Mittwoch, 15. Juli 2009

Prophetisch

Wir leben in ´ner eiligen, hastigen Zeit,
mit der Uhr in der Hand,
mit der Uhr in der Hand,
der eine, der schiebt heut den andern beiseit,
mit der Uhr in der Hand, mit der Uhr in der Hand.

Wir drängen alle vorwärts, ob Hinz oder Kunz,
sind stets außer uns, und wir kommen nie zu uns,
denn wir werden mit uns ja nur flüchtig bekannt,
mit der Uhr in der Hand.

Der Tag beginnt schon in eiligem Lauf,
mit der Uhr in der Hand, mit der Uhr in der Hand,
der Wecker, der weckt uns, wir stehen schon auf
mit der Uhr in der Hand.

Schnell ziehen wir uns an, und wir schlingen unseren Schmaus,
der ist noch nicht runter, da treten wir aus
und sitzen selbst dort an der hinteren Wand
mit der Uhr in der Hand.

Wir turnen, wir trainieren, zum Masseur gehen wir hin,
mit der Uhr in der Hand, mit der Uhr in der Hand,
mal sind wir zu dick, mal sind wir zu dünn,
mit der Uhr in der Hand, mit der Uhr in der Hand.

Wir gehn nie, sind auf dem Laufenden stets,
wenn wir mal wen treffen, dann fragen wir: Wie gehts?
Und eh der es uns sagt, sind wir weiter gerannt,
mit der Uhr in der Hand, mit der Uhr in der Hand.

Wir fahren in die Ferien und sitzen am Strand,
mit der Uhr in der Hand, mit der Uhr in der Hand,
erwarten die Post, den geschäftlichen Stand,
mit der Uhr in der Hand, mit der Uhr in der Hand.

Ein Buch mal zu lesen, das wär ein Genuß -
wir lesen den Anfang und schauen nach dem Schluß,
durchblättern den Goethe, druchfliegen den Kant,
mit er Uhr in der Hand, mit der Uhr in der Hand.

Wir machen eine Reise im Automobil,
mit der Uhr in der Hand, mit der Uhr in der Hand,
wir reisen nicht mehr, wir rasen zum Ziel,
mit der Uhr in der Hand, mit der Uhr in der Hand.

Fragt man uns; die Gegend, die war wohl sehr schön.
Dann sagen wir ja und wir haben nichts gesehen,
denn wir fuhren bloß vorbei ohne Sinn und Verstand,
mit der Uhr in der Hand, mit der Uhr in der Hand.

Die Liebe, die Ehe betreiben wir als Sport,
mit der Uhr in der Hand, mit der Uhr in der Hand,
wir finden uns, verbinden uns und -pflanzen uns fort,
mit der Uhr in der Hand, mit der Uhr in der Hand.

Will sie ihn mal küssen, dann stellt er sich froh-
und denkt sich: Nun mach schon, ich muß ins Büro-
Und er drückt sie ans Herz und küßt sie galant,
mit der Uhr in der Hand, mit der Uhr in der Hand.

So eilen wir durchs Leben ohne Freud und Pläsier,
mit der Uhr in der Hand, mit der Uhr in der Hand,
da, plötzlich steht einer, ist mächtiger als wir,
mit der Uhr in der Hand, mit der Uhr in der Hand.

Der sagt: Du brauchst nicht auf die Uhr mehr zu sehn,
denn meine geht weiter und deine bleibt stehn
und er winkt uns hinüber ins andere Land,
mit der Uhr in der Hand, mit der Uhr in der Hand.


Otto Reutter

Dienstag, 14. Juli 2009

Ein Hauch von Weltmusik

Straßenmusikant in Floridsdorf.

Warum Stachelschweine?

Am vergangenen Mittwoch ging ich kurz entschlossen mit einer Freundin in den Tierpark hier in Greifswald. Er zieht sich rund um einen kleinen Tümpel. Und ich liebe Wasser. Es war einfach genial dort spazieren zu gehen. Die Tiere waren genial.

Als wir bei den Stachelschweinen ankamen, stellte ich mir allerdings die Frage: Was hat Gott sich dabei gedacht? Hatte er keinen Zahnstocher dabei und dachte dann - "Naja mache ich mal ein Tier mit Stacheln, dann kann mir das nicht mehr passieren."

Natürlich nicht. Aber es war irgendwie schon cool mit diesem Gedanken dort durch zu laufen, warum es nun welches Tier geben könnte. klar fand ich keine Antwort darauf. Schließlich finde ich ja auch keine Antwort auf die Frage, warum nun ich so bin, wie ich eben bin. Nur, dass Gott sich mit Sicherheit etwas dabei gedacht haben muss.

