Fragen, die Eltern oft ratlos machen, weil sie bei der Erklärung der schwierigen Themen verunsichert sind. Schließlich geht es um keine Wissensfragen, sondern um jene des Glaubens. Und diese sind Herzensangelegenheit, können persönliche Einstellungen und Überzeugungen prägen.
Etwa der Glaube ans Christkind. Den soll man kleinen Kindern bewahren. Es gibt keinen stichhaltigen Grund, ihn wegzunehmen. "Zwangsrealismus ist im Kinderzimmer nicht gefragt. Das ist Sache von Erwachsenen, weil für sie die Wahrhaftigkeit den höchsten Kulturwert darstellt", sagt KURIER-Family-Coach Martina Leibovici-Mühlberger, die die Bewahrung von Kindheit für einen ebenso hohen Kulturwert hält. "Solange ein Kind das Christkind nicht hinterfragt oder bezweifelt, ist es gut. Es kommt ohnehin früh genug dahinter, wie es wirklich ist. Es ist für die Kleinen etwas sehr Schönes, Warmes und Fantasievolles. In dieser Figur steckt Beschütztheit und Geborgenheit."
Der tiefere Sinn
Weihnachten sei eine gute Zeit, um die Geschichte, die dahintersteht, zu thematisieren, so die Psychotherapeutin. "Den Kindern zu erzählen, welche Bedeutung eine Krippe hat und wer das Christkind ist. Diese Selbstverständlichkeit unserer Kultur geht immer mehr verloren – viele Kinder sehen eine Krippe ebenso wie die Bastelwerkstatt von Micky Mouse oder das Märchen von Frau Holle. Sie können nicht differenzieren, wenn man ihnen den Unterschied nicht erklärt." Leibovici-Mühlberger rät, im Sinne der Kinder einen respektvollen Umgang mit der Weihnachtsgeschichte zu pflegen. "Durch sie können ethische Werte vermittelt werden und den Anstoß geben, sich mit dem Thema Glauben auseinanderzusetzen."
Der bessere Umgang
Religiöse Fragen der Kinder können entscheidend für die Entwicklung ihrer Weltanschauung sein. Deshalb sollten sie nicht ausgeklammert oder umgangen, sondern einfach und ehrlich beantwortet werden. Auf keinen Fall sollten in Verbindung damit Ängste geschürt oder Teufel und Todsünden an die Wand gemalt werden. "Der wesentliche Punkt ist, das moralische Bewusstsein im Einzelnen zu stärken. Das brauchen wir. Ich muss die Instanz in mir selber tragen. Strafandrohungen sind nicht zeitgemäß und funktionieren auch nicht mehr."
Religion sei eine Werteerziehung, aber unmodern geworden. "Dabei sind die zehn Gebote absolut nicht veraltet. In ihnen sind alle sozialen Verhaltensregeln festgeschrieben. Alles, was für ein positives Zusammenleben wichtig ist, ist in ihnen verpackt", sagt Leibovici-Mühlberger. Durch die immer häufiger werdende Abkehr von Glauben und Religionsunterricht fehle es an ethisch-moralischer Erziehung. "Es gibt zwar Ansätze von Ethikunterricht, aber nur in Schulversuchen. Eine wirkliche Zuständigkeit haben wir nicht. Das ist ein großes Defizit für Kinder."
Selbstverständlich sollten Glaubensfragen immer altersadäquat beantwortet werden. Während man den Kleinen den lieben Gott als weisen Mann mit langem Bart, der irgendwo da oben sitzt und alles gütig regelt, näherbringen kann, ist dieses Bild bei Zehnjährigen nicht gefragt. "Kinder in diesem Alter wissen über den Urknall, Galaxien und das Weltall Bescheid, da brauchen Eltern neue Argumente, müssen die Weichenstellung für ein moderneres Gottesprinzip finden", meint Leibovici-Mühlberger. "Man könnte von einem Phänomen wechselseitiger Ehrfurcht und der Verschaltung des Universums sprechen." Der Gottesbegriff gebe Kindern Sicherheit und Geborgenheit und eine "Ansprechstelle". Gleichgültig, ob es Wünsche ans Universum oder Gebete sind, "Kinder haben damit eine Zufluchtsmöglichkeit, können Stress abbauen und wieder zu sich finden."
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