Donnerstag, 8. Januar 2009

"Das ist meine Welt, das andere ist Beruf."

OZ: Was fasziniert am deutschen Schlager?

Marschall: Es gibt keinen Unterschied zwischen Schlager und Oper. Caruso oder Pavarotti waren ja auch Schlagersänger. Oder die großen Komponisten wie Beethoven und Wagner – es ist alles populäre Musik. Ich muss da etwas zurechtrücken: Viele Rundfunkredakteure unterscheiden zwischen Popmusik, Semi-Klassik und Klassik. Es ist aber alles musica populare, es ist alles Pop – Volksmusik. Auch die Oper ist Volksmusik, sie wurde geschrieben für die Menschen. Leonard Bernstein hat gesagt: Es gibt nur gute oder schlechte Musik. Und der deutsche Schlager lebt!

OZ: Was macht einen guten Schlager aus?

Marshall: Interpret, Text und Musik müssen stimmen. Wichtig ist natürlich auch das Thema. Wenn Andrea Berg singt: „Du hast mich tausendmal belogen“, und da tanzt ein Pärchen und schaut sich tief in die Augen, dann wissen beide, was gemeint ist.

OZ: Hören Sie privat auch Schlager?

Marshall: Nein, ich komme ja als ausgebildeter Opernsänger von der Klassik und höre Bruckner, Brahms, Rachmaninow, auch mal Mozart, natürlich die großen italienischen Komponisten. Das ist meine Welt, das andere ist Beruf.

OZ: Und unter der Dusche: eher Schlager oder Oper?

Marshall: Da singe ich gar nicht, da mach ich nur Stimmübungen (legt los): müaa, müaa, müaa! (lacht) 

Aus einem Interview der Ostsee-Zeitung (Rostock) mit dem Schlagersänger Tony Marshall (8.1.2009, S. 3) 

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