Freitag, 14. November 2008

De iuventute

Neulich in der Straßenbahn: Ein verschleiertes muslimisches Mädchen telefoniert ganz selbstverständlich mit ihrem IPod. Offenbar eine Frucht des interkulturellen Gruppenzwangs, dem auch muslimische Eltern keinen Widerstand mehr entgegen setzen können.
Kindern und Jugendlichen werden mit solcher Selbstverständlichkeit Wünsche erfüllt nach materiellen Gütern oder Geld, dass der Übergang ins Erwachsenenleben einerseits gar nicht reizvoll ist (Warum soll ich arbeiten gehen? Meine Mutter gibt mir doch Geld zum Weggehen!) und andererseits immer schwerer fällt. Dass es Mühe macht, sich sein täglich Brot und sein Obdach zu verdienen, dass diese Mühe aber andererseits auch Befriedigung verschafft - unsere Jugend will das lieber gar nicht wissen. Solche Gedanken kommen mir leider nicht selten im Umgang mit meinen Schülern.
Was mir da auch auffällt, ist das Verschwinden der Neugier. Es scheint an der medialen Überflutung zu liegen, dass viele Jugendliche tatsächlich immer weniger interessiert, dass sie sich nur sehr schwer für etwas begeistern lassen. Vor dreißig Jahren waren wir irgendwie alle links und für die Revolution, wir wollten die Welt retten oder jedenfalls verändern. Heutige Siebzehnjährige denken kaum weiter als bis zum nächsten Wochenende, und ihr Horizont endet leider oftmals mit dem eigenen Freundeskreis. So gesehen, sollten Lehrer an Höheren Schulen viel mehr Pädagogik studieren und viel weniger Fachwissenschaften. Auf sie wartet eine Aufgabe, die leider oftmals der von Animateuren gleicht.

Solche Gedanken gehen mir oft durch den Kopf. Ich merke, dass ich alt werde. Oder jedenfalls älter. Oder dass die Welt sich einfach sehr geändert hat in den letzten dreißig Jahren.

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