Kürzlich hat der Dalai Lama in der Commerzbank-Arena in Frankfurt gesprochen. Ein total kommerzialisierter Auftritt mit Eintrittspreisen bis zu 200 Euro. Keine Anfrage der Medien zur Rolle der Frau im Buddhismus, keine Anfrage zur Rolle von Schwulen und Lesben. Der Dalai Lama hält Homosexualität für ein Fehlverhalten, das ein falsches Karma nach sich ziehen würde. Im Januar 2001 antwortete er in einem Interview mit der französischen Zeitung "Dimanche" auf die Frage, was er über Homosexualität denke: "It's part of what we Buddhists call 'bad sexual conduct'. Sexual organs were created for reproduction between the male element and the female element -- and everything that deviates from that is not acceptable from a Buddhist point of view."
Am Montag dieser Woche hat die Marburger Philipps-Universität dem "Gottkönig" die Ehrendoktorwürde verliehen. Demos gegen Vermischung von Religion und Wissenschaft, Sitzblockade an der Auffahrt zum Schloss, Schmierereien an Häusern von Lama-Sympathisanten? Fehlanzeige! Gut so! Rückfragen zur wissenschaftlichen Begründung der Ehrendoktorwürde sind kaum laut geworden. Das sonst schnell aufgebrachte, wissenschaftlich aufgeklärte und politisch korrekte Marburg bleibt verdächtig stumm. Keiner will die religiösen Gefühle des Gastes und seiner Jüngerinnen und Jünger verletzen. Gut so! Aber die religiösen Gefühle der Christen in Marburg durften im Zusammenhang mit dem evangelikalen APS-Kongress mit Füßen getreten werden. Kongressreferenten und Teilnehmer wurden massiv unter Druck gesetzt. Der liebenswürdige Mann aus dem Exil hingegen wird gefeiert. Er lächelt.
Ich kritisiere nicht den Dalai Lama, auch nicht seine Religion! Seine Verdienste für Tibet und den Frieden sind unbestritten! Ich frage nur, warum die Parteien und Gruppierungen vom Aktionsbündnis gegen den APS-Kongress jetzt alle wegschauen? Zur Frage, warum der APS-Kongress so scharf angegriffen wurde, schreibt Hansjörg Hemminger, Weltanschauungsbeauftragter der Evangelischen Kirche in Württemberg, in der neuen Ausgabe des "EZW-Materialdienstes" (8/2009, S. 283f.): "Die linken Flügel der Grünen und der SPD sowie die Linkspartei sind seit einiger Zeit dabei, die evangelikale Bewegung zum Feindbild aufzubauen. Dahinter steckt ein simples Machtkalkül: Der Kampf gegen die Religion, der vor 2001 in der alten Bundesrepublik kaum von politischer Bedeutung war, ist inzwischen Anliegen eines Klientels, um das Grüne und SPD mit der Linkspartei konkurrieren." Ein bemerkenswertes Zeitzeichen! Bleiben wir wachsam!
Jürgen Mette ist Geschäftsführer der Stiftung Marburger Medien.
www.marburger-medien.de
Man muss kein Freund der Evangelikalen sein, um zu erkennen, dass hier tatsächlich sehr deutlich mit zweierlei Maß gemessen wird.
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