"Was sich Sonntag Nacht in der Staatsoper ereignete, sucht nicht nur in Wien, sondern auch international seinesgleichen.Juha Uusitalo, der Premieren-Wotan in der Neuproduktion von Richard Wagners "Walküre", klagte am Nachmittag über eine leichte Indisposition. Ein Arzt meinte: Alles okay, er könne singen. Bereits Mitte des zweiten Aufzuges hatte der finnische Bassbariton aber mit massiven Problemen zu kämpfen und hustete immer wieder. Die letzten Sätze dieses Aktes sang er gar nicht mehr.
Dass die Premiere überhaupt zu Ende geführt werden konnte, ist dem Deutschen Oskar Hillebrandt zu verdanken. Dieser war gerade am Westbahnhof Pizza kaufen, als ihn der Anruf aus der Oper erreichte. Sofort eilte er ins Haus am Ring und sang den Akt von einem Podium neben der Bühne aus, während Uusitalo spielte. Hillebrandt, der wegen eines Volksopern-Engagements in Wien war, hatte die Rolle schon in der Staatsoper gesungen, freilich in der alten Produktion." (Kurier)
"Am Tag danach, am Montag, war er schon wieder unterwegs nach Deutschland, und er konnte ein bisschen die Nachwehen seiner spontanen Opernaktion genießen. SMS-Glückwünsche und Anrufe vertrieben Oskar Hillebrandt auf seiner Reise die Zeit, und das hat schon seine Berechtigung - immerhin hat der deutsche Heldenbariton, der aus Schopfheim stammt, eine Premiere gerettet, indem er im dritten Akt für den indisponierten Kollegen eingesprungen war.
Für diese Spontanrolle vorgesehen war er nicht. Wie auch sonst niemand ... So begab es sich am Sonntag (etwa um 18.30 Uhr), dass sich die Staatsoper bei ihm meldete, als er gerade Richtung Restaurant unterwegs war, um sich eine Pizza zu gönnen - Wotan hätte gröbere Probleme, hieß es, ob er, Hillebrandt, nicht einspringen könnte. 'Das war schon heftig, aber ich hätte nie Nein gesagt, das bin ich der Staatsoper schuldig!'
Und so kam es: Man steckte ihn in Anzug und Krawatte und postierte ihn rechts von der Bühne, während Juha Uusitalo den szenischen Part stumm zu Ende absolvierte. Kurz zuvor noch ein Paar Worte mit Dirigent Franz Welser-Möst, dann ging's los: 'Welser-Möst hat mir wirklich geholfen. Bei jedem Einsatz hat er geschaut, ob ich so weit bin.' Nervös war er nicht, dazu wäre auch keine Zeit gewesen. 'Eigentlich werde ich mir jetzt erst bewusst, was ich da getan habe. Und das ist gut so ...'" (Standard)
Ein Stück Opergeschichte...
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