Sonntag, 24. August 2008
Ernährungs-Wunderwaffe
In diese Tradition politischer Realitätsverweigerer reiht sich nun auch die Führung im steinzeitstalinistischen Nordkorea ein. Denn über sein in Japan erscheinendes internationale Sprachrohr, die Zeitung „Choson Sinbo“, hat Staatschef Kim Jong-il eine historische Innovation verkünden lassen: Wissenschaftler des Landes haben es geschafft eine spezielle Nudel zu entwickeln, die das Aufkommen eines Hungergefühls „signifikant verschiebt“.
Bei den meisten Nordkoreanern dürfte diese Nachricht, so sie überhaupt davon erfahren, nur Kopfschütteln auslösen: Tatsächlich sind nach Angaben des Welternährungsprogramms mindestens sechs Millionen der rund 22 Millionen Untertanen des „Großen Führers“ akut unterernährt, benötigen also dringend Nahrungshilfe. Jeder zweite Nordkoreaner beschäftigt sich permanent damit, für sich und seine Familie Lebensmittel zu beschaffen.
WELT-online 24.08.2008
Samstag, 23. August 2008
Bedrohlicher Frosch
Ein gekreuzigter Frosch beschäftigt seit Monaten die Südtiroler Politik. Das Werk mit dem Titel Zuerst die Füße von Martin Kippenberger sorgt seit der der Eröffnung des Bozener Museums für Moderne Kunst (Museion) für Aufregung. Nun protestiert ein Landtagsabgeordneter mit einem Hungerstreik gegen die "Pervertierung des christlichen Kreuzes". Während in Wien Kippenberger im Rahmen der Ausstellung Bad Painters gewürdigt wird, erregt ein Werk des 1997 verstorbenen Künstlers Die Politiker Südtirols. Der gekreuzigte Frosch mit heraushängender Zunge und einem Bierkrug in der rechten Hand regte schon bei der Eröffnung des Museums den Bozner Bürgermeister Luigi Spagnolli auf. "Ich weiß natürlich, dass Kunst provozieren muss, aber das geht meiner Meinung nach doch zu weit. Die Religion und der Respekt vor ihr sollten wichtiger sein als die Kunst", stellte der Politiker fest.
Dem Landtagsabgeordneten Franz Pahl von der SVP waren Worte nicht genug. Er hat sich vor dem Museum postiert und ist in den Hungerstreik getreten, um gegen das Werk zu protestieren. Kippenbergers gekreuzigten Frosch bezeichnet er als "Persiflage einer zentralen Aussage des Christentums", die die christliche Gemeinschaft Südtirols beleidige. Mit den Landtagswahlen im Herbst habe seine Aktion nichts zu tun, sagte Pahl.
Eben das bezweifelt sein Kollege Andreas Pöder (Union für Südtirol). Er bezeichnete Pahls Hungerstreik als "scheinheilig". Noch vor zwei Monaten habe Pahl wörtlich gesagt, dass ihn der Frosch überhaupt nicht störe. Jetzt mache er damit Wahlkampf.
Die Union für Südtirol kritisiert die Präsentation des Kunstwerks ebenso wie Landeshauptmann Luis Durnwalder, die Südtiroler Freiheitlichen und Vertreter der Kirche.
Zu den wenigen Verteidigern des Frosches gehören die Südtiroler Grünen sowie der Leiter der Landeskulturabteilung, Armin Gatterer, der gegenüber der Zeitung Dolomiten erklärte: "Er wirft nur Fragen auf, und es hängt nur von der Standfestigkeit eines politischen Systems und kirchlicher Befindlichkeit ab, ob sie Platz haben für ein solches Kunstwerk oder sich davon bedroht fühlen".
Gerald Jatzek: Hungerstreik gegen gekreuzigten Frosch, Wiener Zeitung online 23.08.2008
Freitag, 22. August 2008
Erstaunlich
"Die christlich-fundamentalistische Religionsgruppe der Amish in den USA expandiert rapide. Die Zahl der Amish habe sich in den vergangenen 16 Jahren fast verdoppelt, hieß es in einer am Donnerstag veröffentlichten Studie des Elizabethtowen College in Pennsylvania. Die Gemeinschaft zähle inzwischen etwa 231.000 Mitglieder. Am bekanntesten sind die Amish dafür, dass sie die meisten Aspekte modernen Lebens ablehnen: Sie leben ohne Elektrizität und bewegen sich allenfalls auf Pferdewagen fort. Viele sprechen noch einen Dialekt, der seinen Ursprung im Deutschen hat. Der Studie zufolge konnte die Religionsgemeinschaft ihr Siedlungsgebiet in den USA, das zunächst auf Pennsylvania, Ohio und Indiana begrenzt war, inzwischen auf 28 Bundesstaaten ausweiten. In Virginia etwa habe sich ihre Anzahl seit 1992 vervierfacht, in Kentucky habe sie sich verdoppelt. Studienautor Donald Kraybill führte die Expansion vor allem auf die großen Familien zurück. Im Durchschnitt habe eine Amish-Familie fünf Kinder. Gefunden auf focus.de
Ist das möglich - oder ein Statistikfehler? Haben die Amish früher etwa weniger Kinder gehabt? Oder ist die Kindersterblichkeit so rapide zurückgegangen? Und haben die jungen Leute sich mit 18 früher häufiger von ihrer Gemeinschaft getrennt?
Wie auch immer: Fruchtbarkeit ist sicher ein wesentlicher Faktor bei der Erhaltung einer Gemeinschaft - und genau daran mangelt es bekanntlich bei den Evangelischen - in Österreich nicht anders als in Deutschland.
Nichts für Klaustrophobe
Ernst Bloch
O, wie gehässig
Andrea Kdolsky wird der Öffentlichkeit noch lange in Erinnerung bleiben – allerdings mit Auftritten jenseits jeder politischen Ernsthaftigkeit. Immerhin konnte Kdolsky in den knapp eineinhalb Jahren ihrer Amtszeit ein Schweinsbraten-Buch schreiben, fröhlich Czardas tanzen, den Zwergerlgarten und eine begehbare Prostata eröffnen sowie sich öffentlich von ihrem Lebensgefährten trennen und neu verlieben. Doch das war zu wenig – den Parteifreunden reicht es. Kdolsky zog daraus die Konsequenzen, verlässt die Politik – und hinterlässt jede Menge Baustellen.
Zu lesen in der kostenlosen Tageszeitung "Heute" am 22.08.2008
Es rollen die Köpfe, schon vor der Wahl melden sich viele der jetzigen Minister ab. Zugleich ist der kleine Text ein Beispiel für den ausgesprochen gehässigen Ton des österreichischen Boulevard-Journalismus.

