Als Gott der Herr die Trompete des Jüngsten Gerichts hatte erschallen lassen: da standen die Deutschen ausgerichtet in zwei Reihen, mit einem besonders zuwidern Kerl vor der Front; die Engländer kamen pünktlich und gelassen angestelzt, ihre Köpfe trieben sie mit Golfschlägern vor sich her; aus der Ecke der Franzosen hörte man gar fröhliches Hämmerklopfen: sie schlugen sich kleine Löcher in die dritte Querrippe, um ihre Bändchen darin unterzubringen; die Schweizer brummelten, aufgeweckt seien sie noch nie gewesen; die Spanier blieben liegen und sagten: »Mañana! Morgen!« und die amerikanische Abteilung des Friedhofs hatte illuminiert: Heute Jüngstes Gericht!
Das jüngste der Welt!
Von Pastor Higgins von der Chicagoer Sonntagsschule vorausgesagt!
Pastor Higgins und lieber Gott persönlich anwesend!
Als Gott der Herr dies aber alles mitansah, da jammerte ihn der Affenstall, und er vertagte die Sitzung auf unbestimmte Zeit.
Kurt Tucholsky
Peter Panter: Nationales Die Weltbühne, 13.10.1925, Nr. 41, S. 570
[Kurt Tucholsky: Werke und Briefe: 1925. Tucholsky-GW Bd. 4, S. 236) (c) Rowohlt Verlag]
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