Ein Unterschied sticht jedem gleich ins Auge: Früher wurde, wenn man sich nicht auf den Hosenboden setzte, mit Hausarrest gedroht. Heute wird der Sechstklässlerin mit den Chinesen gedroht, die ihr einmal den Arbeitsplatz wegnehmen werden, wenn sie nicht endlich auf ihre Reitstunden und Tanzkurse verzichtet, um spätnachmittags nachzuholen, was ihr vormittags in der Schule wegen Zeitmangels und Stofffülle nicht annähernd erklärt wurde. Gib dir Mühe, heißt es, die Finnen können es doch auch! Ganz in diesem Sinne schrieb mir neulich der Kollege einer Wirtschaftsredaktion: 'Ein späterer Arbeitgeber wird nicht fragen, wie viele Reitstunden oder Tanzkurse jemand hatte, sondern wird wissen wollen, ob er den Strömungswiderstand berechnen kann. Und das kann der chinesische Mitbewerber dann wahrscheinlich besser.'"
Christian Geyer: Hände weg von unserer Kindheit, Frankfurter Sonntagszeitung 03.02.2008
Wie berechnet man einen Strömungswiderstand? Ich glaube, das haben wir auch in neun Jahren Gymnasium nie lernen müssen...
Österreich kommt - wie viele Länder Europas und auch die frühere DDR - seit jeher mit zwölf Schuljahren aus. Es kommt auf dies eine Jahr offenbar auch nicht mehr an, wenn man die Stoffverteilung entsprechend vornimmt."Bildung" spielt in dieser Diskussion im Bildungsland Deutschland schon gar keine Rolle mehr, es geht nur noch um Kenntnisse und Fähigkeiten, die die Konkurrenzfähigkeit auf dem Arbeitsmarkt sicherstellen sollen. Für alles andere, was man im Leben braucht, gibt es ja schließlich Volkshochschulkurse und gedruckte Ratgeber...
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