(...) Niemanden darf es verwundern, dass Benedikt XVI. zu Beginn seiner Sozialenzyklika nicht einen Aufguss katholischer Lehren zu Wirtschaftsethik und sozialen Fragen bietet, sondern zuerst das funkelnde Gold der christlichen Offenbarung: Es gibt einen Gott, und Gott ist die Liebe. Ihn und die Wahrheit über den Menschen zu erkennen, ist der sicherste Weg, die Wunden der Welt zu heilen.
Fromme Juden und fromme Muslime werden den Papst verstehen. Fromme Christen natürlich auch. Aber wo gibt es die noch – in den Medien, in der Wirtschaft, in Kultur und Politik? Die lauen Christen, die Taufschein-Katholiken im öffentlichen Diskurs stellen dieselbe Frage wie die relativistische, ungläubig gewordene Welt: Welche konkreten und praktischen Lösungen bietest Du denn, Papst, für unsere internationalen und wirtschaftlichen Krisen an (bevor wir dann auch die anderen hören wollen)? Und übersehen vor lauter Bäumen den Wald, die Lösung schlechthin, den Königsweg zur Humanisierung dieser Welt: die aufrichtige Bekehrung zu dem einen und wahren Gott. Da sich aber ein verstocktes Herz nicht bekehren will, werden die lauen Relativisten wie viele Athener damals gegenüber Paulus auf der Agora auch jetzt nur mit der Schulter zucken. Der Papst soll reden, Hauptsache, ich kann machen, was ich will. (...)
Guido Horst: Grundsätzliche Lösungen, in Die Tagespost
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