Der Hl. Joseph hat nun einmal nicht den ersten Beichtstuhl gezimmert. Es gab viele Jahrhunderte ohne Andachtsbeichte. Ein Augustinus hat nie gebeichtet. Es gab Jahrhunderte, wo die Bischöfe Galliens predigten, Busse zu tun, aber erst auf dem Sterbebett zu beichten. Es gab Konzilien, die davor warnten, einem jungen Mann in Todesgefahr das Sakrament zu spenden, weil er wieder gesund werden könnte, und ihm dann die lebenslangen Bussverpflichtungen viel zu schwer werden könnten... Während man in der Väterzeit nur einmal im ganzen Leben, und da nur im Notfall das Sakrament empfangen konnte, gab es in der Karolingerzeit Partikularsynoden, die jeden zur dreimaligen Beichte im Jahr verpflichteten... Bis ins hohe Mittelalter herrscht die Ansicht, dass man im Notfall auch vor dem Laien beichten müsse (noch Ignatius von Loyola (+ 1556) hat sich daran gehalten...
Karl Rahner (1904-1984) in seinen "Schriften zur Theologie III" unter der Überschrift "Beichtprobleme".
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