Gestern abend im Großen Saal des Konzerthauses: Das Russische Nationalorchester unter Vladimir Jurowski, auf dem Programm: Rachmaninow ("Die Toteninsel"), Prokofjew (3. Klavierkonzert mit dem jungen Simon Trpceski), Schostakowitsch (6. Sinfonie). Ein großartiges Konzert. Ausverkauftes Haus. Unter all den Besuchern entdeckte ich genau einen, der erkennbar jünger war als fünfundzwanzig: Ein Kind von etwa zehn Jahren in Begleitung seiner Eltern. Der Schulunterricht im Fach Musik ist an den öffentlichen Schulen in Öterreich ebenso mangelhaft wie in Deutschland und führt nicht mehr an das Hören klassischer Musik heran. Natürlich gibt es Ausnahmen wie Musikgymnasien (eines gibt es auch in Wien, unser Organist unterrichtet dort), aber da geht es natürlich in erster Linie um aktive Musikausübung. Der Musikunterricht an den AHS besteht zumindest in der Unterstufe aus Singen zu Playback vom Tonband, Musikgeschichte kommt überhaupt erst in den letzten Schuljahren in den Blick, einen Zugang zu klassischer Musik haben die wenigsten Maturanten. Und wenn es dann auch noch Musik ist, die nicht so eingängig ist wie die der Wiener Klassik, sondern auch noch eine gewisse Höraufgabe stellt - oder gar ein wenig atonal ist -, dann ist das einfach zu viel. Aber noch ist das kulturelle Gewicht der Hochkultur und der E-Musik groß genug, dass Menschen die Konzertsäle füllen - oft gewiss eher aus Pflicht denn aus Neigung.
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