Alle Welt fliegt auf Twitter. Alle? Nein, ein von zwei unbeugsamen Bloggern bevölkertes Blog weigert sich - seitdem Robert Basic es das erste Mal The next big Thing genannt hat (Glückwunsch zum wahnsinnig guten Näschen) - standhaft, an diesem Blödsinn teilzunehmen. Twitter ist der Höhepunkt von Belanglosigkeiten, der Höhepunkt des Seelenstriptease - welcher der Damen und Herren Twitterer will denn noch ernsthaft um die Privatsphäre kämpfen, für den Datenschutz eintreten, wenn er selber weitaus mehr in die Welt bläst, als Schäuble, Bush & Co. jemals wissen wollen? Vorratsdatenspeicherung, Fluggastdaten, Online-Durchsuchung, Rasterfahndung, um nur wenige Schlagworte zu bieten - sie alle sind ein Hühnerschiss gegen das, was man per Twittersuche findet. Der Mensch verliert das Können, zu kommunizieren - wenn er es denn jemals besessen hat. Er verliert die letzte Scheu, man hat ja nichts zu verbergen. Twitter ist belanglos, langweilig und auch gefährlich - der Mensch verlernt sich zu artikulieren, was auf Blogs, in Foren und auf Mailinglisten sowieso schon hart an der Grenze ist - allein die kaum vorhandene Möglichkeit richtige Emotionen zu zeigen, verschärft sich durch den Twitter-Blödsinn und die Beschränktheit auf 140 Zeichen noch einmal. Aber vielleicht gibt es Hoffnung - vielleicht überlebt das Geschäftsmodell Twitter den Twitterhype nicht. Ich hoffe es ganz ehrlich. Zwischen den Gang zur Toilette und dem Morgenkaffee Werbung für Viagra oder das Online-Casino - eine grandiose Vorstellung. Ich bin wirklich kein Mensch von gestern - aber verschlüsselte Kommunikation bietet dann doch weitaus mehr, als dieser Dreck, der jeden Kampf pro Privatsphäre, pro Datenschutz ad absurdum führt. Das Netz stellt sich mal wieder selbst ein Armutszeugnis aus - aber auch das ist ja bekanntlich nichts Neues.
Blogeintrag "Twitter - Der größte Blödsinn aller Zeiten" (vom 15. April 2008)
Die wundersame Notlandung eines Flugzeuges auf dem Hudson River hat zwar nun der Twitterei den Triumph der schnellsten Berichterstattung beschert, aber grundsätzlich ist dem Urteil des oben zitierten Bloggers zuzustimmen. Die Ausweitung der Kommunikationsmöglichkeiten steht heute in einem seltsamen Gegensatz zu dem, was Menschen einander noch mitzuteilen haben. Kommunikation ist ein Wert an sich geworden, auch - oder gerade weil - wenn man sich nichts zu sagen hat.
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