die Gottesbeweise sind ja bekanntlich eine Frucht der Tradition; die Bibel kennt und braucht keine Gottesbeweise.

Sonntag, 6. Juni 2010

Lutherkirche von der Schumanngasse aus gesehen...


... also näherungsweise von Norden. Beim Bau der Lutherkirche hat man alle Prinzipien des Kirchenbaus über den Haufen geworfen, den Altar nach Westen gesetzt - und den Turm nach Osten, damit er zur Stadt Wien hinübergrüßte - als sichtbares Zeichen der wiedererstandenen, erstarkenden evangelischen Kirche.
Der Bau ist ungewöhnlich prachtvoll geraten. Der Effekt ist, dass heute jeder vorbeifahrende Autolenker oder jeder Passant, der das kleine Schild neben dem Eingang und den Schaukasten ignoriert, denkt, es handle sich um eine römisch-katholische Kirche. Evangelische Kirchen sehen normalerweise in Wien eben anders aus.

Samstag, 29. August 2009

Kindliches Nachdenken über Gott

Eines Abends lag ich in meinem Bett, ich war vielleicht vier oder fünf Jahre alt, und dachte darüber nach, wie schrecklich anstrengend es sein müsse, dass Gott, der Vater, sich nie ausruhen kann. Immer musste er wachen über die vielen, vielen Menschen und aufpassen, dass ihnen nichts Böses geschah. Ich machte ihm alle möglichen Vorschläge, ob er sich nicht z.B. mit seinem Sohn abwechseln könne oder mit den Engeln. Zum Schluss sagte ich, dass ich ihm so gerne helfen würde, und es würde mir nichts ausmachen, ab und zu nachts wach zu bleiben, aber das würde den Menschen ja auch nicht helfen. Das war zwar alles sehr kindlich, aber dennoch war es auch sehr ernst gemeint, und ich habe es nie vergessen, wenn es auch in späteren Jahren erst einmal völlig in den Hintergrund trat.

Von Schwester Matthaia Osswald (*1961), die ursprünglich evangelisch war, dann katholisch wurde und schließlich zum Ziel ihres religiösen Suchens als griechisch-orthodoxe Nonne fand.

Quelle: orthodoxi-pisti.blogspot.com

Freitag, 14. August 2009

Die andere Welt




Die St. Dionysius-Kirche in Essen-Borbeck. Für uns evangelische Kinder war es eine Mutprobe, dort überhaupt einzutreten. Warum eigentlich? Fürchteten wir den Bannstrahl eines Heiligen? Aufgrund der damaligen Konfessionsschuolen in Nordrhein-Westfalen war für uns alles, was katholisch war, wie aus einer anderen Welt, unheimlich und unverständlich. Und wenn ich ehrlich bin, hat sich bis heute so viel daran nicht geändert.

Keine Protestanten im Mittelalter

Die beiden Geistlichen Hw. Norbert Weidemann und Hw. Christoph Theberat verlassen ihre bisherige Pfarrei Heilig-Geist in Bockum-Hövel.

Das berichtete die Online-Ausgabe der Tageszeitung ‘Westfälischer Anzeiger’ am 9. August.

Bockum-Hövel ist ein Stadtbezirk der kreisfreien Stadt Hamm in Westfalen. Kirchlich gehört das Gebiet zum Bistum Münster.

Grund für den Rückzug der beiden Priester sind nach Angaben des ‘Westfälischen Anzeigers’ „heftige Konflikte“ mit ignoranten Gläubigen.

Nach Angaben des ‘Westfälischen Anzeigers’ war der Konflikt nur der Tropfen, der das Faß des Widerstandes gegen den katholischen Glauben zum Überlaufen brachte.

Der Streit eskalierte, als ein ehrenamtliches Gemeindemitglied in unverantwortlicher und sakrilegischer Weise einem evangelischen Pfarrer eine konsekrierte Hostie aushändigte.

Zu Recht wurde er dafür von den beiden pflichtbewußten Priestern zurechtgewiesen. Doch glaubensferne und theologisch ahnungslose Gemeindemitglieder drehten durch und und versanken in einem irrationalen Sturm der Entrüstung.

Der ‘Westfälische Anzeiger’ interpretiert: „Nicht nur die katholischen Christen, sondern auch die Protestanten fühlten sich ins tiefste Mittelalter zurückversetzt.“

Was die Zeitung damit meint, ist unklar. Denn im Mittelalter gab es keine Protestanten, welche die Realpräsenz Christi in der konsekrierten Hostie leugnen und darum einen schweren Frevel begehen, wenn sie diese empfangen und sich – wie der Heilige Paulus erklärt – dabei „das Gericht essen“.

(...)


Sicher ein netter fauxpas des "Westfälischen Anzeigers", auch so etwas wird in kreuz.net natürlich aufgespießt.