Schnelle Füße, rascher Mut

Ehrfürchtige Annäherung an das Geheimnis der Beziehung zwischen Körper und Seele

Wenn ich mal irgendwas an Wehwehchen hatte, und meine Frau oder ein Freund sagte, ich solle doch mal zum Arzt gehen, gab es von mir immer diese halb im Ernst, halb im Spaß gemeinten Antworten wie "Was von alleine kommt, geht auch von allein wieder weg" oder "Ärzte sind für Frauen und Kinder da". Wobei ich letztere Antwort immer noch etwas dadurch entschärfte, dass dies ein Zitat meines Vaters sei, um vom eigenen Macho-Gehabe, welches dieser Satz impliziert, abzulenken.

Natürlich hat auch dieses Buch nicht dazu beigetragen, meine ungesunde Einstellung zu ändern, was ich aber mit dieser kleinen Vorrede sagen will, ist, dass ich jemand bin, der bei Psycho-Diagnose, Reformkost, Südost-Japanischen-Heil-Minz-Ölen und Ringel-Bach-Blüten-Rezepten als Skeptiker in der ersten Reihe steht. Gleichzeitig aber kannte und akzeptierte ich, zähneknirschend, diese Statistiken, bei denen Placebos nachweislich wirken und selbstbewusste, in der Hierarchie oben stehende Menschen (wäre wahrscheinlich gerne selbst so einer) seltener krank werden. Ohne dass es mir bewusst war, stellte ich mir also schon immer die Frage, ob es da irgendwas gibt zwischen Voodoo und Skalpell, was sich auch mit dem gesunden Menschenverstand erklären lässt und auch von einem Skeptiker wie mir wohlwollend akzeptiert werden kann.

Zwischen Ärztestreik und Gesundheitsreform fiel mir dann dieses Buch in die Hände und so wollte ich als zwar politisch interessierter, gebildeter und privatversicherter Mensch aber medizinischer Verweigerer mein Allgemeinwissen mit diesem gesellschaftlich Akut-Hype als Anlass erweitern.

Bernd Hontschik gibt in "Körper, Seele, Mensch" Antworten auf die Frage, was es denn da gibt zwischen Körper und Seele. Keine Pauschal-Phrasen, wie ich sie vielleicht gern hätte, aber das ist auch gut so. Was es zwischen Körper und Seele gibt, ist nicht fassbar und Hontschik widmet sich diesem Thema mit der angemessenen Erfurcht. Er spricht von individuellen und gemeinsamen Wirklichkeiten, von Bedeutungserteilung und geknechteten Emotionen, von Placebo-Chirugie und der Droge Arzt.

Während ich das hier schreibe, kommen mir diese Begriffe wieder mächtig esoterisch vor, sind sie aber nicht, nicht bei Hontschik.

Deshalb: Lieber das Buch lesen, als diese Rezension.

Amazon-Kundenrezension von Novonda

Schumanngasse

Montag, 13. Juli 2009

Kaffeesatzlesen

Eine Möglichkeit, mit der Wahrsager die Zukunft voraussagen wollen, ist das Lesen im Kaffeesatz, auch Kaffeedomantie genannt. Dabei wird vor allem in Kaffeesatz, der sich bei Mokka Zubereitungen bildet -gelesen-. Es gibt zwei Methoden, dies durchzuführen. Eine Möglichkeit ist die folgende: Die Person, deren Zukunft erforscht werden soll, muss mit dem ihrem Finger den nassen Kaffeesatz umrühren. Während es Trocknen des Satzes bilden sich verschiedene Muster.
Aus diesen Mustern schließt der Wahrsager Rückschlüsse auf die Zukunft der Person.

Die zweite Methode ist auch weit verbreitet. Bei dieser Methode wird der getrocknete Kaffeesatz gewaschen und dann werden die Körnchen genommen und von der Person, die ihre Zukunft gedeutet haben möchte, auf einem flachen Teller gelegt. Diese werden danach so lange verteilt, bis die gesamte Fläche des Tellers bedeckt ist. Die dabei entstehenden Figuren werden danach gedeutet.

Über die Entstehung dieser Methode die Zukunft zu deuten gibt es viele Mythen. Wahrscheinlich geht das Lesen des Kaffeesatzes auf das Ende des 17. Jahrhunderts zurück.

Der Wahrsager Thomas Tamponelli erwähnte diese Methode das erste Mal. Vor allem in südeuropäischen Ländern ist diese Art der Zukunftsdeutung ein beliebter Vertreib in der Freizeit. Nachgewiesen wurde die Wirksamkeit nie.

Das mag vor allem daran liegen, weil sich noch kein Wissenschaftler damit befasst hat aber auch daran, dass niemand wirklich daran glaubt.

www.premiumpresse.de

Die U-Bahn kommt

Humorvoll

Glückliche Rettung

Die Liebe fiel ins Grübchen am Kinn
Und war unendlich erschrocken.
Sie langte mit entschlossenem Sinn
Nach einer der flatternden Locken
Und zog sich mit Geschicke
Heraus am artigen Stricke,
Sonst läge sie, glaub' ich, noch darin.

Friedrich Rückert (1788-1866)

Sie mögen sich, die beiden Katzen