Montag, 27. April 2009

Am Mittersteig

Kunst am Bau in der Stadt: Wenn es da in Wien eine Tendenz gibt, dann sehr klar die der Sehnsucht nach dem "einfachen Leben".

So, so und nicht anders

WAS ES IST

Es ist Unsinn
sagt die Vernunft
Es ist was es ist
sagt die Liebe

Es ist Unglück
sagt die Berechnung
Es ist nichts als Schmerz
sagt die Angst
Es ist aussichtslos
sagt die Einsicht
Es ist was es ist
sagt die Liebe

Es ist lächerlich
sagt der Stolz
Es ist leichtsinnig
sagt die Vorsicht
Es ist unmöglich
sagt die Erfahrung
Es ist was es ist
sagt die Liebe

Erich Fried

Freitag, 24. April 2009

Es geht weiter

Das nicht mehr erneuerte Schutznetz weist auf den Fortgang der Restaurierung hin: In diesem Bereich sind die Arbeiten schon weitgehend abgeschlossen. Aber die Öffentlichkeit wird das erst wahrnehmen, wenn wir mit dem Gerüst herunterkommen.

Donnerstag, 23. April 2009

Fort mit den Accessoires!

So hat der HERR gesprochen: Weil die Töchter Zions stolz sind und gehen mit aufgerecktem Halse, mit lüsternen Augen, trippeln daher und tänzeln und haben kostbare Schuhe an ihren Füßen, deshalb wird der Herr den Scheitel der Töchter Zions kahl machen, und der HERR wird ihre Schläfe entblößen. Zu der Zeit wird der Herr den Schmuck an den kostbaren Schuhen wegnehmen und die Stirnbänder, die Spangen, die Ohrringe, die Armspangen, die Schleier, die Hauben, die Schrittkettchen, die Gürtel, die Riechfläschchen, die Amulette, die Fingerringe, die Nasenringe, die Feierkleider, die Mäntel, die Tücher, die Täschchen, die Spiegel, die Hemden, die Kopftücher, die Überwürfe. Und es wird Gestank statt Wohlgeruch sein und ein Strick statt eines Gürtels und eine Glatze statt lockigen Haars und statt des Prachtgewandes ein Sack, Brandmal statt Schönheit.

Jesaja 3, 16 -24 (Lutherübersetzung)
 
Die kosmetik- und modekritische Tendenz ist unverkennbar. Gut, dass dieser Abschnitt kein Predigttext ist. 

Women in Vienna III


Gottlose Frömmigkeit

Das Gebet des Gottlosen

Hör meine Bitte, Du, Gott, den es nicht gibt,
nimm diese meine Klagen in dein Nichts auf,
Du, der Du deinen trügerischen Trost
den armen Menschen nie verweigerst. Du versagst Dich
nie unseren Bitten, kleidest immer unser Sehnen.

Je weiter weg aus meinem Sinn Du bist,
desto lebendiger sind mir die holden Märchen,
mit denen meine Amme finstere Nächte mir versüßte.

Wie groß Du bist, mein Gott! Du bist so groß,
dass es Dich als Idee nur gibt: die Wirklichkeit
ist viel zu eng, so weit sie sich auch dehnt,
Dich zu umfangen. Deinetwegen leide ich,
Du nicht vorhandener Gott, denn gäbe es dich wirklich,
so wäre auch mein Dasein Wirklichkeit.


Miguel de Unamuno y Jugo (1864-1936)

Women in Vienna II



Vielleicht ist es nicht mehr so weit bis dahin...

Weh, wenn sich in dem Schoß der Städte
Der Feuerzunder still gehäuft,
Das Volk, zerreißend seine Kette,
Zur Eigenhilfe schrecklich greift!
Da zerret an der Glocken Strängen
Der Aufruhr, daß sie heulend schallt
Und, nur geweiht zu Friedensklängen,
Die Losung anstimmt zur Gewalt.

Freiheit und Gleichheit! hört man schallen,
Der ruhge Bürger greift zur Wehr,
Die Straßen füllen sich, die Hallen,
Und Würgerbanden ziehn umher,
Das werden Weiber zu Hyänen
Und treiben mit Entsetzen Scherz,
Noch zuckend, mit des Panthers Zähnen,
Zerreißen sie des Feindes Herz.
Nichts Heiliges ist mehr, es lösen
Sich alle Bande frommer Scheu,
Der Gute räumt den Platz dem Bösen,
Und alle Laster walten frei.
Gefährlich ist's, den Leu zu wecken,
Verderblich ist des Tigers Zahn,
Jedoch der schrecklichste der Schrecken,
Das ist der Mensch in seinem Wahn.

Aus Schillers Lied von der Glocke

Women in Vienna