
Das globalisierungskritische Netzwerk Attac hat in mehr als 90 Städten 150.000 gefälschte Ausgaben der Wochenzeitung "Die Zeit" verteilt. Die Schlagzeile auf dem Titelblatt lautet "Am Ende des Tunnels". Als Erscheinungsdatum ist der 1. Mai 2010 angeben. Statt Meldungen von gestern enthalte das täuschend echte Plagiat die "Nachrichten der Zukunft", teilte Attac mit.
Die aktuellen Berichte über die "globale Wirtschafts-, Finanz- Hunger- und Klimakrise" ließen viele Menschen hilflos zurück, erklärte Attac-Aktivistin Jutta Sundermann. Die Autoren hätten deshalb "die Zeit weitergedreht" und "die Nachrichten verfasst, die wir morgen lesen wollen". Alles, was in den Artikeln geschrieben sei, könne man "innerhalb von 13 Monaten umsetzen". Ziel sei es, die Vorstellungskraft der Leser zu erweitern und ihnen Mut machen, sich politisch zu engagieren.
Kühne Phantasien bekannter Autoren
Zu den Autoren der sogenannten Zukunftsausgabe zählt etwa der Journalist und Buchautor Harald Schumann, der unter der Überschrift "Zeit der Abrechnung" von einem imaginären G20-Treffen in Brasilia berichtet, bei dem sich die Industrie- und Schwellenländer auf eine weitreichende Besteuerung großer Privatvermögen und internationaler Konzerne geeinigt haben.
Nachrichten von morgen: Attac-Mitglied mit "Zeit"-Plagiat in DuisburgDer Wirtschaftsjournalist Lucas Zeise beschreibt in "Ende einer Ära" die Veränderung der deutschen Bankenlandschaft nach einem Untergang zahlreicher Privatinstitute, der Kabarettist Matthias Deutschmann ein von der Bevölkerung herbeigeführtes Ende des "Kasinokapitalismus". Weitere Artikel berichten über das imaginäre Ende der NATO, von Schuldenerlassen für arme Länder und einer dezentralen Konferenz der Weltgesellschaft gegen Hunger. Unter die-zeit.net ist zudem eine Attac-Website online, die der Originalseite zeit.de bis ins Detail nachempfunden ist.
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